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The Fountain The Fountain - Special Edition (USA, 2006)

DVD - Regionalcode 2, Arthaus
FSK: 12
Laufzeit: ca. 93 Minuten

Extras
Making of (ca. 1 Std.), "Behind the Story": Interviews, Storyboard-Film-Vergleich, "Die Special Effects", "Life in Space", "Die Filmmusik", Bildschirmschoner, Fotogalerie, TV-Spots, Trailer

Regie:
Darren Aronofsky

Hauptdarsteller:
Hugh Jackman (Tomas / Dr. Tom Creo)
Rachel Weisz (Königin Isabel / Izzi Creo)
Ellen Burstyn (Dr. Lillian Guzetti)




Inhalt:

16. Jahrhundert: Der spanische Großinquisitor beschuldigt Königin Isabel der Ketzerei und versucht die Macht im Lande durch einen Staatsstreich an sich zu reißen. Er okkupiert immer größere Teile des Landes, so dass die Königin allmählich isoliert wird. Der königstreue Konquistador Tomas versucht den Großinquisitor zu ermorden, wird aber von der Königin selbst daran gehindert. Sie hat einen anderen Auftrag für ihn. Er soll in die Neue Welt reisen und dort nach dem Baum des Lebens suchen, der sich in einer vergessenen Pyramide der Mayas befinden soll. Sie glaubt, so das ewige Leben erlangen und dem Großinquisitor trotzen zu können. Sollte Tomas erfolgreich sein, würde Isabel ihn heiraten. Die Expedition des Konquistadors wird zum Debakel. All seine Soldaten sterben oder erheben sich gegen ihn, so dass er sie selbst töten muss. Als er die mitten im Dschungel verborgene Pyramide schließlich doch noch erreicht, ist er allein. Er wird bereits von einem Priester der Maya erwartet, der ihn niedersticht.

Gegenwart: Damit endet das elfte von zwölf Kapiteln eines Buches mit dem Titel "The Fountain", geschrieben von Izzi, der krebskranken Frau von Dr. Tom Creo. Tom sucht verzweifelt nach einem Heilmittel für Izzis Tumor, der an ihrem Stammhirn wuchert und sie allmählich umbringt. Er merkt nicht, dass er sich durch seine verbissene Arbeit immer mehr von Izzi entfremdet. Izzi erzählt ihm von einer Legende, der zufolge ein bestimmter stellarer Nebel, den die Mayas Xibalba genannt haben, ein Ort der Wiedergeburt sein soll. Zu einem echten Durchbruch in Toms Forschungsarbeit kommt es, als er verbotenerweise eine nicht ausreichend getestete Substanz in einem Tierversuch einsetzt. Die Substanz wurde einem unbekannten Baum entnommen, der im Regenwald Südamerikas entdeckt worden ist. Donovan, ein krebskranker Affe, regeneriert und verjüngt sich auf geradezu unglaubliche Weise. Als endlich festgestellt wird, dass sich auch der Tumor zurückbildet, ist es für Izzi zu spät: Sie stirbt. Tom weigert sich jedoch, seine Forschungen aufzugeben. Er pflanzt einen Samen des geheimnisvollen Baumes an Izzis Grab.

Zukunft: Ein Raumfahrer ist unterwegs zum stellaren Nebel Xibalba, in dessen Zentrum ein sterbender Stern steht. Sein Raumschiff ist eine transparente Sphäre ohne erkennbare technische Einrichtung. Der Raumfahrer lebt zu Füßen eines großen Baumes, dessen Rinde er in regelmäßigen Abständen kleine Stückchen entnimmt, um sie zu essen. Der Raumfahrer ist Tom, und er wurde von dem Baum, der über Izzis Grab gewachsen ist, jahrhundertelang am Leben gehalten. Tom glaubt, der Geist seine Frau habe sich in dem Baum manifestiert, manchmal sieht er auch Visionen von Izzi in seiner Sphäre. Erinnerungen an einen Tag, der für seine Entfremdung von Izzi entscheidend ist (er war lieber in seinem Labor geblieben, als mit ihr einen Spaziergang im Schnee zu machen) quälen ihn immer wieder. Izzi soll in Xibalba wiedergeboren werden, aber kurz bevor die Sphäre dort ankommt, stirbt der Baum. Endlich überwindet Tom seine Angst vor dem Tod. Er schreibt das letzte Kapitel des Buches, wie Izzi es sich gewünscht hat:

