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Kottan ermittelt - Akte 1 Kottan ermittelt - Akte 1 (Österreich, 1976 - 1982)

DVD - Regionalcode 2, EuroVideo
FSK: 12
Laufzeit: ca. 90 Minuten pro Film (Nr. 8: 60 Minuten), insg. ca. 690 Minuten

Extras:
Kottans Kapelle, Kottan ermittelt - Comic: Drohbriefe

Regie:
Peter Patzak

Hauptdarsteller:
Peter Vogel (Major Adolf Kottan, Film 1 + 2)
Franz Buchrieser (Major Adolf Kottan, Film 3 - 5)
Lukas Resetarits (Major Adolf Kottan, Film 6 - 8)
Curth Anatol Tichy (Alfred Schrammel)
Walter Davy (Paul Schremser)
Harald von Koeppelle (Alfred Pilch, Filme 3 - 6)
Kurt Weinzierl (Heribert Pilch, Filme 7, 8)




Inhalt:

Vorbemerkung

"Kottan ermittelt" ist der Titel einer Reihe österreichischer TV-Krimis, die ab 1980 auch in Deutschland im Fernsehen zu bewundern waren. Diese DVD-Box enthält die ersten acht Kottan-Filme, von denen die ersten sieben noch die volle Spielfilmlänge haben.

Adolf Kottan ist Kriminalbeamter in einem Wiener Morddezernat. Ausgestattet mit reichlich Wiener Schmäh und ebensoviel Aufmüpfigkeit wie Faulheit ist er zwar nicht der Liebling seiner Vorgesetzten, sorgt aber dafür, dass sein Dezernat zu einem der erfolgreichsten überhaupt wird. Seine Mitarbeiter sind der ältere und gesetztere Paul Schremser, mit dem er sich recht gut versteht, und der trottelige Assistent Alfred Schrammel, der meist vergeblich versucht, seinen Vorbildern aus amerikanischen Thrillern nachzueifern. Kottans Chef ist Dezernatsleiter (später Polizeipräsident h.c.) Pilch, ein unter verschiedenen Wahnvorstellungen leidender Pedant.

Die Kottan-Filme entwickelten sich schnell in eine Richtung, die für das Fernsehen (oder zumindest für Krimiserien) der damaligen Zeit ungewöhnlich war, und die seinerzeit vor allem in Österreich für einige Kontroversen sorgte. So konnten manche Zuschauer schon nichts mit den satirischen Elementen der ersten Filme anfangen, weil man glaubte, die österreichische Polizei solle quasi mit Dreck beworfen werden. Außerdem konnten viele sich nicht mit dem trotteligen Schrammel anfreunden, der nur zu existieren scheint, damit Kottan sich über ihn lustig machen kann. Unglaublicherweise sorgte auch Schremser für Aufregung, denn der Schauspieler hat nur ein Bein. Viele Leute waren so wenig mit der Art und Weise einverstanden, wie Kottan und andere Polizisten dargestellt wurden, dass Sender, Regisseur und Drehbuchautor sich heftigen Attacken ausgesetzt sahen. Da sie sich davon nicht einschüchtern ließen, sondern das Ganze immer weiter steigerten, wurden natürlich auch die Angriffe nicht weniger. Es gab sogar eine offizielle parlamentarische Anfrage deswegen... Wahrscheinlich waren die an "Tatort", "Derrick" und dergleichen gewöhnten Zuschauer mit den parodistischen Elementen, die ab "Wien Mitte" verstärkt eingesetzt wurden, einfach überfordert.

Heute ist nicht mehr so recht verständlich, warum die Gemüter sich damals so sehr erregt haben. Und natürlich gab es auch bei der Erstausstrahlung nicht nur Ablehnung, sondern auch begeisterte Zustimmung. Kottan wurde Kult, die Serie fand schnell ihre Fans. Zu denen gehöre natürlich auch ich. Da Kottan in den ersten Folgen von drei verschiedenen Schauspielern verkörpert worden ist, und da es auch andere Unterschiede zwischen diesen drei "Epochen" gibt, setze ich meine Kommentare zu den jeweiligen Abschnitten.

