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Logans Run Flucht ins 23. Jahrhundert (USA, 1976)
- Logan's Run -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Michael Anderson

Hauptdarsteller:
Michael York (Logan 5)
Richard Jordan (Francis 7)
Jenny Agutter (Jessica 6)
Peter Ustinov (Alter Mann)
Roscoe Lee Browne (Box)




Inhalt:

Kriege, Überbevölkerung und Umweltverschmutzung haben die Menschen dazu gezwungen, sich in eine gigantische überkuppelte Stadt zurückzuziehen, die ein in sich geschlossenes, perfekt ausbalanciertes Ökosystem bildet. Im 23. Jahrhundert - innerhalb der Stadt schreibt man das Jahr 2274 - haben die Menschen vergessen, dass es irgend etwas außerhalb der Kuppeln gibt. Sie leben nur für ihr Vergnügen und sorgenfrei, denn die gesamte Stadt wird von automatischen Systemen gesteuert. Doch die Menschen zahlen abgesehen von der Unwissenheit und Einfalt, in der sie gehalten werden, einen hohen Preis für dieses scheinbar paradiesische Leben. Damit das Ökosystem der Stadt funktioniert, muss die Anzahl der Menschen immer gleich bleiben. Kinder werden deshalb in Brutkammern gezeugt, niemand kennt seine Eltern. Außerdem ist die Lebensspanne jedes Menschen auf 30 Jahre begrenzt. Wie viele Jahre ihm noch bleiben, wird durch einen leuchtenden Kristall angezeigt, der in die linke Handfläche eingesetzt ist. Wird diese Lebensuhr schwarz, dann muss ihr Träger an einem Erneuerungs-Ritual teilnehmen, das "Karussell" genannt wird und angeblich zur Wiedergeburt führt. Wer sich diesem Ritual entzieht, wird zu einem "Läufer". Die Läufer werden von den so genannten "Sandmännern" gejagt und "terminiert".

Logan 5 ist ein Sandmann. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Francis 7 macht er sich einen Spaß daraus, Läufer zu verfolgen und zur Strecke zu bringen. Eines Tages begegnet er Jessica 6. Die junge Frau weckt sein Interesse, weil sie sich ihm entzieht, was bei den promiskuitiven Lebensgewohnheiten der Stadtbevölkerung recht ungewöhnlich ist. Als Logan dem Zentralcomputer einige Habseligkeiten des zuletzt "terminierten" Läufers übergibt, wird er auf einen Anhänger in Form eines Ankh-Symbols aufmerksam gemacht. Dem Computer sind dieses Symbol und das Codewort "Sanctuary" (Zuflucht) bekannt. In den vergangenen Jahren ist es zahlreichen Läufern gelungen, sich den Sandmännern zu entziehen. Es wird vermutet, dass sie einen geschützten Ort erreicht haben, wo sie vor den Sandmännern sicher sind. Logan erhält den Auftrag, diesen Ort zu finden. Weil ein Sandmann sich niemals Zutritt zum Untergrund verschaffen könnte, wird seine Lebensuhr verändert, so dass sie zu blinken beginnt. Logan wird auf diese Weise selbst zu einem Läufer, zumal ihm klar ist, dass das Erneuerungs-Ritual nur der Täuschung der Menschen dient: Es gibt keine Wiedergeburt; im Karussell gibt es nur den Tod.

Logan nimmt erneut Kontakt mit Jessica auf, denn er erinnert sich daran, dass auch sie ein Ankh-Symbol trägt. Sie soll ihm helfen, die Zuflucht zu finden. Tatsächlich hat sie Kontakt zu einer Untergrundbewegung, aber ihre dortigen Freunde misstrauen Logan und wollen ihn in eine Falle locken, wobei Jessica ihnen helfen soll. Sie wird jedoch von seiner Ehrlichkeit überzeugt, als er eine Läuferin verschont. Dies wird allerdings auch von Francis beobachtet. Logan und Jessica erreichen einen geheimen Treffpunkt der Läufer. Dort aktiviert Logan seinen Peilsender, so dass die Sandmänner angreifen können. Da auch er selbst beschossen wird, flieht er gemeinsam mit Jessica, die sich in ihn verliebt hat. Sie durchqueren die labyrinthischen Versorgungsebenen der Stadt, in der schon lange kein Mensch mehr tätig ist. Francis folgt ihnen auf den Fersen. Bevor die beiden Flüchtlinge die Stadt verlassen können, müssen sie dem biomechanischen Roboter Box entkommen, der in der Anfangszeit der Stadt für die Konservierung von Lebensmittellieferungen zuständig war, und der, seit diese Lieferungen ausgeblieben sind, alle Läufer eingefroren hat, die sein Reich auf der Suche nach der legendären Zuflucht betreten haben.

