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Königreich der Himmel Königreich der Himmel - Director's Cut (USA/GB/S/D, 2005)
- Kingdom of Heaven -

BluRay, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 189 Minuten

Extras
- Kinotrailer

Regie:
Ridley Scott

Hauptdarsteller:
Orlando Bloom (Balian von Ibelin)
Eva Green (Sibylla)
Liam Neeson (Godfrey von Ibelin)
Marton Csokas (Guy de Lusignan)
Edward Norton (König Balduin IV.)
Ghassan Massoud (Salah ad-Din)
Jeremy Irons (Tiberias)
Brendan Gleeson (Reynald de Chatillon)
Alexander Siddig (Imad ad-Din al-Isfahani)
David Thewlis (Ritter vom Hospitaliter-Orden)




Inhalt:

Im Jahre 1099 erobern Kreuzritter Jerusalem und richten ein schreckliches Gemetzel unter der muslimischen und jüdischen Bevölkerung an. Sie gründen das Königreich Jerusalem, das nach und nach um mehrere Städte im Heiligen Land erweitert wird. Sultan Salah ad-Din macht es sich zur Aufgabe, die Stadt zurückzuerobern. Etwa hundert Jahre nach der Eroberung Jerusalems besteht zwar noch ein Waffenstillstand mit dem leprakranken König Balduin, aber einige Gefolgsleute Salah ad-Dins wollen Krieg. Noch scheut Salah ad-Din vor dem entscheidenden Angriff zurück, doch er wird ständig provoziert, insbesondere durch die Tempelritter, die immer wieder muslimische Karawanen überfallen und von Balduin nicht kontrolliert werden können.

Der Kreuzritter Godfrey, Baron von Ibelin, kehrt 1184 mit einigen Gefolgsleuten in seine Heimat Frankreich zurück, um seinen unehelichen Sohn Balian zu suchen. Der junge Mann arbeitet als Schmied in einem kleinen Dorf. Er hat gerade seine Frau verloren, die wegen des Todes ihres Kindes Selbstmord begangen hat und deshalb nach Meinung des fanatischen Dorfpriesters (Balians Bruder) in der Hölle ist. Godfrey bietet Balian an, gemeinsam ins Heilige Land zu reisen, wo der Baron nicht nur über 100 Ritter gebietet, sondern auch eigenes Land besitzt. Balian lehnt zunächst ab. Als er von seinem Bruder provoziert wird und diesen tötet, schließt er sich Godfrey doch noch an, um in Jerusalem Vergebung für seine Sünden und die seiner Frau zu finden. Soldaten des Erzbischofs fordern Godfrey zur Herausgabe Balians auf. Es kommt zum Kampf. Godfrey wird verwundet. Die Gruppe erreicht zwar noch die Stadt Messina, doch Godfrey leidet an einer Wundinfektion. Bevor er stirbt, schlägt er Balian zum Ritter und ernennt ihn zu seinem Nachfolger. Balian soll dem König von Jerusalem dienen und das Volk beschützen. Nach Godfreys Tod will Balian ins Heilige Land übersetzen. Sein Schiff gerät jedoch in einen Sturm und zerschellt an der Küste. Nur sein Schwert und ein aus dem Wrack gerettetes Pferd bleiben dem jungen Mann, und letzteres wird ihm von einem muslimischen Edelmann streitig gemacht, der zufällig zugegen ist. Balian ist gezwungen, den Mann zu töten. Er verschont jedoch dessen Begleiter und lässt sich von diesem nach Jerusalem bringen. Dort lässt er ihn gehen und schenkt ihm obendrein das Pferd. Er ahnt nicht, dass er es mit Imad ad-Din al-Isfahani, einem Schüler und Vertrauten Salah ad-Dins, zu tun hat.

In Jerusalem findet Balian weder Vergebung noch göttliche Erleuchtung. Desillusioniert fragt er sich, ob er seinen Glauben verloren hat. Er begegnet Godfreys Rittern und wird von diesen als neuer Baron von Ibelin akzeptiert. Von einem Ritter des Hospitaliter-Ordens, der mit Godfrey befreundet war, wird Balian Tiberias vorgestellt, dem Statthalter Jerusalems. Außerdem begegnet er Sibylla, der Schwester des Königs, sowie Guy de Lusignan, ihrem ungeliebten Gatten und Oberhaupt der Tempelritter. Der Templer verachtet den nichtadligen Balian. Guy und seinesgleichen sind gegen die Freiheiten, die die Sarazenen in Jerusalem unter Balduins Herrschaft genießen. Außerdem steckt er hinter den Überfällen auf Karawanen. Davon weiß allerdings niemand, da der brutale Templer Reynald de Chatillon die Rolle des Sündenbocks auf sich nimmt. Guy wartet ungeduldig auf das Ende des dahinsiechenden Königs, um endgültig gegen Salah ad-Din ins Feld ziehen zu können. Tiberius, ebenfalls ein Freund Godfreys, weiht Balian in die Probleme ein, die er bei der Wahrung des brüchigen Friedens hat. Ihm und dem König ist klar, dass die Kreuzfahrer niemals gegen die gewaltigen Armeen Salah ad-Dins bestehen könnten, aber die Templer sind in ihrer fanatischen Verbledung von der Unbesiegbarkeit christlicher Heere überzeugt. Sibylla findet Gefallen an Balian. Sie führt ihn zu König Balduin, den der junge Mann mit seinen Kenntnissen in Sachen Festungsbau und Kriegstechnik beeindruckt.

