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Kottan ermittelt - Akte 2 Kottan ermittelt - Akte 2 (Österreich, 1982 - 1983)

DVD - Regionalcode 2, EuroVideo
FSK: 12
Laufzeit: ca. 60 Minuten pro Film (Ep. 12: 71 min.)

Extras:
"Mehr aus Kottan's Kapelle", Kottan ermittelt - Comic: Wien Mitte

Regie:
Peter Patzak

Hauptdarsteller:
Lukas Resetarits (Major Adolf Kottan)
Walter Davy (Paul Schremser)
Curth Anatol Tichy (Alfred Schrammel)
Kurt Weinzierl (Heribert Pilch / Robert Bauer)
Bibiana Zeller (Ilse Kottan)
Gusti Wolf (Mutter Kottan)
Carlo Böhm (Erwin Drballa)
Christiane Rücker (Elvira Markl)
Ernst Konarek (Horrak)




Inhalt:

"Kottan ermittelt" ist der Titel einer Reihe österreichischer TV-Krimis, die ab 1980 auch in Deutschland im Fernsehen zu bewundern war. Diese DVD-Box enthält die Episoden 9 bis 19, weitere Episoden existieren nicht.

Adolf Kottan ist Kriminalbeamter in einem Wiener Morddezernat. Ausgestattet mit reichlich Coolness, Wiener Schmäh und ebensoviel Aufmüpfigkeit wie Faulheit ist er zwar nicht der Liebling seiner Vorgesetzten, sorgt aber dafür, dass sein Dezernat zu einem der erfolgreichsten überhaupt wird. Seine Mitarbeiter sind Dezernatsleiter Paul Schremser, mit dem er sich recht gut versteht, und der trottelige Assistent Alfred Schrammel, der meist vergeblich versucht, seinen Vorbildern aus amerikanischen Thrillern nachzueifern. Kottans Chef ist Polizeipräsident Pilch, ein Choleriker, den nur die Erfolgsquote, seine eigene Beliebtheit, der Polizeichor und sein immerwährender Kampf mit einem widerspenstigen Kaffeeautomaten interessieren. Kottan ist viel beliebter als Pilch und kriegt am Automaten immer Kaffee. Der Präsident kann ihn deshalb nicht leiden, er kann aber auch nicht auf ihn verzichten, da er der beste Ermittler des Dezernats ist und praktisch jeden Fall löst - manchmal mit tatkräftiger Unterstützung seiner Mutter, die begeisterte Krimi-Leserin ist. Kottan, Schremser und Schrammel musizieren gemeinsam in Kottan's Kapelle, manchmal singt auch Kottans Frau Ilse mit.

Die Episoden:

9: Die Einteilung

Ferdinand Brenner wird in einer Wohnung ermordet, die er seiner Geliebten, der Prostituierten Elvira Markl, zur Verfügung gestellt hat. Sie ist aber nicht verdächtig, sondern der Zeitungsverkäufer Milan Gajic. Der hatte Grund, Brenner zu hassen, denn dieser war dafür zuständig, den Verkäufern die Standplätze zuzuteilen. Gute Standplätze hat er sich teuer bezahlen lassen, und da Gajic nicht zahlen wollte, wurde ihm ein Platz zugeteilt, auf dem er nichts verdienen konnte. Allerdings wird einige Zeit später auch Gajic tot aufgefunden. Es soll wie Selbstmord aussehen (der Tote hat sogar einen Abschiedsbrief dabei), aber von Elvira, mit der er sich anfreundet, erfährt Kottan, dass Gajic nicht der Mörder gewesen sein kann, denn der war zur Tatzeit mit ihr in einem Hotel zusammen. Sie vermutet, Brenners Stellvertreter Sperber könne etwas mit der Sache zu tun haben. Durch einen Bluff bringt Kottan Sperber dazu, beide Morde zu gestehen. Sperber wollte ebenfalls absahnen und Brenner aus dem Weg räumen.

