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Full Metal Yakuza Full Metal Yakuza (Japan, 1997)
- Full Metal Gokudô -

DVD - Regionalcode 2, Best Entertainment
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 89 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Tsuyoshi Ujiki (Kensuke Hagane)
Takeshi Caesar (Tosa)
Tomorowo Taguchi (Genpaku Hiraga)
Shôko Nakahara (Yukari)




Inhalt:

Kensuke Hagane ist ein Yakuza, aber er kann keiner Fliege etwas zuleide tun. Tatsächlich ist er nicht einmal in der Lage, Schutzgeld von einem harmlosen Automechaniker einzutreiben - er lässt sich sogar von dessen Frau verprügeln. Wegen anhaltender Erfolglosigkeit wird er deshalb zum Toilettendienst abkommandiert. Auch bei seiner Freundin blitzt Hagane wegen mangelnder Leistungsfähigkeit ab. Eines Tages erhält ausgerechnet er den Auftrag, den Yakuza-Boss Tosa aus dem Gefängnis abzuholen. Tosa hatte seinerzeit eine andere Gangstergruppe niedergemetzelt und musste deshalb einige Jahre im Knast absitzen. Hagane und Tosa tappen in eine Falle, denn intrigante Yakuzabosse haben Tosas Tod beschlossen. Hagane, der Tosa verehrt, wird ebenso von Kugeln durchsiebt wie sein Idol.

Wenig später kommt Hagane wieder zu sich. Er befindet sich in einer Art Labor und irgend etwas stimmt mit seinem Körper nicht: Hagane, eigentlich ein Schwächling, hat plötzlich übermenschliche Kräfte. Er läuft ein wenig im Freien herum und gibt ein paar jugendlichen Rüpeln Saures, die ihn vor kurzer Zeit vermöbelt und ausgeraubt haben. Auch sein Gehör ist leistungsfähiger geworden, dummerweise kriegt er deshalb mit, dass seine Freundin inzwischen einen neuen Lover hat. Als es zu regnen beginnt, kriegt Hagane buchstäblich einen Kurzschluss. Er verliert das Bewusstsein, und als er wieder aufwacht, ist er zurück im Labor. Genpaku Hiraga, ein verrückter Wissenschaftler erklärt ihm, er habe aus den Teilen von Tosas und Haganes Leichen sowie diversen Metall-Elementen einen Cyborg zusammengesetzt. Haganes neuer Körper enthält Tosas Herz, Haut (samt Yakuza-Tätowierung) und Gemächt.

Nach ein wenig Kampftraining macht Hagane sich auf, Rache zu üben. Er löscht eine komplette Yakuza-Gruppe aus. Nur den Boss lässt er am Leben, denn der wird von Taka geschützt, Haganes einzigem Freund aus früheren Zeiten. Hagane zieht sich in die Einsamkeit zurück, verbringt einige Zeit am Meer in der Nähe von Tosas Grabstein und begegnet sogar Tosas Ex-Freundin Yukari, die ihn aber verlässt, da Hagane buchstäblich zu viel von Tosa an sich hat. Yukari wird von den Yakzua entführt und gefoltert. Haganes Hütte wird in die Luft gesprengt, übrig bleibt nur eines seiner künstlichen Augen. Aber das ist nur ein Trick: Mit Hilfe dieses Auges, das die Yakuza mitnehmen, spürt Hagane das Versteck auf, in dem Yukari gefangen gehalten wird. Erneut schnetzelt der Cyborg all seine Gegner, bis er die inzwischen leider verblichene Yukari sieht und wegen einer emotional bedingten Überladung zusammenbricht. Wenig später taucht Hiraga auf, um die Reste einzusammeln.

