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Hancock Hancock - Extended Version (USA, 2008)

BluRay, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 92 Minuten (Kinoversion) bzw. 102 Minuten (Extended Version)

Extras
- Am-Set-Tagebuch
- Making of "Hancock"
- Wie wird es aussehen?
- Ein besserer Held (Visuelle Effekte)
- Kratzer & Prellungen (Stunts)
- Zu Hause bei den Embreys
- Die Kostüme
- Hinter den Kulissen mit Regisseur Peter Berg
- Trailer
- D-Box Motion Code
- BD Live

Regie:
Peter Berg

Hauptdarsteller:
Will Smith (John Hancock)
Jason Bateman (Ray Embrey)
Charlize Theron (Mary Embrey)
Eddie Marsan (Kenneth "Red" Parker Jr.)
Jae Head (Aaron Embrey)
David Mattey (Man Mountain)
Maetrix Fitten (Matrix)




Inhalt:

John Hancock ist unverwundbar, besitzt phantastische Körperkraft, kann mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets fliegen und altert nicht. Das macht ihn aber nicht automatisch zum Superhelden. Er lässt sich mit Whiskey volllaufen und verpennt den Tag in seinem schmuddeligen Trailer am Rand von Los Angeles. Wenn er sich doch einmal als Verbrecherjäger oder Lebensretter betätigt, dann richtet er stets Kollateralschäden in Millionenhöhe an, da er sich weder besonders geschickt anstellt, noch auf irgendjemanden Rücksicht nimmt. Außerdem ist er meist schlecht gelaunt, pöbelt die Leute an und benimmt sich daneben. So kommt es, dass die Bürger von LA ihn bestenfalls verachten oder sogar hassen. Im Laufe der Zeit sind so viele Delikte zusammengekommen, dass Hancock für Jahre ins Gefängnis gehen müsste, aber natürlich hat nie jemand auch nur versucht, ihn zu verhaften. Hancock leidet zwar unter der Ablehnung, zeigt dies aber nicht. Noch mehr belastet ihn die Tatsache, dass er der einzige seiner Art zu sein scheint, und dass er sich nicht an seine eigene Vergangenheit erinnern kann. Er weiß nur, dass er vor ca. 80 Jahren in einem Krankenhaus zu sich gekommen ist. Er muss in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein, denn er hatte einen schweren Schädelbruch. Er hatte nur ein Päckchen Kaugummi und zwei Karten für den damals neuen Film "Frankenstein" bei sich. Seine Verletzungen waren innerhalb von Stunden völlig abgeheilt, aber es ist niemand gekommen, um ihn abzuholen. Er nimmt an, dass er früher ein normaler Mensch gewesen ist, so dass er verwundet werden konnte, und sich nach diesem Vorfall irgendwie verändert hat.

Eines Tages rettet er dem PR-Berater Ray Embrey das Leben (wobei ein ganzer Güterzug zu Bruch geht). Ray ist ein Idealist, der Großkonzerne dazu bringen will, sich unter Verwendung seines "All-Heart"-Logos zu Werbezwecken an caritativen Projekten zu beteiligen. Allerdings hat niemand Interesse an einer solchen Kampagne, denn das Logo ist völlig unbekannt und niemand will der erste sein, der sich auf ein mögliches Verlustgeschäft einlässt. Ray erkennt Hancocks Imageproblem und will den mürrischen Säufer zu einem echten Superhelden machen. Hancock ist zwar skeptisch, lässt sich aber von Ray zum Essen einladen. Dabei begegnet er Rays Frau Mary, die merkwürdig auf ihn reagiert und zu der er sich hingezogen fühlt. Rays Naivität und die echte Zuneigung, die dessen Sohn Aaron für ihn empfindet, gewinnen schließlich Hancocks Herz. So lässt er sich auf Rays Plan ein, der vorsieht, dass Hancock sich reumütig zeigen und seine Haftstrafe freiwillig antreten soll. Ray glaubt nicht zu Unrecht, dass die Kriminalitätsrate in Hanckocks Abwesenheit steigen wird, und er geht davon aus, dass man Hancock früher oder später offiziell um Hilfe bitten wird. Er lässt sogar ein Superheldenkostüm herstellen. Im Gefängnis muss sich Hancock Therapien zur Aggressionsbewältigung und zum Alkoholentzug unterziehen, die allerdings zunächst wirkungslos bleiben. Im Gegenteil: Als einige Häftlinge so leichtsinnig sind, ihn zu bedrohen (viele von ihnen wurden von Hancock ins Gefängnis gebracht), landet der Kopf eines Knackis namens "Matrix" im Enddarm seines Mitinsassen "Man Mountain". Nur ganz allmählich taut Hancock auf. Währenddessen nimmt die Kriminalität in LA ständig zu.

