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Doomsday Doomsday - Tag der Rache (GB/USA/Südafrika/D, 2008)
- Doomsday -

BluRay/DVD - Regionalcode 2, Capelight
FSK: SPIO/JK
Laufzeit: ca. 112 Minuten (Unrated-Version) bzw. 108 Minuten (Kinofassung)

Extras
Audiokommentar von Regisseur und Darstellern, Making of, Visual Effects, "Werkzeuge der Zerstörung", Trailer, Doomsday Online

Regie:
Neil Marshall

Hauptdarsteller:
Rhona Mitra (Major Eden Sinclair)
Bob Hoskins (Bill Nelson)
Craig Conway (Sol Kane)
Adrian Lester (Sergeant Norton)
Darren Morfitt (Dr. Stirling)
David O'Hara (Michael Canaris)
Malcolm McDowell (Dr. Marcus Kane)
MyAnna Buring (Cally Kane)
Alexander Siddig (John Hatcher)




Inhalt:

Im April 2008 erkranken in Schottland unzählige Menschen an einem neuen Virus, genannt "Reaper". Es gibt kein Heilmittel, alle Erkrankten sterben innerhalb kurzer Zeit unter schrecklichen Qualen. Das Virus breitet sich rasant aus. Die britische Regierung sieht keinen anderen Ausweg mehr, als die betroffenen Regionen abzuschotten und die Menschen sich selbst zu überlassen. Eine gigantische, unüberwindliche und scharf bewachte Mauer wird entlang des Verlaufs des ehemaligen Hadrianswalls errichtet. Auch ein Entkommen über den See- oder Luftweg wird unmöglich gemacht. Unter den letzten Gesunden, die vor der Schließung des einzigen Tores am 20. Juni 2008 noch evakuiert werden können, ist auch die kleine Eden Sinclair. Sie verliert dabei aber ihre Mutter, die zurückbleiben muss. Die öffentliche Ordnung in Schottland bricht zusammen. Berge von Virustoten müssen verbrannt werden, es kommt zu Plünderungen und Gewalttaten aller Art. Als überall der Strom ausfällt und die Nahrung knapp wird, kämpft jeder gegen jeden. Kannibalismus greift um sich. Jenseits der Mauer geht man ca. 25 Jahre später davon aus, dass es keine Überlebenden mehr gibt. Aber auch im südlichen Teil Englands, der sich vom Rest der Welt isoliert hat, verschlechtern sich die Lebensbedingungen durch die extreme Überbevölkerung rapide. Im Jahre 2035 beginnt das Reaper-Virus unerwarteterweise unter den in London zusammengepferchten Menschenmassen zu wüten. Premierminister Hatcher, der kaum mehr als eine Marionette seines Beraters Canaris ist, greift zum bewährten Mittel der Abriegelung und lässt das Zentrum der auf gewaltige Ausmaße angewachsenen Stadt absperren. Insgeheim planen Hatcher und Canaris, die betroffenen Bereiche wie damals sich selbst zu überlassen, bis alle Erkrankten tot sind - auf diese Weise glauben sie, zumindest eine Atempause beim Problem der Bevölkerungsexplosion gewinnen zu können.

Zur Beschwichtigung der Bürger soll dennoch nach einem Gegenmittel gesucht werden. Canaris gibt erst jetzt bekannt, dass Überwachungssatelliten schon seit drei Jahren immer wieder Bilder senden, auf denen eindeutig Überlebende in Schottland zu sehen sind. Ein Spezialistenteam wird deshalb nach Glasgow entsandt, wo seinerzeit der Mediziner Dr. Marcus Kane an der Erforschung des Reaper-Virus gearbeitet hat. Man hofft, er habe einen Impfstoff entwickelt. Eden Sinclair, die ihr Kindheitstrauma nie überwunden hat und zu einer harten Elitekämpferin ausgebildet wurde, leitet das Team. Eine Rückkehr ist nur bei erfolgreicher Mission möglich. Kaum sind die Soldaten, die von zwei Wissenschaftlern begleitet werden, in den Ruinen von Glasgow angekommen, werden sie von einer wilden Meute angegriffen. Einige werden getötet, Eden und Dr. Talbot werden gefangen genommen. Sergeant Norton und Dr. Stirling, der zweite Wissenschaftler, können entkommen. Eden wird vom Ober-Marodeur Sol gefoltert, der (wie sich erst später herausstellt) Dr. Kanes Sohn ist. Kane hatte sich mit den letzten Überlebenden in eine Burg zurückgezogen, wo die Überwachungssatelliten sie nicht erspähen konnten. Dort waren die Menschen vor einer Ansteckung durch die Kranken sicher, und Kane hatte ihnen eingeredet, jenseits der Mauer existiere kein Leben mehr. Sol und dessen Anhänger hatten sich von Kane losgesagt und in Glasgow eine bizarre neue Gesellschaft aufgebaut: Sol wird von seinen Leuten nicht zuletzt deshalb vergöttert, weil er sie mit verrückten Partys und (wenn möglich) frischem Menschenfleisch versorgt. Durch Edens Existenz hat Sol endlich den Beweis, dass Kane gelogen hat, und will sie zwingen, ihm den Weg ins "gelobte Land" zu weisen.

