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Kleine Verbrechen Kleine Verbrechen (Griechenland, Zypern, Deutschland, 2008)
- Mikro eglima -
DVD Regionalcode 0, Good!Movies
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras
Making of, Interview mit dem Regisseur, Outtakes, Trailer

Regie:
Christos Georgiou

Hauptdarsteller:
Aris Servetalis (Leonidas)
Viki Papadopoulou (Angeliki Pleiades)
Antonis Katsaris (Zacharias Karagiannis)
Rania Ekonomidou (Anastasia Pleiades)




Inhalt:

Der junge Polizist Leonidas wird nach dem Ende der Ausbildung in Manolas eingesetzt, einem winzigen Kaff auf Thirassia, der vom Tourismus wenig beachteten Nachbarinsel des Urlaubsparadieses Santorini. Seine einzige Aufgabe besteht darin, die Küste zu kontrollieren und Nudisten zu ermahnen. Von echten kriminalistischen Herausforderungen kann er nur träumen. Er hat die Versetzung nach Athen beantragt, doch eine Antwort steht noch aus. Eines Tages scheint die Stunde des ebenso übereifrigen wie tolpatschigen und schreckhaften Polizisten gekommen zu sein, denn Zacharias, ein kauziger Eigenbrötler, wird tot am Kraterrand aufgefunden. Während allgemein angenommen wird, dass der Alte betrunken war und unglücklich gestürzt ist, wittert Leonidas seinen ersten großen Kriminalfall. Als sein Kommandant sich nicht für die Sache interessiert, nimmt er kurzerhand selbst die Ermittlungen auf. Der Tote wird mangels anderer Möglichkeiten in der Kühltruhe eines Eisverkäufers zwischengeparkt. Die einzige vor Ort ansässige Ärztin lehnt eine Obduktion jedoch ab. Bei der Befragung möglicher Zeugen bekommt Leonidas ganz unterschiedliche Geschichten zu hören, so dass seine Phantasie bald mit ihm durchgeht.

Doch dann rückt Angeliki Pleiades in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Die junge Frau ist die berühmteste Tochter der Insel; sie moderiert eine eigene Fernsehshow in der Stadt und hat dafür sogar einen Preis erhalten. Die TV-Übertragung der Preisverleihungsfeier war vor Zacharias' Tod Gesprächsthema Nr. 1 in Manolas. Aus Anlass des Begräbnisses ist sie zurückgekehrt. Leonidas wird auf sie aufmerksam, weil sie sich für die Hinterlassenschaften des Toten interessiert. Die beiden verlieben sich ineinander und ermitteln gemeinsam weiter. Dabei decken sie geheime Pläne der Ärztin / Bürgermeisterin (die außerdem mit dem Polizeikommandanten liiert ist) auf. Diese hat ein Auge auf Zacharias' Grundstück geworfen, denn dort sollte ein moderner Wasserpark entstehen, mit dem mehr Touristen auf die Insel gelockt werden sollten. Der Alte hatte sich der Räumung jahrelang hartnäckig widersetzt. Das wäre durchaus ein Mordmotiv. Leonidas erfährt, dass Zacharias einst ein Verhältnis mit Angelikis Mutter hatte - Angeliki ist seine Tochter. Leonidas und Angeliki besetzen das Grundstück und verhindern, dass es abgerissen wird. Da trifft doch noch das ersehnte Versetzungsschreiben ein. Da Angeliki nicht nach Athen zurückkehren möchte, verzichtet Leonidas ihr zuliebe auf die Verwirklichung seines Traums.

Als beinahe von Touristen geschossene Fotos des in der Tiefkühltruhe zwischen Mythos-Bier und Eiscreme aufbewahrten Toten im Internet auftauchen, und als Leonidas ein Modell des Wasserparks verbrennt, platzt dem Polizeikommandanten der Kragen. Er befiehlt Leonidas, seine Untersuchungen einzustellen und sperrt ihn sogar vorübergehend ein. Wenigstens kann Angeliki das angeknackste Verhältnis zu ihrer Mutter klären. Sie bekennt sich öffentlich zu ihrem leiblichen Vater und erfährt, dass er damals ihre Mutter verlassen hatte; sie war bisher vom umgekehrten Fall ausgegangen. Angelikis Mutter hatte Zacharias nichts von ihrer Schwangerschaft gesagt. Er hätte nicht deswegen, sondern aus Liebe auf Thirassia bleiben sollen. Er war aber des Geldes wegen nach Australien ausgewandert. Durch Zufall erfährt Angeliki, dass ihre Show einer anderen Moderatorin übergeben worden ist. Wutentbrannt reist sie nach Athen. Als Leonidas wenig später mit ihr telefoniert, stellt er durch Zufall Zacharias' Unfall nach: Um besseren Empfang zu haben, klettert er auf das Dach eines Hauses. Er bemerkt, dass man von dort aus den Fernseher von Angelikis Mutter genau im Blick hat. Zacharias muss auf dieses Dach geklettert sein, um die Preisverleihung sehen zu können. Dabei ist er abgerutscht und gestürzt, und somit ist der Fall geklärt. Auch Leonidas stürzt ab, doch er kommt mit einem Beinbruch davon.