Der Film:

Dieser Film muss entweder ein Frühwerk von Takashi Miike sein, oder der Regisseur hatte Lust, einfach mal kompletten Schwachsinn abzuliefern. Die Grundidee ist von Robocop geklaut, aber die Umsetzung ist mehrere Stufen (oder ganze Treppenfluchten) unterhalb dieses Films anzusiedeln. Das geht schon damit los, dass Hagane einfach zu bescheuert ist und sich zu übergangslos in einen brutalen Rächer verwandelt, als dass man sich mit ihm identifizieren könnte. Die Spezialeffekte sind einfach nur lächerlich und überhaupt gleicht das ganze Ding eher einem Amateurfilm als einem Werk des Mannes, von dem zum Beispiel auch so beeindruckende Filme wie Audition stammen. Wahrscheinlich hatte der Film nur ein sehr geringes Budget, und das sieht man überdeutlich. Es gibt nur wenige Szenen, die Miikes Sinn für bizarre Situationen erkennen lassen. Zum Beispiel dann, wenn Hagane seinen letzten Gegner in's Jenseits befördert, indem er ihn mit seinem Riesenpenis durchbohrt und so lange vollpumpt, bis der Kopf des Gangsters platzt... Dummerweise ist die deutsche Synchronisation derart unter aller Kanone, dass auch der letzte Rest von Respekt verlorengeht, dem man dem Film evtl. noch hätte entgegenbringen können. Japanischer Originalton ist nicht vorhanden.

Miike wollte vermutlich auch noch lustig sein. Anders kann ich die Szenen, in denen Haganes Trotteligkeit dargestellt wird, in denen er sich über seinen neuen Riesenpenis freut und in denen er die Abwehr von Pistolenkugeln übt, nicht interpretieren. Wenn man sich amüsiert, dann nur wegen unfreiwilliger Komik. Wenn Hagane Verteidigungsstellung annimmt, dann sieht das so aus, als habe er sich gerade in eine Drag-Queen verwandelt, die ganz dringend aufs Klo muss. Seltsamerweise bedeckt er nur die Hälfte seines Gesichts mit der Hand, die vom Gegner abgewandt ist. Warum Hagane dauernd Metall verspeisen muss, verstehe ich auch nicht. Metall als Energielieferant? Ist das nicht ein wenig umständlich? Wieso stöpselt er sich nicht einfach in die nächste Steckdose? Aber das sind nur Kleinigkeiten - die ganze Story strotzt nur so vor Ungereimtheiten. Auch scheint Haganes Körper sich mehrfach zu verändern. Mal sind die Hände aus Metall, mal nicht... überhaupt sieht der Cyborg allzu deutlich nach dem aus, was er ist: Diverse Plastikprotektoren und andere Einzelteile, die auf einen Schaumstoffanzug geklebt wurden.

Die DVD:

Ist der Film an sich schon übel genug, so ist die DVD-Veröffentlichung eine einzige Frechheit. Denn in der DVD-Hülle befindet sich nicht das, was die Aufschrift verspricht. Zufällig kenne ich die Originalversion dieses Films. Ich weiß deshalb, dass sie ca. 100 Minuten lang ist und von Asian Film Network vertrieben wird. Nun: Auf dem Cover steht "Asian Film Network" und die Laufzeit ist mit 100 Minuten angegeben. Aber zu früh gefreut! Tatsächlich ist der Film nur ca. 90 Minuten lang und kommt von Best Entertainment.

Diese Version des Films ist stark verstümmelt. Fast sämtliche Gewaltszenen (darunter auch eine wirklich üble Vergewaltigung) sind der Schere zum Opfer gefallen. Gut - auf diese Szenen könnte man verzichten, aber a) was übrig bleibt, ist so harmlos, dass es auch im ARD-Abendprogramm laufen könnte, und b) fehlt eine komplette Handlungssequenz, die erklärt, warum Yukari überhaupt entführt wurde: Hagane sollte gezwungen werden, eine andere Yakuza-Gruppe auszurotten. Was er dann auch macht. Darüber hinaus wurden alle Ansichten des Cyborg-Gemächts auf unglaublich plumpe und häßliche Weise verpixelt.

Aber nicht genug damit. Auf der DVD-Hülle steht auch, es seien Bio- und Filmografien sowie eine "Synopsis" als Bonusmaterial vorhanden. Das stimmt nicht: Auf der DVD befinden sich nur ein paar Trailer.

Ich kann euch vom Erwerb dieser DVD, die übrigens völlig zu Recht verramscht wird, nur abraten.

J. Kreis, 11.01.2007
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