Die Klapperschlange


Die Klapperschlange (USA/GB, 1981)
- Escape from New York -

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
- 2 Audiokommentare (Regisseur und Hauptdarsteller / Produzentin und Ausstatter)
- Dokumentation "Rückkehr zur Klapperschlange" (23:00 Min.)
- Dokumentation "Snake Plissken - Man of Honor" (15:26 Min.)
- Die Original-Eröffnungsszene (10:46 Min.)
- Teaser und Trailer
- dynamicHD-Live

Regie:
John Carpenter

Hauptdarsteller:
Kurt Russell (S. D. Plissken - "Snake")
Harry Dean Stanton (Harold Helman - "Brain")
Lee Van Cleef (Bob Hauk)
Isaac Hayes (Duke von New York)
Adrienne Barbeau (Maggie)
Donald Pleasence (Präsident)
Ernest Borgnine (Cabbie)
Frank Doubleday (Romero)




Story

Im Jahre 1988 ist die Verbrechensrate in den USA so hoch, dass ein Hochsicherheitsgefängnis der besonderen Art benötigt wird, in dem Schwerverbrecher aus dem ganzen Land untergebracht werden können. Ganz Manhattan wird geräumt und mit einer riesigen Mauer vom Rest New Yorks abgeschottet. Alle Brücken werden blockiert und vermint, mehrere Wachstationen mit schwer bewaffneten Polizeieinheiten kontrollieren die Mauer und die Wasserwege. Eine Inhaftierung in Manhattan ist endgültig. Niemand kommt je wieder heraus. Innerhalb der Mauer gibt es keine Wachen, es werden nur regelmäßig Lebensmittel abgeworfen. Die Häftlinge werden ganz sich selbst überlassen und entwickeln im Verlauf der folgenden Jahre eine bizarre eigene Gesellschaftsform, in der das Recht des Stärkeren herrscht. Es gibt verschiedene rivalisierende Gruppen in der zerfallenden Stadt. Die größte wird vom "Duke" beherrscht. Die "Crazies" - Aasgeier und Kannibalen - leben im Untergrund.

1997: Der Ost-West-Konflikt hat sich dramatisch zugespitzt, die nukleare Vernichtung der Welt scheint nicht mehr abwendbar zu sein. Der Präsident der USA ist unterwegs mit der Air Force One zu Verhandlungen mit Russland und China, bei denen Unterlagen über einen neu entwickelten Kernfusionsreaktor als Zeichen des guten Willens der USA präsentiert werden sollen. Eine Selbstmordattentäterin der "Nationalen Befreiungsfront der Vereinigten Staaten von Amerika", die gegen den faschistischen Polizeistaat kämpft, entführt das Flugzeug. Die Frau lässt das Flugzeug in Manhattan abstürzen. Der Präsident kann sich rechtzeitig mit einer Rettungskapsel absetzen, wobei er die auf Tonband gespeicherten Daten und ein Armband mitnimmt, das seine Vitalwerte per Funk ausstrahlt. So kann seine Position jederzeit geortet werden. Als Commissioner Bob Hauk ein Rettungsteam zur Absturzstelle führt, findet er nur die leere Kapsel vor. Romero, ein Handlanger des Duke, überbringt einen abgetrennten Finger, der beweist, dass sich der Präsident in der Gewalt der Häftlinge befindet. Die Polizeikräfte müssen Manhattan sofort verlassen und dürfen sich nicht mehr dort blicken lassen, sonst droht dem Präsidenten der Tod. Er muss innerhalb der nächsten 24 Stunden befreit werden, da die Friedensverhandlungen sonst scheitern würden. Praktischerweise ist jemand vor Ort, der diese Mission im Alleingang bewältigen könnte: "Snake" Plissken (ein wegen Bankraubs zu lebenslänglicher Haft in Manhattan verurteilter Ex-Leutnant der Special Forces und bekannter Kriegsheld) sollte gerade eingeliefert werden. Er wäre der ideale Undercoveragent. Er soll nun mit einem "Gullfire"-Gleitflugzeug auf dem World Trade Center landen und den Präsidenten in Sicherheit bringen. Zur Belohnung winkt ihm die Amnestie.

