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Hogfather Hogfather (GB, 2006)

DVD - Regionalcode 2, EuroVideo
FSK: 12
Laufzeit: ca. 180 Minuten

Extras
Making of, "Bringing Death to Life", "Figuren in Hogfather", "The Power of Film Magic", "12 Days of Hogswatch", Trailer

Regie:
Vadim Jean

Hauptdarsteller:
Michelle Dockery (Susan)
Marnix Van Den Broeke / Ian Richardson (Tod / Tods Stimme)
David Jason (Albert)
Marc Warren (Jonathan Teatime)
Joss Ackland (Erzkanzler Mustrum Ridcully)
David Warner (Lord Downey)




Inhalt:

In Ankh-Morpork, der Hauptstadt der Scheibenwelt, bereitet man sich auf das Hogswatch-Fest (deutsch: "Silvester") vor. Die Kinder freuen sich auf die Ankunft des Hogfathers (deutsch: "Schneevater"), der ihre Wünsche erfüllt und von ihnen zum Dank mit bereitgestellen Pasteten und Sherry bewirtet wird. Auch an Rüben für die Schweine, die seinen fliegenden Schlitten ziehen, wird gedacht. In diesem Jahr allerdings verläuft Hogswatch anders als sonst, denn Lord Downey, Chef der Assassinen-Gilde, erhält Besuch von einem Revisor der Realität. Dieses geisterhafte Wesen erteilt ihm den Auftrag, den Hogfather zu "inhumieren". Die Revisoren stören sich am irrationalen Glauben der Menschen, der nicht nur dem Hogfather, sondern auch anderen anthropomorphen Personifizierungen diverser Naturkräfte wie der Zahnfee, dem Warzengnom usw. überhaupt erst die Existenz ermöglicht. Aber wie tötet man eine Märchenfigur? Lord Downey beauftragt seinen gefährlichsten Killer, Mr. Teatime (deutsch: "Kaffetrinken") mit der Angelegenheit. Teatime setzt genau an der richtigen Stelle an. Er rekrutiert einige Diebe und einen Zauberer, mit denen er ins Schloss der Zahnfee eindringt. Grund: Wer auch nur einen kleinen Teil des Körpers eines Menschen in seinen Besitz bringen kann, der ist in der Lage, die Gedanken dieses Menschen zu kontrollieren. Und so belegt Teatime die im Zahnfeeschloss aufgehäuften Zähne mit einem Zauber, um den Glauben der Menschen an den Hogfather zu eliminieren. Das gelingt so gut, dass Teatime sich anschickt, auf die gleiche Weise zum Herrn über die ganze Scheibenwelt zu werden.

Der Tod stellt das Verschwinden des Hogfathers als erster fest. Ihm ist klar, dass etwas unternommen werden muss, denn sollte Hogsatch nicht wie in jedem Jahr verlaufen, dann würde am nächsten Tag die Sonne nicht mehr aufgehen. Deshalb wirft der Tod sich selbst in Schale, steigt auf den Schlitten und übernimmt die Rolle des Hogfathers. Assistiert von seinem Gehilfen Albert fährt er von Dach zu Dach und verteilt Geschenke. Er geht sogar so weit, öffentlich in einem Kaufhaus aufzutreten, um den Glauben an den Hogfather zu stärken. Als das nichts hilft (wegen des entstandenen Glaubens-Vakuums tauchen immer neue Personifizierungen aller möglichen Mythen auf, zum Beispiel der "Sockenfresser" und der "Oh Gott des Katzenjammers"), beauftragt er den Supercomputer der Unsichtbaren Universität ("Hex") damit, an den Hogfather zu glauben. Allmählich findet der Tod immer größeren Gefallen an seinem neuen Job, erfüllt den Kindern praktisch jeden Wunsch und ruft sogar das erfrorene Mädchen mit den Schwefelhölzern ins Leben zurück. Zur gleichen Zeit macht sich Susan, Tods Enkelin, auf die Suche nach dem Hogfather. In dessen zusammenbrechendem Knochenschloss findet sie aber nur den gerade erst materialisierten Oh Gott des Katzenjammers. Gemeinsam reisen die beiden zum Schloss der Zahnfee, wo Teatimes Diebe sich inzwischen schon gegenseitig ermordet haben oder ihren eigenen Alpträumen zum Opfer gefallen sind. Mit ihren besonderen Kräften kann Susan den Assassinen besiegen, dummerweise wird er jedoch wenig später von den Zauberern der Unsichtbaren Universität reanimiert.

