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Ikarie XB 1 Ikarie XB 1 (Tschechoslowakei, 1963)

DVD Regionalcode 0 (s/w), Ostalgica/AL!VE AG
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 83 Minuten

Extras
- Intro US-Version
- Alternatives Ende US-Version
- Intro DEFA-Version

Regie:
Jindrich Polak

Hauptdarsteller:
Zdenek Stepanek (Kommandant Vladimir Abajev)
Radovan Lukavsky (Commander MacDonald)
Frantisek Smolik (Anthony Hopkins)
Otto Lackovic (Michal)
Jiri Vrstala (Erik Svenson)




Inhalt:

Das Raumschiff IKARIE XB 1 ist unterwegs zum Sonnensystem Alpha Centauri. Die aus 40 Männern und Frauen bestehende Besatzung soll herausfinden, ob es auf den dortigen Planeten Leben gibt. Die Reisedauer wird mit gut zwei Jahren veranschlagt, und da die IKARIE mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, werden bis zu ihrer Rückkehr aufgrund der Zeitdilatation auf der Erde mindestens 15 Jahre vergangen sein. Diese Tatsache und der Abbruch der Funkverbindung mit der Heimat stellen eine große Belastung für die Besatzung dar. Obwohl das Raumschiff viel Platz und alle erdenklichen Möglichkeiten der Zerstreuung und sportlichen Betätigung bietet, stellt sich aufgrund der langen Untätigkeit während des ereignislosen Fluges bald Langeweile ein, die bei manchen Besatzungsmitgliedern in Gereiztheit und Aggressivität umschlägt. Doch dann stößt die IKARIE auf ein anderes, im All treibendes Raumschiff. Zwei Mann werden zur Erkundung hinübergeschickt. Sie finden nur Leichen vor, das fremde Schiff ist luftleer. Es stellt sich heraus, dass es sich um ein irdisches Schiff namens TORNADO handelt, das im Jahre 1987 gestartet ist. Offenbar ist der Besatzung der Sauerstoff ausgegangen. Zwei Offiziere haben die restliche Mannschaft mit Gas getötet, um ihr eigenes Leben zu verlängern, und sind dann übereinander hergefallen. Die TORNADO ist mit Atomwaffen bestückt, und eine davon wird versehentlich aktiviert. Das Schiff vergeht in einer gewaltigen Explosion. Die zwei Mann von der IKARIE können nicht rechtzeitig in ihr Beiboot überwechseln. Sie sterben, das Beiboot wird vernichtet.

Da die Beiboote der IKARIE gleichzeitig als Motoren für das Hauptschiff dienen, muss die verlorene Einheit ersetzt werden. Die erforderlichen Arbeiten können nur von außen erledigt werden. Die Astronauten Michal und Svenson verlassen das Schiff und setzen den Motor instand. Wenig später greift ein seltsames Phänomen um sich: Alle Besatzungsmitglieder leiden unter unerklärlicher, zunehmender Müdigkeit. Der Mathematiker Hopkins erkennt, dass die IKARIE sich einem Dunkelstern nähert, durch dessen Strahlung die Müdigkeit verursacht wird. Es wird errechnet, dass die gesamte Mannschaft beim Vorbeiflug 60 Stunden lang schlafen wird. Kapitän Abajev geht davon aus, dass danach alle wieder erwachen werden, und setzt den Flug fort. Der Autopilot übernimmt die Steuerung. Tatsächlich erwacht die Besatzung unbeschadet - allerdings schon nach 25 Stunden. Michal und Svenson sind aufgrund ihres kurzen Aufenthalts im All stärker betroffen als die von der Schiffshülle geschützte Besatzung. Sie tragen Schäden des Nervensystems und des Blutkreislaufs davon, ihre Haut zersetzt sich. Das kann zwar erfolgreich behandelt werden, doch Michals Geist verwirrt sich. Er blockiert die Robotsteuerung des Schiffes und schließt sich dort ein. Er verlangt eine Rakete für den Rückflug zur Erde und droht damit, lebenswichtige Systeme abzuschalten. Damit gefährdet er die ganze Mission. Es gelingt seinem Freund, Commander MacDonald, durch die Luftschächte bis zu ihm vorzudringen. Michal ist zwar verwirrt, aber nicht bösartig - er schießt nicht auf MacDonald, sondern lässt sich endlich doch noch behandeln.