Als neuer Herr von Ibelin kümmert sich Balian um den Ausbau seiner Ländereien. Er legt Bewässerungsgräben an und schafft sich eine neue Heimat, in der er ein Verhältnis mit Sibylla beginnt. Als die Templer eine weitere Karawane überfallen, wollen die Sarazenen Reynalds Bestrafung selbst in die Hand nehmen. Sie greifen seine Festung Kerak an. Balians kleine Streitmacht stellt sich den Feinden allein entgegen, um der Zivilbevölkerung die Flucht hinter die Festungsmauern zu ermöglichen. Balian wird zwar besiegt, doch sein Widersacher verzichtet darauf, ihn zu töten: Es ist Imad, der nun seine Blutschuld begleicht. Salah ad-Dins Hauptstreitmacht schickt sich an, Kerak zu belagern. Da erscheint Balduin an der Spitze eines gewaltigen Heeres. Wieder einmal einigen sich die beiden Herrscher friedlich. Salah ad-Din zieht sich zurück, Reynald wird eingekerkert. Durch den anstrengenden Ritt wird Balduin weiter geschwächt. Als er sein Ende nahen fühlt, macht er Balian einen verlockenden Vorschlag: Der junge Ritter soll Sibylla heiraten, um zu verhindern, dass Guy die Macht an sich reißt. Guy, Reynald und all ihre Anhänger sollen beseitigt werden. Balian lehnt ab, da er dieses Vorhaben aufgrund seiner Ritterehre nicht billigen kann. Somit wird Sibyllas unmündiger Sohn nach Balduins Tod zum neuen König Jerusalems gekrönt. Da Sibylla nicht auf Guys Ritter verzichten kann, paktiert sie mit ihm. Als sich herausstellt, dass auch Sibyllas Sohn an Lepra erkrankt ist, tötet sie ihn mit Gift, um ihm Balduins Leid zu ersparen. Somit wird sie selbst zur Königin gekrönt - Guy als ihr Gatte wird König.

Guy will Balian ermorden lassen, doch dieser übersteht den Anschlag. Gleichzeitig befreit der neue König seinen Gefolgsmann Reynald und stiftet ihn an, Salah ad-Dins Schwester zu ermorden, um somit einen Krieg vom Zaun zu brechen. Er zieht selbst gegen die Sarazenen zu Felde, wird aber vernichtend geschlagen. Salah ad-Din enthauptet Reynald persönlich. Guy wird gefangen genommen. Nachdem auch noch Tiberius mit seinen Männern abgezogen ist, obliegt allein Balian die Verteidigung Jerusalems. Er weiß, dass er auf verlorenem Posten steht. Es geht ihm nicht darum, die christlichen Heiligtümer vor den Sarazenen zu schützen, vielmehr will er die Stadtbevölkerung verteidigen. Nachdem er alle waffenfähigen Männer zu Rittern geschlagen hat, hält er die Stadtmauern so lange, bis Salah da-Din angesichts der eigenen Verluste endlich zu Verhandlungen bereit ist. Der Sultan verspricht den Menschen freien Abzug. Daraufhin übergibt Balian ihm die Stadt. Guy wird freigelassen. Er fordert Balian zum Schwertkampf heraus, wird von diesem aber besiegt, wenn auch nicht getötet. Balian kehrt mit Sibylla, die auf ihren Herrschaftsanspruch über die anderen Städte des Königreichs verzichtet hat, zurück nach Frankreich. Dort begegnet er dem britischen König Richard Löwenherz, der einen neuen Kreuzzug anführt. Der König sucht nach Balian, dem Verteidiger Jerusalems, um ihn in sein Heer aufzunehmen. Balian sagt jedoch, er sei nur der Schmied...