Der Baum des Lebens: Der Konquistador überlebt die Auseinandersetzung mit dem Maya-Priester und findet den Baum des Lebens. Er streicht etwas von dessen Saft auf seine Wunde, so dass diese in Sekunden verheilt. Dann trinkt er von dem Saft, muss aber feststellen, dass er sich geirrt hat: Der Baum verleiht nicht ewiges Leben, sondern neues Leben - der Konquistador wird buchstäblich zum Nährboden für rasend schnell wachsende Pflanzen. Dadurch erfüllt er eine weitere alte Sage der Mayas, der zufolge sich einst ein Urvater geopfert hat, um von den Wurzeln des Baumes durchdrungen zu werden und somit in den Kreislauf neuen Lebens einzutreten.

Xibalba: Der Raumfahrer verlässt sein "Schiff" in einer kleineren Sphäre und nähert sich dem sterbenden Stern. Als der Stern explodiert, wird Toms Körper zerrissen und vereinigt sich mit dem Baum, der danach neu erblüht...

Der Film:

Es wird im Film zwar nicht ausdrücklich gesagt, aber man kann davon ausgehen, dass die drei Handlungsebenen jeweils 500 Jahre auseinanderliegen. Sie sind durch überall auftauchende Elemente (Beispiele: Toms verlorener Ehering bzw. die Tätowierung, die ihn ersetzt und natürlich die völlig verbrauchte Schreibfeder) und andere parallel verlaufende Geschehnisse miteinander verknüpft. Zum Beispiel stellen die Härchen auf Izzis Hals sich genauso auf wie die Härchen auf der Rinde des Baumes, als Tom sich dem Hals / der Rinde nähert. Tom sieht Izzi in seiner Sphäre, daraus entsteht dann die Szene, in der er Izzis Einladung zu einem Spaziergang ausschlägt. Diese Szene wiederholt sich mehrmals, am Ende verläuft sie dann anders: Tom geht mit Izzi in den Schnee hinaus. Während bei der Geschichte des Konquistadors Tomas klar ist, dass es sich sozusagen um eine Fiktion innerhalb einer Fiktion handelt (man sieht nur das, was Izzi geschrieben hat), ist die Sache beim Raumfahrer nicht so klar. Dass der Raumfahrer dem Maya-Priester erscheint und ihn davon abhält, den Konquistador zu töten, könnte darauf hindeuten, dass auch dieser Handlungsstrang nicht "real" ist, sondern Bestandteil des Buches. "Real" wäre dann nur der in der Gegenwart spielende Teil der Geschichte. Diese Verknüpfungen und parallelen Ereignisse sind sehr interessant, verleihen dem Film eine traumartige Atmosphäre und lassen Raum für vielfältige Interpretationen.

Von der Bildersprache her ist natürlich die Geschichte des Raumfahrers am interessantesten. Wie er da in seiner vergleichsweise kleinen Glaskugel durchs All fliegt, wobei er in einer Art Mikro-Biotop lebt und sich mit einfachsten Mitteln versorgt - das sind wunderschöne Bilder, untermalt von ebenso schöner Musik. Auf andere Weise ebenso faszinierend sind die im 16. Jahrhundert spielenden Szenen. Sie sind mindestens ebenso üppig ausgestattet und nicht weniger spannend als ein groß angelegtes Historienspektakel; in diesem Film werden sie aber nur für eine untergeordnete Handlung benötigt. So fantastisch, schön und beeindruckend das alles wirkt, fragt man sich doch, welche Bedeutung es hat. Die Meditationen des Raumfahrers im Lotossitz, seine Tai-Chi-Übungen usw., natürlich auch die Funktionsweise der Sphäre und die Frage, was wohl in der Zeit nach Izzis Tod geschehen sein mag - all das bleibt unerklärt und man kann sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass da jemand einfach nur seine eigene Fantasie ausgelebt hat, ohne dem Ganzen einen Sinn zu geben. Gerade die Buddha-Haltung des Raumfahrers vor strahlendem Licht wirkt unfreiwillig komisch, ebenso die Szene, in der die schönen weißen Blümchen aus dem Körper des Konquistadors sprießen.

