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District 9 District 9 (USA / Neuseeland, 2009)

BluRay, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- Johannesburg aus der Vogelperspektive: Satellitenaufnahmen und schematische Darstellungen der Welt von "District 9" - interaktive Karte
- Entfallene Szenen (23:28 Min.)
- Die Alien-Agenda: Protokoll eines Filmemachers (34:19 Min.)
- Metamorphose: Die Verwandlung von Wikus (9:52 Min.)
- Innovation: Schauspiel und Improvisation (12:05 Min.)
- Konzept und Design: Entstehung der Welt von "District 9" (13:18 Min.)
- Schaffung der Aliens: Visuelle Effekte (10:18 Min.)
- BD Live-Features (MovieIQ, Cinechat)

Regie:
Neill Blomkamp

Hauptdarsteller:
Sharlto Copley (Wikus van de Merwe)
David James (Colonel Koobus Venter)
Eugene Khumbanyiwa (Obesandjo)
Louis Minnaar (Piet Smit)
Vanessa Haywood (Tania van de Merwe)




Inhalt:

Der erste Kontakt zwischen Menschen und intelligenten außerirdischen Wesen verläuft anders als erwartet: Im Jahre 1982 nähert sich ein riesiges Raumschiff der Erde und kommt über Johannesburg zum Stillstand. Die Menschen warten drei Monate lang darauf, dass etwas geschieht. Abgesehen davon, dass sich ein kleines Modul oder Beiboot aus der Unterseite löst, zu Boden stürzt und spurlos verschwindet, tut sich jedoch nichts. Einsatzteams dringen deshalb in das Schiff ein. Sie finden insektoide Wesen vor - alle offensichtlich völlig apathisch und unterernährt. Man nimmt an, es handele sich um Flüchtlinge, möglicherweise eine Art Arbeiterkaste. Ohne Anführer sind sie zu keinem planvollen Handeln fähig, und ohne das verschwundene Kommandomodul scheinen sie ihr Schiff nicht steuern zu können. Über eine Million Wesen (aufgrund ihres Erscheinungsbildes bezeichnet man sie bald nur noch als "Shrimps") befinden sich in dem Schiff. Man gewährt ihnen Zuflucht in Johannesburg, interniert sie aus Sicherheitsgründen jedoch in einem Lager, das sie nicht verlassen dürfen. Es trägt den Namen "District 9" und verwandelt sich in einen Slum. Die Menschen begegnen den Shrimps bestenfalls mit Misstrauen. Die Wesen verstehen den Begriff "Eigentum" nicht und sind süchtig nach bestimmten Inhaltsstoffen, die nur in Katzenfutter vorkommen. Es kommt bald zu Übergriffen der Fremden und zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der unterprivilegierten Bevölkerung Johannesburgs. Die Menschen wollen, dass die Shrimps verschwinden - ein Bürgerkrieg droht. Nigerianische Kriminelle machen sich in District 9 breit, verkaufen den Shrimps Katzenfutter und horten deren Waffen. Menschen können diese überlegene Technologie aber nicht nutzen, denn die Waffen sind auf die außerirdische DNS programmiert. Sie funktionieren nicht, wenn sie von anderen Wesen berührt werden.

Zwanzig Jahre nach der Ankunft der Außerirdischen ist die Situation untragbar geworden. Der private Sicherheitsdienst Multinational United (MNU) - gleichzeitig einer der weltweit größten Waffenhersteller - wird von der südafrikanischen Regierung beauftragt, die inzwischen auf fast zwei Millionen angewachsene Außerirdischen-Population in ein neues, besser kontrollierbares Lager (240 Kilometer außerhalb von Johannesburg) umzusiedeln. Wikus van de Merwe, ein junger MNU-Angestellter, soll die euphemistisch als "Evakuierung" bezeichnete Aktion leiten. Er führt einen vom Militär unterstützten Konvoi ins Lager der Shrimps. Widerstand wird nicht geduldet und brutal niedergeschlagen. Gleichzeitig wird in District 9 nach außerirdischen Waffen gesucht, denn MNU würde diese Technik nur zu gern nutzbar machen. Tatsächlich wird schon seit längerer Zeit daran geforscht, wobei Außerirdische als Versuchsobjekte missbraucht werden. Bei der Durchsuchung einer Hütte stellt Wikus einen geheimnisvollen Zylinder sicher. Dabei spritzt ihm etwas von der darin enthaltenen schwarzen Flüssigkeit ins Gesicht. Von diesem Moment an geht es Wikus immer schlechter. Der Vorgang wird von einem Außerirdischen beobachtet, der den menschlichen Namen Christopher Johnson angenommen hat. Johnson, dessen kleiner Sohn und ein dritter Außerirdischer, der bei der Umsiedlungsaktion erschossen wird, haben jahrelang Artefakte ihrer eigenen Technik gesucht und die darin enthaltene schwarze Flüssigkeit gesammelt. Jetzt scheinen ihre Bemühungen durch Wikus zunichte gemacht worden zu sein.

