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Labyrinth Die Reise ins Labyrinth - Special Edition (USA, 1986)
- Labyrinth -

DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 97 Minuten

Extras
Making Of: "Into the Labyrinth", Bildergalerie, Storyboards, Trailer, Filmografien (Texttafeln)

Regie:
Jim Henson

Hauptdarsteller:
Jennifer Connelly (Sarah)
David Bowie (Jareth)




Inhalt:

Die junge Sarah fühlt sich von ihren Eltern unverstanden und flieht gern in phantastische Traumwelten. Eines Abends muss sie wieder einmal auf ihren kleinen Bruder Toby aufpassen, während ihre Eltern ausgehen. Irgendwann ist sie so genervt vom ununterbrochenen Geplärr des Babys, dass sie sich wünscht, die Kobolde mögen kommen und Toby holen. Dummerweise gibt es die Kobolde wirklich, und sie haben nur darauf gewartet, dass Sarah diesen Wunsch laut ausspricht. Jareth, der König der Kobolde, nimmt Toby mit sich in das von einem gewaltigen Labyrinth umgebene Koboldschloss. Sarahs flehende Bitten kümmern ihn zwar nicht, aber er gibt ihr 13 Stunden Zeit, in denen sie das Schloss erreichen muss. Sollte sie es schaffen, will er Toby freilassen - andernfalls wird das Baby in einen Kobold verwandelt und muss für immer bei Jareth bleiben.

Sarah betritt das Labyrinth frohen Mutes, denn das Schloss scheint gar nicht so weit entfernt zu sein. Sie muss aber schnell feststellen, dass sie es nicht mit einem normalen Irrgarten zu tun hat. Das Labyrinth ist gespickt mit Fallen, Rätseln, versteckten Durchgängen und anderen Gefahren. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, und manche Teile des Labyrinths verändern sich ständig. Außerdem muss Sarah mit den eigenartigen Bewohnern des Labyrinths zurechtkommen, und nicht alle sind so freundlich wie der gnomenhafte Hoggle, der sie zum Eingang führt und ihr auch im Inneren weiterhilft. In dem monströsen (aber sanftmütigen) Ludo, dessen Geheul buchstäblich Berge versetzen kann und den sie vor zudringlichen Kobolden rettet, findet sie einen wertvollen Helfer. Als Ludo den hundeähnlichen, furchtlosen Sir Didymus im fairen Zweikampf bezwingt, schließt auch dieser sich ihr an. Durch ihre Klugheit und Entschlossenheit gelingt es Sarah, immer tiefer in das Labyrinth einzudringen.

Hoggle spielt ein doppeltes Spiel, obwohl er sich selbst dafür hasst, denn Sarah ist der einzige Freund, den er je hatte. Jareth hat Hoggle mit der Drohung, ihn in die Sümpfe des ewigen Gestanks zu werfen, so sehr eingeschüchtert, dass der Gnom Sarah einen vergifteten Pfirsich gibt, den er vom Koboldkönig erhält. Als Sarah den Pfirsich isst, vergisst sie alles und wird von Jareth mit Visionen eines prächtigen Ballsaals und ihres Zimmers verzaubert. Sarahs Wille ist jedoch so stark, dass sie sich Jareths Bann entziehen kann. Natürlich vergibt sie Hoggle, der ihr nunmehr treu zur Seite steht. Der Koboldkönig hetzt nun seine Armeen auf sie, aber mit der Hilfe ihrer Gefährten kann sie das Koboldschloss dennoch rechtzeitig erreichen. Dort tritt sie Jareth allein gegenüber. Der Koboldkönig versucht es mit einem letzten Trick. Er verspricht ihr, all ihre Wünsche zu erfüllen, wenn sie selbst bei ihm bleibt. Sie hält ihm entgegen, dass er keine Macht über sie hat - und im nächsten Moment findet sie sich zu Hause wieder, Toby schläft friedlich in seinem Bettchen.

War alles nur ein Traum? Als sie Visionen ihrer Freunde sieht, die ihr versichern, dass sie jederzeit für sie da sind, ruft Sarah aus, dass sie ihre Freunde braucht. Prompt platzt ihr kleines Zimmer förmlich aus den Nähten, denn alle sind da: Hoggle, Ludo, Didymus und Dutzende anderer fröhlicher Kobolde!

Der Film:

Wenn man sich diesen Film heute anschaut, dann muss man sich immer bewusst machen, dass er über 20 Jahre alt ist. Dementsprechend simpel wirken manche Spezialeffekte. Vom typischen "Look and Feel" der Achtzigerjahre, hervorgerufen durch David Bowies Musik, sein Glamrock-Outfit (diese Frisur...) und ein paar andere Kleinigkeiten, mal ganz abgesehen. Mit CGI-Effekten könnte man heute vermutlich ein weit beeindruckenderes Labyrinth und eine ganze Palette interessanterer Kreaturen erschaffen, aber ich muss zugeben, dass die hier verwendeten Puppen auch heute noch zum größten Teil überzeugend wirken und jenen ganz eigentümlichen Charme entfalten, der auch "Der Dunkle Kristall" zu etwas Besonderem gemacht hat. Puppen? Ja, genau. Außer David Bowie, Jennifer Connelly und wenigen anderen Schauspielern kommen nur Puppen der unterschiedlichsten Größen und Formen zum Einsatz. Anders wäre es damals nicht möglich gewesen, Horden von verrückten Kobolden und anderen Wesen in einem Realfilm auf die Leindwand zu zaubern.

