Dracula CE

Dracula DVD


Bram Stokers Dracula - Collectors Edition (USA, 1992)

Blu-ray / DVD - Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment / Columbia Tristar Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 127 Min. (Blu-ray) bzw. 123 Min. (DVD)

Extras Blu-ray
- Audiokommentar
- Einführung von Francis Ford Coppola (3:55 Min.)
- Blut ist Leben - Making of Bram Stokers Dracula (27:48 Min.)
- Die Kostüme sind das Set - Das Design von Eiko Ishioka (14:02 Min.)
- Mit der Kamera - Visuelle Effekte der damaligen Zeit (18:46 Min.)
- Methode & Wahnsinn - Die Gestaltung Draculas (12:05 Min.)
- Entfallene Szenen (28:14 Min.)
- Teaser und Kinotrailer

Extras DVD
- Dracula Bloodlines - The Man, the Myth, the Legend (28:25 Min.)
- Trailer
- Kostüme (Text und Bilder)
- Filmografien (Text)

Regie:
Francis Ford Coppola

Hauptdarsteller:
Gary Oldman (Vlad Dracul / Graf Dracula)
Winona Ryder (Elisabeta / Wilhelmina Murray)
Anthony Hopkins (Prof. Abraham Van Helsing)
Keanu Reeves (Jonathan Harker)
Sadie Frost (Lucy Westenra)
Richard E. Grant (Dr. Jack Seward)
Cary Elwes (Sir Arthur Holmwood)
Bill Campbell (Quincey P. Morris)
Tom Waits (R. M. Renfield)




Story

Im 15. Jahrhundert wehrt der rumänische Prinz Vlad Dracul einen Angriff des immer weiter nach Europa vordringenden osmanischen Reiches ab. Der Feind spielt Vlads Frau Elisabeta die gefälschte Nachricht zu, ihr Gemahl sei im Kampf gefallen. Elisabeta nimmt sich daraufhin das Leben. Durch den Verlust der über alles geliebten Frau wird Vlad in tiefste Verzweiflung gestürzt. Ein Priester erklärt, als Selbstmörderin sei Elisabeta der Verdammnis anheimgefallen. Da verwandelt sich Vlads Trauer in unbändigen Hass gegen die Kirche. Er entsagt Gott, schändet die heiligen Symbole und schwört, er werde aus dem Grab zurückkehren, um Elisabetas Tod zu rächen. Menschliches Blut wird zu seinem Lebenselixier. Als untoter Vampir mit übermenschlichen Kräften und der Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen, überdauert Vlad vier Jahrhunderte. Er kann den Fluch der Unsterblichkeit an Menschen weitergeben, indem er ihnen sein Blut zu trinken gibt. Auf diese Weise verwandelt er im Verlauf der Zeit drei Frauen in seinesgleichen und haust mit ihnen in seinem verfallenden Schloss.

Im Jahre 1897 erhält der Advokat Jonathan Harker einen Auftrag, der entscheidend für seine berufliche Zukunft sein soll. Harker tritt die Nachfolge seines Kollegen Renfield an, der in Transsilvanien mit dem Grafen Dracula über den Erwerb mehrerer Londoner Immobilien verhandeln sollte. Renfield ist als Wahnsinniger aus Transsilvanien zurückgekehrt und sitzt nun, besessen von der Vorstellung, die Lebenskraft von Tieren in sich aufnehmen zu müssen, in der Irrenanstalt des Nervenarztes Dr. Seward ein. Harker besucht den Grafen in dessen Schloss und wickelt den Verkauf ab. Während Harkers Verlobte Mina sehnsüchtig auf die Rückkehr des jungen Mannes wartet, muss dieser erkennen, dass Graf Draculas anfängliche Freundlichkeit nur vorgetäuscht war. Harker wird zum Gefangenen des Grafen, dessen Bräute sich an seinem Blut laben. Kisten mit Erde aus Draculas Heimat werden von dem Schoner Demeter nach London gebracht. Der Vampir muss in dieser Erde ruhen, um sich zu regenerieren. Auf diese Weise verjüngt er sich während der Überfahrt und tötet ein Besatzungsmitglied nach dem anderen. Dracula nistet sich in der zu seinem Besitz gehörenden Ruine von Carfax Abbey ein. Er hat ein Bild Minas gesehen und ist davon überzeugt, die Frau sei eine Reinkarnation Elisabetas. Er will sie für sich gewinnen.

