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Ellen Rimbauer Das Tagebuch der Ellen Rimbauer (USA, 2003)
- The Diary of Ellen Rimbauer -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Craig R. Baxley

Hauptdarsteller:
Lisa Brenner (Ellen Rimbauer)
Steven Brand (John Rimbauer)
Tsidii Le Loka (Sukeena)




Inhalt:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts legt der märchenhaft reiche Ölmagnat John Rimbauer mitten in Seattle den Grundstein für das große Anwesen "Rose Red", ein Stein für Stein aus England herangeschafftes Anwesen, das er seiner jungen Frau Ellen zum Hochzeitsgeschenk macht. Schon während der einjährigen Hochzeitsreise, die das Paar rund um die Welt führt, muss Ellen die schmerzhafte Erfahrung machen, dass alle üblen Gerüchte über John wahr sind. Der zügellose Erotomane zwingt seine Frau zu diversen Praktiken und vergnügt sich auch mit anderen Frauen, so dass er schließlich eine Geschlechtskrankheit auf Ellen überträgt. Dennoch übt er eine enorme Faszination auf Ellen aus, der sich die junge Frau nicht entziehen kann. All ihre Sorgen und Ängste vertraut sie ihrem Tagebuch an. Während ihrer Krankheit wird sie von Sukeena gepflegt, einer Afrikanerin, die bald zu ihrer engsten Vertrauten wird und sie auch begleitet, als sie nach Seattle zurückkehrt. Die Bauarbeiten an Rose Red sind zwar noch nicht abgeschlossen, dennoch können die Rimbauers einziehen. Das Haus erwirbt schnell einen zweifelhaften Ruf, denn schon während der Bauarbeiten haben sich rätselhafte Todesfälle ereignet, und nach dem Einzug der Rimbauers verschwinden dort immer wieder Menschen und werden nie wieder gesehen.

Ellen sucht Hilfe bei einer Wahrsagerin, die während einer Seance angeblich Kontakt zur "Seele" des Hauses selbst erhält. Das Haus hat eine besondere Beziehung zu Ellen, kann die Gedanken der Frau lesen und verspricht ihr ewiges Leben - vorausgesetzt, dass die Bauarbeiten an Rose Red niemals eingestellt werden. Ellen verspricht, das Haus "bis in den Himmel" zu bauen. Rose Red führt allerdings ein Eigenleben; immer wieder verschwindet jemand spurlos in den Tiefen des Hauses. Es stellt sich heraus, dass John möglicherweise nicht ganz unschuldig daran ist, denn er hat ohne Ellens Wissen ein System von Geheimgängen angelegt, von dem aus er sowohl die Dienerschaft als auch seine Geschäftsfreunde beobachten kann. Außerdem verschwinden immer nur Frauen in Rose Red, an denen er sich zuvor vergangen hat. Als Ellen dies herausfindet, kühlt ihre Beziehung zu John weiter ab, obwohl sie ihm zwei Kinder schenkt: Adam und April. Als Ellen sich immer mehr ihrer Tochter zuwendet, reagiert das eifersüchtige Haus und "verschlingt" auch April. Ellen glaubt, sie müsse Rose Red um einen Turm ergänzen, um ihre Tochter dort wiederfinden zu können.

John, der die Einstellung seiner Frau zu Rose Red kennt, setzt sie unter Druck, indem er androht, die Baumaßnahmen einzustellen. Außerdem lässt er Sukeena verhaften. Ellen hat keine Wahl, als ihm wieder zu Willen zu sein, aber insgeheim schmiedet sie Pläne gegen ihn. Sukeena, die wieder nach Rose Red zurückkehren darf, lockt John mit eindeutig-zweideutigen Angeboten in den Turm. Dort wird John mit den Geistern der in Rose Red Verschwundenen konfrontiert, dann stoßen Sukeena und Ellen ihn durch das Fenster, so dass er zu Tode stürzt. Nun ist Ellen die Herrin in Rose Red, und sie beabsichtigt nicht, die Baumaßnahmen jemals einzustellen...

Der Film:

Es ist schon manchmal ein Kreuz mit der Neugier. Da kauft man den Roman Ellen Rimbauer - Mein Leben auf Rose Red und findet den immerhin so interessant, dass man wissen möchte, wie es weitergeht. Also kauft man die DVD Stephen Kings Haus der Verdammnis, findet diese TV-Miniserie zwar nett, aber auch nicht überragend. Dann erfährt man, dass auch der Roman selbst verfilmt wurde und möchte nun natürlich wissen, wie diese Verfilmung geraten ist. Also kauft man die auch noch, nur um festzustellen, dass sie von allen drei Produkten so ziemlich das schwächste ist. Im genannten Roman und dieser Verfilmung wird die Vorgeschichte zur TV-Miniserie erzählt. In der Serie führt eine Parapsychologin namens Joyce Reardon eine Gruppe von paranormal begabten Menschen nach Rose Red, um dem Spuk auf den Grund zu gehen. Sie stützt sich dabei auf Ellen Rimbauers Tagebuch. Der Leser des Romans soll einerseits glauben, Joyce Reardon existiere wirklich und habe dieses Tagebuch herausgegeben, d.h. die Ereignisse in Rose Red seien wahre Begebenheiten. Gleichzeitig wird suggeriert, dass Stephen King der wahre Autor dieses Buches sei. Beides ist natürlich Unsinn. Joyce Reardon ist eine fiktive Person, Rose Red gibt es nicht, und das angebliche Tagebuch wurde vom Schriftsteller Ridley Pearson verfasst.

