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Elizabeth Elizabeth - Special Book Edition (GB, 1998)

DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 12
Laufzeit: ca. 118 Minuten

Extras
Audiokommentar, The Making of "Elizabeth", Fotogalerie, Trailer

Regie:
Shekhar Kapur

Hauptdarsteller:
Cate Blanchett (Elizabeth Tudor - Elizabeth I. von England)
Geoffrey Rush (Sir Francis Walsingham)
Joseph Fiennes (Robert Dudley, Earl of Leicester)
Christopher Eccleston (Thomas Howard, Herzog von Norfolk)
Richard Attenborough (Sir William Cecil, 1. Baron Burghley)
Fanny Ardant (Maria von Guise)
Kathy Burke (Maria I. von England)
Vincent Cassel (Herzog von Anjou)




Inhalt:

Die Lage in England ist Mitte des 16. Jahrhunderts kritisch: Die Staatskasse ist leer, das Militär ist schlecht versorgt und kann den in Schottland angreifenden Franzosen kaum Widerstand leisten, außerdem tobt ein Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Portestanten, in dem letztere als Ketzer verbrannt werden. Nach dem Tod Heinrichs VIII. wird das Land von dessen Tochter Maria I. regiert. Als sie erkrankt, rückt ihre Halbschwester Elizabeth in den Brennpunkt der höfischen Intrigen. Elizabeth ist überzeugte Protestantin, war zunächst für ein illegitimes Kind Heinrichs und Anne Boleyns erklärt, dann aber doch wieder zur Thronfolge zugelassen worden. Viele einflussreiche Höflinge, vor allem gläubige Katholiken, setzen alles daran, die vermeintliche Ketzerin vom Thron fernzuhalten, allen voran der mächtige und einflussreiche Herzog von Norfolk. Elizabeth, die mit ihrem Geliebten Robert Dudley zusammenlebt, wird unter einem Vorwand in den Tower geworfen und soll hingerichtet werden, doch Maria weigert sich noch auf dem Sterbebett, das Todesurteil zu unterzeichnen. So wird Elizabeth zur neuen Königin von England, als Maria im Jahre 1558 stirbt.

Die junge, in der Politik unerfahrene Frau muss sich auf das Urteil ihrer Berater verlassen, die auf einen Krieg gegen Maria von Guise (Regentin von Schottland) drängen, und erleidet dort eine schwere Niederlage. Mehr Erfolg hat sie bei der Auseinandersetzung mit dem katholischen Klerus. Als sie den Protestantismus zur Staatsreligion macht und die englische Kirche endgültig von Rom trennt, zieht sie sich die Feindschaft des Papstes zu, der Elizabeths Feinden Freibriefe zu ihrer Ermordung ausstellt. Verschiedene Mordanschläge schlagen jedoch fehl. Der spanische Gesandte intrigiert am englischen Hof und bringt Dudley dazu, Elizabeth zur Ehe mit dem König von Spanien zu drängen, indem er ihm einredet, nur auf diese Weise könne er seine Geliebte retten. Die vom Hochadel mit Misstrauen beobachtete Beziehung zwischen Dudley und Elizabeth ist abgekühlt, seit sie ihre eigene Stärke erkannt hat - sie will sich von keinem Mann beherrschen lassen. Eine Verbindung mit ihm wäre ohnehin nicht möglich, da er bereits verheiratet ist, wie Elizabeth erst jetzt erfährt.

Elizabeths wichtigste und loyalste Ratgeber in den ersten Monaten ihrer Herrschaft sind Sir William Cecil und der aus dem Exil zurückgekehrte Geheimdienstler Sir Francis Walsingham. Cecil glaubt, Elizabeths Herrschaft könne nur durch eine Heirat mit dem König von Spanien oder dem französischen Herzog von Anjou gesichert werden, doch Elizabeth entzieht sich dem Werben der französischen und spanischen Gesandten standhaft. Sie befürchtet, England könne durch eine politische Ehe zu einer bloßen Provinz dieser Großmächte werden. Walsingham dagegen fördert die Stärke und Eigenständigkeit Elizabeths. Walsingham ermordet Maria von Guise und deckt eine Verschwörung auf, in die nicht nur Norfolk verwickelt ist, sondern auch Dudley. Die Verschwörer werden entweder sofort getötet oder später hingerichtet - letzteres Schicksal erleidet auch Norfolk, Elizabeths schärfster Konkurrent. Nur Dudley wird verschont, aber Elizabeth spricht nie wieder unter vier Augen mit ihm.

Um den Menschen eine Art Ersatz für den abgeschafften katholischen Glauben zu geben, stilisiert Elizabeth sich selbst zu einer unnahbaren, entrückten Figur. Als "jungfräuliche Königin" führt sie England in ein goldenes Zeitalter.