1: Hartlgasse 16a

Die Rentnerin Gertrude Klenner wird tot in ihrer Wohnung in der Hartlgasse 16a aufgefunden. Sie wurde mit einem Schraubenzieher erstochen und hatte, wie bei der Autopsie festgestellt wird, kurz vor ihrem Tod noch Geschlechtsverkehr. Kottan beginnt mit den Ermittlungen. Dabei wird festgestellt, dass Frau Klenner nicht nur von ihrer Rente gelebt hat: Sie war Besitzerin zweier Häuser und hat Wohnungen an Gastarbeiter vermietet. Wenn einer die Miete nicht bezahlen konnte, hat sie sich die Schulden mit Liebesdiensten begleichen lassen. Kottans Verdacht fällt natürlich sofort auf die Gastarbeiter, die er ziemlich rüde befragt, wobei er von Schrammel begleitet wird. Schremser verfolgt eine andere Spur. Im Notizbuch der Toten hat Kottans Kollege nämlich die Telefonnummern zweier Anlageberater gefunden, und einer davon wohnt ebenfalls in der Hartlgasse 16a. Tatsächlich hat er große Geldbeträge von Frau Klenner unterschlagen und verspielt. Zum Mord war es gekommen, als Frau Klenner Rechenschaft über das Geld verlangt hatte. Er tötet einen im gleichen Haus lebenden Musikstudenten, der ihn dabei beobachtet, wie er die Wohnung der Rentnerin durchsucht. Als Schremser ihn unter Druck setzt, gesteht er die Taten.

2: Der Geburtstag

Kottan feiert seinen 45. Geburtstag mit Kollegen, und zwar trotz tiefsten Winters in seinem Ferienhaus am See. Die Freude ist etwas getrübt, denn seine Tochter missbraucht das Ferienhaus als Liebesnest und in der Nähe wird eine Tote gefunden. Kottan, Schremser und Schrammel mischen sich unzuständigerweise in die Ermittlungen ein. Sie finden schnell einen Verdächtigen: Den Verlobten der jungen Frau, einen Soldaten, der am Vorabend Streit mit ihr hatte. Dummerweise stellt sich heraus, dass ausgerechnet Kottans Tochter der Grund für diesen Streit war. Sie hat ein Verhältnis mit dem Soldaten. Wenig später ereignet sich jedoch ein zweiter Mord, so dass der Verdacht fallen gelassen werden muss. Auch ein Bahnbeamter, der mit dem zweiten Opfer eine Liebesnacht im nahen Gasthaus verbracht hatte, kommt nicht als Täter in Frage. Durch einen Trick, bei dem Kottans Frau und ein Kollege als Köder fungieren, kommen die Beamten dem Mörder auf die Spur: Es ist der Sohn der Wirtin, der die Gäste heimlich beobachtet hat und diesmal zu weit gegangen ist.

Kommentar zu den Folgen 1 und 2

Die ersten beiden Kottan-Filme enthalten noch fast keine der Elemente, die später für die Reihe typisch werden, wenn auch der Spruch "Inspektor gibt's kan" schon mehrfach vorkommt. Humoristische Elemente gibt es ansonsten praktisch nicht, von den berühmten Running Gags ist im ersten Film naturgemäß noch nichts zu bemerken. Im zweiten Film haben ein Getränkeautomat und eine im richtigen Moment aufgehende Autotür ihre ersten "Auftritte". Diese Elemente werden in späteren Folgen noch öfter auftauchen. Peter Vogels Version des Kottan ist in diesen Filmen ein ziemlich unsympathischer, frauen- und ausländerfeindlicher Zeitgenosse, über den man nur wenig erfährt. Man fühlt sich von seiner unmotivierten Biestigkeit eher abgestoßen. Im Mittelpunkt stehen im ersten Film nicht so sehr Kottan oder die Morde, letztere werden am Schluss mehr zufällig aufgeklärt. Stattdessen geht es um den kleinbürgerlichen Mief in einem Wiener Altbau, wo sich verbiesterte Spießer einen erbitterten Kleinkrieg liefern. Interessant sind in diesem Zusammenhang die aus heutiger Sicht kaum mehr begreifbaren Zustände in diesem Haus: Etagenklo, einfachste Einrichtungen aller Art, nur ein einziges Telefon im Haus und dergleichen... Im zweiten Film hat man es schon eher mit einem "richtigen" Krimi zu tun, diesmal spielen Kottan und sein Privatleben aber fast größere Rollen als die Ermittlungen. Sympathischer wird Kottan dadurch aber nicht...