Um sicherzustellen, dass Snake nicht einfach mit der Gullfire flieht, werden ihm zwei mikroskopisch kleine Sprengkapseln in die Halsschlagadern gesetzt, die in 22 Stunden explodieren werden. Erst 15 Minuten vor der Explosion können sie durch Röntgenstrahlen unschädlich gemacht werden. Snake dringt problemlos in die Gefängniszone ein und findet das Armband - aber nicht den Präsidenten. Ein Dieb hat es ihm abgenommen. Snake muss sich mit den Crazies herumschlagen, wobei sein Funkgerät zerstört wird, und begegnet dem alten "Cabbie", der ihn zu "Brain" bringt. Letzterer, ein alter Bekannter Snakes, lebt in der Stadtbibliothek und arbeitet als Planer und Benzinlieferant für den Duke. Brain berichtet, der Präsident befinde sich in dessen Gewalt und solle schon bald als Geisel bei einem Massenausbruch missbraucht werden. Brain selbst hat eine Karte angefertigt, die die Minenfelder der als Fluchtweg vorgesehenen Brücke zeigt. Brain und dessen Freundin Maggie führen Snake zu dem Versteck, in dem der Präsident gefangen gehalten wird, doch dort wird Snake am Bein verwundet und fällt dem Duke in die Hände. Während Snake zu einem Arenakampf gezwungen wird, gelingt Brain und Maggie die Befreiung des Präsidenten, wobei sie Romero töten. Auch Snake kann im entstehenden Durcheinander entkommen. Dukes Leute zerstören jedoch die Gullfire. Snake, Brain, Maggie und der Präsident entkommen mit Cabbies Hilfe, verfolgt vom Duke. Cabbie ist im Besitz des Tonbandes; er hat es von Romero im Austausch für seine Taxifahrermütze erhalten. Auf der Brücke wird Cabbies Wagen von einer Mine zerstört, der Alte kommt dabei ums Leben. Brain stirbt bei der Explosion einer weiteren Mine. Daraufhin opfert sich Maggie, um den Duke aufzuhalten. Der muss Snake und den Präsidenten danach zu Fuß verfolgen und kann nicht verhindern, dass letzterer über die Mauer gehievt wird.

Der Präsident erschießt den Duke aus sicherer Entfernung - so rächt er sich für die Folterung und Demütigung, die er durchmachen musste, und rettet außerdem nebenbei Snake, der nun ebenfalls über die Mauer gehoben wird. Wenige Sekunden vor Ablauf der Frist werden die Sprengladungen in Snakes Hals entschärft. Snake spricht kurz mit dem Präsidenten und stellt fest, dass diesem das Schicksal derjenigen, die bei seiner Befreiung gestorben sind, herzlich egal ist. Ein Angebot Hauks, der gern erneut mit ihm zusammenarbeiten würde, schlägt Snake aus. Nun wird der Präsident per Satellit der Friedenskonferenz zugeschaltet. Er spielt das Tonband ab, doch es erklingt nur Musik - Snake hat die Cassette in Cabbies Auto ausgetauscht. Er vernichtet das echte Band, während er von dannen spaziert...

Kringels Meinung

Es gibt Filme, die man nicht vergisst, wenn man sie als Jugendlicher gesehen hat. "Die Klapperschlange" (komisch - Snakes Tätowierung zeigt doch eine Kobra?) gehört definitiv dazu, allerdings ist dies einer jener Filme, die mit der Zeit etwas an Wirkung verlieren. Damals, in der ersten Hälfte der Achtziger, war er zusammen mit anderen dystopischen Filmen wie Blade Runner, Mad Max 2, Terminator, The Day after (und vielen mehr) Ausdruck für die durch globale Aufrüstung, Umweltverschmutzung usw. hervorgerufene Angst vieler Menschen vor dem Ende der Welt. Ich fand das apokalyptische Szenario der ummauerten Stadt, in der die Gewalt herrscht und die mit extremen Sicherheitsmaßnahmen bewacht werden muss, sehr interessant. Und natürlich war ich schwer beeindruckt von Snake, dem zynischen Einzelgänger, dem wortkargen, unerschütterlichen, in jeder Situation beherrschten und einfach unglaublich coolen Anti-Helden. Beim Überfall der Crazies konnte man sich ebenso gut gruseln wie angesichts der spitz zugefeilten Zähne und der seltsamen Manieriertheiten Romeros, dessen Name übrigens bestimmt nicht zufällig an einen bekannten Regisseur erinnert. Es kommt noch ein anderer Name vor: Ein Untergebener Hauks heißt Cronenberg.

