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Fanboys Fanboys (USA, 2008)

DVD Regionalcode 2, Capelight
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 87 Minuten

Extras
Audiokommentar von Martin Gogulski und Markus Rau, Audiokommentar von Cast & Crew, Interview: Fanboys über "Fanboys", Entfallene Szenen, Webisodes, Featurettes ("Die Wahrheit über Fanboys", "Parallelen zu Star Wars", "Vier Fanboys und ein Fangirl", "Die Choreografie"), Kurzfilm "Vidiots", Kinotrailer

Regie:
Kyle Newman

Hauptdarsteller:
Sam Huntington (Eric Bottler)
Chris Marquette (Linus)
Dan Fogler (Harold Hutchinson)
Jay Baruchel (Windows)
Kristen Bell (Zoe)
Seth Rogen (Admiral Seasholtz / Roach)
William Shatner
Danny Trejo (The Chief)
Ethan Suplee (Harry Knowles)




Inhalt:

Im Jahre 1998 wird die Kinopremiere von "Episode 1" von allen Star Wars-Fans mit Spannung erwartet. Eric Bottler ist ebenfalls ein Fanboy. Im Gegensatz zu seinen Freunden Hutch, Windows und Linus hat er sich nach dem Abschluss der Highschool jedoch dem Ernst des Lebens zugewandt und arbeitet als Autohändler bei seinem Vater. Mit seinen Kumpels, die sich beharrlich gegen das Erwachsenwerden wehren, hatte Eric jahrelang keinen Kontakt. Er trifft sie zufällig auf einer Halloween-Party. Als er von Windows und Hutch erfährt, dass Linus (in Jugendtagen Erics bester Freund) an Krebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat, und als sein Vater ihm in Aussicht stellt, ihn demnächst zum Chef des Familienbetriebes zu machen, überdenkt Eric sein Leben neu. Er will die schwer in Mitleidenschaft gezogene Freundschaft mit Linus wieder herstellen. Er greift daher einen Plan wieder auf, den er und Linus schon in ihrer Kindheit ausgearbeitet hatten: Sie wollten sich in die Skywalker-Ranch schleichen. Diesen Plan wollen die vier Freunde jetzt verwirklichen, um den Rohschnitt von "Episode 1" zu stehlen, denn Linus wird die Kinopremiere dieses Films nicht mehr erleben. Und so machen sich die Fanboys auf den Weg ins 2000 Kilometer entfernte Kalifornien. Hutch legt allerdings zunächst einmal einen Zwischenstopp in Iowa ein, um einige Star Trek-Fans aufzumischen.

Danach besuchen die Fanboys "Rogue Leader", eine Internet-Bekanntschaft, in die sich Windows verliebt hat und die angeblich detaillierte Pläne der Skywalker-Ranch besitzt. Das ist zwar wahr, es zeigt sich allerdings, dass das Mädchen erst zehn Jahre alt ist. Ihr Onkel, der Super-Fan Harry Knowles, macht Windows mit schlagenden Argumenten klar, dass er die Finger von seiner Nichte zu lassen hat. Von der Mission der Fanboys ist er jedoch recht angetan. Er gibt ihnen sogar den Decknamen ("Scruffy Nerfherder") eines Kontaktmanns, den sie in Las Vegas treffen sollen. Der Unbekannte kann ihnen alle zur Infiltration der Skywalker Ranch benötigten Unterlagen besorgen. Unterwegs haben die Fanboys eine Panne, müssen in einer Kaschemme voller schwuler Rocker strippen, erhalten von einem alten Indianer Hilfe sowie eine Tüte voller Peyote - und landen deswegen im Gefängnis. Zoe, ein mit den Jungs befreundetes Fangirl, reist eigens an, um die Kaution zu bezahlen. Der Richter lässt sie aber nur laufen, weil er Erics Vater kennt - und der stellt seinen Sohn vor die Wahl, entweder sofort zurückzukommen oder gefeuert zu werden. Eric begreift, dass die Reise zur Skywalker Ranch für ihn und seine Freunde etwas so besonderes ist - allenfalls vergleichbar mit der Vernichtung des Todessterns durch Luke Skywalker - dass er es nicht aufgeben darf. Also fahren die Fanboys und das Fangirl weiter.