3: Wien Mitte

Auf dem Bahnsteig der Stadtbahn-Haltestelle "Wien Mitte" wird der Versicherungsvertreter Gerald Horvath erschossen, den Täter hat niemand gesehen. Verdächtig sind Horvaths Frau und deren Geliebter, denn die würden von der millionenschweren Lebensversicherung profitieren, die der Getötete abgeschlossen hat. Dann werden jedoch Banknoten, die Horvath bei sich hatte, als Beute aus einem Banküberfall identifiziert. Tatsächlich kann man den Mann auf den Überwachungsvideos der Bank gut erkennen - ebenso seine beiden Komplizen, die nun ebenfalls verdächtig sind. Allerdings wird einer der beiden wenig später auf dem gleichen Bahnsteig erschossen. Kottan spürt Bankräuber Nr. 3 auf und nimmt ihn fest, aber der Mann hat ein Alibi. Dafür platzen die Alibis von Frau Horvath und ihres Geliebten. Es stellt sich heraus, dass Frau Horvath ihren eigenen Mann getötet hat und den Verdacht auf dessen Komplizen lenken wollte. Kottan wird in seinem Grundsatz bestätigt, niemals Kredite aufzunehmen, als er herausfindet, dass die Bankräuber mit der Beute lediglich Schulden beglichen haben, die sie aufgrund der hohen Ansprüche ihrer Frauen gemacht haben...

4: Nachttankstelle

Eine Tankstelle wird zweimal in derselben Nacht überfallen. Beim zweiten Mal wird der junge Tankwart Harald Eppler erschlagen. Kottan geht mehreren Spuren nach. Zum Beispiel hätte Rudi, Haralds Bruder, ein Motiv: Eifersucht. Lissi, seine Freundin, hatte sich Harald zugewendet. Andererseits war Harald drogensüchtig und könnte Ärger mit seinen Dealern gehabt haben. Schließlich stellt sich heraus, dass der erste Überfall nur vorgetäuscht war. Harald hatte gemeinsame Sache mit dem Räuber gemacht, denn er brauchte Geld für ein Motorrad. Dann wird die Prostituierte Gabi tot aufgefunden. Rudi stellt sich der Polizei und gibt zu, die Mordwaffe beiseite geschafft zu haben. Er hatte sie in seinem Auto gefunden, aber er ist nicht der Täter. In Kottans Büro sieht er ein Foto des Tatorts. Als er Lissi erzählt, dass der Tote einen Daumen hoch hält, ahnt sie, wer der Mörder ist: Ein Kollege aus der Berufsschule, der auch "Number One" genannt wird. Lissi konfrontiert ihn mit der Wahrheit, Kottan hört heimlich mit. Auch "Number One" hatte Geldsorgen, allerdings brauchte er das Geld für Gabi, die dieses Motiv hätte verraten können.

5: Drohbriefe

Frau Komarek, eine alte Witwe, erhält einen anonymen Drohbrief. Irgend jemand scheint zu wollen, dass sie aus der Nachbarschaft verschwindet. Sie behelligt Pilch mit der Angelegenheit, der die Sache an Kottan weitergibt. Der Verdacht fällt auf das Ehepaar Reithmayr, denn zwischen Herrn Reithmayr und Frau Komarek tobt seit Jahren ein bizarrer Nachbarschafts-Kleinkrieg, außerdem ist Reithmayr wegen eines Überfallsdelikts vorbestraft. Als ein zweiter Drohbrief eingeht und Frau Komareks Gartenzwerge enthauptet werden, glaubt auch Kottan nicht mehr an einen Dummejungenstreich. Dann wird Ingrid Reithmayr erschlagen aufgefunden - auch für diese Tat kommt ihr Mann als Verdächtiger in Betracht, denn es ist bekannt, dass er sie schon mehrfach verprügelt hat und dass sie einen Geliebten hatte. Schließlich findet man in Reithmayrs Haus ein Eisenrohr (die Tatwaffe) sowie die Utensilien, mit denen die Drohbriefe hergestellt worden sind. Damit ist die Sache klar, Reithmayr wird verhaftet. Kottan fühlt sich zwar nicht wohl bei der Sache, aber er ahnt nicht, dass er Recht hat. Frau Komarek steckt hinter allem; sie will sich an allen rächen, von denen sie sich schlecht behandelt fühlt. Die Drohbriefe hat sie sich selbst geschrieben...

