Zurück zu den Filmen

Johanna von Orleans Johanna von Orleans (Frankreich, 1999)
- The Messenger: The Story of Joan of Arc -

DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 152 Minuten

Extras
Making of, Teaser und Trailer, Soundtrack, Filmografien (Texttafeln)

Regie:
Luc Besson

Hauptdarsteller:
Milla Jovovich (Jeanne d'Arc)
John Malkovich (Der Dauphin / Charles VII.)
Dustin Hoffman (Das Gewissen)
Faye Dunaway (Yolande von Aragon)
Timothy West (Pierre Cauchon)




Inhalt:

Im Jahre 1415 gewinnen die nach Frankreich eingedrungenen Engländer im Hundertjährigen Krieg die Schlacht von Azincourt. England beherrscht nun den ganzen nördlichen Teil des Landes bis zur Loire. Englische Marodeure überfallen das Dorf, in dem die junge Jeanne d'Arc lebt. Als das Mädchen mit ansehen muss, wie ihre Schwester vergewaltigt und getötet wird, verändert sich ihr Leben schlagartig. Sie war schon immer besonders religiös und hatte Visionen, die sie als himmlische Eingebungen betrachtete. Jetzt glaubt sie, Gott habe sie auserwählt, um Frankreich von den Engländern zu befreien. Sie betrachtet sich als Botin Gottes und ist fest davon überzeugt, dass ihre Visionen nur für den französischen Thronfolger bestimmt sind, dem sie zur Krone verhelfen soll. Da die Ankunft einer solchen Befreierin einer bekannten Prophezeiung spricht, stellt sich das wundergläubige Volk innerhalb der nächsten Jahre auf ihre Seite. Nachrichten über diese Ereignisse gelangen auch zum Dauphin und dessen Schwiegermutter Yolande von Aragon. Mit Interesse verfolgen sie, wie die junge Frau das Volk mobilisiert, denn das Heer hätte einen solchen Motivationsschub dringend nötig. Als es Jeanne sogar gelingt, das Feindesland bis nach Chinon zu durchqueren, erhält sie eine Audienz beim Dauphin. Sie überzeugt den Dauphin und den gesamten Hof von der Rechtmäßigkeit ihrer Mission. Sie verlangt und erhält eine Armee, mit der sie Orleans erobern will. Diese Stadt ist der Schlüssel zur Überquerung der Loire, und die Loire muss überquert werden, damit die Krönungszeremonie in Reims stattfinden kann, wie die Tradition es vorschreibt.

Jeanne verfügt über großes Charisma und ist so durchdrungen von ihrem Sendungsbewusstsein, dass sie zuerst den Repekt und schließlich die bedingungslose Treue ihrer Heerführer gewinnt. Sie trägt eine Rüstung und schneidet ihr Haar kurz, um sich nicht von den Männern zu unterscheiden. Jeanne kann zwar nicht kämpfen und versteht nichts von der Kriegsführung, ist aber immer an vorderster Front dabei und kann die einfachen Soldaten derart in Begeisterung versetzen, dass sie ihr freudig in den Kampf folgen. Als die Engländer ihre Bitte ignorieren, das Feld kampflos zu räumen, führt sie ihre Armee in die Schlacht und bleibt siegreich. Die Tatsache, dass sie eine Pfeilwunde überlebt, scheinbar von den Toten aufersteht und sofort auf das Schlachtfeld zurückkehrt, flößt jetzt selbst den Engländern eine abergläubische Furcht ein. Die Stadt wird eingenommen, doch Jeanne ist entsetzt über das Gemetzel, das ihre Ritter angerichtet haben. Als sich eine neu gruppierte englische Armee nähert, reitet sie deshalb allein los und fordert die Feinde zum Rückzug auf. Unglaublicherweise kehren die Engländer tatsächlich um, so dass Orleans ohne weiteres Blutvergießen endgültig in französische Hand fällt. Jeanne wird nun allgemein als Heldin und gottgesandte Befreierin gefeiert. Die englischen Machthaber haben jetzt nur noch einen Wunsch: Sie wollen Jeanne brennen sehen.

Der Dauphin wird in Reims gekrönt und beansprucht als Charles VII. die französische Königswürde. Große Teile des Landes sind aber immer noch in englischer Hand, und so setzt Jeanne ihren Feldzug fort. Vor den Mauern von Paris kommt er vorläufig zum Stehen, denn Jeannes zusammengeschmolzene Armee ist erschöpft und der König lässt sie ihm Stich. Er hat erreicht, was er wollte, und betrachtet die Aufrechterhaltung einer großen Streitmacht als zu kostspielig - er verlässt sich nun lieber auf die Diplomatie. Jeannes Dienste werden also nicht mehr benötigt. Da sie keine Ruhe gibt und jetzt auch gegen die englandfreundlichen Burgunder kämpft, wird sie für den König zum Ärgernis. Er sorgt dafür, dass sie bei der Schlacht von Compiegne von ihren Rittern getrennt wird und den Burgundern in die Hände fällt. Diese verkaufen sie an die Engländer, die sie sofort wegen Ketzerei anklagen. Die Engländer setzen alles daran, Jeanne auszuschalten, denn sie wird immer noch von den englischen Soldaten gefürchtet. Bischof Pierre Cauchon versucht sie vor dem Scheiterhaufen zu bewahren, und als sie eine Widerrufserklärung unterzeichnet, erklärt er das kirchliche Verfahren für beendet. Die Engländer inszenieren einen neuen Prozess, diesmal wird Jeanne der Hexerei beschuldigt. Während Jeanne in Rouen gefangen gehalten, befragt und gefoltert wird, kommen ihr selbst Zweifel an ihrer "göttlichen Sendung". Sie erkennt, dass sie möglicherweise nur von dem verzweifelten Wunsch nach Rache getrieben worden ist. Am 30. Mai 1431, im Alter von 19 Jahren, wird sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 500 Jahre später wird sie heilig gesprochen...