Der Film:

Für Leute, die sich noch nicht in Griechenland und speziell Santorini verliebt haben, ist dieser Film nicht unbedingt geeignet. Die Story gibt schließlich nicht viel her, Action gibt es bis auf eine (eingebildete) Szene mit dem nächtlichen Angriff von US-Agenten nicht, der Humor ist meist eher albern und auch die Liebesgeschichte verläuft relativ undramatisch. Was bleibt, sind wundervolle Landschaftsaufnahmen der von Santorini, Thirassia und Aspronisi gebildeten Caldera und des stillen Dörfchens, das derart von der Sonne durchglüht ist, dass man fast selbst ins Schwitzen gerät. Nett gemacht sind auch die von Leonidas imaginierten verschiedenen Versionen des "Tathergangs". Immerhin sind Leonidas, der naive, etwas unbeholfene und mit zu viel Phantasie gesegnete Möchtegern-Cop sowie Angeliki, seine welterfahrene Angebetete, sympathisch genug, um als Identifikationsfiguren selbst für Nicht-Griechen dienen zu können. Auch wirken die anderen, meist leicht spleenigen Figuren durchweg authentisch.

Wer jedoch Griechenland liebt und die Griechen kennt, der wird sich über unzählige kleine Details und die perfekt eingefangene Atmosphäre freuen. Auch wenn manches vom hier gezeigten Leben der Bewohner Thirassias übertrieben sein mag, so kann man doch sagen, dass der Film Lokalkolorit pur vermittelt. Ich glaube das beurteilen zu können, denn ich war schon sehr oft in Griechenland, davon allein dreimal auf Santorini, zuletzt im Sommer 2009. Kurz zuvor hatte ich "Kleine Verbrechen" im Kino gesehen. Deshalb bin ich auch mal mit dem Taxiboot rüber nach Thirassia gefahren, um dort nach den Drehorten Ausschau zu halten. Ich bilde mir sogar ein, das Gebäude identifiziert zu haben, das im Film als Polizeistation dient. Dort ist in Wirklichkeit die Post untergebracht.

Ernst gemeint ist in diesem Film nichts, auch wenn aktuelle Probleme Griechenlands unterschwellig anklingen. Das sind Themen wie Landflucht, Perspektivlosigkeit der Jugend und mangelnder Respekt vor den Behörden, die nur dazu da zu sein scheinen, verwandtschaftliches Postengeschacher zu ermöglichen. Auch von der Geschichte mit den Bodenspekulanten, der Tatsache, dass in Manolas anscheinend jeder jeden bespitzelt, oder der Tatenlosigkeit der Polizei darf man nicht etwa Gesellschaftskritik erwarten. So ist der Film nicht angelegt. Man sollte ihn als leichte Unterhaltung betrachten, vielleicht zur Einstimmung auf den nächsten Urlaub. Dann würde ich allerdings die griechische Sprachversion empfehlen. Man kann ja die deutschen Untertitel hinzuschalten.

Die DVD:

Das ca. 25 Minuten lange Making of besteht aus ziemlich viel unkommentiertem Hinter-den-Szenen-Material, bei dem die einzelnen Aufnahmen direkt in die entsprechenden Filmszenen übergehen. Hinzu kommen kurze Interviews. Darin wird bestätigt, was ich mir schon gedacht habe: Die Insulaner wurden ins Filmprojekt integriert, einzelne Dorfbewohner hatten kleine Rollen. Im gut 11 Minuten langen Interview mit dem Regisseur vergleicht dieser Leonidas mit Monsieur Hulot, jener unvergesslichen, von Jacques Tati erschaffenen Filmfigur. Ich würde Leonidas dagegen eher mit dem Postboten Francois aus einem anderen Film desselben Regisseurs ("Tatis Schützenfest") vergleichen. Außerdem schildert der Regisseur, wie der Film gefördert wurde. Hinzu kommen abgesehen vom Trailer noch neun nicht verwendete Szenen (insg. knapp 10 Minuten), die zwar keine neuen Erkenntnisse bringen, aber weitere schöne Einblicke ins Dorfleben ermöglichen. Allerdings versteht man als Nicht-Grieche herzlich wenig, denn die nicht verwendeten Szenen sind nicht synchronisiert und es sind auch keine Untertitel vorhanden.

J. Kreis, 04.01.2010


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