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Durst Durst (Südkorea / USA, 2009)
- Bakjwi -

DVD Regionalcode 2, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 129 Minuten

Extras
- Park Chan-wook beim Fantasy Filmfest: Questions & Answers
- Autogrammstunde
- Trailer

Regie:
Park Chan-wook

Hauptdarsteller:
Song Kang-ho (Sang-hyeon)
Kim Ok-bin (Tae-ju)
Kim Hae-sook (Frau Ra)
Sin Ha-gyoon (Kang-woo)




Inhalt:

Zu den Aufgaben des katholischen Paters Sang-hyeon gehört die Betreuung der Patienten im Krankenhaus seines Wohnortes. Er leidet darunter, den Menschen nicht wirklich helfen zu können. Eines Tages meldet er sich freiwillig für ein nicht vom Vatikan genehmigtes medizinisches Experiment. Zum Test eines neuen Impfstoffes für das tödliche Emmanuel-Virus (EV) werden Sang-hyeon und andere Testpersonen infiziert. Alle sterben trotz Verabreichung des Impfstoffes. Sang-hyeon, der mit Blutkonserven versorgt wurde, erwacht jedoch nach dem Tod noch auf dem OP-Tisch zu neuem Leben. Viele Menschen halten ihn deshalb für einen wundertätigen Messias, es bildet sich sogar eine Art Sekte. Kranke oder deren Angehörige bedrängen ihn mit Bitten um Heilung. So auch Frau Ra, die Sang-hyeon von früher kennt, und deren Sohn Kang-woo an Darmkrebs leidet. Sang-hyeon betet am Krankenbett für seinen Jugendfreund. Als dieser tatsächlich als geheilt entlassen wird, glaubt Frau Ra an ein Wunder. Sie lädt den Priester zum wöchentlichen Mah-Jongg-Spieleabend ein. Er darf sogar bei der Familie wohnen und verliebt sich in Tae-ju, Kang-woos Ehefrau, die von der Familie wie Dreck behandelt wird. Tae-ju und Sang-hyeon beginnen ein Verhältnis. Tae-ju leidet unter ihrem widerlichen Ehemann und seiner überprotektiven Mutter. Sie verletzt sich regelmäßig selbst und lässt Sang-hyeon in dem Glauben, sie werde von Kang-woo geschlagen.

Seit seiner Wiedergeburt bemerkt Sang-hyeon unerklärliche Veränderungen an sich selbst: All seine Sinne sind extrem geschärft, er ist übermenschlich stark und selbst schwere Wunden verheilen innerhalb von Sekunden. Sonnenlicht schadet ihm, so dass er tagsüber schläft und nur in der Dunkelheit aktiv ist. Außerdem bilden sich allmählich wieder die für die EV-Krankheit typischen Pusteln auf seiner Haut. Eher zufällig findet er schließlich heraus, dass er Blut trinken muss. Nur so kann das Virus zurückgedrängt werden. San-hyeon will jedoch niemanden töten. So stiehlt er im Krankenhaus Blutkonserven und zapft einem Komapatienten regelmäßig etwas Blut durch eine Kanüle ab. Als sein Blutdurst immer größer wird, geht er genauso bei Menschen vor, die - wie er aufgrund der Beichte weiß - Selbstmord begehen wollen. Eines Tages weiht er Tae-ju in sein Geheimnis ein. Die junge Frau reagiert panisch, ist dann aber fasziniert von Sang-hyeons Kräften. Sie bringt ihren Liebhaber dazu, ihren Mann zu töten, der ihrer Beziehung im Wege steht. Ihr zuliebe ertränkt Sang-hyeon Kang-woo in einem Stausee und begeht somit seinen ersten Mord. Nach Kang-woos Tod erleidet Frau Ra einen Schock und sitzt seitdem nur noch bewegungslos in einem Sessel.

Sang-hyeon legt sein Priesteramt nieder und tötet seinen Vorgesetzten, dem er seine Veränderung gestanden hatte und der Sang-hyeons Vampirblut trinken wollte, um von seiner Blindheit geheilt zu werden. Die Morde kommen zwar nicht ans Licht, aber Tae-ju und Sang-hyeon leiden unter Gewissensbissen und fühlen sich von Kang-woos Geist verfolgt. Tae-ju gleitet allmählich in den Wahnsinn ab. Sie macht Sang-hyeon Vorwürfe, wobei ihr versehentlich herausrutscht, dass sie nie von Kang-woo misshandelt wurde. Es kommt zum offenen Streit. Sang-hyeon bricht seiner Geliebten das Genick. Er wird vom Durst überwältigt und trinkt ihr Blut, flößt der Toten dann aber sein eigens Blut ein. So erwacht sie als Vampir. Frau Ra bekommt alles mit und kennt nun auch die Wahrheit über Kang-woos Tod. Sang-hyeons stellt entsetzt fest, dass Tae-ju sich zu einem weit weniger rücksichtsvollen Bluttrinker entwickelt als er selbst. Sie genießt es, ihre Opfer grausam zu töten und gerät bald außer Kontrolle. Beim nächsten Mah-Jongg-Abend bringt Frau Ra es allein durch Blicke und Blinzeln fertig, ihr Wissen an die anderen Gäste weiterzugeben. Kang-woo und Tae-ju haben keine andere Wahl, als die Anwesenden (Frau Ra ausgenommen) zu töten. Es gelingt Sang-hyeon jedoch, eine von ihnen insgeheim zu verschonen.

Sang-hyeon redet Tae-ju ein, dass eine Flucht nun unumgänglich sei. In Wahrheit ist ihm klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann. Er plant seine und Tae-jus Vernichtung. Unterwegs stattet Sang-hyeon "seiner" Sekte einen Besuch ab. Um den Glauben der Leute an seine Heiligkeit zu zerstören, versucht er eine seiner Anhängerinnen zu vergewaltigen und wird vertrieben. Während der Morgendämmerung fährt er mit Tae-ju zur Meeresküste, wo er sicherstellt, dass weder sie noch er Schutz vor der aufgehenden Sonne finden können. Tae-joo wehrt sich zunächst, ergibt sich dann aber in ihr Schicksal. Die beiden verbrennen im Sonnenlicht.

Der Film:

"Durst" ist ein Vampirfilm ohne den klassischen Mystizismus eines Dracula, er reiht sich aber auch nicht in die auf cool getrimmte Riege moderner Blutsauger-Action-Blockbuster nach dem Vorbild von Blade oder Underworld ein. Eher könnte man den Film mit "So finster die Nacht" vergleichen, da ein realistischerer Ansatz gewählt wird. Sang-hyeon wird nach der Infektion zwar tatsächlich zum Vampir mit allem Drum und Dran (nur mit Kreuzen hat er offensichtlich kein Problem - ob es als Religionskritik gemeint ist, dass ausgerechnet ein Priester vampirisiert wird?), aber es wird kein Erklärungsversuch geliefert. Man erfährt nie, wodurch genau es denn nun zu Sang-hyeons Vampirwerdung gekommen ist. Er ist auch nicht "untot", sondern wurde als Vampir wiedergeboren und ist ein lebendiges Wesen, wenn auch eines mit ungewöhnlichem Appetit, größeren Körperkräften, geschärften Sinnen und enormer Selbstheilungsfähigkeit. Auf übernatürliche Elemente wurde so weit wie überhaupt möglich verzichtet, d.h. der Vampirismus könnte ein plausibel erklärbares medizinisches Problem sein. Außerdem werden die neuen Fähigkeiten und Schwächen des Vampirs nicht in den Vordergrund gestellt.

Obwohl durchaus einzelne blutige Szenen enthalten sind, ist "Durst" kein Horrorfilm. Die Jagd des Vampirs auf seine Opfer und deren Angst vor ihm steht nicht im Mittelpunkt. Der Clou besteht vielmehr darin, dass Sang-hyeon auch nach der Verwandlung "normal" bleibt, seiner Arbeit als Priester nachgeht, am Mah-Jongg-Abend teilnimmt und so weiter. Er steht also nach wie vor mitten im Leben und nimmt nicht die Rolle des gefürchteten Monsters ein. Stattdessen hält man ihn sogar für einen heiligen Wundertäter. Nur nach und nach gerät dieses normale Leben infolge einfacher Notwendigkeiten aus den Fugen. Tae-joos Verwandlung in eine mörderische Bestie ist ein anderes Thema. Während Sang-hyeon sein bisheriges Leben als Mensch und Katholik nicht hinter sich lassen kann oder will, geht sie ganz in der neuen Rolle auf. Die meisten Gewaltszenen gehen somit auf ihr Konto. Nur sie wirkt gegen Ende des Films bedrohlich, bei Sang-hyeon ist das nie der Fall. Beide Schauspieler schaffen es übrigens, glaubwürdige und sympathische Hauptfiguren zu erschaffen. Kim Ok-bins Wandlungsfähigkeit ist erstaunlich. Man kann fast nicht glauben, es mit ein- und derselben Schauspielerin zu tun zu haben.

Die irgendwie lakonische Art und Weise, wie die beiden mit ihrer neuen Existenz umgehen, ist eine Stärke des Films. Man richtet sich neu ein und passt die Umwelt den gewandelten Bedürfnissen an. Die Wohnung wird weiß getüncht und hell ausgeleuchtet (ein Ersatz für das Sonnenlicht, das die beiden nie wieder sehen dürfen), eine Kamera mit Lichtsensor dient als Wecker. Blutkonserven werden im Kühlschrank frisch gehalten. So entsteht eine ganz eigenartige Atmosphäre. Spannung und Grusel darf man bei diesem Film aber nicht erwarten. Trotz einzelner Momente brutaler Gewalt ist er eher als Charakterdrama zu bezeichnen. Selbstironie fehlt auch nicht, eigentlich hat es der Regisseur damit sogar etwas übertrieben. Wenn Sang-hyeon und Tae-joo z.B. surreale Visionen vom ertränkten Kang-woo haben, dann ist das zunächst recht eindrucksvoll - es wird aber lächerlich, wenn er beim Liebesspiel als debil grinsender, Schleim absondernder Geist zwischen ihnen liegt. Der Film wirkt in diesem und ähnlichen Momenten derart cartoonhaft übersteigert, dass man fast meinen könnte, man habe eine Vampirfilm-Parodie vor sich.

Leider sind nicht alle Spezialeffekte gut gelungen. Das gilt vor allem für Szenen mit CGI-Blut, das zu deutlich als solches erkennbar ist, und für die "Flugkünste" der Vampire. Obwohl die Drähte natürlich wegretuschiert wurden, an denen die Schauspieler hängen, wirken diese Effekte selten überzeugend. Insgesamt entsteht ein zwiespältiger Eindruck: Auf der einen Seite kann der Film mit dem ungewöhnlichen und realistischen Ansatz punkten, andererseits stören unfreiwillige Komik und subobtimale Effekte den ansonsten guten Gesamteindruck.

DVD-Features:

Das Bonusmaterial ist nicht besonders interessant. Die Fragestunde beim Fantasy-Filmfest ist nur ca. 36 Minuten lang und zieht sich dennoch ziemlich in die Länge, da alle Fragen auf Deutsch gestellt werden und erst übersetzt werden müssen, genau wie die Antworten. Park Chan-wook steht vor der Kinoleinwand, und wenn Fragen aus dem Publikum kommen, dann sind die kaum zu verstehen. Außerdem hat das Mikrofon dauernd Aussetzer. Untertitel sind nicht vorhanden. Hinzu kommen zwei Trailer und knapp zwei Minuten lange unkommentierte Aufnahmen von einer Autogrammstunde. Man kann zusehen, wie Park Chan-wook DVDs usw. signiert. Toll.



Durst

Menage a trois mit Kang-woos Geist incl. Stein auf der Brust, der ihn unter Wasser halten sollte...


Durst

Mahlzeit! Oder sagt man in dem Fall besser "Prost?"


Durst

Was für eine Unordnung in der Speisekammer!


Durst

Mit dem richtigen Lichtschutzfaktor wäre das nicht passiert...


J. Kreis, 01.06.2010


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