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Elizabeth - Das Goldene Königreich Elizabeth: Das goldene Königreich - Book Edition (GB / F / D, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 12
Laufzeit: ca. 110 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, 4 Featurettes ("Die Herrschaft geht weiter: Das Making-of", "Elizabeths Welt - eine Innenansicht", "Beherrscher der Winde: Wie die Armada erschaffen wurde", "Türme, Höfe, Kathedralen"), Geschnittene Szenen

Regie:
Shekhar Kapur

Hauptdarsteller:
Cate Blanchett (Königin Elizabeth I. von England)
Clive Owen (Sir Walter Raleigh)
Abbie Cornish (Elizabeth "Bess" Throckmorton)
Geoffrey Rush (Sir Francis Walsingham)
Jordi Molla (König Philipp II. von Spanien)
Samantha Morton (Maria Stuart)




Inhalt:

Auch fast 30 Jahre nach ihrer Thronbesteigung ist Königin Elizabeth I. von England noch immer nicht verheiratet und hat keinen Erben. Das gibt ihr die Freiheit, nach eigenem Gutdünken und unbeeinflusst als "Mutter Englands" über ihr geliebtes Volk zu herrschen. Es macht sie aber auch zum Ziel von Intrigen und Verschwörungen. Ein großes Problem ist nach wie vor der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Auch in England hängen viele Menschen noch immer dem "alten Glauben" an. Unter Elizabeths Herrschaft dürfen sie ihre Religion zwar frei ausüben, aber das hindert den Vatikan nicht daran, zum heiligen Krieg gegen die "Ketzer" in England aufzurufen. Das kommt König Philipp II. von Spanien sehr gelegen. Spanien beherrscht die Weltmeere und ist das mächtigste Land der Erde, hat aber unter den dreisten Angriffen englischer Freibeuter zu leiden, die die mit Schätzen aus der Neuen Welt zurückkehrenden spanischen Galeonen überfallen. Philipp unterstellt Elizabeth, sie habe diese Angriffe befohlen. Er betrachtet England als Bedrohung und opfert Spaniens Wälder, um eine gewaltige Armada zu erschaffen, die den Inselstaat erobern soll.

Gleichzeitig wird ein Mordkomplott gegen Elizabeth vorbereitet, in dem ihre Cousine und Rivalin Maria Stuart, einst Königin Schottlands, die Hauptrolle spielt. Nach Elizabeths Tod würde der Thron an Maria fallen, die in Schottland unter Hausarrest steht und über Geheimbotschaften mit ihren Gefolgsleuten in London kommuniziert. Sir Francis Walsingham ist jedoch über alles im Bilde und kennt die Botschaften. Elizabeth macht die Bekanntschaft Walter Raleighs, eines aus der Neuen Welt zurückgekehrten Seefahrers und Freibeuters, der durch seinen Witz und seine offene, gänzlich unhöfische Art schnell Elizabeths Gunst gewinnt. Sie ist fasziniert von seinen Erzählungen über Entdeckungsreisen und Abenteuer auf See. Bald ist sie hin und her gerissen zwischen der Staatsräson und ihren Gefühlen für den draufgängerischen Kapitän. Raleigh verliebt sich in Elizabeth Throckmorton (genannt Bess), eine enge Vertraute der Königin. Elizabeth beobachtet eifersüchtig, wie die beiden sich näherkommen. Um Raleigh in England zu halten, unternimmt sie nichts dagegen und erhebt ihn sogar in den Adelsstand. Erst als Elizabeth erfährt, dass Bess ein Kind von Raleigh erwartet und ihn heimlich geheiratet hat, verbannt sie ihre einstige Freundin vom Hof und lässt Raleigh verhaften, denn sie fühlt sich verraten.

