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King Arthur King Arthur - Director's Cut (USA / GB / Irland, 2004)

BluRay, Touchstone Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 142 Minuten

Extras
"Making of: Hinter den Kulissen eines Filmkunstwerks", "Stars und Filmemacher am runden Tisch", Alternatives Ende, Bildergalerie

Regie:
Antoine Fuqua

Hauptdarsteller:
Clive Owen (Artorius Castus - Arthur)
Ioan Gruffudd (Lancelot)
Keira Knightley (Guinevere)
Stellan Skarsgard (Cerdic)
Ray Winstone (Bors)
Mads Mikkelsen (Tristan)
Joel Edgerton (Gawain)
Hugh Dancy (Galahad)
Ray Stevenson (Dagonet)
Til Schweiger (Cynric)
Stephen Dillane (Merlin)
Ivano Marescotti (Bischof Naius Germanius)
Ken Stott (Marius Honorius)
Lorenzo De Angelis (Alecto)




Inhalt:

Mitte des 5. Jahrhunderts ist Britannien zwar noch von den Römern besetzt, aber die Legionen ziehen sich allmählich zurück, so dass es immer wieder zu Angriffen barbarischer Keltenstämme aus den Gebieten nördlich des Hadrianswalles kommt. Die Rebellen werden von einem geheimnisvollen Mann namens Merlin angeführt. Eine noch größere Gefahr - sowohl für die britannischen Rebellen als auch für die Römer - entsteht durch die Sachseninvasion. Die Römer verstärken ihre Armee durch die Kinder tributpflichtiger Völker, die zum Dienst in den Legionen gezwungen werden. Artorius Castus (genannt Arthur), Sohn eines Römers und einer Britannierin, ist der Befehlshaber einer solchen Kampfgruppe. Seine Männer wurden als Kinder aus der sarmatischen Steppe geholt und zu Kavalleriesoldaten ausgebildet. Im Jahre 467, nach 15 Jahren Kriegsdienst, sind nur noch Lancelot, Bors, Tristan, Gawain, Galahad und Dagonet am Leben. Sie hoffen, jetzt endlich in die Freiheit entlassen zu werden und in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen. Arthur ist der jüngste Spross einer Familie, die den Hadrianswall schon seit Generationen beschützt. Seine Mutter wurde vor vielen Jahren bei einem Überfall der Kelten getötet, weshalb Arthur kein Problem damit hat, gegen sie zu kämpfen, obwohl seine Mutter diesem Volk entstammt. Er träumt von einer Reise nach Rom, wo er seinen christlichen Mentor Pelagius treffen will. Dieser hat ihn dazu erzogen, an die Freiheit und Gleichheit aller Menschen zu glauben - die Stadt Rom ist für Arthur ein Sinnbild dieser hehren Ideale.

Eines Tages trifft Bischof Germanicus in der Festung am Hadrianswall ein, die Arthurs Rittern als Basis dient. Er hat die Freibriefe für die sechs Sarmaten dabei, will sie ihnen aber erst aushändigen, wenn sie eine letzte Mission für Rom erfüllen - die allerdings nichts anderes ist als ein Todeskommando. Sie sollen die Familie des einflussreichen Römers Marius Honorius in Sicherheit bringen, dessen Anwesen genau auf der Marschroute des Sachsenführers Cerdic liegt. Die Sachsen nähern sich dem Hadrianswall von Norden, wobei sie nur verbrannte Erde hinter sich lassen und jeden Britannier oder Römer töten, der ihnen begegnet. Alecto, der Sohn des Honorius, ist das bevorzugte Patenkind des Papstes und soll möglicherweise selbst einmal Papst werden. Die Sarmaten sind nicht erfreut über diese Nachricht, erst recht nicht, als bekannt wird, dass die Römer sich bald ganz aus Britannien zurückziehen und das Land schutzlos den Sachsen ausliefern wollen. Sie fragen sich, wofür sie all die Jahre überhaupt gekämpft haben. Doch ihre Treue zu Arthur, der die Mission aus purem Pflichtbewusstsein annimmt, ist ungebrochen. Unterwegs geraten die Ritter in einen Hinterhalt Merlins, doch sie werden verschont. Auf dem Hof der Familie Honorius befreit Arthur nicht nur dessen Sklaven, sondern auch die junge Guinevere. Man hatte die Keltin (und viele andere Heiden) gefoltert und dem Tod durch Verhungern überlassen. All diese Menschen sollen nun in Sicherheit gebracht werden, doch sie verlangsamen das Vorankommen des Trecks.