Als der Zauber, der auf den Zähnen liegt, beseitigt ist, kann auch der Hogfather wieder erscheinen. Er wird aber bereits von den Revisoren gehetzt. Susan rettet ihn, der Tod setzt die Revisoren außer Gefecht. Nun muss Susan noch Teatime entgegentreten, der nur zu gern ausprobieren würde, ob es möglich ist, den Tod zu töten. Er bedenkt nicht, dass der Tod immateriell ist und stellt sich hinter dessen Rücken, als Susan einen Schürhaken nach ihm wirft. Natürlich fliegt das Metallstück ungehindert durch den Tod hindurch und durchbohrt Teatime. Der Tod erklärt seiner Enkelin, welchen Sinn die Rettung des Hogfathers hatte. Es geht keineswegs darum, dass Hogswatch ungestört verlaufen muss. Vielmehr ist es wichtig, dass die Menschen ihren Glauben an kleine Lügen wie den Hogfather nicht verlieren - denn wie sollte es ihnen dann erst möglich sein, an die großen Lügen wie Gerechtigkeit und Güte zu glauben, Dinge also, die es im Universum eigentlich nicht gibt?

Der Film:

Dieser TV-Zweiteiler ist die Verfilmung des gleichnamigen Scheibenwelt-Romans von Terry Pratchett. Diesen Roman kenne ich nicht, somit kann ich die Werkstreue nicht beurteilen. Habe aber gelesen, dass der Film der Handlung des Romans ziemlich genau folgt. "Hogfather" ist vor dem weiteren Scheibenwelt-Film The Color of Magic erschienen, ich habe letzteren aber zuerst gesehen. Obwohl "Hogfather" keineswegs so öde ist wie "The Color of Magic", ist er doch immer noch weit von meiner Vorstellung dessen entfernt, was eine richtig gute Verfilmung der humorvollen Scheibenwelt-Romane ausmachen müsste. Der Film hat einfach keinen Schwung, die Inszenierung ist fast genauso lahm und bleiern wie bei "The Color of Magic". Die einzelnen Einstellungen sind fast immer ein bisschen zu lang, die Pointe wird stets einen Tick zu lange hinausgezögert und so weiter. Fehlt nur noch, dass jemand ein "Jetzt lachen" - Schild hochhält. Dazu dann die "witzige" Dudelmusik... Vielleicht besteht das Problem ja darin, dass zuviel vom Roman in den Film hineingepackt wurde. Durch die Nebenhandlung in der Unsichtbaren Universität, die zum Fortgang der Geschichte wenig bis nichts beiträgt, wird das ohnehin schon zähe Geschehen noch weiter gestreckt.

Den Todesstoß erhält der Film dann durch die deutsche Synchronisation. In obiger Zusammenfassung habe ich verschiedene "eingedeutschte" Namen in Klammern gesetzt, denn ich weigere mich, sie zu verwenden. Es ist mir unbegreiflich, warum wirklich jeder Eigenname geradezu zwanghaft übersetzt werden musste (entweder wörtlich oder durch ein ganz anderes Wort - "Silvester" anstelle von "Hogswatch" ist nur eines von vielen Beispielen). Warum wurden nicht einfach die Originalnamen verwendet? Weil man das Publikum für zu dumm hält, den Sinn zu verstehen? Der Wortwitz bleibt in der deutschen Version weitgehend auf der Strecke und verschiedene Bezeichnungen ergeben überhaupt keinen Sinn. Dabei ist manche Szene - vor allem natürlich in der englischen Version - durchaus witzig. Manchmal sind es nur skurrile kleine Details (aus Hex schnellt z.B. eine Sanduhr hervor, wenn er länger rechnet) oder Mini-Nebenrollen wie die des Mäusetods, die für ein Grinsen oder gar einen Lacher sorgen. Nur kommt dabei insgesamt kein guter, mitreißender Film heraus. Ob es daran liegt, dass manche Dinge in Romanform hervorragend funktionieren, in einer Verfilmung aber nicht unbedingt? Oder dass eine geistreich erzählte Geschichte für einen Film einfach nicht genug ist?

