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Gong Tau Gong Tau - Limited Edition (Hong Kong, 2007)

DVD - Regionalcode 2, I-On New Media
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 96 Minuten

Extras
Making of, Trailer

Regie:
Herman Yau

Hauptdarsteller:
Mark Cheng (Rockman Cheung)
Maggie Shiu (Karpi)
Lam Suet (Sum)
Kenny Wong (Lam Chiu)
Kris Gu (Lockman)
Teng Tzu Hsuan (Elli Lam)




Inhalt:

Der neugeborene Sohn des Polizeioffiziers Rockman Cheung wird auf bestialische Weise ermordet. Rockmans Frau Karpi leidet seit der Mordnacht nicht nur unter Depressionen, sondern auch unter unerklärlichen Schmerzen. Für Rockmans Freund und Kollegen Sum steht schnell fest, dass die Familie von irgend jemandem mit einem Gong-Tau-Fluch belegt wurde. Sum verdächtigt den kürzlich aus zwölfjähriger Haft entlassenen Verbrecher Lam Chiu. Dieser kann keine Schmerzen mehr empfinden, seit Rockman ihn bei der Festnahme angeschossen hat. Lam Chiu hat seit seiner Entlassung schon mehrere Polizisten getötet, um sich zu rächen. Als Urheberin des Fluchs kommt aber auch die Striptänzerin Elli Lam in Betracht. Mit dieser jungen Frau hatte Rockman vor Jahren während einer Dienstreise ein Verhältnis. Er hatte sie nach einiger Zeit verlassen und war trotz seiner Versprechungen nie zu ihr zurückgekehrt.

Rockman glaubt ebenfalls an den Gong Tau und nimmt die Hilfe eines Magiers in Anspruch, doch die Kraft des feindlichen Hexenmeisters ist zu groß. Dieser Unbekannte hat sich selbst mit einem Fluch belegt, der dazu geführt hat, dass er zu einem mächtigen, blutsaugenden Dämon geworden ist. Als es Rockman gelingt, Lam Chiu erneut festzunehmen, findet er ausgerechnet in dem Verbrecher einen Helfer, denn der hat mit dem Fluch zwar nichts zu tun, weiß aber, wie man ihn wieder aufheben kann. Rockman schließt einen Handel mit Lam Chiu ab und verhilft ihm zur Flucht. Im Gegenzug erhält er alle Anweisungen, die er braucht, um den Fluch auf den Hexenmeister zurückzuschleudern. Dazu muss er ein bizarres Ritual vollführen, zu dem auch die Entnahme des Leichenfetts aus dem Körper seines Freundes Sum gehört, den Lam Chiu erschossen hat. Daraus und aus verschiedenen anderen Körperflüssigkeiten wird ein "Gegenmittel" gebraut.

Das Ritual wird durch das Erscheinen des Hexenmeisters unterbrochen. Genauer gesagt erscheint nur sein in der Luft schwebender Kopf. Der Hexenmeister nennt sich selbst Lockman, um Rockmans Namen zu verspotten. Er war einst in Elli Lam verliebt und hat den Gong-Tau-Fluch ausgesprochen, weil Elli nach Jahren vergeblichen Wartens auf Rockman Selbstmord begangen hat. Der Kopf fällt Lam Chiu an und saugt das Blut aus ihm heraus. Das Blut fließt zu Boden und vermischt sich mit dem "Gegenmittel", welches auf den Kopf übergreift und diesen vernichtet. Daraufhin wird Karpi tatsächlich vom Fluch befreit. Doch plötzlich leidet Rockman unter den gleichen Schmerzen - es handelt sich um einen neuen, von Elli selbst ausgesprochenen Fluch, der jetzt erst wirksam wird.