Die überzeugende Endzeit-Atmosphäre verfehlt auch bei wiederholtem Anschauen ihre Wirkung nicht. Man könnte glauben, Manhattan sei wirklich in ein gesetzloses Niemandsland verwandelt worden. Es macht einfach Spaß, Kurt Russell bzw. Snake dabei zuzusehen, wie er durch die heruntergekommene nächtliche Stadt voller Müll, Schrott, Feuer und Graffity stapft, quasi nebenbei mit stets gelangweiltem Gesichtsausdruck ein paar Fieslinge ausknipst und gelegentlich sarkastische Oneliner von sich gibt. Aber irgendwie lässt die Story inzwischen ein gewisses Gefühl der Leere zurück. Das war schon alles? Snake geht rein, muss sich mit den üblichen zerlumpten Gestalten herumschlagen, den üblichen Arenakampf hinter sich bringen und die übliche Auto-Verfolgungsjagd überstehen, wobei ein paar verzichtbare Sidekicks auf der Strecke bleiben, dann geht er wieder raus. Abgesehen von einer merkwürdigen Variete-Veranstaltung und einigen wenigen Andeutungen bekommt man vom Leben in der isolierten Stadt und der restlichen Welt nichts zu sehen. Keine einzige Haupt- und Nebenfigur wird genauer ausgearbeitet, schillernde Gestalten wie Romero, aus dem man viel mehr hätte machen können, werden sogar die meiste Zeit sträflich ignoriert. Und dummerweise mag ich Ernest Borgnine einfach nicht, obwohl gerade er seiner Figur mehr Profil verleiht als manch anderer Schauspieler.

Charakterentwicklung? Ausarbeitung des Szenarios (Anarchie in Manhattan, reaktionärer Imperialismus in den USA, der drohende 3. Weltkrieg)? Fehlanzeige. Was bekommt man stattdessen zu sehen? Snake auf der Flucht vor den Crazies, Snake und Begleiter auf der Flucht vor den Gangstern, Snake und Begleiter auf der Flucht vor dem Duke. Das ist mir inzwischen zu wenig. Echte Spannung will da nicht so recht aufkommen. Aber ich will nicht zu kritisch sein. Solide Action mit konsequent düsterer Atmosphäre wird ja immerhin geboten. Und natürlich gefällt mir das ziemlich gemeine Ende; vermutlich wird der Krieg nach der verunglückten Ansprache des Präsidenten erst so richtig losgehen. Der von Carpenter selbst kreierte Soundtrack ist ebenfalls nicht zu verachten.

Kleine Randnotiz: Die Szene, in der die Selbstmordattentäterin die Air Force One direkt in ein Hochhaus lenkt (allerdings nicht in die Twin Towers), hatte ich ganz vergessen. Da ist mir direkt ein Schauer über den Rücken gelaufen.

Blu-ray-Features:

Mit der Bildqualität dieser BluRay kann man nur auf den ersten Blick zufrieden sein. Die Farben sind satt und kräftig, das Bild ist scharf und klar - jedenfalls im mittleren Bereich. Am oberen und unteren Bildrand sind beim genaueren Hinsehen deutliche Unschärfen erkennbar. Außerdem herrscht meines Erachtens weit mehr Dunkelheit als vom Regisseur vorgesehen. Manche Bildbestandteile werden von der Schwärze geradezu verschluckt. Der englische Ton wirkt ziemlich dumpf. Schade. Da hätte ich mehr erwartet.

Das Bonusmaterial ist nicht besonders umfangreich, wenn man von den Audiokommentaren absieht, die ich mir noch nicht zu Gemüte geführt habe. Im so genannten Making of bekommt man nichts von den Dreharbeiten oder sonstigen Schritten des Produktionsprozesses zu sehen, es handelt sich vielmehr um eine Mischung aus Interviews (wahrscheinlich aus dem Jahr 2004) und Filmszenen. Immerhin erfährt man unter anderem, wo wirklich gedreht wurde: Nicht in New York, sondern in St. Louis, Missouri. Dort hatte es kurz zuvor eine Brandkatastrophe gegeben - die perfekte Kulisse für diesen Film. Die Featurette "Snake Plissken - Man of Honor" ist genauso aufgebaut und enthält kaum neues Material, die Interviews wiederholen sich. Witzig übrigens, was der Regisseur über Snake denkt: In einer durch und durch korrupten Welt ist Snake der einzige ehrenhafte Mensch, denn er kümmert sich ausschließlich um sich selbst, alle anderen sind ihm egal...

Die Original-Eröffnungsszene ist besonders interessant. Ursprünglich hätte "Die Klapperschlange" etwa sieben Minuten länger sein sollen, und man hätte gesehen, wie Snake zusammen mit einem Kumpan den Bankraub durchzieht, für den er zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Er wird nur verhaftet, weil er seinen angeschossenen Partner nicht zurücklassen will. So wird übrigens ein Widerspruch zwischen der deutschen und der englischen Version des Films deutlich. Im Original liest Hauk vor, Snake sei wegen Einbruchs im Federal Reserve Depository verurteilt worden. In der deutschen Version wird daraus ein Nuklearwaffendepot...


J. Kreis, 24.08.2010




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