Mina wohnt inzwischen bei ihrer adligen Freundin Lucy Westenra, deren Hochzeit mit Lord Holmwood zurzeit vorbereitet wird. Lucy wird zu Draculas erstem Opfer. Nacht für Nacht trinkt er ihr Blut, so dass sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Dr. Seward, einer von Lucys Verehrern und ihr Arzt, weiß keinen Rat und ruft seinen ehemaligen Mentor Prof. Abraham Van Helsing zu Hilfe. Dem erfahrenen Vampirjäger wird schnell klar, womit er es zu tun hat - er sucht schon seit langer Zeit nach Dracula. Dieser nähert sich Mina in der Gestalt eines gutaussehenden, charmanten Prinzen. Mina ist fasziniert von dem geheimnisvollen Ausländer und verliebt sich in ihn. Doch dann gelingt es Harker, aus dem Schloss zu entkommen und Mina einen Brief zu übermitteln, in dem sie gebeten wird, schnellstmöglich zu ihm zu kommen und ihn zu heiraten. Während dies geschieht, macht Dracula Lucy zum Vampir. Van Helsing, Holmwood, Seward und der Amerikaner Quincey P. Morris (ein weiterer Verehrer Lucys) vernichten die untote Frau. Der noch geschwächte Harker und Lucy kehren nach London zurück. Harker kennt Draculas Versteck, und so kann dessen Zufluchtsort exorziert werden. Die Männer haben nicht mit Minas Gefühlen für Dracula gerechnet, die auch dann nicht schwächer werden, als er ihr seine wahre Natur offenbart. Aus Liebe zu ihr würde er auf ihre Verwandlung verzichten, doch sie verlangt nach seinem Blut und trinkt es. Der Vampir kann zwar vertrieben werden, aber solange er existiert, wird Minas Verwandlung weiter voranschreiten.

Da Mina in geistiger Verbindung mit Dracula steht, gelingt es Van Helsing nach einer Hypnose, den Fluchtweg des Vampirs nachzuvollziehen. Dracula hat sich in der letzten Kiste mit heimatlicher Erde versteckt und ist mit Unterstützung seiner ihm treu ergebenen Zigeuner bereits auf dem Weg nach Transsilvanien. Um Dracula anzulocken, eilt Van Helsing mit Mina zu dessen Schloss in den Karpaten. Dort vernichtet Van Helsing Draculas Bräute. Harker, Holmwood, Seward und Morris verfolgen die Zigeuner. Die geistige Verbindung funktioniert allerdings auch in umgekehrter Richtung, und so kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd. Dracula erreicht das Schloss bei Sonnenuntergang. Minas Verwandlung ist inzwischen weiter vorangeschritten, sie steht ihrem Geliebten bei. Dennoch gelingt es Harker und Morris, der beim Kampf gegen die Zigeuner tödlich verwundet wurde, dem Vampir schwere Wunden beizubringen. Harker erkennt, dass er Mina verloren hat. Deshalb hält er seine Freunde zurück, als sie angreifen wollen. In der Kapelle, in der alles angefangen hat, endet alles. Durch Minas Liebe wird der Fluch aufgehoben. Sie selbst und Dracula werden erlöst. Mina gibt Dracula Frieden, indem sie sein Herz durchbohrt und ihn köpft.


Kringels Meinung

Bram Stokers Roman "Dracula" wurde schon oft verfilmt oder zumindest als Ideenlieferant für Vampirfilme verwendet. Manche Filme halten sich recht genau an die Romanvorlage, andere gar nicht. Francis Ford Coppolas Version ist relativ werktreu, verfolgt aber einen eigenen Ansatz. Viele Elemente des Romans finden sich auch im Film wieder. Das sind nicht nur die größtenteils 1:1 mit der Romanstory übereinstimmende Handlung (bis hin zu kleinen Details wie zum Beispiel den behaarten Handflächen des Grafen) sowie die Hauptpersonen (inklusive Dr. Seward und Quincey P. Morris), sondern auch die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Im Roman gibt es keinen Erzähler, er besteht aus einer Zusammenstellung von Tagebucheinträgen, Briefen und so weiter. Und genau das findet auch im Film statt. Immer wieder werden Harkers und Tagebucheinträge, Draculas Briefe usw. eingeblendet und teilweise vorgelesen. Der eigene Ansatz ist gleichzeitig die größte Abweichung vom Roman. Dort spielt die Liebesgeschichte zwischen Dracula und Elisabeta/Mina keine Rolle bzw. Elisabeta kommt im Roman meines Wissens gar nicht vor. Das aber ist die Achse, um die sich im Film alles dreht. Dadurch wird außerdem erklärt, wie Dracula überhaupt zum Vampir geworden ist. Und Dracula wird im Gegensatz zum Roman, in dem der Graf lediglich die Rolle des Bösewichts zu spielen hat, zur zentralen tragischen Figur. Puristen werden das vielleicht für unangemessen halten, ich finde diese Abwandlung jedoch sehr gelungen.