Kommentar zu den Folgen 3 bis 5

Mit "Wien Mitte" betritt ein neuer Kottan die Bühne, und das gilt nicht nur für Figur und Hauptdarsteller, sondern auch für die Machart der Filme. Franz Buchrieser lässt Kottan weit sympathischer werden. Er ist nicht nicht mehr so schroff und hat einige seiner unschönen Eigenarten abgelegt. Natürlich ist er weiterhin ziemlich zynisch, aber dafür gibt es wenigstens meistens einen Grund. Kottan wirkt jetzt eher wie einer jener zerknautschten, desillusionierten Typen aus einem "Film Noir". Ab Folge 3 merkt man schon, in welche Richtung die Reihe noch gehen wird. Zwar steht immer noch die Lösung der Kriminalfälle im Mittelpunkt, aber die Gags und skurrilen Situationen nehmen immer breiteren Raum ein. Beispiele: Da österreichische Medien in der Kottan-Serie nicht gezeigt werden durften, werden in "Wien Mitte" nur ausländische Zeitungen gelesen. Kottan und Ehefrau schauen sich gebannt eine Bildstörung im Fernsehen an, die laut Ansagerin wiederholt wird, weil sie beim ersten Mal nicht in allen Sendebereichen empfangen werden konnte. Kottan fällt beim Aussteigen aus dem Auto in einen offenen Kanalschacht, in der nächsten Szene kommt er im Smoking nach Hause und sieht dort einen früheren Kottan-Film. Prompt ruft er beim Sender an, um sich über diese Sendung zu beschweren. Zwei Gangster lauern Kottan immer wieder auf, und als er sich einem davon zum Duell stellt, legen beide die Kleidung ab. Danach ist der Gangster nackt und Kottan steht im Superman-Kostüm da. Kottan schaltet den Fernseher aus, weil er die Ansage des Programms für den nächsten Tag nicht hören will. Da klingelt es an der Tür; draußen steht die Ansagerin und bringt ihren Text doch noch an den Mann. In Folge 3 dauert es eine Viertelstunde, bis der eigentliche Kriminalfall nach derartigen Szenen überhaupt losgeht.

Noch mehr als in den ersten beiden Folgen werden die immer gleichen Handlungsmuster "herkömmlicher" TV-Krimis auf die Schippe genommen. Auch die Running Gags werden mehr: Immer wieder werden Autotüren abgefahren (oder auch nicht), der Kaffee ist immer zu heiß und Pilch, der in "Wien Mitte" seinen ersten Auftritt hat, entwickelt einen wahnhaften Hass auf Stubenfliegen. Auch Erwin Drballa, dem es bestimmt ist, immer wieder Leichen zu finden, gibt in Folge 3 seinen Einstand. Das Spielen mit dem Medium Film geht aber noch weiter. Kottan blickt ab und zu in die Kamera, manchmal spricht er sogar den Zuschauer an - er macht also etwas, was man im Film sonst tunlichst vermeidet. Der Einsatz der Filmmusik verändert sich ebenfalls. Vermehrt werden bekannte Melodien aus anderen Filmen passend zur Situation eingesetzt, Anspielungen auf andere Filme finden sich auch sonst sehr häufig. In jeder Folge wird Kottans Privatleben ein Detail hinzugefügt: Er hat auch einen Sohn, die Hochzeit seiner Tochter platzt und sie wird schwanger.

6: Räuber und Gendarm

Zwei Schergen des Ganovenchefs Horrak rauben ein Postamt aus und verschleppen einen Angestellten als Geisel. Prompt kommt es zum Streit um die Beute: Albert Zartl, einer der beiden Räuber, lässt seinen Kumpan von der Geisel fesseln, fesselt den Angestellten dann selbst und verschwindet mit der Beute. Horrak geht dennoch leer aus, denn in der Tasche, in der das Geld sein sollte, sind nur Zeitungen. Die Gefesselten können sich später befreien, der Räuber allerdings erst, als der Angestellte ihn schon bei der Polizei verpfiffen hat. Kottan erhält den Fall, weil die Kollegen vom Raubdezernat alle krank sind. Der geleimte Räuber entwischt ihm zwar, aber er erkennt ihn als einen von Horraks Leuten und ermittelt nun gegen seinen alten Feind. Dadurch wird er dem Gangster so lästig, dass dieser einen Auftragskiller auf Kottan ansetzt. Die in der Brusttasche getragene Dienstmarke bewahrt den Major jedoch vor dem Tod. Der Killer beseitigt Zartl, dessen Leiche vom Postangestellten identifiziert wird. Wenig später wird auch der andere Räuber tot aufgefunden. Kottan findet heraus, dass der Bankangestellte Horrak einen Tip über das dort aufbewahrte Geld gegeben hatte. Tatsächlich hatte er sich mit der Beute aus dem Staub gemacht (er hatte den Austausch der Taschen beobachtet) und Räuber Nr. 2 erschlagen.

