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I am Legend I am Legend - Special Edition (USA, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 96 Minuten (Kinoversion), 100 Minuten (alternative Version)

Extras
Animierte Comics, "Eine lehrreiche Geschichte: Die Wissenschaft von I am Legend", "Die Entstehung von I am Legend", Comic

Regie:
Francis Lawrence

Hauptdarsteller:
Will Smith (Dr. Robert Neville)
Alice Braga (Anna Montez)
Charlie Tahan (Ethan)




Inhalt:

Im Jahre 2009 entwickelt Dr. Alice Krippin ein genetisch verändertes Virus, mit dem Krebs geheilt werden kann. Der Segen wird jedoch schnell zum Fluch, denn das Virus mutiert, breitet sich rasend schnell aus und tötet innerhalb kürzester Zeit 90% aller Menschen. Nur wenige sind völlig immun gegen das Virus, auch bestimmte Tierarten können erkranken. Die meisten Überlebenden werden vom Virus körperlich verändert und entwickeln sich zu monströsen Geschöpfen, die einige Symptome von Vampirismus zeigen: Ultraviolettes Licht tötet sie, Knoblauchgeruch stößt sie ab, sie gieren nach Blut und sind extrem stark, haben aber keine menschlichen Emotionen und sind kaum mehr als instinktgesteuerte, tollwütige Tiere. Das jedenfalls glaubt Dr. Robert Neville, ein Virologe der US Army, der seinerzeit nach einem Gegenmittel gesucht hatte. Neville ist immun, hat aber in den Wirren der Evakuierung Manhattans Frau und Kind verloren. Im Jahre 2012 ist er der einzige Überlebende in New York, vielleicht sogar der letzte Mensch auf Erden, denn die Infizierten haben von Beginn an Jagd auf die Immunen gemacht. Deshalb lebt auch Neville in ständiger Gefahr. Tagsüber frischt er seine Vorräte auf, außerdem sucht er nach Verstecken der Infizierten. Sobald es dunkel wird, muss er in seine zur Festung umgebaute Wohnung zurückkehren, weil dann Massen von Infizierten durch die Stadt streifen. Nevilles einziger Gefährte ist die Schäferhündin Samantha (Sam), und die Einsamkeit macht ihm schwer zu schaffen. Sein endlos wiederholter Funkspruch, den er über alle Frequenzen aussendet, ist bisher unbeantwortet geblieben.

Trotz allem bleibt Neville in New York City, denn er hat seine Forschungen nicht aufgegeben. Er weiß, dass es möglich sein muss, ein Heilmittel aus seinem Blut herzustellen. Bisher waren aber alle Experimente mit erkrankten Ratten und gefangenen Infizierten vergeblich - kein Proband hat die Behandlung überlebt. Eines Tages zeigt eine der Ratten positive Reaktionen auf das neueste Serum. Neville stellt deshalb einer Infizierten eine Falle, bringt sie in sein Labor und verabreicht ihr das Mittel. Es scheint aber wirkungslos zu sein. Neville ist beunruhigt über die Reaktion eines anderen Infizierten, der fast sein Versteck verlassen und sich dem für ihn tödlichen Tageslicht ausgesetzt hätte, um Neville und die Frau zu verfolgen. Wenig später gerät Neville selbst in eine Falle, die seiner eigenen verblüffend ähnelt. Er wird von infizierten Hunden und jenem Mann angegriffen, der sich fast ins Sonnenlicht hinausgewagt hätte. Neville muss seine Ansicht über die Infizierten revidieren: Offenbar sind sie doch noch zu planvollem Handeln fähig. Neville kann zwar fliehen, aber Sam wird von den infizierten Hunden gebissen und verwandelt sich allmählich selbst in einen Mutanten. Neville ist gezwungen, sie umzubringen. Da nun alle Hoffnung verloren ist, wird Neville von Verzweiflung übermannt. In der Nacht stellt er sich den Infizierten zum Kampf und droht getötet zu werden.

