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Eden Log Eden Log - Special Edition (F, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Sunfilm Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, Making of, Interviews mit Darstellern und Produzent, Interview mit Regisseur und Produzent, Trailer, Teaser

Regie:
Franck Vestiel

Hauptdarsteller:
Clovis Cornillac (Tolbiac)
Vimala Pons (Botanikerin)




Inhalt:

Ein Mann erwacht in der eisigen Dunkelheit eines weit verzweigten unterirdischen Labyrinths. Der Mann weiß nicht, wie er in diese Lage gekommen ist. Er kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an seinen Namen. Erst sehr viel später wird er erfahren, dass dieser "Tolbiac" lautet. Von Angst erfüllt tastet Tolbiac sich durch die Dunkelheit. Bei einer in der Nähe liegenden Leiche findet er eine kleine Lampe. Nun bemerkt er, dass er sich in in einem System aus Kavernen, Tunnels und Räumen befindet, das sich über mehrere Ebenen erstreckt und einst von Menschen für einen unbekannten Zweck genutzt worden ist, dann aber aufgegeben wurde. Es sieht so aus, als wären alle Anlagen vor längerer Zeit zerstört worden; Schrott, Schutt, Müll und Dreck häufen sich überall, alles ist von den Wurzeln einer gigantischen Pflanze durchzogen und überwachsen. Tolbiac trifft auf einen Mann, der an der Wand festgewachsen zu sein scheint und den Durchgang zur nächsthöheren Ebene blockiert. Nach einem Blackout findet Tolbiac sich an einer anderen Stelle der Anlage wieder und irrt immer weiter umher, um an die Oberfläche zu gelangen. Er wird von gepanzerten Sicherheitskräften verfolgt, die irgend etwas oder jemanden suchen, und muss sich gegen hungrige Kreaturen wehren, bei denen es sich um mutierte Menschen zu handeln scheint.

Erste Hinweise darauf, was dies für ein Ort sein könnte, erhält Tolbiac durch gefundene Datenträger. Dann begegnet er einer in einen Schutzanzug gehüllten Frau, die sich in einem gesicherten Raum vor den Mutanten versteckt und Tolbiac vor den Bestien rettet. Sie bezeichnet sich selbst als Botanikerin und erklärt ihm einiges über den Zweck der Anlage. Sie dient der Erhaltung der riesigen Pflanze, deren Saft als Energiequelle für die Städte der Eden Log - Gesellschaft dient. Die unterirdischen Ebenen sind nichts anderes als Nährböden für diese Pflanze. Die Arbeiter sollten die Pflanze pflegen, doch diese begann sich durch die Erzeugung von Giftstoffen zu wehren. Die Menschen wurden entweder von der Pflanze vereinnahmt und ausgesaugt oder mit den Giften kontaminiert. In letzterem Fall mutierten sie und wurden zu reißenden Bestien. Was sie nicht zerstörten, wurde von den Sicherheitskräften vernichtet, die die Anlage stürmten, um sie von den Mutanten zu säubern. Die Botanikerin macht ein Experiment mit Tolbiac und schließt ihn an einen Ableger der Pflanze an. Unerwarteterweise bilden deren Wurzeln daraufhin neue, frische Triebe aus. Als die Mutanten erneut angreifen, müssen Tolbiac und die Botanikerin fliehen. Unterwegs beginnt auch Tolbiac sich zu verwandeln. Zwar tut er deshalb der Botanikerin Gewalt an, dann aber gelingt es ihm, die Umwandlung willentlich zu unterdrücken oder sie für den Kampf gegen die Mutanten zu nutzen.

Als die beiden die oberen Ebenen erreichen, stellt die Botanikerin fest, dass sie von Tolbiac kontaminiert wurde. Sie kehrt ins Labyrinth zurück, um die Infektion nicht an die Oberfläche zu tragen. Die Mutanten sind ebenfalls weiter nach oben gelangt, denn alle Sicherheitstüren stehen offen. Im Durcheinander eines Kampfs zwischen den Sicherheitskräften und den Ungeheuern gelingt es Tolbiac, in einen Überwachungsraum einzudringen. Er ruft weitere Aufzeichnungen ab und erfährt nun endlich seinen Namen. Er ist der Chef der Sicherheitskräfte und hatte den Auftrag, in die tiefsten Ebenen des Labyrinths vorzudringen, um dessen Architekten auszuschalten - diese Aufgabe hat er unwissentlich erfüllt, denn der Architekt war niemand anderer als der mit der Wand verwachsene Unbekannte, und Tolbiac erinnert sich jetzt, ihn vor seinem Blackout getötet zu haben. Außerdem sollte Tolbiac die noch nicht kontaminierten Wissenschaftler daran hindern, die an der Oberfläche lebenden Menschen über die Wahrheit zu informieren: Die Energie stammt nicht vom Saft der Pflanze, sondern wird all jenen abgezapft, die nach Eden Log einreisen. Tolbiacs Männer hatten sich in Mutanten verwandelt, einer davon hatte ihn angegriffen und er war selbst kontaminiert worden. Allerdings reagiert er anders als alle anderen Menschen auf den Einfluss der Pflanze. Jetzt verbindet er sich mit ihr, um zu verhindern, dass Eden Log sich ausbreitet und weitere Menschen versklavt. Tatsächlich wuchert der Baum und sprengt die Kuppel, in der er eingesperrt war.