Auf der Habenseite können noch die visuell beeindruckend umgesetzte Ideenvielfalt, die aufwändigen Sets und Kostüme, die detailverliebte Ausstattung sowie die im Großen und Ganzen gut gelungenen Spezialeffekte verbucht werden. Die Schauspieler machen ihre Sache durch die Bank sehr gut. Besonders erstaunlich finde ich, wie klasse der Tod trotz der Maskierung, die keinerlei Mimik zulässt, zum Leben erweckt wird (man verzeihe mir das Wortspiel). Seine deutsche Synchronistimme ist zwar gut, aber erst im englischen Original "vibriert" es so richtig. Somit wird er zu einer echten und ungemein sympathischen Hauptfigur. Trotz der teilweise verzichtbaren Nebenhandlungen wirkt "Hogfather" auch einheitlicher und nicht so episodenhaft wie "The Color of Magic". Zu guter Letzt muss erwähnt werden, dass die zugrunde liegenden Ideen zum Nachdenken anregen. Besonders gut hat mir gefallen, wie der Tod Susan erklärt, dass man das gesamte Universum kleinmahlen und mit dem feinsten aller Siebe durchsieben könnte, ohne dass man auch nur ein Atom Güte oder Gerechtigkeit finden würde, und dass es deshalb wichtig ist, dass die Menschen an diese Dinge glauben, wenn sie ihre Menschlichkeit nicht verlieren wollen.

Dass trotz all dieser im Grunde sehr guten Ansätze ein eher langweiliger Film entstanden ist, finde ich richtig schade.

Die DVD:

Das Bonusmaterial besteht aus vielen relativ kurzen Einzel-Featurettes mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 93 Minuten. Ich nehme an, dass es sich entweder um Internet-Clips oder um TV-Sendungen gehandelt hat, die nach und nach veröffentlicht worden sind, um Werbung für "Hogfather" zu machen. Leider gibt es keine Möglichkeit, alle Einzel-Featurettes zusammen abzuspielen, und leider haben alle sehr ähnliche Einleitungen, außerdem wiederholt sich so manches. Trotzdem ist das Bonusmaterial durchaus sehenswert, denn hier stimmt die Mischung aus Interviews, Filmszenen und Behind-the-Scenes-Material. Außerdem kommen nicht nur Regisseur, Schauspieler und Terry Pratchett zu Wort, sondern auch Fans und sogar der Tod persönlich.

Es geht los mit einer Nacherzählung der Story sowie Informationen zur Scheibenwelt und zu den Hauptfiguren. Man erfährt, welche Schwierigkeiten es bei den Dreharbeiten gab: Zu viel Schnee in Schottland, eine Überflutung des Studios nach heftigen Wolkenbrüchen, falscher Feueralarm und ähnliche Widrigkeiten haben den Leuten wohl einiges Kopfzerbrechen bereitet. Man sieht, wie die Spezialeffekte und Masken entstanden sind. Interessant ist dabei die Funktionsweise des Tod-Kostüms, das einen integrierten Lautsprecher hatte, so dass die Schauspieler während der Dreharbeiten die Stimme Ian Richardsons hören konnten. Besonders gelungen sind die "12 Days of Hogswatch". Hier betätigt der Tod sich als Forschungsreisender in Sachen Scheibenwelt. Er besucht verschiedene Leute (auch Terry Pratchett), die etwas zur Scheibenwelt zu sagen haben, und unterhält sich mit ihnen über diese Welt, ihre Bewohner und Orte. Lustig gemacht, und die deutschen Untertitel bestehen beim Tod natürlich immer aus GROSSBUCHSTABEN.

J. Kreis, 11.12.2008


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