10: Kansas City

Josef Tamek und Herbert Maroltinger sind Rivalen auf der Speedway-Rennbahn. Tamek ist chronisch erfolglos, der arrogante Maroltinger kann sich die besseren Maschinen leisten und gewinnt immer. Eines Tages wird auf die beiden im selben Auto sitzenden Männer geschossen, getroffen wird niemand. Kottan muss herausfinden, wer von beiden das eigentliche Ziel war. Schließlich wird Tamek von seiner Frau Herma verlassen. Sie hat ein Verhältnis mit Maroltinger. Als dieser dann bei einem Rennen erschossen wird, fällt der Verdacht natürlich auf Tamek, zumal er tatsächlich ein Gewehr besitzt, das die Mordwaffe sein muss. Schrammel ermittelt auf eigene Faust und findet heraus, dass Maroltingers Mechaniker ebenfalls ein Motiv hat. Er ist der Bruder des großkotzigen Rennfahrers, und auch ihm hat Maroltinger die Frau ausgespannt. Schrammel stellt den Mann zur Rede und quetscht ein Geständnis aus ihm heraus.

11: Entführung

Rudolf Horrak wird wegen guter Führung aus der Haft entlassen. Er beginnt sofort mit einem Rachefeldzug gegen Kottan, aber alle Mordanschläge schlagen fehl. Kottans neuer Auftrag besteht darin, den erfolglosen Sänger Robert Weller zu beschützen, denn dem wurde mit Entführung gedroht. Nach einem Auftritt Wellers kommt es dennoch zur Entführung. Gefordert wird ein Lösegeld von zwei Millionen, das tatsächlich gezahlt wird. Kottan, der die Übergabe beobachten sollte, wird an der Nase herumgeführt und kann die Lösegeldzahlung nicht verhindern. Pilch ist erbost, zieht Kottan von dem Fall ab und droht sogar mit Disziplinarmaßnahmen. Kottan hat aber längst alles durchschaut. Die Entführung war inszeniert und hat den gewünschten Effekt erzielt, dass Wellers Platten und Konzerte plötzlich sehr gefragt sind. Kottan stellt Weller zur Rede, verspricht aber, die Sache geheim zu halten - unter der Bedingung, dass Weller ihm hilft, den anstehenden Sänger-Wettstreit zwischen Kottan's Kapelle und Heribert Pilch zu gewinnen. Gesagt - getan: Kottan's Kapelle gewinnt die "Showchance" durch Schiebung.

12: Hausbesuche

Es läuft nicht gut für Kottan: Seine Frau hat sich vorübergehend von ihm getrennt (sie interessiert sich ausgerechnet für Pilch), er sitzt auf 10.000 unverkauften Schallplatten und seine Österreich-Tournee, für die er sogar unbezahlten Urlaub genommen hat, war ein Flop. Kottan ermittelt in den "besseren Kreisen": Der reiche Werkstatt- und Tankstellenbesitzer Bertalan ist in der Wohnung seiner Geliebten erschossen worden. Die hatte ihn zuvor wegen des Luden Johann Engelhard verlassen und stürzt einige Zeit später aus dem Fenster eines Bordells in den Tod. Ein Mordmotiv hätte aber auch ein Monteur aus Bertalans Werkstatt, den dieser gefeuert hatte. Da Kottan somit mehreren Spuren folgen muss und von Engelhard auf peinliche Weise ausgetrickst wird, stellt Pilch ihm einen neuen Assistenten zur Seite: Den legendären FBI-Agenten Lemmy Caution. Kottan schleust seine alte Freundin Elvira Markl ins Bordell ein und erfährt auf diese Weise, dass auch Bertalans Tochter zu den Callgirls gehört hat. Er stellt die Familie zur Rede und erfährt die Wahrheit: Der Sohn ist der Täter. Er wollte den Kunden seiner Schwester einen Denkzettel verpassen und hatte nicht erwartet, seinen Vater vorzufinden.