Der Roman lässt sich viel Zeit, bis er so richtig in Fahrt kommt und zu der Gruselgeschichte wird, die man eigentlich erwartet. Man liest von der anfänglichen Verliebtheit Ellens in den zupackenden Erotomanen, den sie geheiratet hat, dann von ihrer Ernüchterung, die zur Verbitterung wird und so weiter. Diese Abschnitte haben zwar Längen, durch sie entsteht aber auch eine gute Charakterisierung der Hauptpersonen und der Zeit, in der sie leben. All das kommt in der Verfilmung schon zu kurz, aber ein noch wichtigeres Element, nämlich Ellens allmähliches Abgleiten in den Wahnsinn, fehlt komplett. Im Roman wurde nie hundertprozentig klar, ob es in Rose Red wirklich spukt, oder ob sich alles nur im Kopf einer von Krankheit und Schicksalsschlägen gequälten, einsamen und gleichzeitig rachsüchtigen Frau abspielt. Der Film lässt keinen Zweifel an der Existenz des Übernatürlichen, und selbst das wird noch anders dargestellt als im Roman. So scheint es fast, als seien Rose Red und Ellen Verbündete, und als habe John einige der verschwundenen Frauen selbst getötet. Rose Red hätte dann ihre Seelen aufgenommen. Die Bösartigkeit und Verschlagenheit der Entität, die man als "Seele" von Rose Red bezeichnen könnte, wird im Film komplett ausgeblendet, und so funktioniert er einfach nicht als Geistergeschichte.

Das unterscheidet ihn auch von der Miniserie "Haus der Verdammnis", denn die hatte zwar auch ihre Schwächen, war aber wenigstens manchmal gruselig und enthielt einige interessante Spezialeffekte. Im Film "Das Tagebuch der Ellen Rimbauer" ist davon nichts zu bemerken. Es entsteht einfach keine Atmosphäre gleich welcher Art. Außer ein paar "Geistererscheinungen", verdächtigen Geräuschen und Objekten, die sich von selbst bewegen, ist nichts zu sehen oder zu hören, und auch sonst geschieht nicht viel. Ein paar Leute verschwinden, Ellen wird einige Male von John missbraucht, John wird ermordet. Im Grunde ist dies nur ein eher langweiliger und sehr biederer Historienfilm (immerhin mit schönen Kulissen und Kostümen), der durch ein bisschen "Mystery" aufgepeppt wird. Was für eine verschenkte Chance! Die Hauptdarstellerin hat nicht viel zu tun - Ellen bleibt das mehr oder wenige naive Mädchen, das sie zu Beginn schon ist. Was hätte man aus der im Roman dargestellten Entwicklung Ellens über das Zwischenstadium einer auf äußerst ungewöhnliche Weise emanzipierten Frau bis hin zur besessenen Wahnsinnigen nicht alles herausholen können. Aber vermutlich wäre die Schauspielerin davon auch ziemlich überfordert gewesen, denn sie leistet nicht mehr, als nett auszusehen. Es ist übrigens eine andere Schauspielerin als jene, die man aus der Miniserie kennt, das gleiche gilt für John. Man hätte auch das parasitäre Eigenleben des Hauses und die Veränderungen zeigen können, die mit Rose Red vorgehen. Gut: Offenbar wurde an den gleichen Schauplätzen gedreht, aber das Haus rückt total in den Hintergrund. Im Grunde ist es egal, was dort geschieht - und warum es geschieht; diese Frage wird nicht geklärt.

Also: Lieber den Roman lesen, denn der Film lässt allzu viel aus. Im Grunde hätte man ihn sowieso nicht gebraucht, denn in der TV-Miniserie waren ja einige Rückblicke zu sehen (die im Film "Das Tagebuch der Ellen Rimbauer" übrigens zum Teil sogar wieder verwendet werden!), die alles erklären, was man zur Vorgeschichte wissen muss.

Die DVD:

Keinerlei Bonusmaterial, Bild- und Tonqualität weitgehend OK - mehr gibt's zur DVD nicht zu sagen.

J. Kreis, 12.04.2008
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