Der Film:

Eins vorweg, damit der folgende Text nicht so negativ klingt: Ich finde es sehr lobenswert, dass ein Regisseur sich mit einem SF-Film dieser Art aufs Glatteis wagt, d.h. dass er den Mut hat, einen ungewöhnlichen Film fernab der aktuellen Flut von Superhelden- und sonstigen Comic- oder Spiele-Verfilmungen zu machen.

Ich kann nicht garantieren, dass obige Zusammenfassung korrekt ist, vor allem was den Schluss angeht. Ich habe einfach mal meine Interpretation der insgesamt etwas wirren und unverständlichen Handlung geschrieben. Solltet ihr den Film anders verstanden haben, dann wäre ich dankbar, wenn ihr mir eure Deutung mitteilen würdet. Der Film fängt mit einem Bibelzitat an, das Wort "Eden" wird verwendet und ein mystischer Baum spielt eine große Rolle. Da müsste man schon mit Blindheit geschlagen sein, um nicht zu begreifen, dass es sich hier um den biblischen Baum des Lebens und/oder den Baum der Erkenntnis handelt, der von den Menschen missbraucht wird. Wie in der Bibel lässt die Strafe nicht lange auf sich warten. Auch ein Erlöser fehlt nicht, wobei fraglich ist, was Tolbiac am Ende eigentlich erreicht. Befreit er die mit der Pflanze verbundenen Menschen von dieser aufgezwungenen Symbiose oder befreit er die Pflanze vom Missbrauch durch die Menschen? Ganz am Schluss sieht man, wie die ganze Stadt überwuchert wird und man hört das Geheul der Mutanten. Bedeutet das, dass jetzt alle Menschen infiziert sind und sich verwandelt haben? Ich muss zugeben, dass ich mir nicht die Mühe gemacht habe, weiter über den möglichen Sinn dieser bedeutungsschwangeren Metaphern nachzudenken. Selbst wenn sie einen hätten, würde das den Film nicht aufwerten.

Auf der DVD-Hülle werden Vergleiche mit Filmen von George Lucas und Darren Aronofsky und mit Silent Hill bemüht. In der Tat gibt es deutliche Parallelen zu The Fountain, vielleicht auch welche zu THX 1138, aber mit Silent Hill hat Eden Log bis auf den Umstand, dass man zu Beginn wenig versteht, absolut nichts gemeinsam. Mir wären anstelle von Silent Hill eher Filme wie Stalker oder Haze eingefallen. Es fällt sowieso schwer, Eden Log einzuordnen. Ist es Science Fiction? Horror? Oder etwas ganz anderes? Die zugrunde liegende Idee ist SF (vorausgesetzt, dass ich sie richtig verstanden habe): Ein totalitäres Regime zwingt Menschen eine Symbiose mit einer geheimnisvollen Pflanze auf, um die so entstehende Energie zu nutzen. Ein einsamer Held verliert sein Gedächtnis und muss erst allmählich herausfinden, was überhaupt los ist und welche Rolle er zu spielen hat, dann entpuppt er sich als Erlöser. Dem Betrachter geht's erst einmal genauso; er hat keine Ahnung, was das Ganze eigentlich soll. Der Film lässt den Helden und den Zuschauer sehr lange im wahrsten Sinn des Wortes im Dunkeln tappen. Minutenlang sieht man in den ersten Szenen nichts anderes als Einzelbilder: Das flackernde Licht der Lampe, die Tolbiac später an sich nimmt, erhellt stroboskopartig Tobiacs "Geburt" im Schlamm. Dunkelheit beherrscht die Szenerie während des ganzen Films, man bekommt die Umgebung meist nur schemenhaft zu Gesicht. Das gilt auch für die Mutanten, deren Design zwar nicht besonders aufregend, aber doch ganz gut gelungen ist. Nicht nur dieser Teil des Films fordert dem Zuschauer einiges an Geduld ab, auch im weiteren Verlauf fragt man sich öfters, wann denn nun endlich mal etwas geschehen wird. Und leider wird das Ausharren am Ende nicht wirklich belohnt. Eine wirklich stimmige Auflösung bleibt der Film uns nach all dem Rätselraten schuldig.