Während Sol die Grillsaison mit Talbot als Hauptgericht eröffnet, kann Eden sich mit Hilfe der ebenfalls eingesperrten Cally befreien. Sie ist Sols Schwester und hat Kanes Burg kürzlich verlassen, um nach ihrem Bruder zu suchen. Nachdem auch Norton und Stirling wieder eingesammelt wurden, macht man sich gemeinsam auf den Weg zu Kanes Burg, verfolgt von Sol, der außer sich vor Zorn ist, weil Eden während der Flucht seine Geliebte getötet hat. Unterwegs laufen die Gefährten Kanes Schergen in die Arme und werden in dessen Burg eingesperrt. Dort leben die Menschen nach mittelalterlichem Vorbild, Kane regiert mittels brutaler Gewalt und hält sein Volk mit Gladiatorenkämpfen bei Laune. Eden erfährt, dass es keinen Impfstoff gibt. Ein Überleben war nur durch die totale Isolation möglich. Allerdings haben die Menschen jetzt eine natürliche Immunität gegen das Virus entwickelt. Während Eden in der Arena einen Kampf auf Leben und Tod gegen Kanes Henker Telemon ausfechten muss, brechen Norton, Stirling und Cally aus. Alle vier fliehen zu einer aufgegebenen Militärbasis, wobei Norton umkommt. In der Basis findet Eden ein schnelles Auto und ein Handy mit GPS-Sender, so dass sie London kontaktieren kann. Dort spitzt sich die Lage immer mehr zu, ein Erkrankter kann sogar ins Regierungszentrum vordringen. Hatcher wird angesteckt und begeht Selbstmord. Damit geht alle Macht auf Canaris über.

Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit den Menschenfressern, bei der Sol buchstäblich seinen Kopf verliert, erreichen Eden, Stirling und Cally den Evakuationspunkt. Canaris steht dort bereits mit einem Hubschrauber bereit. Eden übergibt ihm Cally, die von Stirling begleitet wird. Aus dem Blut der Immunen soll ein Impfstoff entwickelt werden. Leichtsinnigerweise offenbart Canaris seine wahren Absichten: Er will das Gegenmittel zurückhalten, bis alle Erkrankten tot sind. Eden zeichnet seine Worte heimlich auf und übermittelt sie an Polizeichef Nelson, ihren Mentor und väterlichen Freund. Der strahlt die Aufzeichnung öffentlich in London aus. Eden bleibt in Schottland zurück, denn nur hier ist sie vor Canaris sicher. Sie kehrt zum Lager der Kannibalen zurück, die sie als neuen Chef bejubeln, nachdem sie ihnen Sols Kopf vor die Füße geworfen hat...

Der Film:

Wow, was für eine Achterbahnfahrt! Und das nicht nur wegen der immer weiter ansteigenden Adrenalinausschüttung, zu der es wegen der fast pausenlosen Brachial-Action kommt, sondern auch wegen des ständigen Wechsels der unterschiedlichsten Szenarien! Offenbar hat sich da jemand sehr frei bei vielen anderen Filmen bedient. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wenigstens wurde gut geklaut! Es geht los in der "Gegenwart" mit dem Ausbruch des Virus. Hier haben Filme wie 28 Days later, I am Legend oder auch Resident Evil Apocalypse Pate gestanden. Es folgt ein Zeitsprung in ein neues Szenario: Das überbevölkerte London wirkt ein bisschen wie Los Angeles in Blade Runner. Edens Mission und ihre Auseinandersetzung mit Sol erinnern sehr stark an John Carpenters "Die Klapperschlange". Dann sind wir plötzlich im Mittelalter und denken angesichts der schottischen Landschaft, der Kostüme usw. unwillkürlich an Braveheart. Es dauert aber nicht lange, und zapp! Schon finden wir uns in einer Verfolgungsjagd mit irren Punks und abgedrehten Vehikeln nach dem Vorbild von Mad Max wieder. Den Plagiatsvorwurf würde ich dem Regisseur aber nicht machen, eher könnte man auf die Idee kommen, man habe es mit einer Hommage an die erwähnten Filme zu tun. Dazu trägt auch die Filmmusik bei, die nicht nur Metal-Klänge und einige Titel aus den Achtzigern bietet (herrlich: "Two Tribes" von Frankie goes to Hollywood während der Verfolgungsjagd), sondern auch Anklänge an Vangelis (aus dem Score von "Blade Runner") und John Carpenter. Was soll ich sagen? Die Mixtur funktioniert trotz allen Aberwitzes einfach hervorragend.

Und sehr viel mehr gibt's zu dem Film eigentlich nicht zu sagen. "Doomsday" ist ein furioses Actionspektakel mit einer zwar nicht originellen, aber überzeugenden Story, ein wenig Gesellschaftskritik (die Briten treiben ihren Sicherheitswahn auf die Spitze und machen sich damit beim Rest der Welt unmöglich) und ein bisschen Hintersinn (wie weiland die Römer, so grenzen auch die Briten sich von den wild gewordenen Schotten ab). Charakterkino mit Tiefgang ist "Doomsday" natürlich nicht, aber wer würde das in diesem Genre auch wollen? Jedenfalls machen die Darsteller ihre Sache gut, allen voran Rhona Mitra und Craig Conway. Es ist schon interessant, dass viele der besten Actionhelden der letzten Jahre in Wahrheit Heldinnen sind, nicht wahr? Rhona Mitra alias Eden Sinclair, die harte Einzelgängerin, reiht sich da problemlos ein und kann es in Punkto Coolness locker mit Snake Plissken aufnehmen. Gut, manchmal ist sie etwas zu cool, aber vielleicht ist es auch nur etwas gewöhnungsbedürftig, zynische One-Liner von einer hübschen Frau zu hören, und nicht von Kampfmaschinen wie Schwarzenegger oder Stallone. Und im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen ist sie nicht nur tough, sondern darf auch mal Gefühle zeigen. Nette Idee übrigens, die Sache mit dem künstlichen Auge, das als Spionsonde eingesetzt werden kann. Craig Conway lässt richtig die Sau raus und spielt Sol wie einen durchgeknallten Rockstar, man sieht ihm die Spielfreude richtig an. "Over-Acting" ist gar kein Ausdruck für das, was er veranstaltet!

Auch die Effekte können sich sehen lassen. Die postapokalyptische Welt wird hervorragend in Szene gesetzt, wenn man auch Abstriche bei der Darstellung der zerstörten Stadt Glasgow machen muss. Da sieht man doch manchmal recht deutlich, dass man es mit Matte-Paintings oder CGI-Kulissen zu tun hat. Ähnliche Probleme gibt es auch bei einzelnen anderen Szenen, in denen CGI zum Einsatz kommt. Das sind aber nur Kleinigkeiten, insgesamt sind Tricks, Ausstattung, Kostüme (und nicht zuletzt die Splatter-Effekte) sehr schön anzuschauen. Eine Anmerkung zur Gewaltdarstellung: Ja, es wird ein Mensch gebraten und verspeist. Es fliegen Körperteile und Köpfe durch die Gegend. Lebewesen werden von Fahrzeugen zermalmt. Ein Kaninchen explodiert. Und dergleichen mehr. Natürlich ist das alles übertrieben, müsste in der einen oder anderen Szene vielleicht auch nicht so explizit gezeigt werden. Ich will gar nicht leugnen, dass die Gewalt manchmal selbstzweckhaft wirkt. Dennoch ist "Doomsday" Lichtjahre von den heute so beliebten Torture-Porn-Machwerken entfernt. Die Gewalt wird nicht verharmlost und nicht verherrlicht, die schiere Übertreibung und die unübersehbare Selbstironie relativieren das Ganze sowieso wieder. Der Film hat einfach nur die nötige Härte; es geht nicht darum, irgendwelche sadistischen Gelüste bestimmter Zuschauergruppen zu befriedigen. Übrigens frage ich mich, warum die Bewohner Schottlands immer noch dem Kannibalismus frönen, wenn doch offensichtlich riesige Rinderherden unterwegs sind? Haben sie sich vielleicht einfach an den Geschmack gewöhnt? Oder fürchten sie sich vor Rinderwahn?