Der erste Anblick, der sich Logan und Jessica in der unbekannten Außenwelt bietet, ist die aufgehende Sonne. Sie wissen zwar nicht, was das ist, genießen aber die Wärme. In einer ausgedehnten Wildnis aus wucherndem Buschwerk und Sümpfen finden die beiden eine große Stadt (ohne Kuppel), die allerdings verlassen zu sein scheint und fast vollständig von der Vegetation verschluckt worden ist. Sie begegnen den einzigen Bewohnern dieser Stadt: Einem alten Mann und zahlreichen Katzen. Auch der alte Mann, dessen Anblick für Logan und Jessica etwas völlig Neues ist, weiß nichts über die Vergangenheit. Seit dem Tod seiner Eltern lebt er allein. Da erscheint Francis und greift Logan an, doch Logan obsiegt und tötet seinen einstigen Freund. Dann beschließt er, in die Stadt zurückzukehren, um den Menschen die Wahrheit zu sagen: Niemand muss an seinem 30. Geburtstag sterben, aber auch die Zuflucht ist nur ein Mythos. Den alten Mann nehmen Logan und Jessica mit, er muss allerdings vor der Kuppel warten. Niemand in der Stadt will ihnen glauben, sie werden verhaftet. Als Logan vom Computer verhört wird, wird die Maschine durch die Informationen über die Außenwelt irritiert. Logan kann sich befreien. Es kommt zu Kämpfen, die Computersysteme explodieren, Chaos bricht in der Stadt aus. Als die Menschen nach draußen fliehen, sehen sie den alten Mann und erkennen, dass Logans Worte wahr sind...

Der Film:

Dies ist wieder mal ein Film, den ich nicht objektiv bewerten kann, weil er einer der ersten SF-Filme ist, die ich je gesehen habe, und weil der kleine Kringel damals geradezu fasziniert war von dieser komplett automatisierten Stadt mit ihren vermutlich seit Jahrhunderten sich selbst überlassenen Anlagen, ihren labyrinthischen Versorgungsschächten mit trüben Wasserbassins, in denen sich große schattenhafte Tiere bewegen, ihrem anscheinend allmächtigen Zentralcomputer und so weiter. Ebenso fasziniert war ich natürlich vom Konzept einer postapokalyptischen Welt und dem vordergründig idyllischen (und für einen pubertierenden Jungen natürlich hochinteressanten), freizügigen Leben in einer Stadt, die wie ein selbstregulierender Organismus funktioniert. Box, den wahnsinnigen Androiden, fand ich ziemlich furchteinflößend. Seinerzeit wusste ich ja noch nicht, dass all diese Ideen keineswegs neu waren, und dass es schon zahlreiche Romane mit ganz ähnlichen Szenarien gab. Inzwischen ist der Zauber weitgehend verflogen, trotzdem zähle ich "Logan's Run" (den ziemlich bescheuerten deutschen Titel verwende ich nie) immer noch zu meinen absoluten Kultfilmen. Warum das so ist, kann ich nicht erklären. Es liegt wohl zum Teil daran, dass der Film zu einem Stück nostalgisch verklärter Vergangenheit gehört.

