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Den Tüchtigen gehört die Welt Kottan ermittelt - Den Tüchtigen gehört die Welt (Österreich / USA, 1982)

DVD - Regionalcode 2, Euro Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras
Audiokommentar von Peter Patzak zu ausgewählten Szenen, Roman "Schussgefahr" als E-Book und Hörbuch, Comic: "Kottan ermittelt - Schussgefahr", Bildergalerie

Regie:
Peter Patzak

Hauptdarsteller:
Franz Buchrieser (Major Adolf Kottan)
Walter Davy (Paul Schremser)
Frank Gorshin (Harry Werner / Frank William Nash)
Lukas Resetarits (Ludwig Haumer)
Bibiane Zeller (Dr. Herta Aichinger)
Ernst Konarek (Wolfgang Bleiner)
Fred Schaffer (Erwin Sommer)
Pavel Landovsky (Jakob Kralicek)
Peter Neubauer (Alfred Schrammel)




Inhalt:

Dr. Herta Aichinger und Wolfgang Bleiner nutzen mit Hilfe des Bezirksvorstehers Erwin Sommer ihre Positionen als Aufsichtsratsvorsitzende und Geschäftsführer einer Planungsgesellschaft für ein großes Bauvorhaben in Wien, um öffentliche Gelder in ihre eigenen Taschen abzuzweigen. Ihr Strohmann bei diesen Geschäften ist Jakob Kralicek, der Geliebte von Dr. Aichinger. Der beschäftigt sich außerdem mit Drogenhandel, Prostitution und der Herstellung von Pornofilmen, was weitere Einnahmen in die Kassen des Trios spült. Eines seiner Opfer ist die Tochter des Versicherungsbetrügers Ludwig Haumer. Der erfährt zufällig davon, als er bei einer Prostituierten einen Porno mit seiner eigenen, inzwischen drogensüchtigen Tochter sieht. Er will sich an den "Schreibtischtätern" rächen, zwingt Bleiner zur Herausgabe brisanter Unterlagen und erpresst das Trio damit. Um dieses Problem zu beseitigen, engagiert Dr. Aichinger den Auftragskiller Harry Werner, einen Profi, den sie von früher kennt und der eigens aus den USA eingeflogen wird. Tatsächlich wird kurze Zeit nach Werners Ankunft ein Mann in einem gestohlenen Auto erschossen. Ein Unbekannter setzt das Auto danach in Brand. Kottan, der in dem Fall ermittelt, stellt bei der Befragung der vermeintlichen Witwe fest, dass der Tote keineswegs Herbert Kahlbeck heißt, wie man anhand des sichergestellten Führerscheins angenommen hatte. Kahlbeck ist schon vor zwei Jahren gestorben, aber ein Versicherungsbetrüger hatte Frau Kahlbeck die Ausweispapiere abgenommen, um unter falschem Namen Geld abzuheben.

Da diese Masche genau zu dem polizeibekannten Haumer passt, wird davon ausgegangen, dass der infolge des Fahrzeugbrandes unkenntliche Tote mit diesem Kleinganoven identisch ist. Anhand eines Fotos kann Frau Kahlbeck den Versicherungsbetrüger identifizieren, und auch der Mann, dem das Auto gestohlen wurde, erkennt in Haumer den Dieb. Allerdings war der Todesschütze nicht Harry Werner, dem diese Wendung der Dinge gar nicht gefällt und der deshalb noch einige Tage in Wien bleibt, um selbst zu recherchieren. Die Auftraggeber des Mordes freuen sich jedoch, zumal Kralicek die brisanten Papiere in Haumers Wohnung findet. Doch auch Schremser wird fündig: In einer Metalldose hat Haumer Fotos und Namen seiner Intimfeinde sowie ein Video mit Angaben zu Kraliceks Machenschaften versteckt. Die Ermittlungen in dieser Richtung verlaufen aber wenig erfolgreich. Immerhin findet Kottan heraus, dass Haumer die Mordwaffe selbst gekauft hat. Derweil fällt Werner per Zufall der Polizei in die Hände, als er unwissentlich in einen geplatzten Drogendeal gerät. Man muss ihn zwar bald wieder laufen lassen, aber die Überprüfung seiner Fingerabdrücke bringt später seine wahre Identität an den Tag. Nash taucht unter und versteckt sich in der Wohnung einer Nachbarin, die er als Geisel nimmt. Kotten fragt sich inzwischen, ob Haumer den Mord an sich selbst inszeniert haben könnte, und vor allem warum.

