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Fido Fido (Kanada, 2006)

DVD - Regionalcode 2, Ascot Elite Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 16 Minuten

Extras
Trailer

Regie:
Andrew Currie

Hauptdarsteller:
K'Sun Ray (Timmy Robinson)
Carrie-Anne Moss (Helen Robinson)
Billy Connolly (Fido)
Dylan Baker (Bill Robinson)




Inhalt:

Vor geraumer Zeit hat die Erde eine verstrahlte Wolke durchquert, deren Einfluss auf Dauer dazu geführt hat, dass die Toten sich erheben und nach dem Fleisch der Menschen gieren. In einem gnadenlosen Krieg konnten die Untoten schließlich zurückgetrieben werden. Der mächtige Konzern Zomcon war entstanden, deren Gründer, Dr. Geiger, ein Mittel erfunden hatte, die Zombies unter Kontrolle zu halten: Ein Halsband, das ihren Hunger nach frischem Fleisch unterdrückt. Jahre später leben die Menschen in umzäunten Städten. Auf der anderen Seite der Zäune herrscht das Chaos, dort streifen wilde Zombies umher - und diese Zonen werden genutzt, um zum Beispiel Verbrecher dort zu "entsorgen". Innerhalb der Städte leben die Menschen in einer ungestörten Idylle. Wer stirbt, wird ohne Kopf beerdigt, was die einzige Möglichkeit ist, die Verwandlung in einen Zombie zu verhindern. Wer jedoch zum Zombie wird, erhält ein Halsband, wird auf diese Weise domestiziert und kann sich in einfachen Jobs nützlich machen. Manche Untote dienen auch einfach nur als "Haustiere". Zomcon hat alles unter Kontrolle und übt die eigentliche Macht aus.

Wer keinen Hauszombie sein Eigen nennt, wird schnell zum Gespött der Nachbarschaft. So ergeht es dem in der kleinen Stadt Willard lebenden elfjährigen Timmy Robinson, dessem Vater sich vor Zombies fürchtet, seit sein eigener Vater sich in ein solches Wesen verwandelt und versucht hat, ihn zu fressen. Eines Tages beschafft Timmys Mutter Helen dann doch einen untoten Diener, der schnell zum besten Freund des Jungen wird und den Namen "Fido" erhält. Fido hilft Timmy gegen zwei Gleichaltrige, die ihn drangsalieren, weckt romantische Gefühle in der von ihrem gehemmten Mann vernachlässigten Helen und ist eigentlich ein angenehmer Zeitgenosse - bis sein Halsband ausfällt, so dass er in einem unbeobachteten Moment eine alte Nachbarin der Robinsons zerfleischt. Timmy verheimlicht die Sache und beseitigt in der Nacht die zu einem Zombie gewordene Alte, doch die hat ihrerseits bereits diverse Leute angefallen, so dass die Zombieplage sich schnell ausbreitet. Mr. Bottoms, Sicherheitschef bei Zomcon, bringt die Lage zwar unter Kontrolle und verzichet darauf, die Robinsons - seine Nachbarn - in die Wilde Zone zu verbannen, aber Fido muss weg. Und das, obwohl der Zombie Timmy und dessen Mutter selbst mit deaktiviertem Halsband nichts antut, sondern seinen Freund sogar vor anderen Zombies rettet.

Timmy ist untröstlich, erhält aber bald von Cindy, Mr. Bottoms Tochter, die erlösende Nachricht, dass Fido noch am "Leben" ist: Man hat ihn in die Zomcon-Fabrik gesteckt. Mit Hilfe von Mr. Theopolis, der Timmys Zuneigung zu Fido bestens versteht (er liebt selbst eine Untote), dringt der Junge in die Fabrik ein und befreit Fido. Chaos bricht aus, als weitere Zombies ohne Halsband freikommen. Mr. Bottoms ist gerade dabei, Timmy an die wilden Zombies jenseits des Grenzzauns zu verfüttern, als Mr. Robinson eintrifft. Bottoms erschießt ihn im Handgemenge, wird dann aber selbst angenagt. Fido rettet derweil seinen Freund. Nachdem Zomcon alles wieder bereinigt hat und nachdem Timmys Vater beerdigt wurde (natürlich ohne Kopf), können Timmy, seine Mutter und Fido vergnügt und in Frieden eine neue Familie gründen. Cindy erhält ein neues Haustier: Ihren zombifizierten Vater...