13: Fühlt wie du

Eine bizarre Mordserie bereitet Kottan mehr Kopfzerbrechen als die anstehende Scheidung (er versöhnt sich ohnehin wieder mit seiner Frau): Der Täter scheint ein besonders rabiater Tierschützer zu sein, jedenfalls bringt er seine Opfer um, indem er sie genauso behandelt, wie sie es mit Tieren getan haben: Ein Jockey wird zu Tode gehetzt, ein Angler wird buchstäblich auf den Haken genommen und so weiter. Kurz entschlossen lanciert Kottan eine fingierte Zeitungsmeldung, der zufolge er ein Meerschweinchen zu Tode gequält habe. Damit lockt er aber zunächst nur Horrak an, der es immer noch auf ihn abgesehen hat. Mutter Kottan setzt den Ganoven mit ein paar beherzten Hieben außer Gefecht. Nun erscheint auch der Mörder, er hat sich als Schrammel maskiert. Lemmy Caution rettet Kottan und demaskiert den Unhold: Es ist King Kong! Pilch ist über diesen Erfolg so begeistert, dass er Mutter Kottan, Lemmy Caution und sich selbst Orden verleiht. Kottan, Schremser und Schrammel gehen leer aus, denn sie haben ja nur ihre normale Arbeit getan.

14: Genie und Zufall

Hubert Benz, Platzwart eines Tennisvereins, wird ermordet. Der Tote ist bei der Polizei unter dem Namen Erich Jokostra bekannt - er war früher Waffenschieber, ist dann aber aus dem Geschäft ausgestiegen und untergetaucht. Die Spur führt zu Rudolf Wasservogel, den man auch "Der Kaiser" nennt. Wasservogel ist der Chef der Wiener Unterwelt, und Kottan macht möglicherweise einen großen Fehler, als er sich mit ihm anlegt. Wasservogel plant einen großen Coup. Durch einen Bombenanschlag soll die Polizei abgelenkt werden, so dass seine Leute in Ruhe eine Bank ausrauben können. Kottan durchkreuzt den Raub, denn er ist zufällig in der betreffenden Bank, um einen Kredit aufzunehmen. Der Kaiser ist jetzt zwar angeschlagen, aber nicht besiegt. Pilch freut sich, aber Kottan hat Ärger, denn seine Mutter, seine Frau und Elvira haben herausgefunden, dass er eine Freundin hat.

15: Die Enten des Präsidenten

Zwei Autofahrer liefern sich eine wilde Verfolgungsjagd, drängen sich gegenseitig von der Straße ab und gehen dann aufeinander los. Dabei wird einer der Fahrer, ein gewisser Herr Zaruba, mit einem Brett erschlagen. Pilch nimmt die Sache selbst in die Hand, denn eines der beiden Autos war sein Wagen. Kottan ist ohnehin nicht ganz bei der Sache. Seine Frau tritt neuerdings als Sängerin in einem Nachtclub auf, und er befürchtet, deshalb zum Gespött der Kollegen zu werden. Dann treffen anonym abgesandte Fotos im Präsidium ein, die den Tathergang dokumentieren. Während Pilch irrtümlich eine darauf abgebildete Zeugin verhaftet, folgt Kottan der richtigen Spur. Der Mörder ist der Geliebte von Zarubas Frau, allerdings ging es ihm in Wahrheit um deren Schwester, mit der Zaruba ein Verhältnis hatte.

16: Smokey und Baby und Bär

Kottans Ehekrise lebt neu auf, als Elvira bei ihm Zuflucht sucht, weil sie sich von ihrem ehemaligen Zuhälter (genannt "Bär") bedroht fühlt. Während Pilch mit Schrammel ein Sonderdezernat aufstellt, um einen Serientäter zu fangen, ermittelt Kottan wegen eines Super-8-Films, der ihm zugespielt wurde. Darauf ist ein Mord zu sehen. Tatsächlich sind beide Fälle falsch: Die Opfer des vermeintlichen Serientäters sind Horrak und Wasservogel bei gescheiterten Anschlägen auf Kottan in die Quere gekommen, und der Mord wurde gestellt, um einen Sparkassenangestellten zu erpressen, der gleichzeitig Bezirksrat ist. Wasservogel gibt die Jagd nach Kottan auf und begeht Harakiri. Horrak macht aus "Bär" einen Eiszapfen (der Anschlag galt natürlich Kottan), danach wird er von Kottan und Schremser geschnappt.