In Las Vegas treffen Eric und Linus den Kontaktmann - es ist William Shatner. Er hat alles, was sie brauchen. Die Abreise gerät zur wilden Flucht, denn die Trekkies aus Iowa sind wegen einer Star Trek-Convention ebenfalls vor Ort, außerdem haben sich Hutch und Windwos mit Callgirls eingelassen, die sie nicht bezahlen können. Immerhin hat Windows auf diese Weise erfahren, dass Zoe ihn liebt. Endlich erreichen die Freunde die Skywalker Ranch und können problemlos einbrechen. Sie werden aber umgehend von Sicherheitskräften aufgegriffen. George Lucas ist gerührt, als er erfährt, um was es ihnen eigentlich geht, und zeigt sie nicht an. Allerdings müssen sie zuerst durch Beantwortung kniffliger Fragen beweisen, dass sie wahre Fanboys sind. Linus darf sogar den Rohschnitt von "Episode 1" sehen. Sechs Monate später besuchen die Freunde gemeinsam die Kinopremiere von "Episode 1" - ohne Linus, der inzwischen gestorben ist. Eric hat die Karriere als Autoverkäufer an den Nagel gehängt und ist Comiczeichner geworden. Als sich der Jubel beim Beginn des Films etwas gelegt hat, fragt Eric seine Freunde besorgt: "...und wenn der Film Schrott ist?"

Der Film:

Nun, als Schrott würde ich Episode 1 zwar nicht gerade bezeichnen, aber das erste Star Wars-Prequel hat die hohen Erwartungen aller Fanboys (zu denen ich mich trotz meines fortgeschrittenen Alters immer noch zähle) definitiv nicht erfüllt. Und genau das gilt leider auch für den Film "Fanboys". Das liegt aber weniger an der Grundidee oder an der Umsetzung, sondern vielmehr an den Hauptdarstellern und den Dialogen bzw. Gags. Die zünden nämlich nur sehr selten und bewegen sich zumeist auf niedrigem Zoten-Niveau, witzig sind sie nur im Ausnahmefall. Situationskomik entsteht kaum, und wenn, denn wirkt sie viel zu konstruiert. Gut - eine wirklich gelungene Szene gibt es doch. Da drohen sich die Fanboys und die Sicherheitskräfte in der Skywalker Ranch gegenseitig mit der Vernichtung unglaublich wertvoller Sammlerstücke, die sie natürlich niemals antasten würden, was auch allen klar ist - bis sich einer der Wächter als Star Trek-Fan outet... Aber ansonsten ist "Fanboys" eher langweilig. Ich hatte erwartet, eine liebevolle und wiztige Hommage an Star Wars / die Fans zu sehen. Und was habe ich gesehen? Eine 08/15 Teenie-Klamotte.

Die Hauptdarsteller sind mir einfach zu jung, zu amerikanisch und zu wenig glaubwürdig. Ich kaufe den Schauspielern nicht ab, dass sie echte Fans sind. Vielleicht irre ich mich. Es kann ja sein, dass sie im wirklichen Leben funkelnde Augen bekommen, wenn sie Star Wars-Memorabilia sehen, oder dass sie auch in der Realität erbittert über Details aus den Filmen debattieren. Davon kommt in "Fanboys" aber herzlich wenig 'rüber. Soll man Hutch wirklich glauben, dass er ernsthaft davon überzeugt ist, Jedi-Gedankenkontrolle erlernen zu können? Die von ihnen dargestellten Charaktere gehören einer ganz anderen Generation von Fans an als ich selbst, sie sind wie gesagt zu jung, als dass ich mich noch mit ihnen identifizieren könnte. Wenigstens Kristen Bell sticht angenehm hervor, vor allem zum Schluss, wenn sie im knappen Leia-Sklavenkostüm zur Filmpremiere geht! Übrigens kann ich mich nicht mit der Art und Weise anfreunden, wie Star Trek-Fans gezeigt werden. OK, Hardcore-Trekkies (bzw. Trekker) sind für Außenstehende mit ihren Kostümen, Gummi-Ohren und Plastik-Nachbildungen diverser Requisiten sicher eher lächerliche Gestalten, aber das gilt für Star Wars-Fans genauso. Die "Feindschaft" zwischen beiden Gruppen wird in "Fanboys" schon völlig überzogen dargestellt, aber dass sich die Trek-Fans durchgehend wie debile Vollidioten benehmen... das hätte nicht sein müssen. Es wirkt nur peinlich, aber nicht lustig.

