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Hibernatus Onkel Paul, die große Pflaume (F, 1969)
- Hibernatus -

DVD - Regionalcode 2, Universum Film
FSK: 12
Laufzeit: ca. 79 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Edouard Molinaro

Hauptdarsteller:
Louis de Funès (Paul de Tartas)
Claude Gensac (Edmeé de Tartas)
Bernard Alane (Paul Fournier)
Michael Lonsdale (Prof. Edouard Loriebat)




Inhalt:

Im Jahre 1970 wird bei Sprengungen im Rahmen einer Arktis-Expedition der vollständig erhaltene, vom Eis umschlossene Körper eines Menschen entdeckt. Es handelt sich um ein Besatzungsmitglied eines Schiffes, das vor 65 Jahren verschollen ist. Der mit den Untersuchungen betraute Prof. Loriebat verkündet schon wenig später öffentlich, dass es gelungen ist, den Mann wiederzubeleben. Er kann als Paul Fournier identifiziert werden. Eine Nachfahrin des "Winterschläfers" kann ermittelt werden - seine Enkelin Edmée. Diese hat den Fabrikanten Paul de Tartas geheiratet, der ihr Familienkapital für den Betrieb seiner Firma nutzt. De Tartas ist nicht begeistert über diese Entdeckung, denn rechtlich gesehen würde das ganze Kapital jetzt Edmées Großvater gehören. Außerdem verlangt der Innenminister, der sich bahnbrechende Erkenntnisse aus der Erforschung des Einfrierprozesses erhofft, dass Fournier zu seiner Familie zurückkehren soll. Auch Edmée wünscht sich die Rückkehr ihres Großvaters, und als sie de Tartas mit Liebesentzug unter Druck setzt (schwerer wiegt ihre Weigerung, weitere Schecks für die Firma zu unterzeichnen), muss der gestresste Fabrikant sich schließlich ihrem Willen beugen.

Allerdings ist Prof. Loriebat nicht bereit, den "Winterschläfer" aus seinem Forschungsinstitut zu entlassen. Mit Hilfe eines akademischen Rivalen entführen de Tartas und Edmée den noch immer Schlafenden. Als dieser erwacht, hält er Edmée für seine Mutter - er ist schließlich erst 25 Jahre alt. Jetzt lenkt auch Prof. Loriebat ein, so dass Fournier nach Hause zurückkehren darf. Damit seine geistige Gesundheit nicht gefährdet wird, muss das gerade erst renovierte Haus wieder in den Zustand des Jahres 1905 zurückgeführt werden, alle Familienmitglieder müssen so tun, als befinde man sich immer noch in dieser Epoche. Sogar das ganze Stadtviertel wird entsprechend ausgestattet. Zu neuen Verwicklungen kommt es, als Fournier sich in Evelyne Crépin-Jaujard verliebt, die Tochter eines Geschäftspartners von de Tartas, die dieser mit seinem Sohn Didier verheiraten wollte, um endlich vom Kapital seiner Frau unabhängig zu werden. Didier hat gegen diese Entwicklung gar nichts einzuwenden, denn er liebt in Wahrheit das Dienstmädchen Sophie. Fournier schickt sich an, nicht nur seine frühere Rolle als Familienoberhaupt wieder zu übernehmen, sondern auch die Leitung der Firma.

Das ist zuviel für de Tartas. Außer sich vor Zorn eröffnet er Fournier die Wahrheit, um ihn auf diese Weise in den Wahnsinn zu treiben. Der junge Mann erweist sich aber als erstaunlich stabil; es bleibt auch ruhig, als er Fernsehbilder mit den aktuellsten technischen Leistungen der Menschheit zu sehen bekommt. Evelyne verspricht, ihm bei der Eingewöhnung in die neue Zeit zu helfen - die beiden heiraten. Paul de Tartas bleibt der Hochzeit fern. Er wird im Forschungsinstitut des Prof. Loriebat gefunden, eingefroren in einen Eisblock. Sein Abschiedsbrief lässt darauf schließen, dass er es vorzieht, die nächsten 50 Jahre auf diese Weise zu überdauern...

Der Film:

Abgesehen davon, dass man es hier eigentlich mit einem Science-Fiction-Film zu tun hat, fällt mir nicht viel ein, was ich als Kommentar schreiben könnte. Louis de Funès ist überdreht, hektisch und cholerisch wie immer, was diesmal in einer ziemlich genialen Szene gipfelt, als de Tartas (der im französischen Original übrigens Hubert heißt), dem ehemaligen Winterschläfer die Entwicklung der letzten 65 Jahre auf unnachahmliche Weise in einem Tobsuchtsanfall bildhaft vor Augen führt. Auch die Geschichte von seiner angeblich geplatzten ersten Frau ist eine dieser irren Szenen, für die man Louis de Funès einfach lieben muss. Der Geschichte kommt etwas mehr Bedeutung zu als in anderen derartigen Filmen, d.h. man hat es nicht nur mit einer Aneinanderreihung typischer LdF-Gags zu tun. Erwähnenswert ist auch die liebevolle Ausstattung mit Kostümen und Requisiten aus der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende. Ich kann diesen leider ziemlich kurzen Film immer wieder gucken - langweilig wird er nie.

Ich konnte nicht herausfinden, ob der Film auf DVD denn nun ungekürzt ist oder nicht. Ich weiß, dass er eine Szene enthält, die ich bei früheren TV-Ausstrahlungen nicht gesehen habe, nämlich die Auffindung des Winterschläfers im ewigen Eis. Nun sieht man aber auf der DVD-Coverrückseite etwas, das im Film nicht vorkommt: Louis mit aufgeklebten dicken Augenbrauen. Die Tatsache, dass es mindestens ein halbes Dutzend verschiedene Titel für diesen Film gibt (ich kannte ihn bisher nur unter dem Titel "Louis taut auf"), trägt noch zur Verwirrung bei. Ich weigere mich übrigens, den sinnlosen deutschen Titel der DVD zu verwenden. Da bleibe ich lieber bei "Hibernatus". Ansonsten kann man mit der deutschen Synchronisation durchaus leben, die sonst bei LdF-Filmen üblichen nur vermeintlich lustigen Spontisprüche fehlen hier zum Glück fast ganz.

J. Kreis, 06.10.2008


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