17: Mein Hobby: Mord

In Wien sind schon sechs alleinstehende Frauen verschwunden, die sich auf eine Kontaktanzeige gemeldet hatten. Die Leiche einer siebten Frau wird nur deshalb bei Erwin Drballa abgegeben, weil der Täter nichts mit ihr anfangen konnte. Er ist Präparator und arbeitet an einem Bühnenbild mit ausgestopften Frauen. Kottan fliegt zwar aus der Wohnung weil seine Frau ihn mit Elvira gesehen hat (dabei ist die inzwischen mit Schrammel zusammen), dennoch stellt Ilse sich als Lockvogel zur Verfügung und antwortet auf Zeitungsinserate. Tatsächlich geht sie dem Mörder in die Falle, tauscht aber das vergiftete Dessert aus, mit dem er sie töten wollte, so dass er sein eigenes und gleichzeitig letztes Opfer wird. Trotz dieses Erfolges wird Kottan suspendiert. Pilch hat zu diesem Zweck ein Komplott mit Wasservogel jr. geschmiedet; dem Major wurde eine Waffe untergeschoben, mit der diverse Verbrechen begangen worden sind.

18: Der Kaiser schickt Soldaten aus

Pilch und Schrammel haben Oberwasser: Kottan wurde suspendiert. Außerdem sitzt er auf der Straße, weil seine Frau ihn aus der Wohnung geworfen hat. In seinem neuen Job als Privatdetektiv ist er wenig erfolgreich, denn der Mann, den er beobachten sollte, wird ermordet. Kottan verdächtigt Wasservogel jr., der prompt einige Killer auf ihn ansetzt, denn der Verdacht ist richtig. Davon weiß Kottan nichts, sonst könnte er sich die Mühe sparen, Horrak zu befreien und mit seiner eigenen Ermordung zu beauftragen. Auch Pilch kommt Wasservogel jr. nicht bei und bittet Kottan schließlich um Hilfe. Der schafft es durch einen Trick, Wasservogels Fingerabdrücke auf die Mordwaffe zu bringen, so dass der neue Kaiser der Unterwelt verhaftet werden kann.

19: Mabuse kehrt zurück

Drballa findet diesmal keine Leiche, sondern eine einzelne Hand. Pilch glaubt an einen Dummejungenstreich, als festgestellt wird, dass die Hand aus Rindfleisch besteht. Wenig später werden immer wieder verschiedene hochrangige Politiker und andere wichtige Persönlichkeiten Wiens entführt. Forderungen werden nicht gestellt und die Entführten tauchen bald scheinbar unversehrt wieder auf. Der Innenminister persönlich erteilt Pilch den Auftrag, sich der Sache anzunehmen und eine Panik zu verhindern. Hierzu braucht Pilch Kottans Hilfe, er bietet ihm sogar die Wiederaufnahme in den Polizeidienst an. Kottan lehnt jedoch ab. Er betätigt sich lieber als Straßenmusikant und meldet sich auf eine Stellenanzeige, mit der ein gewisser Dr. Buesam einen Diener sucht. Kottan stellt sich dort vor und wird sofort eingestellt. So erfährt er, dass der wahre Name des Doktors Mabuse lautet, und dass dieser Superverbrecher dabei ist, alle Schlüsselpositionen der Stadt mit kopierten Menschen zu besetzen, die als seine willenlosen Marionetten handeln sollen. Mabuse steckt also hinter den Entführungen. Die Kopien bestehen aus Rindfleisch, sind unverwundbar, brauchen zum Leben nur alle paar Stunden etwas chloriertes Leitungswasser und können nur durch einen schwarzen Fleck auf der Wange erkannt werden. Die Originale bewahrt Mabuse in seinem Labor auf.