Solltet ihr nicht zu meiner Generation gehören und euch den Film jetzt erstmals anschauen, dann werdet ihr euch wahrscheinlich fragen, was daran eigentlich so toll sein soll. Vor allem dann, wenn man ihn mit Filmen wie Star Wars vergleicht - ein Vergleich, der auf allen Beinen hinkt, denn wenn "Star Wars" ein Weltraum-Märchen ist, dann ist "Logans Run" eine dystopische Parabel und enthält deshalb sogar mehr "echte" Science Fiction als Luke Skywalkers Abenteuer. Die Spezialeffekte, insbesondere die Gesamtansichten der Kuppelstadt, sind aus heutiger Sicht ziemlich lächerlich. Sie wirken im Grunde wie eine zu groß geratene Modelleisenbahn-Anlage, d.h. es ist allzu offensichtlich, dass da mit Miniaturen und Matte-Paintings gearbeitet wurde. Box schwankt und wackelt ziemlich unbeholfen herum; eigentlich ist es ein Wunder, dass dieser langsame Kerl es überhaupt schaffen konnte, auch nur einen einzigen Läufer einzufrieren. Die Innenräume sind dagegen auch heute noch beeindruckend und wirken sehr überzeugend, auch wenn es sich wahrscheinlich einfach nur um so etwas wie ein Einkaufszentrum, Turbinenräume und dergleichen handelt. Richtig klasse finde ich das im Sumpf versinkende Washington.

Aber um die Effekte geht es eigentlich nicht, sondern um Aussage und Atmosphäre. Und diesbezüglich verfehlt der Film seine Wirkung nicht. Der Film warnt vor dem Verlust der Menschlichkeit in einer übertechnisierten, nur auf die Befriedigung oberflächlicher Bedürfnisse fixierten Welt, die sich vor allem Fremden abschottet. Ich muss aber zugeben, dass es so manchen Logik-Bug gibt. Zum Beispiel kann man sich fragen, warum Jessica ihr Ankh-Symbol so offen trägt. Der Film suggeriert eine totale Überwachung innerhalb der Stadt. Und da müsste dieses Symbol, das dem Zentralcomputer ja bekannt ist, längst aufgefallen sein. Auch kommt mir Logans Wandlung etwas zu schnell. Zunächst verrät er das Versteck der Läufer, da er anscheinend immer noch hofft, dass seine Lebensuhr wieder "zurückgestellt" wird, wenn er seinen Auftrag erfüllt. Deshalb, so könnte man denken, sucht er auch danach noch nach der Zuflucht. Aber dann wird er sogar plötzlich zu einer Art Missionar, der das ganze System der Stadt in Frage stellt. Es ist auch unklar, wie der alte Mann in all den Jahren allein überleben konnte.

Egal: "Logan's Run" ist Science Fiction jenseits der ansonsten üblichen Weltraum- oder Superhelden-Action und allein deshalb schon sehenswert.

Die DVD:

Leider gibt es an der DVD einiges auszusetzen. Zunächst mal enthält sie keinerlei Bonusmaterial (okay, sie ist dafür auch nicht teuer). Wenn man ein wenig im Internet recherchiert, findet man Hinweise auf nicht verwendete Szenen. Das entsprechende Filmmaterial scheint zwar nicht mehr zu existieren, aber es gibt zumindest einzelne Szenenfotos. Die hätte man, zusammen mit einer kurzen Inhaltsangabe, durchaus als Bonusmaterial auf die DVD packen können. Außerdem gab es eine ganze Reihe von Merchandising-Produkten zum Film. Ein paar Infos darüber wären vielleicht auch nicht schlecht gewesen. Selbst über ein paar Produktionsnotizen in Form von Texttafeln hätte ich mich gefreut.

Noch unschöner finde ich, dass Bild- und Tonqualität ungefähr dem entsprechen, was man von den TV-Ausstrahlungen des Films kennt. Man hätte sich ruhig die Mühe machen können, diesen Kultklassiker digital aufzupolieren. Statt dessen darf der Kunde sich über teilweise ziemlich dumpfen Ton und matte Farben ärgern. Wenn man mal davon ausgeht, dass sowieso hauptsächlich Fans diese DVD kaufen werden, dann kann man vermutlich auch annehmen, dass diese Fans bereit gewesen wären, mehr Geld für eine besser ausgestattete DVD auszugeben.

J. Kreis, 19.07.2007
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