7: Die Beförderung

Der Kredithai Mayringer wird überfallen. Der Täter, ein Zuhälter namens Leopold Formanek, ist genau darüber informiert, dass in Mayringers Wohnung Geld und Wertsachen zu finden sind, denn der Wucherer war Kunde bei Formaneks Freundin. Es kommt zu einem Handgemenge, Mayringer stürzt, Formanek flieht. Er wird von Mayringers Nachbarn und vom Sekretär Hruby gesehen. Am nächsten Tag wird Mayringer tot aufgefunden. War es ein unglücklicher Sturz - oder Mord? Hruby erkennt den Täter und erpresst Formanek, der glaubt aber, Mayringers Nachbar sei der Erpresser und bedroht ihn seinerseits. Prompt läuft der Nachbar zur Polizei und bringt Kottan so auf Formaneks Spur. Der setzt sich jedoch nach Lanzarote ab, und da es kein Auslieferungsabkommen gibt, muss Kottan ihm folgen und ihn irgendwie dazu bringen, nach Österreich zurückzukehren. Das gelingt ihm auch, wobei er sich den Umstand zu Nutze macht, dass Formanek die Beute zu Hause zurücklassen musste. Formanek wird noch am Flughafen verhaftet, aber Kottan glaubt nicht, dass er der Mörder ist. Er tippt eher auf den Nachbarn und stellt diesem eine Falle. Kottan liegt richtig: Der Nachbar hatte Mayringer bewusstlos vorgefunden, die wertvollen Bilder in dessen Wohnung gegen Fälschungen ausgetauscht und Mayringer erschlagen. So recht kann Kottan sich nicht über den Erfolg seiner Ermittlungen freuen. Er hatte sich auf den vakant gewordenen Posten des Dezernatsleiters beworben (Pilch ist zum Polizeipräsidenten befördert worden), aber während seiner Reise nach Lanzarote hatte sich auch Schremser beworben und war befördert worden.

8: So long, Kottan

Ein anonymer Anrufer teilt Kottan Zeit und Ort eines Mordes mit, der erst noch begangen werden wird. Tatort soll das Jörgerbad sein. Kottan und Schremser observieren das Bad, der Mörder schlägt aber trotzdem zu. Ebenso wenig Erfolg hat Kottan beim Versuch, die nächsten beiden Morde zu verhindern, die ebenfalls vorher angekündigt werden. Wenigstens findet Kottan in den Wohnungen zweier Opfer je das gleiche Foto mit einer Gruppenaufnahme. Die Opfer müssen sich also gekannt haben. Wenig später meldet sich Helmut Gassner, der ebenfalls zu den abgebildeten Personen gehört, denn er befürchtet, das nächste Opfer zu sein. Gassner und seine Freunde hatten seinerzeit einen gewissen Nußbaum beim Kartenspiel ruiniert - sie hatten organisiertes Falschspiel betrieben. Schließlich gibt der Mörder ein Zeitungsinserat auf, in dem er den nächsten Tatort beschreibt. Die Beschreibung passt genau auf Kottans Wohnzimmer. Kottan will den Mörder zu Hause erwarten, wird jedoch von Gassner in eine andere Wohnung gelockt. Gassner, offenbar verrückt geworden, ist der wahre Mörder. Er hat seine damaligen Spießgesellen aus Neid ermordet, denn im Gegensatz zu ihnen war es ihm nicht gelungen, etwas aus dem gewonnenen Geld zu machen. Nun will er seine Taten mit dem Mord an Kottan krönen, doch Kottans Mutter bringt den Übeltäter mit einem gezielten Hieb zur Strecke.