Tatsächlich ist Haumer quicklebendig. In Wahrheit ist ein unbedeutender Handlanger des Betrügertrios erschossen worden, Haumer selbst war der Schütze. Das ist ein Teil von Haumers Rache; er musste seinen eigenen Tod vortäuschen, um vor dem Killer sicher zu sein. Jetzt will er nicht mehr nur Geld, sondern Blut sehen. Durch einen Trick lockt er Kralicek in eine Falle und sprengt ihn in die Luft. Dann meldet er sich bei Bleiner und fordert noch mehr Geld. Außerdem ruft er Kottan an und gesteht ihm die Wahrheit. Die Übergabe auf einer Donaukanalfähre wird von Werner beobachtet, der sich nun endgültig absetzen will. Werner schießt - tötet aber nicht Haumer, sondern Bleiner. Dann verschwindet er auf Nimmerwiedersehen. Als Haumer an Land geht, wird er bereits von Kottan erwarter; der ist einfach Bleiner gefolgt. Haumer wandert ins Gefängnis, aber Kottan will nicht zulassen, dass Dr. Aichinger und Sommer ungestraft davonkommen, obwohl er von höherer Stelle Weisung erhält, sich nur um seinen eigenen Fall zu kümmern. Mit Haumers Aussagen wäre es möglich, die Machenschaften der "großen Tiere" aufzudecken. Doch dazu kommt es nicht: In einem Telefonat wird Kottan mitgeteilt, Haumer habe sich den Kopf an der Zellenwand eingerannt...

Der Film:

Obwohl dieser Film inzwischen als Bestandteil der Kottan ermittelt-Reihe vermarktet wird, hat er relativ wenig mit den teilweise ziemlich abstrusen (und deshalb erst recht zum Kult gewordenen) TV-Krimis zu tun, die vor allem in der "Resetarits-Ära" mit satirischen Elementen, Running Gags, bizarren Szenen, skurrilen Charakteren und dergleichen mehr nur so vollgestopft waren. Die Reihe stand damit im denkbar krassen Gegensatz zu gewohnter TV-Kost nach "Derrick"- oder "Tatort"-Strickmuster und hat deshalb recht viele Feinde (vor allem in Österreich), aber auch viele Fans gefunden. Zu letzteren gehöre ich natürlich auch. Zunächst einmal werden all jene, die nur die besonders populären Kottan-Episoden mit Lukas Resetarits in der Hauptrolle kennen, vom Wechsel des Hauptdarstellers irritiert sein. Resetarits spielt hier ja den Ganoven Haumer. Tatsächlich ist es gar kein Wechsel, denn 1981, als der Film gedreht wurde war entweder noch Franz Buchrieser als Kottan im TV zu sehen oder der Wechsel zu Resetarits wurde gerade vollzogen - wie es genau war, weiß ich nicht. Der einzige Hauptdarsteller, der noch die gleiche Rolle wie in der Serie hat, ist Walter Davy als Schremser. Pilch kommt gar nicht vor, Schrammel wird von einem anderen Schauspieler verkörpert (er hat denn auch eine noch unbedeutendere Nebenrolle als C. A. Tichy in der Serie), und verschiedene Schauspieler haben ganz andere Rollen als in der Serie, zum Beispiel Bibiane Zeller (in der Serie: Ilse Kottan) und Ernst Konarek (in der Serie: Kottans Erzfeind Horrak). Buchrieser spielt den Kottan anders als Resetarits in der Serie - melancholischer, aber ohne Wiener Schmäh.

Das ist schade, denn gerade Pilch, Kottans Familienleben und andere Elemente mehr sind ja gerade das Salz in der Suppe der Kottan-Serie. Im Film kommt nichts davon vor - auch auf Kottan's Kapelle muss man verzichten (die gab es zu der Zeit wohl noch nicht, hätte auch nicht in den Film gepasst) und überhaupt werden im Film nicht annähernd so viele Musikstücke wie in der Serie zur treffenden Untermalung bestimmter Szenen eingesetzt. Auch das Spiel mit dem Medium Film kommt höchstens andeutungsweise vor. Das gilt (leider) auch für den schrägen Humor, der die Serie auszeichnet. Er ist aber auch nicht völlig abwesend. So laufen im Fernsehen zum Beispiel Szenen aus älteren Kottan-Filmen, in denen diverse Autotüren in Verlust geraten. Eine Polizeimarke wird solange poliert, bis sie nur noch ein blankes Stück Metall ist, es gibt ein paar launige Wortgefechte und so weiter. Der Film ähnelt also eher den frühen TV-Krimis, als noch Buchrieser bzw. Peter Vogel die Hauptrolle hatten. Hier stehen noch die realistische und übrigens auch durchaus gesellschaftskritische Geschichte und die Mordfälle im Vordergrund. Das muss ja grundsätzlich nicht schlecht sein, aber wer nur die späteren Kottan-Episoden kennt, der wird sich fragen, warum der Film überhaupt diesen Namen trägt.