Schließlich gibt Maria Stuart ihren Anhängern den Befehl, Elizabeth zu ermorden. Der Attentäter schießt auf die Königin, doch sie überlebt, denn es war keine Kugel in der Pistole. Da Marias Botschaften abgefangen wurden, ist ihre Mittäterschaft bewiesen. Walshingham drängt Elizabeth zur Unterzeichnung des Todesurteils. Die Königin zögert, kann sich aber nicht weigern. Erst nach Marias Tod erkennt Walsingham das wahre Ausmaß der feindlichen Pläne: Durch die Hinrichtung einer Königin von Gottes Gnaden hat Elizabeth ihren Feinden den Anlass gegeben, den sie für einen vom Papst legitimierten Angriff auf England brauchen. Maria war nur ein Bauernopfer. So sticht die spanische Armada im Jahre 1588 in See, während Bodentruppen sich anschicken, den Kanal zu überqueren. Die englische Flotte ist der Armada zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen und scheint den Feind nicht aufhalten zu können. Elizabeth führt ihre Truppen persönlich ins Feld und ist bereit, an der Seite der Soldaten zu siegen oder zu sterben. So weit kommt es nicht, denn die spanischen Schiffe kommen mit der stürmischen englischen See nicht zurecht und werfen Anker, damit die Formation sich nicht auflöst. So kann Raleigh, dem Elizabeth verziehen hat und der befreit wurde, Brandschiffe mitten in die Armada lenken. Von den Klippen aus beobachtet Elizabeth, wie der Stolz Spaniens in Flammen aufgeht.

Von dieser demütigenden Niederlage erholt Spanien sich nicht mehr. England steigt zur neuen Seemacht auf. In dem Zeitalter des Friedens und Wohlstands, das jetzt anbricht, hält Walsingham seine Dienste für entbehrlich. Elizabeth nimmt Abschied von ihrem alten Freund, als er auf dem Totenbett liegt. Dann erteilt sie dem Sohn von Raleigh und Bess ihren Segen - sie selbst bleibt ihrer Rolle der jungfräulichen Königin treu.

Der Film:

Das goldene Königreich setzt den 1998 entstandenen Film Elizabeth fort, allerdings nach einem Zeitsprung von fast 30 Jahren seit der Thronbesteigung. Auch Das Goldene Königreich ist teilweise historisch inkorrekt und vereinfachend. Abgesehen von diversen Details, zeitlichen Unstimmigkeiten und "personellen" Ungenauigkeiten usw. ist die Teilnahme Raleighs an der Seeschlacht gegen die spanische Armada (bei der übrigens kein einziges englisches Schiff verloren gegangen ist) höchst spekulativ. Unter Elizabeths Herrschaft wurde weit härter gegen Katholiken vorgegangen, als der Film es vermuten lässt. Walsingham hatte, soweit bekannt, keinen Bruder namens William und vor allem wurde der Anschlag auf Elizabeth schon im Planungsstadium vereitelt - die Sache mit der nicht geladenen Pistole ist reine Erfindung. Abweichungen von den geschichtlichen Fakten muss man bei einem Film immer in Kauf nehmen, wenn es denn dem dramatischen Aufbau dient. Schließlich möchte man keine Dokumentation sehen, sondern einen unterhaltsamen Abend verbringen. Da die Personen in den Mittelpunkt gestellt werden, nicht die Historie, gehen die Zugeständnisse durchaus in Ordnung, auch wenn die Menschen (wie es in Historienfilmen praktisch immer der Fall ist) viel zu "modern" dargestellt werden. Man sollte den Film nicht für bare Münze nehmen, sondern sich anderswo genauer informieren, wenn man etwas über Elizabeth und ihre Zeit wissen möchte.