Kommentar zu den Folgen 6 bis 8

"Räuber und Gendarm" bringt schon wieder einen neuen Kottan. Lukas Resetarits wird diese Rolle nun bis zum Ende der Reihe spielen. Passend zu Kottan Nr. 3 liest seine Frau denn auch das Buch "Der dritte Mann" und es stehen drei Hochzeitsfotos im Regal. Resetarits wirkt fast zu jung für seine Frau und auch für seine Kollegen, was natürlich ebenfalls als Aufhänger für Gags verwendet wird. Eigentlich könnte man ihn aufgrund seiner Jugend eher für einen Gehilfen Schremsers halten, der ja prompt Dezernatsleiter wird. Resetarits fügt Kottan eine neue Charaktereigenschaft hinzu: Eine enorme Coolness. Mit dem Ganoven Horrak hat eine weitere wiederkehrende Figur ihren Auftritt - der Schauspieler hat zwar schon in "Drohbriefe" einen Wirt namens Horrak gespielt, aber das sollte, wenn ich die Konstellation richtig verstehe, der Bruder von Kottans Erzfeind sein. Das Spiel mit Filmklischees, Running Gags und seltsamen Situationen geht auch beim neuen Kottan weiter. Die bekannte Fernsehansagerin wendet sich mehrmals direkt an die Zuschauer (einmal klopft sie von innen gegen den Bildschirm, um Kottan zu wecken), einmal gibt es sogar einen Filmriss. In "Die Beförderung" tritt erstmals der "neue Pilch" auf, und erst der neue Schauspieler (Kurt Weinzierl) macht ihn zu einer immer merkwürdiger werdenden Gestalt. In diesem Film hat "Kottan's Kapelle", ein weiteres wiederkehrendes Element, ihren ersten Einsatz: Kottan, Schremser und Schrammel haben einen Bühnenauftritt zu Vollplayback. Die Verwendung zur Situation passender Musiktitel nimmt ebenfalls immer mehr zu. Ansonsten ist vielleicht noch erwähnenswert, dass etwas mehr Action eingebaut wurde, und dass Kottan erstmals im Ausland (Lanzarote) tätig wird.

"So long Kottan" ist die erste nur noch 60 Minuten lange Folge. Die ersten sieben Filme waren hierzulande, wenn ich mich recht erinnere, nur in den Dritten Programmen ausgestrahlt worden. Mit Folge 8 änderte sich das: Die Episoden wurden nun gemeinsam von ORF und ZDF produziert, sie liefen dann auch regelmäßig im ZDF, allerdings nur noch als einstündige Kurzfilme. Mit dieser Folge beginnt Pilchs Dauerkampf gegen den Kaffeeautomaten und Kottans in Krimis vernarrte Mutter zieht bei ihrem Sohn ein. Außerdem verabschiedet die Serie sich endgültig von der Realität: Im Jörgerbad treibt ein Vampir sein Unwesen, ein seltsamer Mann im weißen Anzug lebt in der Kanalisation und die Panzerknacker aus den Donald-Duck-Comics überfallen eine Postfiliale. Dennoch gibt es immer noch einen handfesten Kriminalfall zu lösen. Diese Mischung aus völlig abgedrehten Szenen und "normaler" Krimikost, wie immer garniert mit dem Geplänkel zwischen den Hauptfiguren, kam offenbar beim deutschen Publikum gut genug an: Es folgten noch 11 weitere Episoden.

Die DVD:

Die nett gestaltete DVD-Box enthält außer den vier Silberlingen und einem kenntnisreich geschriebenen, mehrseitigen Booklet (mit vielen allgemeinen Infos zur Serie, Inhaltsangaben usw.) auch etwas Bonusmaterial. Dokumentationen, ein "Making of" oder dergleichen sind zwar nicht vorhanden, dafür aber die komplette Folge "Drohbriefe" als gut gemacher Comic, an dem ich nur auszusetzen habe, dass die Panels für einen normalen TV-Bildschirm zu klein sind. Da kann man den Text kaum entziffern. Hinzu kommt der erste Teil von "Kottans Kapelle". Das ist ein ca. 44-minütiger Zusammenschnitt einiger der vielen "musikalischen" Szenen aus diversen Kottan-Folgen. Das sind nicht nur Auftritte von Kottans Kapelle, sondern auch andere Szenen, in denen tatsächlich oder zu Vollplayback gesungen wird. Diese "Revue" ist 1988 entstanden und bietet einen guten Einblick in typische Situationen der Kottan-Serie.

J. Kreis, 18.06.2008


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