Der Film:

Der Zusammenfassung könnt ihr sicher entnehmen, warum dieser Film lustig sein soll. Das funktioniert auch ganz gut, solange die Verhältnisse in Willard ebenso lakonisch wie zynisch geschildert werden. Die klassische Situation von Spießbürgern, die in ihrer kleinen heilen Welt leben und die Augen vor dem "draußen" herrschenden Chaos verschließen, womit sie gleichzeitig denen die Macht in die Hände legen, die ihnen dabei helfen, die Illusion aufrecht zu erhalten, wird hier natürlich auf die Spitze getrieben. Gewalt ist kein Problem, solange sie sich gegen jene richtet, die als Feinde identifiziert wurden, und so werden selbst die Kinder in der Schule im Gebrauch von Schusswaffen ausgebildet. Auch Timmys Familienleben mit den Eltern, die sich weder füreinander noch für ihr Kind interessieren, sondern nur dafür, was die Nachbarn denken könnten, sorgt für so manche bitterböse Szene. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Handlung in den Fünfzigerjahren spielt...

Leider hält der Film diesen gesellschaftskritischen Grundton nicht lange durch. Er entwickelt sich stattdessen zu einer Art Lassie-Film, bei dem das treue Haustier das jugendliche Herrchen aus aller Gefahr rettet. Mit dem Unterschied natürlich, dass das Haustier ein Zombie ist. Und da gehen die Probleme los, denn Fido ist kein Zombie. Gut, er ist angeblich tot (bzw. untot), aber abgesehen von schweren Koordinationsstörungen, verlangsamter Motorik und Sprachschwierigkeiten unterscheidet er sich nicht von einem normalen Menschen. Das muss natürlich so sein, denn wie sollte man ihn sonst als positive Figur wahrnehmen? Trotzdem "funktioniert" diese Figur einfach nicht, sie wird zu sehr vermenschlicht. Hätte man es dabei belassen, auch ihn als gezähmten Zombie darzustellen, wäre es ja noch akzeptabel gewesen. Als Fido erstmals "von der Leine" gelassen wird, reagiert er ja noch so, wie es sein muss: Er labt sich an frischem Menschenfleisch. Dann aber tut er selbst ohne sein Halsband keiner Fliege mehr etwas zuleide. Das passt alles nicht zusammen.

Meiner Meinung nach funktioniert "Fido" weder als Satire, noch als Familienkomödie und erst recht nicht als Horrorfilm - immer fehlt das gewisse Etwas, der letzte Schliff. Es ist alles zu vorhersehbar, hat zu wenig Biss und ist streckenweise sogar langweilig. Daran ändert auch die sehr liebevoll und detailreich gestaltete Ausstattung im Stil der Fifties nichts. Die Schauspieler geben sich redlich Mühe und können auch durchaus überzeugen. Carrie-Anne Moss darf mal zeigen, dass sie auch ohne Leder-Outfit und Martial-Arts-Prügeleien (siehe Matrix) eine gute Figur macht. Dumm nur, dass die Synchronsprecher sich erheblich weniger Mühe geben. Genauer gesagt: Sie zerstören den ganzen Film. Das gilt besonders für die Kinder.

Ich muss mich übrigens einmal mehr über die Altersfreigabe wundern. In diesem Film sind Kopfschüsse, abgetrennte Gliedmaßen (und Köpfe), Fress-Szenen und dergleichen zu sehen, wenn auch meist nur sehr kurz. Bei anderen Zombiefilmen hätte so etwas vielleicht sogar zur Indizierung geführt, aber das hier ist ja eine Komödie, also scheint es für die Jugendschützer okay zu sein, den Film schon ab 16 freizugeben.

Die DVD:

Seht euch bitte den Trailer zu "Fido", der neben diversen anderen Filmtrailern das einzige Bonusmaterial dieser DVD ist, bitte nicht an, solange ihr den Film selbst noch nicht gesehen habt. Sonst kennt ihr nämlich schon die besten Szenen und könnt euch den Film im Grunde sparen...

J. Kreis, 23.02.2008
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