Der Film:

In diesem Film, der eine etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus hartem Polizeithriller, Geister-Mystery und Horror darstellt, spielt ein merkwürdiger Dämon einen Rolle, der in vielen südostasiatischen Mythen vorkommt. Man kennt diese Kreatur unter verschiedenen Namen: Krasue, Penanggalan oder Manananggal. Es handelt sich um einen besonders bösartigen, meist weiblichen Blutsauger, der nachts unterwegs ist und sich auch gern von ungeborenen Babys ernährt. Das Verrückte an diesem Dämon ist: Wenn er auf Beute aus ist, dann löst der Kopf sich vom Körper und fliegt durch die Luft, wobei er die Innereien hinter sich herzieht. Ich kannte diesen Dämonenglauben wegen des Films "Mystics in Bali" und war ziemlich überrascht, einer derartigen Kreatur hier wieder zu begegnen. Leider werden diese Dinge in "Gong Tau" nicht erklärt. Wer die Krasue-Legende nicht kennt, dürfte sich also fragen, was das denn bitteschön für eine abgedrehte Idee ist und was sie in diesem Film verloren hat. Dabei passt sie in das ganze Fluch-Szenario eigentlich sogar recht gut hinein. Man müsste halt nur wissen, welchen Hintergrund das Ganze eigentlich hat. Ohne die entsprechenden Erklärungen wirkt das zu übertrieben.

Ansonsten fällt mir wenig zu dem Film ein. Er ist handwerklich solide und nicht unspannend, aber es gibt ein paar Dinge, die mir unangenehm aufgefallen sind. Da wäre einmal die Gewaltdarstellung bzw. die allzu selbstzweckhafte Verwendung von Ekelszenen. Warum zum Beispiel muss die Autopsie eines ermordeten Polizisten in Nahaufnahme und mit allen Details gezeigt werden? Das trägt nichts zur Handlung bei und soll vermutlich nur die so genannten "Gore-Hounds" ansprechen, Leute also, die sich Filme aus dem einzigen Grund ansehen, weil sie möglichst viel Blut und Eingeweide geboten bekommen wollen. Dass die Szene als ironischer Seitenhieb auf solche Fans gemeint sein könnte, kann ich jedenfalls nicht erkennen. Gleiches gilt für viele ähnliche folgende Momente. Rockmans Wutausbruch gegen Ende des Films, bei dem er Lam Chiu fast zu Brei schlägt und schießt, kommt mir ziemlich unmotiviert vor. Wollte der Regisseur sich mit gezielten Tabubrüchen (Tötung des Säuglings und späteres Zeigen der Leiche) um Publicity bemühen? Dummerweise wirken manche Gewaltszenen außerdem klaumaukig, was sicher nicht beabsichtigt ist. Zum Beispiel fragte ich mich, was denn ein abgetrennter Kopf überhaupt mit dem gesaugten Blut anfangen soll. Die Anwort wurde sofort geliefert: Der Lebenssaft läuft natürlich beim Halsstumpf wieder raus. Aha, damit wäre das geklärt... Der Spezialeffekt in der entsprechenden Szene ist übrigens eher lächerlich. Man sieht genau, dass der Körper des Schauspielers einfach wegretuschiert wurde. Ansonsten sind die Effekte aber durchaus beeindruckend.

Die Story kommt mir schlecht durchdacht vor. Warum hilft Lam Chiu Rockman wirklich? Anscheinend wollte er sich gar nicht von ihm zur Flucht verhelfen lassen, sondern ihn irgendwie austricksen. Warum greift Lockman Lam Chiu an und nicht Rockman? Warum wirkt Lam Chius Fluch sofort, der von Elli aber erst nach Jahren? Das sind nur einige der Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Ein bisschen holpert es auch bei der Erzählweise: Ab und zu wiederholen sich die Dialoge und die ganze Sache mit dem zweiten Fluch kommt mir so vor, als wäre sie nachträglich noch mit dazugeklebt worden, damit der Film nicht ohne Schlusspointe auskommen muss. Immerhin machen die Schauspieler ihre Sache gut genug, so dass man Anteil an ihrem Schicksal nehmen kann. Nur Karpi hätte ruhig etwas weniger hysterisch agieren dürfen. Vielleicht liegt's ja auch an der nicht so optimalen Synchronisation. Auch die Atmosphäre stimmt - wenn man davon ausgeht, dass es sich um einen Polizeithriller mit einzelnen Horror-Elementen handelt und nicht umgekehrt. Sonst wäre mir der Film nämlich nicht düster und bedrohlich genug.

Die DVD:

Eine ca. drei Minuten lange Featurette mit denkbar kurzen Fitzelchen aus dem Film, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material als "Making of" zu bezeichnen, ist fast schon dreist. Hinzu kommen noch der Trailer zu "Gong Tau" sowie Trailer zu weiteren Filmen, die immerhin nicht ganz uninteressant aussehen.

J. Kreis, 18.11.2008


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