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Fear and Loathing in Las Vegas Fear and Loathing in Las Vegas (USA, 1998)

DVD - Regionalcode 2, BMG Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras
B-Roll, Interviews, Trailer, Infos zu Cast & Crew (Texttafeln), Hintergrundinformationen (Texttafeln)

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Johnny Depp (Raoul Duke)
Benicio Del Toro (Dr. Gonzo)




Inhalt:

Der Journalist Raoul Duke und sein samoanischer Anwalt Dr. Gonzo sind unterwegs nach Las Vegas. Im Kofferraum ihres Kabrios haben sie einen netten Vorrat aller der menschlichen Rasse seit dem Jahre 1544 bekannten Drogen gestapelt, den sie unterwegs nach und nach aufbrauchen. Sie mischen sich unter eine Horde anderer desinteressierter Reporter, die eigentlich über das "Mint 400" - Rennen berichten sollten, aber mehr an der kostenlosen Hotelunterbringung interessiert sind. Außerdem sind sie auf der Suche nach dem so genannten Amerikanischen Traum. Und wo sollte der eher zu finden sein als in Las Vegas, der seelenlosen, aber schön bunt beleuchteten Zocker-Metropole mitten in der Wüste? Duke und Dr. Gonzo durchlaufen verschiedene Stadien des exzessiven Drogenkonsums, verwandeln mehrere Hotelzimmer in Schlachtfelder, terrorisieren die Angestellten und bezahlen keine Rechnungen, stiften Unruhe in diversen Spielhallen und Shows, haben merkwürdige Halluzinationen, Höllentrips, Blackouts, Flashbacks und Dropouts. Als Dr. Gonzo verschwindet, prellt Duke die Zeche und macht sich wieder auf den Weg, wird aber von einem Highway-Polizisten angehalten, der allerdings nur etwas menschliche Nähe sucht.

Zurück in Las Vegas (neues Hotel) nehmen Duke und der wieder eingetroffene Dr. Gonzo ausgerechnet an einer Konferenz von Drogenfahndern teil. Dann müssen sie eine Minderjährige loswerden, die von Dr. Gonzo mit Acid gefügig gemacht worden ist. Nachdem Duke mit Adrenochrom, einer von Satanisten beschafften Substanz, die aus menschlichen Nebennieren gewonnen wird, den ultimativen Trip erlebt hat, erwacht er mit einer gewaltigen Erinnerungslücke. Dr. Gonzo ist inzwischen abgereist. Nun bricht auch Duke auf. Sein Ziel ist Los Angeles, wo er nur ein weiterer Freak im Freak-Königreich und somit sicher wäre.

Der Film:

Eigentlich hätte ich mir die Mühe sparen können, die Handlung dieses Films zusammenzufassen, denn eigentlich hat er keine oder sie ist unwichtig. Immerhin: Man kann das grobe Handlungsgerüst zusammenfassen, viel gibt es dazu aber nicht zu schreiben. Will man den Film kommentieren, dann hat man ein Problem. Ich habe jedenfalls eins, denn ich finde den Film zwar ziemlich genial, kann aber nicht erklären warum. Natürlich könnte man sich seitenlang über die Hippie- und Drogenkultur der 60er und 70er in den USA auslassen, einen kulturhistorischen Essay über die Zeit Timothy Learys und des Vietnamkriegs verfassen oder die filmische Qualität beschreiben. Das lasse ich alles lieber bleiben, schließlich verstehe ich nichts von alldem. "Fear and Loathing in Las Vegas" ist die Verfilmung des gleichnamigen (autobiografischen?) Romans von Hunter S. Thompson - von Autor und Werk hatte ich noch nie zuvor gehört. Ich kann also auch nichts zur Werktreue des Films sagen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass kein anderer Regisseur als Terry Gilliam es hätte schaffen können, ein ununterbrochenes Drogendelirium zur filmischen Realität werden zu lassen. Wer andere Filme Gilliams kennt (u.a. Brazil, Jabberwocky, "Twelve Monkeys", "König der Fischer"), der weiß, dass Gilliam eine unnachahmliche Begabung dafür hat, bizarre Visionen darzustellen und jede einzelne Szene mit abstrusen Details vollzustopfen. In "Fear and Loathing" hält Gilliam sich zwar vergleichsweise ein wenig zurück, es ist dennoch unmöglich, alles aufzuzählen, was Gilliam an grotesken Situationen, durchgedrehten Charakteren und aberwitzigen Bildern aufbietet, um zu zeigen, wie die Welt aus Dukes Perspektive aussieht.