Unterwegs kommen sich Arthur und Guinevere näher. Auch Lancelot fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie bringt Arthur mit Merlin - ihrem Vater - zusammen, der ihn für den Freiheitskampf der Kelten gewinnen möchte. Arthur hält dies nicht für seine Bestimmung, doch seine Meinung ändert sich, als er von Alecto erfährt, dass Pelagius ermordet wurde: Bischof Germanius selbst hatte ihn der Ketzerei angeklagt. Arthurs Idealbild von Rom, so erklärt Alecto, existiert schon lange nicht mehr. Die Ritter müssen sich einem von Cynric, Cerdics Sohn, angeführten Teilheer der Sachsen stellen. Guinevere, eine gute Bogenschützin, schließt sich ihnen an. Dagonet opfert sich, um ihnen den Sieg zu ermöglichen. Arthur erkennt, dass er nicht nach Rom, sondern nach Britannien gehört. Seine Liebe zu Guinevere trägt nicht unerheblich dazu bei. Als das gesamte Sachsenheer schließlich vor dem Hadrianswall steht, ziehen die Römer ab. Auch die letzten sarmatischen Ritter wollen das Land verlassen. Nur Arthur bleibt zurück, um die Britannier, Kelten und Pikten in den Kampf zu führen. Als die Kriegstrommeln zu dröhnen beginnen, kehren Arthurs Männer jedoch um und warten mit ihm auf Badon Hill auf den Feind. Das Schlachtfeld wurde gut vorbereitet und die Kelten setzen neben Bogenschützen auch Katapulte ein. Lancelot besiegt Cynric, der Guinevere töten wollte, wird von diesem aber noch tödlich verwundet. Tristan unterliegt im Kampf gegen Cedric, der schließlich von Arthur getötet wird. Nachdem die Sachsen vernichtend geschlagen sind, werden Arthur und Guinevere von Merlin vermählt. Der Druide verkündet die Vereinigung beider Völker unter König Arthur.

Der Film:

Meiner Meinung nach ist dies einer der modernen Historienfilme, die ihre Entstehung dem großen Erfolg von Gladiator zu verdanken haben. Leider kann der Film bei der Story und den Hauptfiguren nicht annähernd mit "Gladiator" mithalten, und obwohl "King Arthur" viele schöne Landschaftsaufnahmen, gut gemachte Kulissen (Hadrianswall), nette Kostüme etc. sowie (zumindest im Director's Cut) einige beeindruckende Massen-Kampfszenen enthält, können auch die Schauwerte letztlich nicht hundertprozentig überzeugen.

Die Handlung folgt Neuinterpretationen der Artus-Sage aus jüngerer Zeit und verzichtet auf jeglichen magischen Firlefanz. In der Werbung für den Film wurde deshalb immer behauptet, der Film sei "historisch korrekt". Das ist natürlich Unsinn, denn wie kann man von historischer Korrektheit sprechen, wenn es um eine Hauptfigur geht, deren Existenz immer noch nicht bewiesen ist? Ich habe vor vielen Jahren so einige Bücher gelesen, die sich mit der Deutung dieser Sage befassen und in denen der Versuch gemacht wird, Artus, Merlin und andere Figuren historisch zu verorten. Deshalb weiß ich, dass die Idee, die Geschichte in der Zeit der zu Ende gehenden Römerherrschaft und der beginnenden Christianisierung spielen zu lassen, ebenso wenig neu ist wie die Verflechtung mit der Kultur der Kelten, namentlich den im Mabinogion überlieferten Mythen. Ein Artorius Castus hat wohl wirklich gelebt und u.a. am Hadrianswall gedient, allerdings nicht im 5. Jahrhundert, sondern 300 Jahre früher. OK, vielleicht ist der Film-Arthur ja ein Nachkomme dieses Legionärs? Dass die Ritter der Tafelrunde Sarmaten gewesen sein sollen (also Angehörige von Reitervölkern, die in der südrussischen Steppe gelebt haben), war mir neu. Die Integration sarmatischer Lanzenreiter in die römische Armee ist aber, soweit ich herausfinden konnte, historisch korrekt. Sie waren somit wohl tatsächlich Vorläufer der Ritter des europäischen Mittelalters. Es gibt noch eine Reihe weiterer Elemente der realen Geschichte, die in den Zeit-Kontext des Films passen, z.B. der von Bischof Germanius bekämpfte Pelagianismus.