Der Film:

Dieser Film geht zwar recht frei mit den historischen Fakten um (Dudley war zwar möglicherweise wirklich Elizabeths Liebhaber, aber an einer Verschwörung gegen sie war er nie beteiligt, Norfolk war Protestant und Cecil wurde nicht entlassen, Maria von Guise hatte bei weitem nicht die Stellung, die im Film suggeriert wird usw.), aber den Charakter Elizabeths, ihren Regierungsstil und ihre immense Bedeutung für die Geschichte Englands stellt er meiner Meinung nach durchaus richtig dar. Der Film versucht zu zeigen, warum sie zu dem wurde, was sie war: Die "Jungfräuliche Königin". Es ist vielleicht nur eine Interpretation, aber sie ist plausibel. Auch wird die Atmosphäre des von religiösen und politischen Wirren gebeutelten England im 16. Jahrhundert anschaulich vermittelt. Unter Elizabeths Führung wurde England erst endgültig zur Weltmacht und auch heute noch wird Elizabeths Regierungszeit als goldenes Zeitalter Englands bezeichnet: Shakespeares Werke, große Entdeckungen und der Beginn der Besiedlung Amerikas fallen in diese Epoche. Der US-Bundesstaat Virginia wurde übrigens nach Elizabeth, der "Virgin Queen", benannt. Und nicht zuletzt wurde die Abspaltung der Anglikanischen Kirche von Rom in dieser Zeit weiter vorangetrieben.

Inwieweit die Ausstattung des Films mit Kostümen, Requisiten, Schmuck usw. historisch korrekt ist, kann ich nicht beurteilen - aber sie ist wunderbar opulent und prächtig, ohne unecht auszusehen. Das gilt auch für die Drehorte; man könnte fast glauben, dass ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht worden sei. Da der größte Teil der Handlung sich im Inneren von Burgen, Schlössern und Palästen abspielt (im Grunde handelt es sich um ein Theaterstück auf der Kinoleinwand) ist das auch sehr wichtig. Natürlich sieht man meist nur eine Seite der damaligen Welt, nämlich die des Adels. Aber es wird auch nichts beschönigt - so beginnt der Film denn auch gleich mit der Verbrennung dreier protestantischer Ketzer auf dem Scheiterhaufen. Wegen der detailverliebten, üppigen Ausstattung, bei der stets auf Realismus gesetzt wird, wirkt der Film zeitlos und ist ein optischer Hochgenuss.

Elizabeths Zeit ist düster, und sie selbst sowie ihr Berater Walsingham werden keineswegs nur als "die Guten" dargestellt. Letzterer ist ein skrupelloser, undurchsichtiger, gegenüber Elizabeth aber bedingungslos loyaler Machiavellist, der bedenkenlos über Leichen geht. Geoffrey Rush nimmt sich im Gegensatz zu Fluch der Karibik zwar sehr zurück, verkörpert diese Persönlichkeit aber absolut glaubwürdig. Was wäre ein Film dieser Art ohne eine grandiose Hauptdarstellerin? Er steht und fällt mit der Zentralfigur, und diese Position wird von Cate Blanchett geradezu perfekt ausgefüllt. Sie verkörpert die noch leicht naive junge Elizabeth, die fröhlich mit ihren Gefährtinnen tanzt, genauso hinreißend, wie sie als harte Alleinherrscherin fast bedrohlich werden kann. Blanchett ist derart überragend in ihrer Rolle, dass sie all ihre Kollegen glatt an die Wand spielt, obwohl auch die durchweg sehr gute Leistungen erbringen. Alles andere wäre auch fatal gewesen, denn wie sollte man einer blassen Hauptdarstellerin eine derart dominante Figur wie Elizabeth abnehmen?

Action und Spannung darf man bei "Elizabeth" ebenso wenig erwarten wie historische Korrektheit. Vom Krieg gegen die Franzosen in Schottland ist kaum etwas zu sehen, wenn auch ein mit Leichen übersätes Schlachtfeld, über das menschliche Aasgeier hinwegziehen, durchaus beeindruckend wirkt. Auch sonst ist die eine oder andere Gewaltszene enthalten, das Ganze fällt aber sehr moderat aus. Selbst die Folterung eines Mönchs, der in die Verschwörung verwickelt ist (Daniel Craig in einer relativ kleinen Rolle, bevor er mit Casino Royale groß herauskam), ist eher harmlos. Gefochten und geschossen wird in diesem Film jedenfalls praktisch nicht, aber das macht gar nichts - langweilig ist der Film zu keinem Zeitpunkt.

Die DVD:

Die "Book Edition" ist sehr schön aufgemacht und sieht edel aus. Sehr lobenswert ist das dicke Booklet mit vielen Produktionsnotizen und Fotos. Das "Making of" ist kein Making of, sondern ein ca. 25 Minuten langer Zusammenschnitt aus sehr vielen Filmszenen und ein paar Interviews: Die Schauspieler erläutern ihre Rollen, Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten sprechen über die Geschichte und die Zusammenarbeit. Das hat alles sehr wenig Informationsgehalt, und als Dokumentation kann man es nicht bezeichnen.

J. Kreis, 05.10.2009


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