Beim Weiterflug wird festgestellt, dass die IKARIE von einem Energiefeld umhüllt wird. Dieses Feld hat die Strahlung des Dunkelsterns abgeschwächt und die Besatzung geschützt. Es wird vom "Weißen Planeten" abgestrahlt, einer Welt im Alpha-Centauri-System. Also muss es dort intelligente, hoch entwickelte Lebewesen geben, die den Besuchern von der Erde gegenüber freundlich eingestellt sind. Tatsächlich wird beim Durchqueren der Wolkenhülle des Planeten eine riesige Stadt sichtbar.

Der Film:

Science Fiction aus Osteuropa ist für mich weitgehend Neuland, und den Namen Jindrich Polak habe ich bisher nur mit "Pan Tau" in Verbindung gebracht. Dass es eine ganze Reihe interessanter SF-Filme aus der Zeit der Fünfziger- und Sechzigerjahre gibt, weiß ich spätestens seit Der schweigende Stern. Genau wie dieser Film basiert auch "Ikarie XB 1" auf einem mir unbekannten Roman von Stanislaw Lem ("Gast im Weltraum" aus dem Jahre 1955), obwohl das in den Credits des Films nicht erwähnt wird. Diesen Roman muss ich bei Gelegenheit mal lesen, denn ich würde gern wissen, ob er ebenso fragmentarisch bzw. episodenhaft wirkt wie der Film. Dieser besteht aus drei Phasen, die irgendwie nicht so richtig zusammenpassen wollen. Zunächst einmal wird sehr viel Zeit darauf verwendet, die Teilnehmer der Expedition, ihre Beziehungen zueinander und die Lebensbedingungen im Raumschiff vorzustellen. Das ist natürlich unbedingt lobenswert, auch wenn manche Szenen (die "futuristischen" Tänze, der heillos antiquierte Roboter usw.) aus heutiger Sicht eher kurios-witzig als beeindruckend oder überzeugend wirken.

Doch diese langsame Vorbereitungsphase endet ziemlich abrupt, und danach spielen die meisten Besatzungsmitglieder kaum noch eine Rolle. Dann beginnt die zweite Phase: Die Entdeckung des alten Erdenraumschiffes. Weder wird erklärt, wieso es ein solches Schiff überhaupt gibt, noch erfährt man, warum sich auf dieser offenbar militärischen Einheit Männer und Frauen in Abendkleidern tummeln, die um Geld spielen - oder, wenn es denn doch keine militärische Einheit ist - warum so viele Atomwaffen an Bord sind. Ganz zu schweigen von den Gaskartuschen mit dem äußerst merkwürdigen Namen "Tigger Fun". Man muss das alles einfach als gegeben hinnehmen. Dann explodiert die TORNADO - und die zweite Phase beginnt, ohne dass diese Episode irgendwie dafür notwendig gewesen wäre. Doch halt: Einen Grund gibt es doch. Es musste ja jemand der direkten Einwirkung der Dunkelstern-Strahlung ausgesetzt werden, damit derjenige später durchdrehen kann. In der dritten Phase geht es dann um genau das: Alle Menschen schlummern selig ein, danach muss der verrückt gewordene Michal eingefangen werden. Das ist relativ schnell vorbei; Michal wird kuriert, und schon ist man beim Weißen Planeten angekommen - Ende. Ich hatte den Eindruck, dass "Ikarie XB 1" eigentlich viel länger hätte werden sollen. Die drei Phasen stehen irgendwie mehr oder weniger berührungslos nebeneinander und das Ende kommt zu schnell. Übrigens: In der TORNADO gibt es nur englische Schrift, und bei dem Geld, das als Spieleinsatz verwendet wurde, handelt es sich um Dollars. Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