Da erscheint Anna Montez, eine ebenfalls immune junge Frau, und rettet Neville. Sie war seinem Funkspruch gefolgt. Bevor Neville endgültig das Bewusstsein verliert, verrät er ihr seine Adresse. Als er am nächsten Morgen wieder zu sich kommt, hat Anna seine Wunden versorgt und sich mit dem kleinen Ethan bei ihm einquartiert. Es dauert eine Weile, bis das gegenseitige Misstrauen beseitigt ist. Außerdem hat Neville fast schon verlernt, wie man mit Menschen umgeht. Anna ist fest davon überzeugt, dass es noch mehr immune Überlebende geben muss, sie glaubt an die Existenz eines sicheren Camps in Vermont. Neville ist aber nach wie vor nicht bereit, New York zu verlassen. Er hält Annas Überzeugungen für Hirngespinste. In der Nacht greifen die Infizierten an und überrennen das Haus; es ist ihnen gelungen, Nevilles Spur zu folgen. Ihr Anführer ist Nevilles "alter Bekannter". Die drei Menschen müssen ins besonders abgesicherte Labor fliehen, wo Neville feststellt, dass seine Gefangene jetzt doch eine deutliche Besserung zeigt: Das Serum wirkt. Da stürmen die Infizierten das Labor.

Ende der Kinoversion: Um Anna und Ethan die Flucht zu ermöglichen, opfert Neville sich, indem er inmitten seiner Gegner einige Handgranaten zündet. Zuvor übergibt er Anna eine Probe des Heilmittels. Anna und der kleine Junge können fliehen und erreichen nach einiger Zeit tatsächlich ein großes, militärisch gesichertes Lager, in dem zahlreiche nicht erkrankte Menschen leben. Neville ist zwar tot, aber mit seinem Vermächtnis wird es vielleicht möglich sein, die Menschheit zu retten.

Ende der alternativen DVD-Version: Neville erkennt, dass es dem Anführer der Infizierten nur darum geht, die inzwischen geheilte Versuchsperson zu befreien - die Wesen, die Neville für Ungeheuer gehalten hat, lieben einander! Also haben die Infizierten durchaus noch menschliche Gefühle. Neville injiziert der Frau ein anderes Serum, so dass sie wieder in ihren früheren Zustand zurückfällt, dann lässt er sie gehen. Der Anführer hält im Gegenzug seine Gefolgsleute davon ab, die drei Menschen zu töten, und zieht ab. Da sein Haus zerstört ist, hält Neville nun nichts mehr in New York. Er begleitet Anna und Ethan auf ihrer Suche nach anderen Immunen.

Der Film:

Es ist schon erstaunlich, wie sehr die Abwandlung weniger Szenen einen ganzen Film verändern kann! Die auf dieser DVD vorhandene alternative Version hat ein von der Kinoversion abweichendes Ende - und das wertet den Film so sehr auf, dass ich mich frage, warum man diese Version nicht gleich in die Kinos gebracht hat. Aber der Reihe nach!

Dies ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Richard Matheson. Es gab in den Sechzigern schon einmal einen Film mit Vincent Price, außerdem den Film Der Omega Mann mit Charlton Heston. Sowohl letzterer als auch die jetzige Neuverfilmung enthalten zwar wesentliche Elemente aus dem Roman, andere bleiben aber außen vor. Vor allem wird ausgeklammert, was ich als besonderen Clou betrachte: Im Roman sind die Infizierten tatsächlich Vampire, aber es gibt streng wissenschaftliche Erklärungen für praktisch alle nur scheinbar übernatürlichen Aspekte des Vampirismus. Auf die vielen anderen Abweichungen muss man nicht näher eingehen, denn das sind nur Details. Zwei Dinge sind aber (abgesehen von der Vampirismus-Sache) sehr wichtig. Erstens: Im Roman sucht Neville nach Vampiren, um sie pfählen und damit vernichten zu können. Zweitens: Viele Vampire sind vernunftbegabt und haben eine neue Gesellschaft aufgebaut. Für sie ist Neville, der Pfähler, das legendäre Monster, das ausgemerzt werden muss - so wie es die Vampire früher für die Menschen waren. Die Infizierten wollen gar nicht geheilt werden, denn für sie ist der neue Zustand normal. Der erste Aspekt kommt allenfalls in "Der Omega Mann" andeutungsweise zum Tragen (dort findet Neville die Verstecke der Infizierten aber nicht). In "I am Legend" sucht und findet Neville die Verstecke zwar, aber er will die Infizierten nicht töten. Er braucht nur neue Testpersonen, um sie eines Tages heilen zu können. Der zweite Aspekt wird in beiden Filmen komplett ignoriert. Tja, und damit komme ich zum obigen Einleitungssatz zurück: Dass der zweite Aspekt in den Filmen nicht vorkommt, gilt nur für die Kinoversion von "I am Legend", die alternative DVD-Version geht darauf wenigstens ein bisschen ein. Aber fangen wir auch hier wieder beim Anfang an.