Aber letzten Endes ist das auch zweitrangig. Natürlich könnte man sich über Esoterik-Kitsch, verquasten Bildersalat prätentiöse Pseudokunst usw. aufregen, wie viele Kritiker es tun, deren Texte ich gelesen habe. All das kann man ignorieren, wenn der Film funktioniert, und er funktioniert wenigstens auf einer emotionalen Ebene. Man müsste jedenfalls schon ziemlich abgestumpft sein, um Toms Seelenqualen nicht zu verstehen und nicht mit ihm zu leiden, wenn er die Mittel zu Izzis Rettung zu spät erhält. Hugh Jackman und Rachel Weisz mögen es in der einen oder anderen Szene etwas übertreiben, aber sie bleiben jederzeit glaubwürdig. Besonders gut gefallen hat mir die Szene bei der Beerdigung, in der Tom das salbungsvolle Geschwafel Dr. Guzettis nicht mehr erträgt. Man nimmt Jackman den besessenen Forscher ebenso ab wie den Konquistador und den geläuterten Meditierenden. In letzterer Rolle zeigt er mit kahlgeschorenem Kopf Mut zur Häßlichkeit und beweist, dass er weit mehr kann, als grimmig zu gucken (siehe X-Men, wo er bekanntlich den Wolverine spielt). "The Fountain" ist ein ungewöhnlicher Film, auf den man sich einfach einlassen muss. Wer handfeste SF- oder Historien-Action erwartet, ist allerdings besser beraten, wenn er die Finger davon lässt.

Die DVD:

Die Discs stecken in einer schön gestalteten Box mit Schuber und einer Art 3D-Cover. Hinzu kommt ein sehr ausführliches Booklet, das ebenfalls aufwendig gestaltet ist und bereits eine ganze Menge an Informationen enthält. Erwähnenswertes Bonusmaterial:

Das "Making Of" ist in diverse Unter-Kapitel eingeteilt (man vermisst die Option "Alle abspielen") und zeigt zusammen mit einer Reihe anderer Featurettes recht deutlich den ganzen Enstehungsprozess. Die Dokumentationen beginnen nämlich mit den allerersten Vorarbeiten, die dann für zwei Jahre eingestellt wurden, weil die Finanzierung gekippt worden war. Das Ganze ist ein wenig in die einzelnen Handlungsebenen gegliedert, und man erhält einen guten Einblick in die Dreharbeiten, die Entstehung der Spezialeffekte usw., man versteht am Ende auch besser, was die eine oder andere Szene zu bedeuten hat.

Hinzu kommen Interviews mit ca. 25 Minuten Gesamtlaufdauer, die allenfalls mäßig interessant sind. Zugegeben: Die Idee, dass "Izzis Baum" von allen Menschen als Quell ewigen Lebens gebraucht und dadurch quasi ausgelaugt worden sein könnte, war mir neu. Lustig: Rachel Weisz "interviewt" einen kahlrasierten Hugh Jackman, dem gerade die "Jahresring"-Tätowierungen auf die Arme gemalt werden. Noch erwähnenswert sind zwei Features: Man kann ausgewählte Szenen nur mit der wundervollen Filmmusik abspielen, oder eine Art Bildschirmschoner ablaufen lassen, bei dem die Weltraum-Animationen zu Filmmusik gezeigt werden.

Insgesamt eine schöne Ausstattung, die das Verständnis des Films erleichtert.

J. Kreis, 20.12.2007
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