Der Film:

Die Zusammenfassug bezieht sich auf den Director's Cut, der 46 Minuten länger ist als die Kinoversion. Der Director's Cut enthält nicht nur deutlich explizitere Gewaltszenen, sondern auch ganz neue Handlungsebenen, die den Film sehr viel "runder" machen und die Motivationen der Hauptpersonen deutlicher werden lassen. Schon gleich zu Anfang wird viel klarer, was es mit Balians toter Frau sowie seinem Bruder auf sich hat, warum Balian seinem Vater letztlich folgt, und warum Balian sich so gut mit Kriegsmaschinen auskennt. Außerdem kommt Sibyllas Sohn in der Kinoversion überhaupt nicht vor. Im Director's Cut wird durch sein trauriges Schicksal klar, warum Sibylla ihrem Ehemann schließlich doch zu Willen ist. Nur im Director's Cut hat diese Figur überhaupt eine Daseinsberechtigung, in der Kinoversion ist sie kaum mehr als Balians "Love interest". Somit ist der Director's Cut der Kinoversion auf jeden Fall vorzuziehen. Obwohl er so viel länger ist als die Kinoversion, finde ich ihn kurzweiliger und spannender, denn gute Geschichten handeln nicht von geschichtlichen Ereignissen, sondern von Menschen. In der Kinoversion werden die vielen interessanten Nebenfiguren (Balians Vater, Guy de Lusignan, der Ritter vom Hospitaliter-Orden usw.) recht stiefmütterlich behandelt, sie können sich kaum entfalten. Im Director's Cut erfüllt dagegen jeder eine sinnvolle Aufgabe und hat mehr Bildschirmzeit.

Das ist auch gut so, denn Orlando Bloom kann sich nicht als Hauptfigur durchsetzen, obwohl er sich redlich müht. Selbst in der Kinoversion kann er nicht gegen die exzellente Darstellerriege anstinken, obwohl sich der Film auf ihn konzentriert. Im Gewirr unterschiedlicher Interessen und politischer Intrigen wirkt Balian mit seiner geradlinigen Naivität eher bemitleidenswert. Hier schafft der Director's Cut zwar auch ein wenig Abhilfe, aber irgendwie bleibt ausgerechnet die Hauptfigur doch ein wenig zu blass. Im Director's Cut kommt besser zum Ausdruck, dass Balian zunächst wirklich daran glaubt, die Welt verbessern zu können, dann aber erkennt, dass es in Jerusalem nicht um die Errichtung eines himmlischen Königreiches geht, sondern um Macht und Reichtum. Er selbst strebt weder nach dem einen noch nach dem anderen, sondern will sich eine neue Existenz aufbauen. Dabei folgt er stets seinem Ehrenkodex, wobei ihm der Fanatismus der Templer fremd ist. Alles zusammen führt am Ende dazu, dass er nur die Bewohner Jerusalems beschützen will, die sich nicht selbst verteidigen können.

Einen Balian von Ibelin hat es, wenn man der Geschichtsschreibung glauben darf, übrigens wirklich gegeben. Ebenso König Balduin IV., der tatsächlich leprakrank war, seine Schwester Sibylla und deren Gatten. Natürlich nimmt sich der Film viele Freiheiten bei der Erzählung der damaligen Geschehnisse, aber das ist der Dramaturgie geschuldet und kann deshalb akzeptiert werden. Salah ad-Din wird vielleicht zu positiv dargestellt, aber an seinem Beispiel soll ja vor allem gezeigt werden, dass die islamische Welt seinerzeit zivilisierter war als die Christenheit, dass es in beiden Lagern Fanatiker gibt, und dass eine friedliche Koexistenz bei etwas mehr Toleranz möglich wäre. Nicht umsonst wird gegen Ende des Films gezeigt, wie Salah ad-Din ein auf dem Boden liegendes Kruzifix behutsam auf einen Tisch stellt.

Wie viel von dem, was in diesem Film gezeigt wird - und damit meine ich nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Ausstattung, die Bauten, die Kostüme usw. - historisch korrekt ist, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls wird Wert auf Realismus und perfekt inszenierte Schauwerte gelegt, und so bekommt man beeindruckende Bilder zu sehen. Da werden atemberaubende Massenschlachten mit unzähligen Komparsen und Kavallerie sowie wuchtige Einzelkämpfe gezeigt. Die Nachbildung des mittelalterlichen Jerusalem kann sich wirklich sehen lassen, tolle Landschaftsaufnahmen und eine prächtige Ausstattung runden das Ganze ab. Insoweit ist der Film definitiv ein wahrer Genuss und vermittelt ein glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit. Durch den hochgeschraubten Gewaltgrad des Director's Cut haben die Kampfszenen die nötige Härte; in der Kinoversion haben sie auf mich zu harmlos gewirkt.

"Königreich der Himmel" krankt meiner Meinung nach an derselben Schwäche wie andere moderne Historienfilme (Troja, Alexander, King Arthur): Optisch sind sie alle top, aber ihnen fehlt das "Herz", d.h. eine starke zentrale Identifikationsfigur. Dabei hat Ridley Scott selbst doch mit Gladiator gezeigt, wie man es besser machen kann.

BluRay-Features:

Über drei Stunden Film in zwei Sprachen und mit mehreren Untertitelspuren - da war für Extras wohl kein Platz mehr. Und so findet man nur noch den Kinotrailer auf der BluRay.


J. Kreis, 07.06.2010


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