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Dirty Harry Dirty Harry - Special Edition (USA, 1971)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras
Audiokommentar von Richard Schickel, "Dirty Harry: Das Original", "Die Dirty-Harry-Methode", Interviews, "Der lange Schatten von Dirty Harry", "Clint Eastwood: Der Mann aus Malpaso", Trailer, Dirty Harrys Dienstausweis mit Polizeimarke aus Metall im Kunstledermäppchen

Regie:
Don Siegel

Hauptdarsteller:
Clint Eastwood (Inspector Harry Callahan)
Reni Santoni (Inspector Chico Gonzalez)
Andry Robinson (Scorpio)




Inhalt:

Harry Callahan ist Inspector bei der Mordkommission von San Francisco. Man nennt ihn "Dirty Harry", und das nicht nur deshalb, weil er immer dran ist, wenn irgend eine Drecksarbeit zu erledigen ist, sondern auch wegen seines eher lässigen Umgangs mit Dienstvorschriften und seiner niedrigen Hemmschwelle bei Gewaltanwendung. Callahan wird mit der Jagd nach einem Killer beauftragt, der sich "Scorpio" nennt und die Stadt nach seinem ersten Mord mit der Drohung erpresst, er werde jeden Tag eine beliebige Person töten. Die nächste Tat Scorpios wird jedoch vereitelt. Da bekannt ist, dass er per Scharfschützengewehr von Hochhausdächern aus zuschlägt, werden Hubschrauber zur Überwachung eingesetzt. Scorpio wird aufgespürt, bevor er zum Schuss kommt. Er kann entkommen, muss seine Pläne jedoch ändern. Den Ankündigungen in Scorpios Drohbrief zufolge müsste das nächste Opfer ein katholischer Priester sein. Die Polizei lässt deshalb alle Kirchen bis auf eine offen überwachen, und erwartungsgemäß schluckt Scorpio den Köder. Callahan legt sich selbst auf die Lauer, aber auch er kann den Killer nicht schnappen.

Jetzt entführt Scorpio eine junge Frau, die er in einem Erdloch versteckt. Er fordert 200.000 Dollar für die Bekanntgabe des Verstecks. Callahan fungiert als Überbringer und wird durch die ganze Stadt gehetzt. Die Zeit drängt, denn das Mädchen wird in wenigen Stunden keine Atemluft mehr haben. Scorpio schlägt Callahan am Treffpunkt nieder und will ihn ermorden. In letzter Minute greift Callahans neuer Partner Chico Gonzalez ein, wird aber von Scorpio angeschossen. Callahan verletzt Scorpio mit einem Messer, kann den Flüchtenden aber nicht verfolgen. Als er wieder einigermaßen auf dem Damm ist (Chico muss das Bett hüten), geht Callahan einer neuen Spur nach. Der Killer ist leichtsinnigerweise in ein Krankenhaus gehumpelt, in dem man ihn kennt. So kann Dirty Harry ihn aufspüren und das Versteck der Entführten aus ihm herausprügeln, aber das Mädchen ist in Wahrheit schon längst tot. Zwar ist der Killer nun im Gefängnis, aber dort bleibt er nicht lange, denn Callahan ist ohne Durchsuchungsbeschluss oder Haftbefehl bei ihm aufgetaucht. Natürlich waren auch Callahans "Verhörmethoden" nicht rechtens. Somit sind alle gefundenen Beweise und auch Scorpios Geständnis wertlos. Dem Staatsanwalt bleibt keine Wahl, als ihn auf freien Fuß zu setzen.

Callahan heftet sich nun mehrere Tage lang auf Scorpios Fersen. Um den lästigen Spürhund loszuwerden, lässt Scorpio sich von einem Kumpan zusammenschlagen und behauptet vor der Presse, Callahan habe das getan. Der Polizeichef verbietet Callahan, dem Killer weiter zu folgen. Der entführt prompt einen ganzen Schulbus, denn er will endlich seine 200.000 Dollar haben. Nun handelt Callahan auf eigene Faust. Von einer Brücke aus springt er aufs Busdach und hetzt Scorpio anschließend durch einen Steinbruch. Dort schnappt der Killer sich eine neue Geisel, aber er hat nicht mit Callahans Schießkünsten gerechnet und erhält einen Schultertreffer, so dass er die Geisel loslassen muss. Danach ist er so leichtsinnig, nach seiner eigenen heruntergefallenen Pistole zu greifen. Callahan erschießt Scorpio, der in einen Teich fällt. Seine Dienstmarke wirft er ihm gleich hinterher.