Ganz unabhängig von alldem hat der Film aber auch Schwächen, die den Genuss selbst für all jene schmälern, die noch nie zuvor einen Kottan-Film gesehen haben. Das liegt vor allem an der Geschichte. Der Story-Aufbau hat im zugrunde liegenden Roman zwar seine Berechtigung, im Film aber nicht. Im Film dauert es eine halbe Stunde, bevor Kottan überhaupt seinen ersten Auftritt hat, und seine Ermittlungen werden von anderen Handlungselementen eher an den Rand gedrängt. So muss denn auch Haumer selbst anrufen und die Sache aufklären, weil Kottan gar nicht genug Zeit hat, selbst auf die Lösung zu kommen. Der Film beginnt mit der Einführung des Killers, und auch im weiteren Verlauf der Story steht er immer wieder im Mittelpunkt. Dass der Killer-Nebenhandlung im Film so breiter Raum zugestanden wird, ist unverständlich und störend. Im Roman wird der ganze Fall viel besser und ausführlicher aufgearbetet, dort funktionieren auch die Nebenhandlungen. Ein weiterer Aspekt, der die Zuschauer früher gestört haben dürfte: In vielen Szenen wird englisch gesprochen. Vermutlich deshalb, weil es sich um eine österreichisch-amerikanische Co-Produktion handelt. Soweit ich weiß, waren diese Szenen ursprünglich nicht untertitelt - die DVD enthält aber deutsche Untertitel, was das Verständnis natürlich sehr erleichtert.

Trotz seiner Schwächen fand ich den Film bei weitem nicht so schlecht, wie er es den im Internet zu findenden Äußerungen mancher Fans zufolge sein soll. Ich kannte die Kritikpunkte vorher, habe aber auch die ganz alten Kottan-Filme schon vorher gesehen. Also weiß ich, dass "Den Tüchtigen gehört die Welt" nicht so sehr aus dem Rahmen dessen fällt, was es bei "Kottan ermittelt" früher gegeben hat. Hätte man die Killer-Handlung etwas zurückgefahren, dafür aber Kottan etwas öfter agieren lassen, dann wäre sicher ein richtig guter Krimi dabei herausgekommen. So bleibt's bei einem "geht so".

Die DVD:

Dies ist die DVD mit dem bis jetzt besten Preis-Leistungs-Verhältnis in meiner kleinen Sammlung, denn das Bonusmaterial besteht nicht nur aus DVD-Extras. Es sind zwei mehr als nette Dreingaben mit auf dem Silberling, für deren Nutzung man allerdings einen PC benötigt: Der Roman "Schussgefahr", der diesem Film zugrunde liegt, ist in vollem Umfang (samt Cover) als E-Book im PDF-Format auf der DVD vorhanden, außerdem befindet sich auch noch das von Peter Patzak gesprochene Hörbuch zu diesem Roman als MP3-Datei mit einer Laufzeit von satten sechs Stunden (!) auf der DVD. Das lasse ich mir gefallen! Den Anmerkungen im E-Book zufolge wurde der 1979 erstmals erschienene Roman überarbeitet, diese überarbeitete Version liegt auf der DVD vor. Auch das Hörbuch muss neueren Datums sein, d.h. es basiert offenbar auf dem überarbeiteten Roman.

Auch die DVD-Extras sind, wenn auch nicht sehr umfangreich, so doch erwähnenswert: Anhand der Bildergalerie kann man sehen, dass mindestens eine Szene aus dem Roman nicht verwendet wurde, nämlich die, in der der Killer seine Geisel zum Beischlaf zwingt. Der Audiokommentar ist sehr informativ, allerdings wurden nicht alle Szenen kommentiert. Startet man den Film mit Audiokommentar, dann laufen nur die kommentierten Szenen ab.

J. Kreis, 19.01.2009


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