Positiv hervorheben muss man die Ausstattung und die Kulissen, wenn schon nicht die Spezialeffekte (obwohl die für einen so alten Film absolut OK sind). Die IKARIE und die TORNADO sowie die Raumanzüge und diversen Requisiten wirken jederzeit glaubwürdig, die IKARIE-Sets wurden aufwändig und abwechslungsreich gestaltet. Der ganze Look gefällt mir, da macht es fast gar nichts, dass der Film schwarz-weiß ist. Es werden immer wieder kleine Details eingebaut, die die fiktive zukünftige Welt realistisch erscheinen lassen. So gibt es im 22. Jahrhundert anscheinend keine Zigaretten mehr. Stattdessen schnuppert man verzückt an kleinen Riechstabchen... Überhaupt werden hier so einige Ideen vorweggenommen, die später bei 2001 - Odyssee im Weltraum, Star Trek und anderen Werken verwendet wurden. Patrick, der Roboter, scheint allerdings mit Robby aus Alarm im Weltall verwandt zu sein - siehe Bild unten.

Weniger glaubwürdig ist die Reise selbst. Alpha Centauri ist über 4 Lichtjahre von der Erde entfernt. Wenn die gesamte Reise (also Hin- und Rückflug sowie Aufenthalt vor Ort) nur 28 Monate dauert, dann bedeutet das, dass die IKARIE mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit fliegen müsste. Der Hinflug kann ohnehin nur maximal neun Monate gedauert haben, denn als die IKARIE den Weißen Planeten erreicht hat, wird an Bord ein Kind geboren. Und die Mutter war schon vor dem Start schwanger. Bekanntlich kann sich kein Raumschiff schneller als das Licht bewegen. Es sei denn, das Schiff wäre nicht Bestandteil unseres Universums, oder es würde eine "Abkürzung" (ein Wurmloch oder so) benutzen. Von so einem "Umweg" oder dergleichen ist aber im Film nie die Rede, auch hätte dann das ganze Gerede von Zeitdilatation keinen Sinn.

Die DVD:

Man muss ja froh sein, dass Filme dieser Art überhaupt auf DVD veröffentlicht werden. In Anbetracht des Alters kann man auch mit der Bildqualität noch zufrieden sein. Aber der Ton, jedenfalls die deutsche Tonspur, ist ein schlechter Witz. Es knackt, knistert und rumpelt immer wieder, und noch öfter hat der Ton kurze Aussetzer. Dauernd werden Teile von Dialogen verschluckt. Und an zwei Stellen ist erst gar kein deutscher Ton vorhanden, da sprechen die Schauspieler plötzlich tschechisch. Immerhin kann man englische Untertitel hinzuschalten.

Aber ich will mich gar nicht beschweren, schließlich enthält die DVD wenigstens die ungeschnittene Originalfassung, die übrigens entgegen den Angaben auf der Cover-Rückseite nicht nur 75, sonden knapp 83 Minuten lang ist (ohne Abspann - es gibt keinen). Es existiert nämlich auch eine stark verstümmelte und entstellte US-Version, aus der alles entfernt wurde, was irgendwie an den Ostblock erinnern oder anti-amerikanisch wirken könnte. So handelt es sich in der US-Version bei der IKARIE um das Raumschiff eines Volkes von einem anderen Planeten, und am Ende erreicht es nicht das Sonnensystem Alpha Centauri, sondern die Erde. Das letzte Bild ist ein Blick von oben auf die Freiheitsstatue. Am Anfang der US-Version werden nicht die wahren Namen der Schauspieler und des Produktionsteams gezeigt, sondern Phantasienamen, die offenbar auf keinen Fall osteuropäisch klingen durften. Dieses Intro sowie das "alternative" Ende der US-Version ist als Bonusmaterial auf der DVD vorhanden.



Screenshots


Ikarie XB 1

Anthony Hopkins und sein Kumpel, der Roboter Patrick


Ikarie XB 1

Ein Beiboot der IKARIE (rechts) umkreist die TORNADO


Ikarie XB 1

Links ein angedocktes Beiboot, rechts ein leerer Schacht mit zwei Menschen zum Größenvergleich


Ikarie XB 1

Weltraum-Herpes?!? Nö, Svenson hat nur ein bisschen zuviel kosmische Strahlung abgekriegt!


J. Kreis, 02.05.2010


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