Der Film wird nur durch die unzähligen Zitate und die vielen Cameo-Auftritte von Star Wars-Schauspielern gerettet. Auch Hutchs Minibus, der durch unzählige An- und Umbauten in eine Art Star Wars-Raumschiff vergewandelt wurde (sogar ein Astromech-Droide schaut zum Dach heraus) kann sich sehen lassen. William Shatner, Billy Dee Williams (Lando Calrissian), Ray Park (Darth Maul) und diverse andere bekannte Gesichter geben sich die Klinke in die Hand. Wenn die fünf Freunde dann das "Allerheiligste" der Skywalker Ranch betreten, stellt sich zumindest bei mir immerhin ein ehrfürchtiges Schaudern ein. Leider werden nur Fanboys wie ich dem etwas abgewinnen können. Wer Star Wars (und diverse andere SF-Filme) nicht in- und auswendig kennt, wird die meisten Anspielungen und Seitenhiebe gar nicht verstehen, und er wird die Altstars nicht erkennen (selbst ich habe Carrie Fisher nicht sofort erkannt). Für Nicht-Fans ist dieser Film wegen der dünnen Handlung, der fehlenden Charakterentwicklung und des meist nicht vorhandenen Humors leider ein Totalverlust.

Die DVD:

Die DVD enthält unter anderem einiges Bonusmaterial, das wohl ausschließlich für das Release in Deutschland dazugepackt wurde - und lustigerweise ist dieses Bonusmaterial interessanter als der "internationale" Rest, teilweise ist es sogar amüsanter als der Film selbst. Zunächst mal liegt neben dem von Cast & Crew gesprochenen Audiokommentar auch ein Audiokommentar von Martin Gogulski und Markus Rau vor. Die beiden gehören zu German Garrison der 501st Legion - das ist der deutsche Ableger eines Star Wars-Fanclubs mit tausenden Mitgliedern in vielen Ländern, dessen Besonderheit darin besteht, dass man nur Mitglied werden kann, wenn man ein vollständiges Kostüm besitzt (es gibt allein über 2000 Mitglieder mit klassischem Stormtrooper-Kostüm). Gogulski und Rau werden außerdem in der ca. 16 Minuten lange Featurette "Fanboys über Fanboys" interviewt und erzählen einiges über sich, ihre "Fan-Karriere", die German Garrison und den Film "Fanboys".

Der Knüller ist aber der knapp 24 Minuten lange Film "Vidiots" aus dem Jahre 2006. In dieser köstlichen Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg geht es um Ferdinand (Michael Krabbe), den Freund des Videothekenbesitzers Johann (Tobias Kasimirowicz). Ferdinand ist ein Filmfreak und wird von seiner Freundin verlassen, die seine "infantilen Interessen" (wie sie es ausdrückt) zum Kotzen findet. Johann weiß Rat: Anhand des Ausleih-Verhaltens seiner Kundinnen wählt er vier Frauen aus, die zu Ferdinand passen könnten. In einer Art Quiz-Casting wird Lea (Jennifer Ulrich) als Siegerin und künftige neue Freundin Ferdinands ermittelt. Lea kennt die richtigen Antworten auf die abwegigsten Fragen zum Thema Film und ist ein mindestens ebenso großer Nerd wie Ferdinand. Die Beziehung scheint deshalb perfekt zu funktionieren - bis Ferdinand feststellt, dass es kein reines Vergnügen ist, mit jemandem zusammenzusein, dem Filme wichtiger sind als der Partner...

Das restliche Bonusmaterial ist weniger interessant. So sind die sechs entfallenen Szenen absolut verzichtbar. Die vier Featurettes (insg. ca. 23 Minuten) wiederholen sich sogar an manchen Stellen und bieten nicht mehr als den üblichen wenig aussagekräftigen Mix aus Interviewschnipseln, Filmszenen und Hinter-den-Szenen-Material. Die Webisodes (7 Stück) laufen insg. ca. 11 Minuten lang und zeigen Kostüm- und Tanzproben, das Innere von Sam Huntingtons Trailer und ein bisschen Herumalberei der Schauspieler am Set.



Screenshots


Fanboys

Eric zeigt aufgebrachten Trekkies die "Arschkarte" - ein Beispiel für das Niveau dieses Films


Fanboys

Hutch übt einen Jedi-Trick: "Du willst jetzt dein Top ausziehen!"


Fanboys

Fanboys und Fangirls bei der Premiere von "Episode 1"


J. Kreis, 24.03.2010


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