Die erste Hälfte von "I am Legend" ist einfach klasse, sie gehört zum Besten, was in den letzten Jahren im Kino zu sehen war und enthält einige unvergessliche Szenen. Besonders erfreulich finde ich die Langsamkeit, mit der das Szenario eingeführt wird. Dem Zuschauer werden nicht gleich irgendwelche Actionszenen um die Ohren geschlagen, stattdessen werden geradezu unglaublich überzeugende und beklemmende Bilder einer menschenleeren Großstadt gezeigt, die bereits von der Natur zurückerobert wird. In der Stille hört man nichts außer dem Wind und Vogelstimmen - keine Spur mehr von der lauten Geschäftigkeit, die in einer solchen Umgebung selbstverständlich ist. Die Stille wird durchbrochen, als Neville mit einem Shelby Mustang auf rasante Hirschjagd geht. Über den Sinn dieser Aktion lässt sich streiten (vielleicht ist es eine Hommage an die Eröffnungszene von "Der Omega Mann"), aber diese Szenen machen deutlich, dass Neville schon jahrelang tagein tagaus immer das Gleiche getan hat, so dass er die Straßenzüge ganz genau kennt. Außerdem kennt auch der Zuschauer nach dieser kleinen Rundfahrt den Ort des Geschehens. In reduziertem Tempo geht es dann zunächst weiter, und das ist gut so. Man erlebt Nevilles tägliche Routine, man versteht seine Einsamkeit, und nach einzelnen gut in die Handlung integrierten Erinnerungsfetzen an die Zeit des Virus-Ausbruchs versteht man auch seine Motivation, in New York zu bleiben und nach einem Heilmittel zu suchen. Will Smith zeigt in diesem Film, dass er viel mehr kann als Stunts selbst zu machen und Witze zu reißen. Man nimmt ihm den einsamen "Omegamann" jederzeit ab, ebenso wie seine Verzweiflung bei Sams Tod. Gemeinheit übrigens, dass der Hund sterben muss.

Mit dem Auftritt der Infizierten kommt dann leider ein weniger glaubwürdiges Element hinzu. Man hat sich für komplett computergenerierte Kreaturen entscheiden, und die leiden dummerweise unter den gleichen Schwächen, die es diesbezüglich schon immer gegeben hat. Man sieht viel zu deutlich, dass diese Wesen nur aus Pixeln bestehen, und sie bewegen sich nicht natürlich genug. Sie sind deshalb einfach nicht so furchteinflößend, wie sie es nötig hätten, um als Bedrohung zu "funktionieren". In der Kinoversion ergibt der ganze Handlungsstrang rund um das "Alphamännchen" der Infizierten zunächst keinen Sinn. Die Infizierten sind hier nichts weiter als Bösewichte, die es zu beseitigen gilt. Spätestens ab dem Moment, als Anna und Ethan erscheinen, hat man dann das Gefühl, plötzlich in einen völlig anderen Film geraten zu sein. Von einem "Happy End" kann man zwar nicht sprechen (Neville stirbt), dennoch geht die Kinoversion viel zu optimistisch zu Ende. Neville hat sich geirrt; es gibt sehr wohl noch viele Überlebende, und selbstverständlich flattert über dem Camp die US-amerikanische Flagge. Die auf DVD vorliegende alternative Schnittfassung macht hier vieles besser. Im Verlauf des Films wird schon klar, dass die Infizierten sich offenbar weiterentwickelt haben. Dann das alternative Ende (siehe Zusammenfassung oben): Das "Alphamännchen" schmiert eine Art Schmetterling auf die Scheibe im Labor - Neville hatte zuvor gesehen, dass seine Testperson ein Schmetterlings-Tattoo hat. Nun kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die Infizierten keinesfalls gefühllose Tiere sein können. Neville muss sich nun klarmachen, dass er eigentlich Morde begangen hat, als er seine früheren "Testexemplare" getötet hat. Außerdem fahren Neville, Anna und Ethan am Schluss ins Ungewisse, d.h. es wird nicht gezeigt, ob es das von Anna erhoffte Camp tatsächlich gibt oder nicht.