Dass die Puppen-Charaktere so glaubwürdig sind, liegt an ihrem unglaublich detailreichen Design. Brian Frouds diesbezügliche Arbeit war wohl Gold wert. Buchstäblich jeder Kobold sieht anders aus und hat eine ausgeprägte Mimik, jeder hat irgendwelche ausgeflippten Eigenschaften. Unter anderem kommen vor: Ein kleiner Wurm, der Sarah in sein Wandloch einlädt, wo er sie "seiner Alten" vorstellen will, furzende Steine, "Helfende Hände" (aus Händen geformte Gesichter), eine Alte mit einem Müllberg auf dem Rücken, ein gigantischer, aus zwei Torhälften bestehender Kampfroboter, lebende Kanonenkugeln, Moos mit Augen, bissige kleine Feen, die man mit Insektenvertilgungsmittel abwehren kann und unzählige andere abgedrehte Gesellen. Hinzu kommen liebevoll gestaltete Sets, denen man natürlich überdeutlich ansieht, dass sie im Studio entstanden sind. Den märchenhaften Gesamteindruck stört das aber nicht, und das Treppenlabyrinth am Ende des Films, das direkt einem Gemälde von M.C. Escher entnommen zu sein scheint, ist nochmal ein Highlight. Zugegeben: Der Reiz des Films entsteht hautpsächlich durch diese Schauwerte. Jennifer Connelly und sogar David Bowie machen ihre Sache zwar sehr ordentlich, aber die phantasievollen Puppen stehlen ihnen doch die Show. Über die Gesangseinlagen kann man geteilter Meinung sein, aber solange David Bowie singt, ist es okay. Die einzige Szene, die mir nicht gefallen hat, ist jene mit diesen seltsamen Feuerkobolden, die sich damit vergnügen, sich vorübergehend von diversen Körperteilen zu trennen. Das wirkt allzu überdreht und diese Tricks sind ziemlich unansehnlich.

Ein Kinderfilm ist "Die Reise ins Labyrinth" eigentlich nicht. Schließlich hat man es auch nicht mit "niedlichen" Kobolden zu tun, sondern mit teilweise ziemlich fiesen, bizarren Gestalten. Auch der schräge Humor, der erkennen lässt, dass das Drehbuch von Terry Gilliam (Monty Python) stammt, ist eher was für Erwachsene. Der Humor zieht sich durch den ganzen Film. Das geht schon mit den auf Sarahs Stichwort wartenden Kobolden los und blitzt immer wieder in geschliffenen Dialogen und verblüffenden Ideen durch. Wie bei "Alice im Wunderland" ist auch das Koboldreich offenbar nur von Verrückten bevölkert, und hier gelten ganz eigene Gesetze - oder auch nicht. Sarahs Reise durch das Labyrinth könnte man als Symbol für das Erwachsenwerden betrachten. Die letzte Szene ist wohl so zu verstehen: Erwachsensein bedeutet nicht, dass man die Fantasien der Kindheit leugnen muss, im Gegenteil - manchmal braucht man sie sogar. Es gelingt Jennifer Connelly (damals 14 oder 15 Jahre alt) recht gut, das alles zu vermitteln. Allerdings ist die Einführung etwas knapp. Sarahs Ärger und die Auflehnung gegen ihre Eltern (oder Stiefeltern?) wird nicht ganz verständlich und wirkt unmotiviert. Okay, sie ist wohl in der Pubertät, da muss man mit sowas rechnen...

Die DVD:

Erstaunlich, dass es ein so dicker Bonus-Batzen auf die DVD geschafft hat: Das "Making of" ist ca. 56 Minuten lang und trotz seines Alters wirklich sehenswert. Es enthält eine ausgewogene Mischung aus Interviews (auch Designer Brian Froud und Drehbuchautor Terry Jones kommen zu Wort) und Aufnahmen von den Dreharbeiten sowie von der Entstehung und Führung der Puppen. Ich war besonders überrascht zu sehen, dass Gates McFadden (hier unter ihrem zweiten Vornamen Cheryl) als Choreographin für diesen Film tätig geworden ist. Fans von Star Trek - The next Generation dürften sie in der Rolle der Dr. Beverly Crusher kennen. Auch interessant: Jennifer Connelly hat alle Stunts selbst gemacht, David Bowie hat dagegen nicht selbst mit den Kristallkugeln hantiert - was man im Film sieht, ist der Arm eines Jongleurs. Und es scheint nicht leicht gewesen zu sein, das Baby (Brian Frouds Sohn Toby) dazu zu bringen, zu tun, was von ihm verlangt wurde...

J. Kreis, 14.05.2008
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