Einige Stunden nach der Kontamination bricht Wikus zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Als dort festgestellt wird, dass sich seine DNS verändert, so dass sich sein Körper allmählich in den eines Außerirdischen verwandelt (sein linker Arm hat sich bereits völlig verändert), wird er ins MNU-Forschungszentrum verlegt. Man erzählt seiner Frau, er sei tot - in Wahrheit werden grausame Experimente mit ihm angestellt. Es zeigt sich, dass er aufgrund der Veränderung seines Erbguts in der Lage ist, die Waffen der Außerirdischen zu benutzen. Wikus soll viviseziert werden, kann sich aber befreien und fliehen. Er wird von dem skrupellosen Colonel Venter gejagt und durch MNU-Hetzpropaganda als Überträger einer außerirdischen Seuche gebrandmarkt. Da er nirgends Hilfe findet, versteckt er sich in District 9. Dort begegnet er Christopher Johnson, der bereit ist, ihm zu helfen. Unter Johnsons Hütte ist das Kommandomodul verborgen. Die Außerirdischen haben es instand gesetzt und wollen damit zum Mutterschiff zurückkehren. Zu diesem Zweck wird jedoch die schwarze Flüssigkeit benötigt, die jetzt im MNU-Forschungslabor verwahrt wird. Da Wikus nur mit den medizinischen Einrichtungen des Mutterschiffes geheilt werden kann, entwickelt er einen verzeifelten Plan. Um ins streng bewachte MNU-Labor eindringen zu können, benötigt er Waffen. Als er sich beim nigerianischen Gangsterboss Obesandjo damit eindecken will, erkennt dieser, was es mit Wikus' Arm auf sich hat. Obesandjo will das genetisch veränderte Körperteil verspeisen, um sich dessen Eigenschaften einzuverleiben. In letzter Sekunde kann sich Wikus eine der außerirdischen Waffen greifen und entkommen.

Wikus und Johnson dringen ins MNU-Labor ein. Johnson ist schockiert, als er sieht, was die Menschen dort mit seinesgleichen anstellen. Die beiden werden in heftige Kämpfe verwickelt, bringen die Flüssigkeit an sich und kehren zur Hütte zurück, wobei sie von Venters Leuten verfolgt werden. Johnson gesteht Wikus, dass er zuerst mit dem Mutterschiff zu seinem Heimatplaneten zurückfliegen will, um Hilfe für sein Volk zu holen. Als Wikus erfährt, dass es somit drei Jahre dauern würde, bevor er geheilt werden könnte, schlägt er Johnson nieder und startet das Kommandomodul selbst. Es wird jedoch abgeschossen. Venter nimmt Wikus und Johnson fest, aber Obesandjos Gang "befreit" Wikus. Während die Soldaten und die Nigerianer sich gegenseitig niedermetzeln, macht Obesandjo sich erneut über Wikus her. Derweil aktiviert Johnsons Sohn, der im Modul verblieben ist, jedoch das Mutterschiff per Fernsteuerung. Dieses setzt sich in Bewegung und strahlt ein Signal aus, durch das ein bei den Nigerianern eingelagerter robotischer Kampfanzug in Gang gesetzt wird. Die Kampfmaschine tötet alle Menschen und verschont nur den genetisch veränderten Wikus. Wikus steigt ein und eilt Johnson zu Hilfe, der von Venters Leuten gefoltert wird. Als klar wird, dass die Übermacht zu groß ist, bleibt Wikus zurück, um Johnson die Flucht zu ermöglichen. Johnson verspricht, eines Tages zurückzukehren. Während Wikus alle Soldaten bis auf Venter ausschaltet, wird das Modul durch einen Traktorstrahl emporgehoben. Das Mutterschiff verlässt nach dem Andocken des Moduls den Erdorbit.

Durch die heftigen Kämpfe wird der Kampfanzug zerstört, Wikus fällt heraus. Venter will Wikus erschießen, wird jedoch von einigen Außerirdischen zerrissen. Nach diesen Ereignissen wird die Umsiedlung der Außerirdischen abgeschlossen. Ihre Bevölkerungszahl wächst auf zweieinhalb Millionen an. Die illegalen Machenschaften der MNU werden aufgedeckt. Wikus taucht unter. Niemand kennt sein weiteres Schicksal, doch seine Frau Tania findet eines Tages eine selbstgebastelte Metallblume auf ihrer Türschwelle...

Der Film:

...und in der letzten Szene des Films sehen wir einen Außerirdischen, der genau so eine Metallblume bastelt. Das ist vermutlich Wikus, der sich vollends in einen Außerirdischen verwandelt hat. Eine ziemlich traurige Szene, denn ob eine Heilung jetzt überhaupt noch möglich wäre, falls Christopher Johnson tatsächlich zurückkehren sollte, bleibt offen.

"District 9" ist meiner Meinung nach einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre. Und das, obwohl hier ziemlich exzessiv Gebrauch von Stilmitteln gemacht wird, die ich eigentlich furchtbar finde, nämlich hektische Schnittfolgen und "Wackelkamera". Ich kann es normalerweise nicht leiden, wenn die Kamera permanent gerüttelt und geschüttelt wird, was den Eindruck von Dynamik erwecken soll. In "District 9" ist das in Ordnung, denn der Film beginnt wie eine mit der Handkamera aufgenommene Fernseh-Reportage. Man sieht aus dieser Perspektive, wie die MNU-Sicherheitskräfte den Slum durchkämmen. Die Wackelkamera vermittelt das dazu nötige "Mittendrin-Gefühl". Das Geschehen wird immer wieder durch Nachrichtenmeldungen und Interviews unterbrochen. Später beobachtet man Wikus (z.B. am Arbeitsplatz) durch Überwachungskameras. Die Ausgangssituation wird durch kurze Rückblicke verdeutlicht, d.h. die Ankunft der Außerirdischen wird nicht auf konventionelle Weise erzält. Dieser quasi-dokumentarische Stil wird mit Einschränkungen während des ganzen Films beibehalten, allerdings wird zumindest die subjektive Kamera nach Wikus' Flucht aufgegeben (er ist schließlich allein unterwegs). Von da an wird eine "normale" Erzählweise verwendet. Zum Ende hin mutiert "District 9" zum Standard-Actionfilm. Man hätte "District 9" komplett als fiktiven Dokumentarfilm aufbauen können - wäre sicher interessant gewesen, aber damit hätte man vermutlich so manchen Zuschauer vergrault. Auch so ist der Film derart realistisch, dass man die phantastischen Elemente (Aliens, Kampfroboter, Raumschiffe) wie selbstverständlich akzeptiert.

Dass man die Geschehnisse für echt halten könnte, liegt natürlich auch an den grandiosen Spezialeffekten. Man sieht den Außerirdischen nur sehr selten an, dass sie fast vollständig am Computer entstanden sind. In manchen anderen aktuellen Filmen sind CGI-Kreaturen immer noch störende Fremdkörper, man sieht nur allzu deutlich, dass es sich um nachträglich eingebaute Objekte handelt. 10.000 BC ist ein Musterbeispiel für misslungene Effekte dieser Art. Nicht so in diesem Film. Die "Shrimps" fügen sich so nahtlos in die Umgebung ein, dass man glauben könnte, sie wären schon bei den Dreharbeiten wirklich da gewesen. Selbst in Nahaufnahmen verlieren sie nicht an Glaubwürdigkeit! Dasselbe gilt übrigens für den Kampfroboter, das Mutterschiff usw. - alles sieht so echt aus, dass man nur staunen kann. All diese Dinge werden aber nicht effekthascherisch in den Vordergrund geschoben. Nein, diese Elemente gleichen selbstverständlichen Bestandteilen des Alltags. Umso überzeugender wirkt alles. Es wird übrigens nicht mit Splatter-Effekten gespart. Manche Waffen der Außerirdischen bringen die Körper ihrer Opfer nämlich zum Zerspraddeln, und das wird mehrmals deutlich gezeigt. Außerdem gehen schonmal diverse Körperteile verloren, Köpfe werden abgetrennt... ich kenne Filme, die wegen weniger expliziter Gewaltdarstellung sogar indiziert wurden.

Was den Film aus der Masse ähnlich gut produzierter Streifen heraushebt, ist die deutliche, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger präsentierte Gesellschaftskritik. In diesem Film sind die Außerirdischen keine übermächtigen Eroberer, sondern hilflose Gestrandete (warum sie zur Erde kommen, bleibt leider unklar). Es fällt nicht schwer, ihre Siedlung mit den realen südafrikanischen Townships und ihre Lebensbedingungen mit der Apartheid gleichzusetzen. Ähnliche Verbotsschilder wie im Film hat es in dieser Zeit wirklich gegeben. In Südafrika durfte man sich nur auf Parkbänke setzen oder Busse benutzen, wenn man die "richtige" Hautfarbe hatte. Ironischerweise werden die Außerirdischen vor allem von der schwarzen Bevölkerung unterdrückt und ausgebeutet. Dass sie ihre eigenen High-Tech-Waffen nicht einsetzen, um sich gegen die Menschen zu wehren, klingt zunächst unlogisch. Aber es wird ja gesagt, dass sie führungslos sind und praktisch keinerlei Initiative zeigen.

Wikus hat zu Beginn des Films genau die zynische Einstellung zu den Shrimps, der er später selbst zum Opfer fällt. Er nimmt die Außerirdischen anscheinend gar nicht als denkende und fühlende Wesen wahr und hat kein Problem damit, ein ganzes Alien-Gelege auszulöschen und sich über die ploppenden Geräusche lustig zu machen, mit denen die Jungen aus den Eiern platzen. Wenig später erfährt er am eigenen Leib, dass Konzerne und Regierungen buchstäblich über Leichen gehen. Er muss mit anhören, wie über seine "Ausschlachtung" geredet wird, als wäre er gar nicht anwesend. Man nimmt ihm seine Wandlung durchaus ab - ein Lob an den (mir bislang unbekannten) Hauptdarsteller, der seine Sache wirklich ganz hervorragend macht.

Ich kann euch diesen Film nur wärmstens empfehlen. Er ist nicht nur spannend, actionreich und mit wundervollen Spezialeffekten ausgestattet, sondern geht das altbekannte Thema des Alien-Mensch-Erstkontakts aus einem ganz neuen Blickwinkel an und bietet genug Stoff zum Nachdenken. Obwohl... ganz so neu ist die Ausgangssituation doch nicht. In Alien Nation - Spacecop LA 1991 geht's um ähnliche Themen.

Die BluRay:

Bevor das Hauptmenü erscheint, wählt man entweder das Symbol für Menschen oder das für die Außerirdischen. Je nach Auswahl sieht man in den Menüs andere Hintergrundgrafiken. Den Audiokommentar habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt. Das Bonusmaterial setzt sich ansonsten aus mehreren Featurettes mit einer Gesamtlaufzeit von knapp 80 Minuten zusammen, die insgesamt einen guten Einblick in den Produktionsprozess ermöglichen. Man erfährt zum Beispiel, dass "District 9" quasi die Weiterentwicklung des Kurzfilms "Alive in Joburg" ist, den der Regisseur im Jahre 2005 gedreht hat. Diesen Film kann man derzeit auf Youtube anschauen. Außerdem sieht man, dass sehr viel mit realen Modellen und maskenbildnerischen Effekten, also nicht ausschließlich mit CGI gearbeitet wurde, und dass viele Aktionen und Dialoge gar nicht fest vorgegeben waren, sondern improvisiert worden sind - wodurch die Dreharbeiten natürlich nicht unerheblich erschwert wurden. Peter Jackson (Produzent) und Richard Taylor (Weta Workshop) kommen übrigens in den Interviews ebenfalls zu Wort.

Hinzu kommen 22 nicht verwendete Szenen, bei denen es sich hauptsächlich um zusätzliche oder erweiterte "Dokumentarfilm"-Schnipsel aus dem ersten Drittel des Films handelt. Sie zeigen mehr Details aus dem Zusammenleben von Menschen und Aliens im Lager. Teilweise sieht man bei diesen Szenen keine fertig modellierten CGI-Aliens, sondern das menschliche Motion-Capturing-Modell: Einen Mann im grauen Anzug und auf Stelzen.

Die interaktive Karte ist auch nicht schlecht: Auf Stellitenbildern von Johannesburg kann man verschiedene Bereiche anklicken, zu denen dann Text- und Bildinformationen eingeblendet werden. Das sind nicht nur Orte wie das Alien-Mutterschiff, die MNU-Zentrale oder Christopher Johnsons Hütte, sondern auch Modelle und Konzeptzeichnungen von Aliens, Waffen und anderen Objekten.


J. Kreis, 14.04.2010


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