Kottan gibt sich als williger Handlanger und ruft Pilch herbei, den Mabuse prompt ebenfalls kopieren will. Kottan verhindert das in Mabuses Abwesenheit jedoch und erklärt dem Polizeipräsidenten, wie er vorgehen soll: Er soll in der ganzen Stadt das Wasser abstellen lassen. Er malt Pilch einen schwarzen Fleck auf die Wange, damit er als Kopie durchgeht. Der Plan geht auf, alle Menschenkopien zerfallen ohne Wasser innerhalb kurzer Zeit zu Staub. Mabuse wird derweil von Elvira abgelenkt und anschließend von Kottan verhaftet. Allerdings hält der clevere Major einige Kopien von sich selbst mit gehortetem Wasser am Leben, die künftig alle lästigen Aufgaben für ihn erledigen müssen. Was er selbst vorhat, bleibt sein Geheimnis...

Kommentar

Die Kottan-Filme waren zwar schon immer anders angelegt als die drögen TV-Krimis ihrer Zeit, zu Beginn waren sie dennoch relativ "normal" und enthielten lediglich einige parodistische Elemente. Nach und nach kamen immer mehr wiederkehrende skurrile Nebenfiguren, Anspielungen, Running Gags usw. hinzu und das Spiel mit dem Medium Film wurde intensiviert (vgl. Inhalt der ersten DVD-Box). Die Filme entwickelten sich schnell in eine Richtung, die für das Fernsehen (oder zumindest für Krimiserien) der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war, und die seinerzeit vor allem in Österreich für einige Kontroversen sorgte. So waren manche Zuschauer schon wegen der satirischen Elemente der ersten Filme erbost, weil man darin eine Kritik an der österreichischen Polizei sah. Außerdem konnten viele sich nicht mit dem trotteligen Schrammel anfreunden, der nur zu existieren scheint, damit Kottan sich über ihn lustig machen kann. Unglaublicherweise sorgte auch Schremser für Aufregung, denn der Schauspieler hat nur ein Bein. Viele Leute waren so wenig mit der Art und Weise einverstanden, wie Kottan und andere Polizisten dargestellt wurden, dass Sender, Regisseur und Drehbuchautor sich heftigen Attacken ausgesetzt sahen. Da sie sich davon nicht einschüchtern ließen, sondern das Ganze immer weiter steigerten, wurden natürlich auch die Angriffe nicht weniger. Es gab sogar eine offizielle parlamentarische Anfrage deswegen... Dass Helmut Zenker (Drehbuch) und Peter Patzak ab und zu Szenen einbauten, mit denen sie sich über diese Kritik lustig machten, kann auch nicht zur Glättung der Wogen beigetragen haben. Heute ist nicht mehr so recht verständlich, warum die Gemüter sich damals so sehr erregt haben. Und natürlich gab es auch bei der Erstausstrahlung nicht nur Ablehnung, sondern auch begeisterte Zustimmung. Die Serie fand schnell ihre Fans, und zu denen gehöre auch ich.