Wenn ihr zart besaitet seid, dann lasst die Finger von diesem Film. Wenn ihr "Die Klapperschlange" und "Mad Max" mögt, dann werdet ihr diesen Film lieben! Was euch erwartet, könnt ihr ja obiger Zusammenfassung entnehmen. Stellt euch aber auch auf ganz andere, viel abgedrehtere Szenen ein. Was das sein könnte? Na, zum Beispiel übergewichtige Kannibalen in Schottenröcken, die zu Cancan-Musik das Tanzbein schwingen, oder ein komplett in Latex gekleideter Masochist, der sich nichts schöneres vorstellen kann, als vor ein mit 100 Sachen auf eine Werbetafel zurasendes Auto der Marodeure geschnallt zu werden...

Die BluRay-Disc:

"Doomsday" ist in verschiedenen Schnittversionen erhältlich, allerdings werdet ihr die Ausgabe, um die es hier geht, vermutlich eher nicht im Regal stehen sehen - jedenfalls nicht in Deutschland. Es gibt zunächst die auch in Deutschland erhältliche Version, die keine Jugendfreigabe (FSK 18) erhalten hat. Die ist ca. 98 Minuten lang und stark geschnitten. Dann gibt es die gut 10 Minuten längere amerikanische Kinoversion, und schließlich noch die wiederum ca. 4 Minuten längere Unrated-Version. Die beiden letzteren Versionen sind in dieser Ausgabe enthalten, wobei die Unrated-Version auf BluRay vorliegt, die amerikanische Kinoversion aber nur auf DVD. In dem nett gestalteten und mit einem dicken Booklet ausgestatteten Mediabook befinden sich also eine BluRay-Disc und eine DVD. Warum man so vorgegangen ist, d.h. warum man nicht beide Versionen auf die BluRay gepackt hat (was technisch möglich sein sollte), ist mir schleierhaft - und zwar vor allem deshalb, weil auf beiden Discs dasselbe Bonusmaterial vorliegt?!? Die Unterschiede der einzelnen Versionen: Die FSK-18-Version wurde um zahlreiche Gewaltszenen "erleichtert". Man begreift deshalb teilweise gar nicht, was sich da überhaupt abspielt. Das gilt vor allem für die "Barbecue"-Szene in Glasgow. Diese Szenen sind in der Kinoversion enthalten. Die Unrated-Version enthält zusätzliche Handlungsszenen, d.h. der Film wird in dieser Version nicht noch "härter". Natürlich würde ich immer der längsten Schnittversion den Vorzug geben, allerdings muss man die nicht unbedingt haben, wenn man schon die Kinoversion besitzt.

Das Bonusmaterial ist wie gesagt auf beiden Discs identisch. Nimmt man die drei Featurettes (Making of, Visual Effects, "Werkzeuge der Zerstörung") zusammen, kommt man insgesamt auf eine ca. 45 Minuten lange Dokumentation, bei der es sich zwar um die übliche schnell geschnittene Mischung aus Filmausschnitten, Interviews und Behind-the-Scenes-Material handelt, die aber doch recht interessant ist. Zum Beispiel hätte ich die beiden Panzer für CGI-Objekte gehalten. Weit gefehlt! Die riesigen Dinger wurden eigens für den Film hergestellt und waren voll funktionsfähig. Auch die anderen bizarren Vehikel von Sols Leuten wurden mit viel Liebe zum Detail angefertigt, und sie werden auch ausführlich vorgestellt. Auch die Entstehung der diversen Waffen wird gezeigt, man sieht, wie die spektakulären Stunts gedreht wurden und so weiter.

J. Kreis, 21.07.2009


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