Der Film:

Als monumentales, bildgewaltiges Opus wird dieser Film dem französischen Nationalmythos Jeanne d'Arc vielleicht nur teilweise gerecht, immerhin wird er trotz seiner Länge nie langweilig und enthält interessante Szenen, in denen Jeannes Visionen dargestellt werden, außerdem prächtige Kostüme, tolle Landschaftsaufnahmen und beeindruckende Schlachtszenen mit Massen von Statisten. Das Staraufgebot kann sich sehen lassen und alle Schauspieler liefern gute Leistungen ab. Das gilt auch für Milla Jovovich, die zwar manchmal zum Over-Acting neigt, insgesamt aber doch ausreichend charismatisch und kraftvoll wirkt, so dass man ihr die Rolle einer jungen Frau, die die Massen für sich begeistern kann, mit etwas Wohlwollen abnehmen kann. Auch das Over-Acting hat seinen Sinn, denn Jeanne soll keine strahlende Heldin sein. Ihre Visionen haben etwas Wahnhaftes, im Kampf wirkt Jeanne manchmal überfordert oder fast hysterisch. Das ist nachvollziehbar, schließlich hatte sie keine Ahnung vom Krieg. Ich nehme jedenfalls an, dass das so beabsichtigt ist, d.h. dass es sich nicht etwa um eine Schwäche Milla Jovovichs handelt. Kampf- und Dialogszenen haben ein gut ausgewogenes Mischungsverhältnis, und so kommt auch die Story nicht zu kurz. Politische Interessen und Intrigen sind die eine Seite, Jeannes persönlicher Konflikt die andere. Ihr Gewissen wird durch eine geheimnisvolle, von Dustin Hoffman gespielte Figur verkörpert, und nur durch ihr eigenes Gewissen kann sie zuletzt Absolution erlangen, als sie sich selbst die Wahrheit eingesteht. Auch für Humor ist gesorgt: Besonders gut haben mir Jeannes ruppige Ritter und die englischen Besatzer in Orleans gefallen - irgendwie erinnert mich das an eine bestimmte Szene in Die Ritter der Kokosnuss!

Der im Film dargestellte Ablauf der Ereignisse hält sich ziemlich genau an die historischen Fakten, soweit diese bekannt sind. Viele Einzelheiten werden aber zumindest abgewandelt. Möglicherweise ist auch die hier gezeigte Art der Kriegsführung historisch nicht korrekt, ganz sicher gilt das für die viel zu moderne Sprache. Besonders letzteres kann man dem Film aber kaum zur Last legen, schließlich möchte der Zuschauer die Dialoge auch verstehen. Der Film stellt Jeannes göttlichen Auftrag in Frage, was manchem Zuschauer möglicherweise nicht gefallen hat. Ich weiß allerdings nicht, ob Jeannes Selbstzweifel und ihre letztliche Erkenntnis, womöglich doch nur aus Rache gehandelt und sich den Rest nur eingebildet zu haben, historisch verbürgt sind. Aus heutiger Sicht ist es geradezu unglaublich, dass einem jungen Bauernmädchen ein solcher Erfolg beschieden gewesen sein soll, aber man muss auch den historischen Kontext berücksichtigen. Religion und Wunderglaube hatten im 15. Jahrhundert einen völlig anderen Stellenwert als heute, und so werden derartige Dinge verständlich. Jeannes gefährliche Gratwanderung zwischen religiöser Begeisterung und Ketzerei wird jedenfalls ganz gut thematisiert - ebenso gut wie die Instrumentalisierung beider Extreme durch pragmatischer eingestellte Personen.

Obwohl das Thema schon x-mal verfilmt wurde, werden ihm doch noch neue Aspekte abgewonnen. Vor allem hat der Film einen realistisch wirkenden Look, es wirkt nicht alles so sauber und glattgeleckt wie in älteren Historienfilmen. Auch in den Kampfszenen wird auf Realismus gesetzt, und so gehen schonmal Gliedmaßen oder Köpfe verloren. Für einen Film mit FSK-16-Freigabe ist das Ganze überraschend blutrünstig... Obwohl der Film durchaus seine Schwächen hat, ist er insgesamt durchaus sehenswert. Wenn ich überhaupt etwas daran auszusetzen habe, dann nur, dass er immer noch zu kurz ist. Jeannes Geschichte hätte nämlich noch so manche abenteuerliche Episode bereit gehalten - etwa ihr späterer Erfolg beim Kampf um Paris oder La Hires Versuch, sie aus der Gefangenschaft zu befreien.

Die DVD:

Das "Making of" ist ca. 24 Minuten lang und verdient diesen Namen eigentlich nicht. Es enthält neben der üblichen Mischung aus Filmszenen, Interviewschnipseln und kurzen Blicken hinter die Kulissen wenigstens noch ein paar nicht ganz uninteressante Hintergrundinformationen über Jeanne d'Arc. Es werden ein paar historische Quellen zitiert (einige von Jeanne d'Arc diktierte Briefe existieren noch, ebenso die Verhörprotokolle) und Originalschauplätze werden gezeigt. Auch nicht schlecht: Man kann eine Tonspur auswählen, die nur den Soundtrack enthält. Dialoge und Geräusche sind dann ausgeblendet.

J. Kreis, 05.08.2008


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang