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Drag me to Hell Drag me to Hell (USA, 2009)

BluRay, Universal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Produktionstagebücher

Regie:
Sam Raimi

Hauptdarsteller:
Alison Lohman (Christine Brown)
Lorna Raver (Sylvia Ganush)
Justin Long (Clay Dalton)
Dileep Rao (Rham Jas)
Adriana Barraza (Shaun San Dena)
David Paymer (Jim Jacks)
Reggie Lee (Stu Rubin)




Inhalt:

Die junge Bankangestellte Christine Brown konkurriert mit ihrem intriganten Kollegen Stu Rubin um den neu zu besetzenden Posten des stellvertretenden Filialleiters. Ein von ihr eingeleiteter Deal, der zur höchsten je von ihrer Bank vorgenommenen Kreditvergabe führen soll, könnte entscheidend für die entsprechende Entscheidung ihres Chefs sein. Der gibt ihr zu verstehen, dass er von seinen Untergebenen auch die Bereitschaft zu harten Entscheidungen erwartet. Um ihn zu beeindrucken, lehnt Christine daher die Bitte ihrer Kundin Sylvia Ganush um Fristverlängerung wegen eines fälligen Kredits ab. Sie bleibt selbst dann noch hart, als die alte Frau vor ihr auf die Knie fällt. Wegen dieser Demütigung verwandelt sich die Verzweiflung der Alten in Zorn. Sie überfällt Christine später in der Tiefgarage. Als Ganush nach längerem Kampf nicht die Oberhand behält, reißt sie einen Knopf von Christines Mantel ab und spricht einen unverständlichen Fluch aus, dann gibt sie den Knopf zurück. Christine verliert das Bewusstsein, und als sie wieder zu sich kommt, ist die Alte verschwunden. In den folgenden Tagen wird Christine von erschreckenden Visionen sowie furchtbaren Alpträumen geplagt und mehrmals von einem schattenhaften Dämon heimgesucht, der ihr Verletzungen zufügt und das Haus verwüstet. All das hat schon bald sehr ungünstige Auswirkungen auf Christines berufliche Karriere.

Christines Freund Clay Dalton, Professor für Psychologie, glaubt an die naheliegendste Möglichkeit, nämlich eine Reaktion auf den beim Überfall erlittenen Schock. Der Wahrsager Rham Jas, den Christine zu Beginn ihres Martyriums aufsucht, hat jedoch eine andere Erklärung. Er erkennt, dass Christine das Opfer eines uralten Zigeunerfluches ist: Ganush hat den Dämon Lamia herbeigerufen, und dieser wird Christine drei Tage lang quälen, um sie dann in die Hölle zu zerren. Christine kann Ganush nicht mehr um Verzeihung bitten, denn die alte Frau ist gestorben. In ihrer Verzweiflung tötet Christine ihre Katze, da Rham Jas behauptet hat, Lamia könne möglicherweise durch ein Tieropfer besänftigt werden. Doch der Dämon lässt sich davon nicht beeindrucken und sucht Christine ausgerechnet beim ersten Treffen mit Clays überkritischen Eltern heim, das somit zu einem Fiasko wird. Clay hält jedoch zu ihr und übernimmt die exorbitante Rechnung für die Konsultation des von Rham Jas empfohlenen Mediums Shaun San Dena. Diese Seherin hatte vor vierzig Jahren schon einmal eine Auseinandersetzung mit Lamia und hofft nun auf die Chance, ihr damaliges Versagen wieder gutzumachen. Lamia soll im Körper einer Ziege gefangen werden, die dann getötet werden soll. Doch die Seance endet in einer Katastrophe. Lamia bemächtigt sich der Körper Shaun San Denas und ihres Gehilfen und kann nur mit Mühe wieder vertrieben werden, wobei Shaun San Dena jedoch stirbt.

Rham Jas weist Christine auf die letzte Möglichkeit hin, die am nächsten Tag bevorstehende Höllenfahrt doch noch abzuwenden. Der Knopf, auf dem der Fluch lastet, muss den Besitzer wechseln. Es würde reichen, ihn einer beliebigen Person zu schenken - diese Person würde dann an Christines Stelle die ewige Verdammnis erleiden. Christine bringt es allerdings nicht einmal über sich, den Knopf an ihren Kollegen Stu zu verschenken, der inzwischen ihren großen Deal hat platzen lassen. Da kommt ihr die rettende Idee: Sie wird den Knopf einfach ihrer Peinigerin zurückgeben, denn nach dem Glauben der Zigeuner kann man auch die Toten beschenken. So gräbt sie die Leiche auf dem Friedhof aus und stopft ihr den Umschlag mit dem Knopf in den Mund. Am nächsten Tag scheint sich alles zum Guten zu wenden. Da Stus Machenschaften ans Licht gekommen sind, soll Christine nun doch noch befördert werden. Zunächst trifft sie sich mit Clay auf dem Bahnhof, um einen Kurzurlaub zu unternehmen und das Grauen der letzten Tage hinter sich zu lassen. Ihren alten Mantel wirft sie weg.


(Spoilerwarnung: Wenn ihr den Film noch nicht kennt, dann verderbt euch den Spaß nicht und lest jetzt nicht weiter.)


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Clay findet das schade, denn er hat den abgerissenen Knopf wiedergefunden. Christine hat den Umschlag verwechselt; in dem, den sie Ganushs Leiche aufgenötigt hat, war eine alte Münze, die sie Clay für dessen Sammlung geschenkt hatte. Von Panik erfüllt taumelt Christine zurück, stürzt auf die Gleise und wird vor Clays Augen von Lamia in die Hölle geholt, während ein Zug über sie hinwegdonnert. Der Knopf verbleibt in Clays Besitz.

Der Film:

Die Lamien sind keine Erfindung dieses Films, sie sind Dämonen aus der griechischen Mythologie und haben möglicherweise mit zur Entstehung bestimmter Vampir-Legenden beigetragen. Ob die im Film hergestellte Verknüpfung zum Volksglauben der so genannten Zigeuner richtig ist, kann ich nicht beurteilen.

Die Story des Films hat mich sofort an den Roman Der Fluch von Stephen King alias Richard Bachman erinnert. Auch in diesem Roman wird jemand von einem Zigeuner mit einem Fluch belegt, muss verschiedene Qualen erleiden und versucht dann, den Fluch irgendwie aufzuheben oder auf eine andere Person "umzuleiten". Von einem Plagiat würde ich aber doch nicht sprechen, denn einerseits sind Christines Leiden von ganz anderer Art als die des Protagonisten in Kings Roman, außerdem ist der Grundton des Films trotz einiger recht heftiger Schockmomente im Gegensatz zu Kings Roman durchweg humoristisch. Damit kehrt Sam Raimi nach seinem längeren Ausflug ins Superhelden-Genre (Spider-Man) quasi zurück zu seinen Wurzeln. Denn auch der Horror-Meilenstein The Evil Dead (dt.: "Tanz der Teufel", hierzulande indiziert) ist ein Film, in dem Horror auf gelungene Weise mit schwarzem Humor vermischt wird. Mancher wird vielleicht irritiert sein, in einem Horrorfilm auch Comedy- und Slapstick-Elementen zu begegnen, aber Raimi-Fans werden gerade das zu schätzen wissen.

Mir scheint, diese Rückkehr zum Filmgenre seiner Anfangszeit hat dem Regisseur großen Spaß gemacht, und so ist eine äußerst vergnügliche, selbstironische Gruselshow entstanden, die zwar, was Blut und Gewalt angeht, weit harmloser ausfällt als Raimis Frühwerke, aber dennoch nicht nur als Komödie funktioniert, sondern auch als Horrorfilm. Auf Splatter und explizite Gewaltdarstellung wird weitgehend verzichtet, stattdessen werden überraschende Schockmomente eingesetzt. Immer wieder tauchen zu entsprechenden Sound-Effekten bedrohliche Schatten aus dem Nichts auf (bevorzugt hinter dem Rücken der Opfer, klar), poltert etwas vor der Tür oder auf dem Speicher herum, springen Gespenster aus dunklen Ecken hervor und so weiter. Da zuckt man schon mal selbst vor Schreck zusammen! Hinzu kommen einige originelle Ideen wie ein Deluxe-Nasenbluten, mit dem Christine ihren entsetzten Chef besprüht, eine verschluckte Fliege, die in einem denkbar unpassenden Moment wieder zum Vorschein kommt, ein Auge, das aus einem Kuchenstück hervorglotzt und eklige Szenen, in denen ein herausgeflogenes Gebiss, Balsamierungsflüssigkeit und diverses Krabbel-Viehzeug wichtige Rollen spielen. Das in Christines Auto stattfindende Handgemenge, bei dem die Ganush auch schonmal eins mit dem Tacker und einem Lineal verpasst bekommt (die Waffen des Büroangestellten! Genial!) weckt ebenfalls wieder wehmütige Erinnerungen an Ashs Kampf gegen die Dämonen des Waldes.

Alison Lohman kann Bruce Campbell natürlich nicht das Wasser reichen, aber sie ist sympathisch genug, um den Zuschauer für sich einzunehmen. Lorna Raver gibt im krassen Gegensatz zur lieb-naiven Christine eine wundervoll bedrohlich-eklige alte Hexe ab und es tut dem Film gut, dass Lamia praktisch nie richtig zu sehen ist - die eine Szene, in der er sich tatsächlich erstmals zu Wort meldet (im Körper einer Ziege) ist nämlich wegen misslungener CGI der einzige wirklich unpassende Moment des Films. Übrigens: Die Opferung des armen Kätzchens nehme ich Christine übel. Da verstehe ich keinen Spaß. Somit hat sie die Höllenfahrt am Ende des Films, die ich zu vorhersehbar fand, wirklich verdient.

Die BluRay-Disc:

Einziges Bonusmaterial sind 13 "Produktionstagebücher" mit einer Laufzeit von insgesamt nur 35 Minuten. Den Inhalt kann man den Titeln entnehmen: "Die blutige Nase", "In der spirituellen Welt", "Maskeneffekte", "Alison im Schlamm", "Der Alptraum", "Alisons Drähte", "Justin-Long-Profil", "Der Kampf auf dem Parkplatz", "Die Ziege", "Set-Tour: Das große Zimmer", "Puzzlewagen", "Sie in die Hölle zerren", "Tongestaltung". Abgesehen von der unvermeidlichen gegenseitigen Beweihräucherung werden einige ganz interessante Informationen vermittelt. Zum Beispiel hatte ich das Deluxe-Nasenbluten für einen CGI-Effekt gehalten, aber da ist wirklich Kunstblut aus der Nase der Schauspielerin gespritzt. Alison Lohman hat außerdem so empfindliche Haut, dass für die Szene auf dem Friedhof kein Kunstschlamm verwendet werden konnte. Der hatte ihr Hautausschlag verursacht. Stattdessen musste echter Heilschlamm besorgt werden. Auch sieht man, mit welcher Detailverliebtheit die Sets ausgestattet wurden. Ich war übrigens überrascht, welch sympathischen Eindruck Lorna Raver in den Interviews macht! Nach ihrer gruseligen Performance im Film hätte ich das nicht erwartet...

J. Kreis, 21.12.2009


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