Während der Film Elizabeth sich mit dem Werdegang der jungen Königin und den schwierigen ersten Monaten ihrer Herrschaft beschäftigt, so schickt sich die "jungfräuliche Königin" jetzt an, den Gipfel ihrer Macht zu erreichen. Erneut ist sie die zentrale Figur, um die sich alles dreht, und wieder kann man sich kaum eine bessere Besetzung für diese Rolle vorstellen als Cate Blanchett. Sie drückt die innere Zerrissenheit dieser Figur hervorragend aus: Auf der einen Seite die kalte Monarchin, die die Hinrichtung ihrer politischen Gegner befiehlt, auf der anderen Seite die sensible Frau, die unter dieser Last zusammenzubrechen droht und nur zu gern aus ihrem goldenen Käfig ausbrechen und z.B. Raleigh in die Neue Welt folgen würde. Clive Owen wiederum verkörpert diesen Gegenstand von Elizabeths romantischen Sehnsüchten so gut, dass die von ihr empfundene Faszination glaubwürdig wird. Der Umstand, dass man auf ein Happy End für Raleigh und Bess hofft, zeigt deutlich genug, dass auch die Nebenfiguren ihre Existenzberechtigung haben. Eine weitere Stärke des Films ist - wie schon in Elizabeth - die wundervolle Ausstattung. In Das goldene Königreich werden da noch einige Schippen draufgelegt: Echte Paläste und Kathedralen, lichtdurchflutete Räume, prächtige Kostüme und detailverliebte Requisiten machen den Film zu einem optischen Hochgenuss.

Es gibt leider auch einige Schwächen. So wirkt der Film über weite Strecken irgendwie zerfahren, anders als in Elizabeth habe ich den "Roten Faden" in der Handlung vermisst. Eigentlich sollte es um den Konflikt mit Spanien gehen, aber der spielt erst einmal keine große Rolle, stattdessen muss man das schon aus dem Vorgängerfilm sattsam bekannte Hin und Her am Hof ertragen - das wird auf die Dauer fast langweilig. Und wenn es dann soweit ist, d.h. wenn die Seeschlacht entbrennt, auf die man im Grunde die ganze Zeit wartet, dann ist sie schon sehr schnell wieder vorbei. Und sie ist nicht im Entferntesten so effektvoll inszeniert wie die Seegefechte in den Fluch der Karibik-Filmen. Leider ist auch Elizabeths Rede vor den Truppen (die sie auch in der Realität gehalten hat, allerdings nicht mit einem Plattenpanzer bekleidet) nicht so mitreißend, wie es hätte sein können. Ironischerweise enthält Das goldene Königreich weit mehr "Action" als Elizabeth, ist deswegen aber nicht spannender...

Die DVD:

Ich frage mich immer wieder, warum man Filmdokumentationen, die eigentlich zusammengehören, in mehrere kurze Featurettes unterteilt, die im DVD-Menü gesondert aufgerufen werden müssen. So ist es auch hier: Die vier o.g. Featurettes sind jeweils zwischen 7 und 12 Minuten lang (insg. ca. eine Dreiviertelstunde) und hätten gut zu einem einzigen Making-of zusammengefasst werden können, da auf verschiedene Aspekte der Produktion eingegangen wird. So sprechen der Regisseur und die Schauspieler über ihre Herangehensweise bei der filmischen Umsetzung ihrer historischen Vorbilder, man sieht, an welchen Originalschauplätzen gedreht wurde, welcher Aufwand für die Ausstattung betrieben werden musste und wie die Armada entstanden ist. Ein Schiff wurde tatsächlich in Originalgröße gebaut!

Hinzu kommen insgesamt 9 Minuten laufende entfallene Szenen. Die sind eigentlich verzichtbar. In einer dieser Szenen sieht man Maria Stuarts abgetrennten Kopf - kein Wunder, dass die es nicht in den fertigen Film geschafft hat, denn damit wäre eine FSK-12-Freigabe wohl nicht zu erzielen gewesen.

Die "Book Edition" ist sehr schön aufgemacht und sieht edel aus. Sehr lobenswert ist das dicke Booklet mit vielen Produktionsnotizen und Fotos.

J. Kreis, 13.10.2009


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