Außerdem werden so Szenen von emotionaler Wucht möglich, die ich noch in keiner anderen Dracula-Verfilmung gesehen habe. Schon den im Jahre 1462 spielenden Auftakt, in dem sich der in einer merkwürdig "organisch" aussehenden Rüstung steckende Vlad von Elisabeta losreißt, um gegen die Türken zu kämpfen, und in dem er nach ihrem Tod gegen Gott rebelliert, könnte ich mir wieder und wieder anschauen - er packt mich immer von neuem, was nicht zuletzt der düsteren, sich langsam zu einem Crescendo steigernden Musik zu verdanken ist. Dieser Prolog hat zwar rein gar nichts mit dem Roman zu tun, stimmt den Zuschauer aber so richtig auf den folgenden Film ein. Der ist durchweg derart opernhaft-übertrieben inszeniert, dass eine irgendwie traumartige Gothic-Horror-Atmosphäre entsteht. Üppige Kostüme, aus heutiger Sicht zwar nicht immer ganz überzeugende, aber phantasievolle und detailreiche Kulissen / Miniaturen und so manche ikonenhafte Szene wie zum Beispiel die Vernichtung des Lucy-Vampirs machen den Film zu einem opulenten Genuss. Apropos Kulissen: Vielleicht entsteht der leicht surreale Look gerade weil vor allem die Landschaftskulissen manchmal deutlich als solche erkennbar sind. Verzerrte Perspektiven, interessante Montagen und verschiedene andere Kameratricks wie Draculas Schatten, der ein Eigenleben zu führen scheint, tragen das ihre dazu bei. Dracula mimt zwar den Verführer wie einst Bela Lugosi, tritt aber auch als Werwolf, riesige Fledermaus, Rattenschwarm und Nebel in Erscheinung. Die entsprechenden handgemachten maskenbildnerischen und sonstigen Effekte können sich sehen lassen! Mit Sex und Gewalt wird nicht gegeizt, und durch all das erhält der Film eine ganz eigene Note.

Die Inszenierung wäre aber wirkungslos ohne gute Schauspieler - und insbesondere Gary Oldman ist mehr als nur "gut", er ist großartig! Oldman liefert hier eine beeindruckende Glanzleistung ab und stellt eine enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Aus dem überlebensgroßen Vlad Dracul des Prologs wird ein zwar greisenhafter, aber sehr bedrohlicher Graf Dracula, der sich später in einen charmanten jungen Adligen verwandelt und ab und zu wahrhaft dämonische Züge annimmt. Er bringt Vlads in rasende Wut umschlagende Verzweiflung nach Elisabetas Tod ebenso glaubwürdig rüber wie die unterschwellige Bösartigkeit des gealterten Grafen und die Verführungskunst des wieder verjüngten Prinzen. Anthony Hopkins verleiht dem etwas verschrobenen, aber saft- und kraftvollen Vampirjäger ganz eigene Untertöne von Selbstironie bis hin zur manischen Besessenheit. Von all den anderen Schauspielern (die ihre Sache ebenfalls gut machen) will ich nur Tom Waits noch besonders erwähnen. Ich kannte ihn vor diesem Film nur als Musiker und war ziemlich überrascht, wie wunderbar er den verrückten Renfield spielt. Er macht das sogar noch besser als Roland Topor in Werner Herzogs Nosferatu. "Bram Stokers Dracula" ist sicher nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt er von Mal zu Mal besser.


DVD/Blu-ray-Features

Die Kurzdoku "Dracula Bloodlines" stammt aus dem Jahre 1992 und enthält die übliche Mischung aus Filmszenen, Interviews sowie Hinter-den-Szenen-Material. Auf diverse ältere Dracula-Filme sowie auf Bram Stoker wird eingegangen. Einige interessante Inhalte sind vorhanden, zum Beispiel sieht man, dass die Schauspieler eine Marathon-Lesung des Romans zusammen mit dem Regisseur veranstaltet haben. Man kann gut erkennen, dass es während der Proben manchmal zu Differenzen gekommen ist und man sieht, dass das Kind in der Szene mit Vampir-Lucy wirklich große Angst hatte. Das arme Kleine konnte nur schwer beruhigt werden, war am Ende aber doch wieder fröhlich.