Wahrscheinlich konnten die an "Tatort", "Derrick" und dergleichen gewöhnten Zuschauer mit den parodistischen Elementen der Filme einfach nichts anfangen. Im späteren Verlauf der Serie wurde es aber noch "schlimmer", denn Kottans Fälle treten immer mehr in den Hintergrund. Das "Drumherum" wird in den Mittelpunkt gestellt: Kottans Familienleben, seine Auftritte mit Kottan's Kapelle und die sonstigen Gesangseinlagen, sein launiger Kleinkrieg mit Pilch, Pilchs Kaffeeautomaten-Wahn (und andere Absonderlichkeiten) sowie kleine Nebenhandlungen mit Horrak, Wasservogel usw. dominieren. Die eigentliche Krimihandlung wird dadurch zum Beiwerk degradiert. Mit voller Absicht natürlich! So mancher Fall wird denn auch auf ziemlich an den Haaren herbeigezogene Weise "gelöst". Außerdem gibt es immer wieder völlig bizarre Szenen und absonderliche Momente außerhalb jeglichen Handlungszusammenhangs. Seien es die Auftritte des Manns im weißen Anzug, der in Wiens Kanalisation lebt (Harry Lime jr.), Auftritte der Schock-Rocker-Gruppe "Drahdiwaberl" (mit einem jungen Mann am Bass, der später unter dem Namen "Falco" bekannt wurde!), Gastrollen Eddie Constantines alias Lemmy Caution, Lou van Burgs oder Eddi Arents - die Episoden sind völlig unberechenbar, man weiß nie, was als nächstes passieren wird. Ab und zu bricht auch die Realität in den Film ein: Das Produktionsteam greift ein, als eine Szene vollends außer Kontrolle gerät, oder der Film wird zurückgespult, weil Lemmy Caution den österreichischen Slang nicht versteht - die Szene wird mit deutschen Untertiteln wiederholt. Einmal wird auch die Meldung eingeblendet, in Düsseldorf sei ein UFO gelandet und im Anschluss an den Film folge eine Sondersendung hierüber. Manche Leute haben das damals wirklich geglaubt! Ich kann mir daher schon vorstellen, warum die Fernsehzuschauer sich damals veralbert vorgekommen sind. Gut: Manchmal wirken die Episoden tatsächlich ein wenig wie sinnlose Aneinanderreihungen von Gags, aber langweilig werden sie nie.

Lukas Resetarits ist die perfekte Besetzung für den Kottan der in dieser DVD-Box versammelten Episoden. Kein anderer hätte diese anarchische, sympathische und ziemlich coole Figur so gut verkörpern können. Gusti Wolf ist als pfiffige Mutter Kottan ein herrlicher Widerpart und Kurt Weinzierl ist als Pilch unübertrefflich. Leider kam es nach Episode 19 nicht zu der bereits geplanten Fortsetzung (Drehbücher für sechs weitere Folgen waren schon fertig), die Serie wurde eingestellt. Vielleicht war das aber auch ganz gut so, denn auf diese Weise blieb ihr das Schicksal erspart, sich am Ende nur noch zu wiederholen oder sich im Versuch zu erschöpfen, immer verrücktere Situationen zu konstruieren. Somit konnte Kottan zum Kult werden - und wegen der Reaktion der Öffentlichkeit (man kann Zuschauerreaktionen sowie offizielle Stellungnahmen im Internet finden) auch zu einem Stück Fernsehgeschichte.

Die DVD:

Die nett gestaltete DVD-Box enthält außer den vier Silberlingen und einem kenntnisreich geschriebenen, mehrseitigen Booklet (mit vielen allgemeinen Infos zur Serie, Inhaltsangaben usw.) auch etwas Bonusmaterial. Dokumentationen, ein "Making of" oder dergleichen sind zwar nicht vorhanden, dafür aber die komplette Folge "Wien Mitte" als gut gemacher Comic, an dem ich nur auszusetzen habe, dass die Panels für einen normalen TV-Bildschirm zu klein sind. Da kann man den Text kaum entziffern. Hinzu kommt der zweite Teil von "Kottan's Kapelle". Das ist ein ca. 46-minütiger Zusammenschnitt einiger der vielen "musikalischen" Szenen aus diversen Kottan-Folgen. Das sind nicht nur Auftritte von Kottan's Kapelle, sondern auch andere Szenen, in denen tatsächlich oder zu Vollplayback gesungen wird. Diese "Revue" ist 1988 entstanden und bietet einen guten Einblick in typische Situationen der Kottan-Serie. Es fällt übrigens auf, dass die Bildqualität der späteren Episoden weit besser ist als die der Filme aus der ersten DVD-Box.

J. Kreis, 01.10.2008


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