Natürlich weicht auch dieses Ende noch deutlich von der Romanvorlage ab. Im Roman ist die Frau, der Neville begegnet, eine Art Undercover-Agentin der Vampire, und es gibt tatsächlich keine Menschen mehr außer ihm. Das dystopische Ende des Romans wurde immer noch nicht umgesetzt. Das ist zwar ein nicht unerheblicher Mangel, aber wenigstens hat die Rolle des "Alphamännchens" in der alternativen Schnittfassung erheblich mehr Sinn, und der Film wird nicht durch das unpassende Ende der Kinoversion entwertet. Das Ganze wird somit viel homogener und besser. Im Grunde handelt es sich um einen ganz anderen Film, um "ernsthafte" SF im Stil der Siebziger und frühen Achtziger. Mit dieser Version kann man trotz der Abweichungen vom Roman jedenfalls rundum zufrieden sein, wenn man es schafft, über die suboptimalen CGI-Kreaturen hinwegzusehen.

Die DVD:

Leider hat man sich nicht die Mühe gemacht, beide Schnittversionen des Films per Seamless Branching auf eine DVD zu bringen, deshalb verbraucht jeweils eine Version ziemlich viel Platz auf je einer DVD. Somit bleibt nicht viel Platz für Bonusmaterial übrig. Die alternative Version liegt auf DVD übrigens nur in englischer Sprache vor. Der schicken Pappbox liegt zwar kein Booklet bei, dafür aber ein Heft mit Comic-Storys, die thematisch in der Welt von "I am Legend" angesiedelt sind. Drei dieser Geschichten findet man in animierter Form auf der ersten DVD wieder, hinzu kommt eine zusätzliche Geschichte, die im Heft nicht enthalten ist ("Die Zuflucht"). Diese animierten Comics sind durchaus sehenswert, sie laufen ca. 22 Minuten lang.

Auf der zweiten DVD liegen auch nur zwei Extrabeiträge vor. "Eine lehrreiche Geschichte: Die Wissenschaft von I am Legend" ist ein ca. 20-minütiger Beitrag, in dem verschiedene Wissenschaftler ein paar Informationen über Viren, Epidemien, Pandemien usw. vermitteln. Nichts neues, aber doch recht interessant. Ca. 49 Minuten lang läuft "Die Entstehung von I am Legend". Hier wird vor allem gezeigt, wie das Produktionsteam es bewerkstelligt hat, New York City leer zu kriegen. Entgegen meiner ursprünglichen Vermutung sind die Szenen in der menschenleeren Stadt nämlich nicht vorwiegend am Computer entstanden. Tatsächlich wurden ganze Straßenzüge abgesperrt, damit dort gedreht werden konnte. Für die Darstellung der Evakuierung Manhattans wurden sogar Nationalgardisten angeheuert. Es wird aber auch noch auf andere Einzelheiten des Produktionsprozesses eingegangen, zum Beispiel auf das Training der Hunde. Es sind auch kurze, aber wohl aktuelle Interviewschnipsel mit dem greisen Richard Matheson vorhanden.

J. Kreis, 12.06.2008


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