Aber all das macht aus der Filmhandlung noch keine spannende Geschichte. Irgendwie scheint es nur darum zu gehen, dass Arthurs Ritter dringend nach Hause wollen, aber nicht gehen dürfen und am Ende auch gar nicht mehr gehen wollen. Und natürlich geht es um Arthurs Wandlung vom Idealisten zum... Idealisten. Letzten Endes läuft alles lediglich auf die große Schlacht zwischen Arthurs Mannen, verstärkt durch die pittoreskten Pikten, gegen die fiesen Sachsen hinaus. Das ist kein tragfähiges Gerüst für einen Film, vor allem dann nicht, wenn die Schauspieler eher lustlos agieren und auch gar keine Gelegenheit erhalten, zur Entwicklung ihrer Rollen beizutragen. Praktisch alle Hauptfiguren sind einfach da, sie werden nicht ordentlich eingeführt, ihre Motive bleiben nebulös und es ist ziemlich egal, wer von ihnen ins Gras beißt. Eigentlich habe ich nur Tristans Ende bedauert, weil er eine mindestens so coole Figur ist wie Nasir in der TV-Serie Robin Hood aus den Achtzigern. Keira Knightley hat zumindest als bemalte, kreischend aufs Schlachtfeld stürmende Barbarin einen starken Auftritt, aber Clive Owen und Ioan Gruffudd bleiben so blass, dass man sich nicht mit ihnen identifizieren kann. Die Beziehungen dieser drei Figuren untereinander werden höchstens angedeutet, da wäre viel mehr drin gewesen. Unsympathisch ist Arthur ja nicht, aber von seinem angeblichen Charisma bemerkt man als Zuschauer nicht viel. Ausgerechnet die Bösen können da besser punkten: Stellan Skarsgard spielt den wortkargen Sachsenfürsten völlig überzeugend. Til Schweiger nervt in der Rolle des ruppigen, stets schlecht gelaunten Cynric nicht nur nicht, sondern agiert richtig akzeptabel.

An den stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen, den Film-Sets und der Ausstattung gibt es wenig auszusetzen. Man hat es hier nicht mit Rittern in strahlenden Rüstungen zu tun, sondern mit Kämpfern, die sich nach zweckmäßigen Gesichtspunkten ausrüsten und nach einem Gefecht ziemlich schmuddelig aussehen. Abgesehen vom Hadrianswall, einem dazu gehörenden Fort und einer römischen Villa bekommt man nicht viel an Kulissen zu sehen, aber das stört nicht weiter. Die heftigen Kampfszenen, teils mit unzähligen Komparsen, reißen es heraus. Sie verhindern, dass der Film zum Totalverlust wird. Das gilt allerdings nur für den Director's Cut, denn die Kinoversion ist gerade bei den Kämpfen stark geschnitten. Da sieht man im Grunde gar nichts - im DC dagegen spritzt Blut, fliegen Köpfe und Gliedmaßen durch die Gegend usw., was dem Film die realistische Härte verleiht, die er braucht.

Die BluRay-Disc:

Fürs Heimkino sind sowohl die Kinoversion als auch der Director's Cut erhältlich. Meine Empfehlung: Nehmt den DC, denn nur in dieser Version sind die Kampfszenen wirklich sehenswert; in der Kinoversion wirken sie viel zu zahnlos. Außerdem enthält der DC einige zusätzliche Handlungsszenen, z.B. sieht man den jungen Arthur zu Beginn zusammen mit Pelagius. Insgesamt ist der DC ca. 15 Minuten länger als die Kinoversion.

Der geringe Umfang des Bonusmaterials ist ungewöhnlich für BluRays. Es handelt sich wohl ausschließlich um Featurettes, die schon der DVD-Veröffentlichung beigefügt waren, denn sie haben kein HD-Format. Das ca. 17 Minuten lange so genannte "Making of" enthält die obligatorische, schnell zusammengeschnittene Mixtur aus Film- und Interviewschnipseln sowie ein bisschen Hinter-den-Szenen-Material. Das ca. 15 Minuten lange Gespräch des Regisseurs, des Produzenten, des Drehbuchautors und einiger Hauptdarsteller am Runden Tisch hat im Prinzip ähnlichen Inhalt, hier interviewen sich die Leute aber gegenseitig, während sie tatsächlich an einer Tafelrunde sitzen. Beide Featurettes zusammen vermitteln wenigstens einen kleinen Eindruck vom Aufwand, der für die Produktion betrieben wurde: Aberdutzende von Statisten mussten so etwas wie ein militärisches Training über sich ergehen lassen, der Hadrianswall ist keine Computergrafik oder Miniatur, sondern wurde im Originalmaßstab erbaut, und es gab immer Probleme mit den Pferden, die einfach nicht still stehenbleiben wollten.

Neben einer kleinen Bildergalerie gibt's dann noch ein alternatives Ende (ca. 4 Minuten). Der Film endet dabei nicht mit Arthurs und Guineveres Hochzeit (die fällt aus), sondern mit einem traurigen Moment auf dem Schlachtfeld. Optional kann man einen Audiokommentar des Regisseurs dazuschalten.

J. Kreis, 16.12.2009


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