Johnny Depp, vor allem aber Benicio del Toro, spielen ihre Rollen einfach brillant. Während Depps Darbietung ab und zu in etwas zu viel Herumgefuchtel ausartet, verleiht del Toro dem Dr. Gonzo ganz unterschiedliche Charakterzüge. Mal ist er sympathisch, mal ist er dagegen äußerst bedrohlich. Ich habe gelesen, er habe für diese Rolle 20 Kilo zunehmen müssen - man sieht es ihm wirklich an... Einige Nebenrollen sind ziemlich hochkarätig besetzt, am lustigsten fand ich Tobey Maguire (Spider-Man) als leicht unterbelichteten Tramper. Auch Hunter S. Thompson soll einen Cameo-Auftritt in dem Film haben, aber ich habe ihn nicht erkannt.

Obwohl so manche Szene wirklich urkomisch ist, kann "Fear and Loathing" übrigens ebenso wenig wie der in dieser Hinsicht vergleichbare Film "Brazil" als Komödie bezeichnet werden. Leider fehlen in "Fear and Loathing" aber der bitterböse Zynismus und die totale Verdrehung der Realität, die "Brazil" zu etwas wirklich Besonderem machen. Insgesamt finde ich diesen absonderlichen Film zwar eher interessant als unterhaltsam, aber langweilig ist er keinesfalls. Man sollte nur nicht zu zart besaitet sein, denn was Duke und Dr. Gonzo alles anstellen, dürfte so manche Ekelschwelle überschreiten...

Die DVD:

Normalerweise ignoriere ich Texttafeln beim DVD-Bonusmaterial meistens. Diesmal sind diese Texte aber interessanter als das übrige Bonusmaterial. Dieses besteht nämlich nur aus einer wenige Minuten langen Zusammenstellung unkommentierter Aufnahmen von den Dreharbeiten ("B-Roll") und einzelnen insgesamt ebenfalls nur wenige Minuten langen Interviews mit Johnny Depp, Benicio Del Toro und Terry Gilliam. Diese wählt man übrigens über einen Menüpunkt bei den Texttafeln mit Bio-/Filmografien zu Cast & Crew aus, sie sind also etwas versteckt. Besonders aussagekräftig sind sie nicht, außerdem sind sie nicht deutsch untertitelt. Nein, viel besser sind die "Hintergrundinformationen". Hier kann man nämlich einiges zum Buch von Hunter S. Thompson, zum Jahr 1971, zum "Gonzo-Journalismus" und zu einigen der im Film konsumierten Drogen lesen. Besonders die Abhandlung über die Drogen hat es in sich. Auf zwar humorvolle, aber keineswegs verharmlosende Weise werden - sachlich fundiert - Nutzung, Wirkungen, Nebenwirkungen und Besonderheiten der bekanntesten Drogen erläutert.

In den Kinotrailern kann man übrigens zwei Szenen sehen, die im Film gar nicht vorkommen (eine Szene mit dem Orang-Utan und eine, in der Kokosnüsse auf der Kühlerhaube eines Autos geknackt werden). Diese Szenen sind nur im Director's Cut des Films enthalten, den es zur Zeit (Oktober 2008) in Deutschland nicht zu kaufen gibt.

J. Kreis, 07.10.2008


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