Gänzlich uninteressant ist Eden Log deshalb aber durchaus nicht. Der Film ist vor allem ein visueller Genuss, wenn man denn auf finstere, verfallene Ruinen steht, die mit zerstörten Maschinen, zertrümmerten Plastikelementen oder ganz allgemein mit irgendwelchem Gerümpel vollgestellt und von Wurzelwerk durchwuchert sind. Klingt das zu ironisch? Ist so nicht unbedingt gemeint. Die meist klaustrophobisch-engen Sets können sich durchaus sehen lassen, und auch wenn so manche Szene vermutlich in Abwasserkanälen oder stillgelegten Fabriken gedreht worden sein mag, so wirken die Bilder doch fremdartig genug. Und zwar nicht zuletzt aufgrund der fast monochromen Farbpalette, die in diesem Film durchgängig verwendet wird (man hat fast den Eindruck, er sei schwarz-weiß). Der Film hat eine sehr düstere Atmosphäre, zu der auch der gute Soundtrack beiträgt. Obwohl man manchmal nichts sieht, sondern nur merkwürdige Geräusche hört, entsteht ein Gefühl der Beklemmung oder Bedrohung. Dass man von Eden Log nicht völlig kalt gelassen wird, ist den guten schauspielerischen Leistungen zu verdanken. Clovis Cornillac spielt seine Rolle sehr ausdrucksstark, nur die Szenen mit seiner ansatzweisen Verwandlung sind manchmal ein klein wenig misslungen.

Man sollte sich also lieber ganz der Sogwirkung der Atmosphäre und der eindrucksvollen Bilder hingeben und nicht erwarten, einen spannenden Film mit einer logischen Geschichte zu sehen. Am Schluss bleibt trotz unbestreitbarer Schauwerte leider ein Gefühl der Leere zurück und man wünscht sich, man hätte seine Zeit mit einer sinnvolleren Tätigkeit verbracht...

Die DVD:

Im nett aufgemachten Pappschuber stecken zwei Silberlinge. Auf dem ersten findet man außer dem Film einen Audiokommentar des Regisseurs sowie den Kinotrailer. DVD Nr. 2 bietet Bonusmaterial mit insgesamt abendfüllender Laufzeit. Es handelt sich um Interviews mit Franck Vestiel, Cedric Jimenez (Produzent), Clovis Cornillac und Vimala Pons, verteilt auf zwei Beiträge mit ca. 45 Minuten bzw. ca. 24 Minuten Länge. Vor allem der Regisseur spricht ohne Punkt und Komma, sagt im Grunde aber sehr wenig über den Film bzw. dessen Handlung. Stattdessen erfährt man so einiges über seine Vorstellungen vom Regieführen und seine Weltanschauung. Vielleicht ist das ja symptomatisch für den Film: Der Regisseur spricht viel, sagt aber wenig...

Von den Schauspielern erfährt man immerhin, dass die Dreharbeiten wohl alles andere als einfach gewesen sind. Davon kann man sich dann im ca. 46 Minuten langen, recht interessanten Making of mit eigenen Augen überzeugen. Der Film wurde größtenteils in einem alten Bergwerk gedreht, das als Champignonfarm genutzt wird. Man sieht, wie Clovis Cornillac halbnackt in den Schlammtümpel steigen muss, aus dem Tolbiac sich zu Beginn des Films erhebt. Die Kälte muss unerträglich gewesen sein; man erkennt, welche Überwindung es den Schauspieler kostet, da hineinzusteigen, und wie furchtbar er hinterher zittert. Auch sonst werden lange Einstellungen von den Dreharbeiten und der Arbeit an den Sets, den Masken usw. gezeigt. Kommentiert wird das Ganze von Vimala Pons. Es ist außerdem interessant zu sehen, wie die Schauspieler untereinander und mit dem Regisseur diskutieren, um ihre Rollen genauer auszuarbeiten.

Außerdem sind noch Teaser-Trailer in verschiedenen Sprachen vorhanden. Die Filmszenen sind zwar immer dieselben, aber bei jedem Teaser spricht eine andere junge Frau in der jeweiligen Sprache: Das sind Ausschnitte aus dem mehrstimmigen "Hologramm", das Tolbiac ganz zu Beginn seines Wegs durch das Labyrinth sieht.

J. Kreis, 27.11.2008


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