Als die Polizei bei einem Banküberfall mit Geiselnahme in eine aussichtslose Lage gerät, wird Hancock um Hilfe gebeten. Er beherzigt Rays Ratschläge, rettet eine in Todesgefahr geratene Polizisten, schaltet die Gangster aus (wobei deren Anführer "Red" Parker eine Hand verliert), befreit die Geiseln - und all das, ohne weitere Schäden anzurichten. Erstmals erntet er jubelnden Applaus. Seine Popularität steigt sprunghaft an. Eines Abends kommen sich Hancock und Mary zu nahe. Mary stößt Hancock weg - und zu seiner Überraschung schleudert sie ihn durch die Hauswand. Mary besitzt offensichtlich dieselben Kräfte wie er selbst. Jetzt rückt Mary mit der Wahrheit heraus. Hancock erfährt, dass es schon immer Wesen wie ihn und Mary gegeben hat, die die Welt beschützen sollen. Alle wurden in Paaren erschaffen. Sie verlieren ihre Kräfte, wenn sie beieinander bleiben. So wird es ihnen zwar ermöglicht, ein normales Leben zu führen und zu altern, aber auf diese Weise sind im Verlauf der Zeit alle "Götter" bis auf Hancock und Mary gestorben. Die beiden existieren bereits seit Jahrtausenden. Sie haben schon mehrmals versucht, zusammen zu leben, wurden aber immer wieder von den Menschen bedroht. Hancock hat Mary jedes Mal gerettet. Dasselbe ist vor 80 Jahren geschehen. Hancock und Mary sind nach einem Kinobesuch überfallen worden. Mary ist erst ins Krankenhaus gekommen, als Hancock schon wieder bei Bewusstsein war, aber sein Gedächtnis verloren hatte. Diese Gelegenheit hatte sie genutzt, um sich von ihm zu trennen, damit er seine Superkräfte zurückerlangen und wieder gesund werden konnte, und um zu verhindern, dass eine solche Situation wieder eintritt.

Mary will, dass Hancock LA verlässt. Sie will ihr Leben mit Ray nicht aufgeben. Es kommt zum Kampf, der mitten in der Stadt ausgetragen wird. So erfährt auch Ray, wer seine Frau wirklich ist. Als Hancock wenig später einen Ladenbesitzer vor Räubern schützt, stellt er fest, dass Mary die Wahrheit gesagt hat. Denn als auf ihn geschossen wird, wird er verwundet. Mary, Ray und Aaron besuchen ihn im Krankenhaus. Red Parker ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und stürmt das Krankenhaus mit seinen Leuten, um sich an Hancock zu rächen. Er schießt Mary nieder. Auch Hancock wird erneut verwundet. Als Parker ihm den Rest geben will, greift Ray ein und schlägt den Gangster nieder. Da Mary im Sterben liegt, schleppt sich Hancock mit letzter Kraft ins Freie. Je weiter er sich von Mary entfernt, desto stärker werden seine Kräfte. Als er schließlich davonfliegt, erholt sich auch Mary.

Einen Monat später ruft Hancock Mary von seinem neuen Revier (New York City) aus an, um sie und Ray auf das neue Aussehen des Mondes aufmerksam zu machen. Hancock hat den Himmelskörper mit einem riesigen "All-Heart"-Logo verziert, das von der Erde aus sichtbar ist, so dass es bald jedermann bekannt sein dürfte...