Die Blu-ray ist weit üppiger mit Bonusmaterial ausgestattet. So beginnt der Film optional mit einer Einführung des Regisseurs, in der er kurz auf den Roman, frühere Verfilmungen und seinen eigenen Ansatz eingeht. Die Kurzdoku "Dracula Bloodlines" ist nicht dabei, Teile davon finden sich aber bei den vier Featurettes "Blut ist Leben", "Die Kostüme sind das Set", "Mit der Kamera" und "Methode & Wahnsinn" wieder. Nimmt man die Featurettes zusammen, erhält man eine umfassende Dokumentation. Manche Interviews stammen aus neuerer Zeit, manche sind zeitgenössisch. Durch das unkommentierte Hinter-den-Szenen-Material ist Coppolas Regiestil gut zu erkennen. Es wurde viel geprobt, verschiedene Varianten der Szenen wurden ausprobiert und teils recht emotional diskutiert. Coppolas Sohn Roman war für die visuellen Effekte zuständig und einige der traditionellen Tricks werden in "Mit der Kamera" anschaulich erklärt. Zu diesem Zweck wurden eigens kleine Grafiken erstellt. Sehr interessant fand ich auch, dass Coppola bestimmte Gemälde als Inspirationsquelle verwendet hat. Unter anderem wurde ein Kostüm Draculas dem Bild "Der Kuss" von Gustav Klimt nachempfunden.

Die 13 nicht verwendeten bzw. erweiterten Szenen haben leider sehr schlechte Qualität. Ich finde es erstaunlich, wie viele Ideen letztlich verworfen worden sind und wie sich der Charakter mancher Szenen nur durch eine geänderte Schnittfolge wandelt! So hätte Elisabetas Leichnam vollständig in Blut versinken sollen, Harker wäre viel länger im Schloss umhergeirrt und hätte Draculas Sarkophag gefunden. Hiervon wurde nur ein kleiner Teil in den Film übernommen, die Szene mit Draculas leichenhaftem Gesicht, das Harker im Sarg sieht, wurde an einer ganz anderen Stelle verwendet. Auch das Ende wäre etwas anders verlaufen; Mina hätte mit Harker wiedervereint werden sollen. Eine der 13 Szenen ist ein bisschen versteckt. Man muss am Ende der Liste weiter nach unten scrollen, dann erscheint ein anklickbares Symbol. Dahinter verbirgt sich eine etwas andere Fassung der Szene, in der Dracula seinen Bräuten ein Baby bringt. Das Kleinkind pinkelt Gary Oldman an, aber der spielt tapfer weiter!



Screenshots (DVD-Fassung)


Bram Stokers Dracula

1462: Dracula bereitet sich auf die Schlacht vor


Bram Stokers Dracula

Elisabeta hat sich das Leben genommen


Bram Stokers Dracula

In seinem Zorn schändet Dracula das Kreuz


Bram Stokers Dracula

Renfield sehnt die Ankunft seines Meisters herbei


Bram Stokers Dracula

Renfields Nachfolger: Jonathan Harker


Bram Stokers Dracula

Graf Dracula begrüßt seinen Gast


Bram Stokers Dracula

Lucy und Mina schauen sich die schlüpfrigen Bilder im Buch "Arabian Nights" von Richard Francis Burton an


Bram Stokers Dracula

Eine von Draculas Bräuten (Monica Bellucci in einer ihrer ersten Rollen)


Bram Stokers Dracula

Frisch verjüngt mischt sich Vlad Dracul in London unters Volk


Bram Stokers Dracula

Von links nach rechts: Quincey Morris, Lord Holmwood, Dr. Seward. Die Männer sind entsetzt...


Bram Stokers Dracula

... denn Lucy trägt das Mal des Vampirs


Bram Stokers Dracula

Van Helsing weiß, was die Bisse an Lucys Hals zu bedeuten haben


Bram Stokers Dracula

Die untote Lucy


Bram Stokers Dracula

Auch Mina beginnt sich zu verwandeln - Hostien verträgt sie schon nicht mehr


Bram Stokers Dracula

Draculas Ende


J. Kreis, 10.12.2014




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