Der Film:

Normalerweise basieren Superheldenfilme immer auf einer Comic-Vorlage. Bei "Hancock" ist das nicht der Fall, und vielleicht ist genau das auch das Problem des Films. Man kennt Hancock nicht, d.h. man ist nicht schon Fan dieser Figur, und somit fällt der Nerd-Bonus weg, den Superheldenfilme normalerweise automatisch haben. Der Drehbuchautor konnte sich außerdem anscheinend nicht entscheiden, was für eine Art von Geschichte er schreiben wollte. Und so fragt man sich, was das für ein Film sein soll: Eine Parodie? Ein "ernsthaftes" Action-Abenteuer? Oder ein Charakterdrama? Für eine Parodie nimmt sich der Film in der zweiten Hälfte zu ernst, für einen Actionfilm ist zu viel Klamauk und Liebesromantik dabei, und für ein Charakterstück werden die einzelnen Figuren zu oberflächlich behandelt. Irgendwie ist das Endergebnis immer unbefriedigend, egal wie man es sieht. "Hancock" wirkt unausgegoren und wirr, nichts passt so richtig zusammen.

Dabei ist die Grundidee gar nicht schlecht. Muss denn ein mit übermenschlichen Kräften ausgestattetes Wesen automatisch zum Superhelden werden? Der Grundsatz "aus großer Kraft folgt große Verantwortung" mag für Naivlinge wie Peter Parker gelten, aber die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Da kann die Menschheit noch froh sein, dass Hancock viel zu sehr mit Selbstmitleid beschäftigt ist, denn sonst könnte er ja auf die Idee kommen, einfach die Weltherrschaft an sich zu reißen. Was hätte man daraus nicht alles machen können. Eine bissige Superhelden-Parodie etwa. Oder einen Film aus der Perspektive eines Superschurken. Aber nein: Der (schwarze) Superpenner wird natürlich vom (weißen) Gutmenschen wieder auf die rechte Bahn geführt. Er lernt allmählich, sich zu benehmen und kehrt als reuiger Sünder zurück in den Schoß der Gesellschaft. Wozu natürlich gehört, dass er sich rasiert und ordentliche Klamotten anzieht. Die Saubermann-Moral, die da vermittelt wird, darf man zumindest für fragwürdig halten.

Auch das wäre noch nicht so tragisch. Mal ehrlich, Jungs: Habt ihr euch damals, in eurem mit bunten Postern beklebten Kinderzimmer, nicht auch gewünscht, genauso stark zu sein und fliegen zu können wie Superman? Wem es je so ergangen ist, der wird dem Film zumindest anfangs durchaus einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen können. Und das von Hancock angerichtete Chaos ist sehenswert, die Tricks sind gut gelungen. Man kann also durchaus seinen Spaß mit Hancocks Eskapaden haben. Für Misanthropen wie mich ist dieser Teil des Films sowieso ein Fest. Was könnte man als Egozentriker, der gern seine Ruhe hat und von den Mitmenschen in der Regel nur genervt ist, nicht alles mit Hancocks Superkräften anstellen. Wenn er den unerträglichen Bengel, der ihn dauernd "Arschloch" nennt, kilometerhoch in die Luft wirft, dann möchte man fast Beifall klatschen. Bei dieser Tonart hätte man es belassen sollen. Dummerweise wollten Autor und Regisseur mehr. Denn spätestens wenn Hancock auf seinen weiblichen Widerpart trifft, schlägt der Film die definitiv falsche Richtung ein. Die ganze Beziehung der beiden funktioniert nicht, ihr Konflikt wirkt unmotiviert und aufgesetzt. Da können Will Smith und Charlize Theron sich noch so redlich mühen, ihren Figuren Charaktertiefe zu verleihen - der Funke springt einfach nicht über. Mit Jason Bateman (Ray) kann man bestenfalls Mitleid haben. Das Zusammenleben mit Frauen ist ja schließlich schon schwierig genug. Wenn man es dann auch noch mit einer Superfrau zu tun hat, die einem jeden einzelnen Knochen im Leib mit dem kleinen Finger brechen könnte...

Einzelne witzige Szenen wie die "Rettung" eines gestrandeten Wals, den Hancock mit Schwung ins Meer zurückwirft und dergleichen reißen es nicht heraus. Erst recht nicht, wenn plötzlich ernsthaftere Töne angeschlagen werden, die dann doch wieder in eine Szene münden, die man lustig finden soll. Dieses Hin und Her nervt. "Hancock" ist zwar irgendwie originell, insgesamt aber nichts Halbes und nichts Ganzes, weder Fisch noch Fleisch. Anfangs ist der Film ganz amüsant, driftet dann aber in absurde Familiendramatik ab. Hätte man darauf verzichtet, wäre "Hancock" vielleicht zu einer spaßigen Superhelden-Veralberung geworden. So veralbert sich der Film praktisch selbst.

BluRay-Features:

Die Steelbook-Edition enthält zwei Versionen dieses Films, nämlich die kürzere Kinoversion und die ca. zehn Minuten längere "Extended Version". Die verlängerte Version enthält gleich zu Beginn eine längere neue Szene, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt, weil die Eröffnungsphase dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Hancock wird von einer jungen Frau angemacht, die unbedingt mit ihm ins Bett steigen will. Dazu kommt es dann auch, aber die Dame ergreift die Flucht, als sich Hancocks Superkräfte beim Schäferstündchen auf recht bizarre Weise äußern. Abgesehen von dieser völlig verzichtbaren Szene ist mir nichts neues aufgefallen. Habe aber gelesen, dass es mehr Dialogszenen mit Hancock und Mary gibt.

Es ist zwar kein Audiokommentar vorhanden, dafür aber ein viel interessantes Feature: Eine Bild-im-Bild-Dokumentation über die gesamte Länge des Films hinweg. Dieses "Am-Set-Tagebuch" zeigt in einem kleinen Fenster die Entstehung der Szene, die man gerade sieht.

Die obige Aufstellung des übrigen Bonusmaterials sieht nach mehr aus als tatsächlich geboten wird. Es lohnt sich deshalb nicht, näher auf die einzelnen Featurettes einzugehen. Erwähnenswert ist immerhin, dass alle Extras in HD-Qualität vorliegen. Sie bestehen aus der für solche Beiträge so typischen wenig aussagekräftigen Mixtur aus kurzen Interview-Ausschnitten (Schauspieler und Produktionsteam loben sich die meiste Zeit nur gegenseitig), Filmszenen und Blicken hinter die Kulissen. Die Featurettes sind zwischen 4 und 15 Minuten lang und wiederholen sich teilweise. Es werden jeweils andere Aspekte des Produktionsprozesses in den Vordergrund gestellt, z.B. die Prävisualisierungen, die Stunts und Spezialeffekte oder die Kostüme. Das Haus der Embreys wurde eigens für den Film erbaut - das hatte ich mir schon so gedacht, aber ich war doch überrascht zu sehen, welcher Aufwand dafür betrieben worden ist. Zum Beispiel wurden unzählige echte und nachgebildete Antiquitäten als Dekomaterial im ganzen Haus verteilt, und diese kleinen Gegenstände, Bilder, Bücher usw. verdeutlichen Marys Persönlichkeit. Schließlich hatte sie einige Jahrtausende Zeit, den ganzen Kram zu sammeln. Das ist mir beim Betrachten des Films gar nicht aufgefallen.

Zu den BD-Live-Onlinefunktionen kann ich nichts sagen, da ich die nicht nutze. Das gilt auch für die D-Box-Motion-Codes. Ich musste ein bisschen recherchieren, um herauszufinden, um was es sich bei letzterem überhaupt handelt: Es gibt selbsttätig bewegliche Stühle und Couches, teils mit integriertem Bildschirm und Bedienelementen für Spielkonsolen, die bei bestimmten Szenen im Film zu wackeln beginnen. Die dazu benötigten Codes befinden sich auf der BluRay. Wieder was dazugelernt. Wer im Gegensatz zu mir das nötige Kleingeld hat, kann sich mit so einem Ding also passend zum Film durchschütteln lassen...


J. Kreis, 27.05.2010


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