Der Film:

Die Botschaft dieses Films spricht für sich selbst: Selbstjustiz, die durch einen Polizisten verübt wird, der von den in seinen Augen zu laschen Gesetzen angewidert ist - was von seinen Vorgesetzten toleriert wird, weil man Killer am besten von Killern jagen lässt... Tja. In einer Zeit, in der die Rechte der Täter im Gegensatz zu jenen der Opfer nach Meinung vieler Menschen zu sehr in den Vordergrund gerückt wurden, war das wohl ziemlich brisanter Zündstoff. Man muss aber zugeben, dass Callahans Brutalität nicht bzw. nicht immer nur positiv dargestellt wird. Wenn er Scorpio foltert, wechselt die Perspektive: Aus dem Täter wird das Opfer und umgekehrt. Callahan behauptet, selbst nicht zu wissen, warum er es nicht wie Chico macht und dem Polizeidienst (den er doch angeblich verabscheut) den Rücken kehrt. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, wie die Antwort lautet. Ist Callahan Polizist, weil er den Menschen helfen will, wobei er manchmal unlautere Mittel anwendet - oder ist er ein Cop, weil er nur im Dienst ungestraft seinen Jagdtrieb ausleben kann? Der Film legt sich da nicht fest. Immerhin: Der Erfolg gibt Dirty Harry Recht, aber er selbst macht eine Wandlung durch und quittiert den Dienst auf seine Weise.

Vielleicht sollte man den Film unabhängig von solchen inhaltlichen Fragen betrachten. "Dirty Harry" ist ein geradliniger, schnörkelloser Thriller mit der nötigen Härte und dem nötigen Realismus. Die realistische Atmosphäre wird nicht zuletzt dadurch erzielt, dass nur an Originalschauplätzen in San Francisco gedreht wurde. Natürlich muss man dabei das Alter des Films berücksichtigen: Aus heutiger Sicht wirkt die Stadt fast schon provinziell, die Action hat den damaligen Standard und kann mit den akrobatischen Kampfsport-Szenen und Zerstörungsorgien aktueller Filme nicht mithalten. Muss sie aber auch nicht, denn weniger ist manchmal mehr. Es ist allerdings schon erstaunlich, wie sich die eigenen Sehgewohnheiten ändern: Auf mich wirken die Actionszenen doch sehr altmodisch. Egal: Der Film ist einfach spannend, und was will man von einem Thriller mehr erwarten!

"Dirty Harry" ist zwar möglicherweise nicht der erste Film mit einem zynischen, desillusionierten Einzelgänger als Helden, aber er war sicher Vorbild für zahlreiche spätere Filme. Callahan wirkt mindestens ebenso cool wie Shaft, John McClane oder der Terminator. Clint Eastwood spielt diese Paraderolle, die ihm seit eh und je auf den Leib geschneidert ist, einmal mehr mit Bravour. Sein Charisma hat die Figur des Dirty Harry zu einer Filmikone gemacht. Andy Robinson ist ebenso beeindruckend als durchgedrehter, sadistischer Serienmörder. Da es in diesem Film praktisch nur um das Duell zwischen diesen beiden Männern geht, die grundverschieden und einander doch ähnlich sind, macht es nichts aus, dass alle anderen Schauspieler wie unwichtige Randfiguren wirken.

Die DVD:

Leider ist der deutsche Ton weitaus schlechter als die englische Tonspur. Manche Szenen sind recht stark verrauscht. Das ist ärgerlich und hätte bei solch einem Filmklassiker nun wirklich nicht sein müssen. Digitale Tonbearbeitung dürfte doch heutzutage kein Hexenwerk mehr sein?

Die DVD-Hülle der Special Edition steckt in einer Pappschachtel, die noch ein kleines Gimmick enthält: Dirty Harrys Dienstausweis (laminiert) und seine metallene Dienstmarke in einem Kunstlederetui. Abgesehen von dieser eher sinnfreien Beigabe ist aber auch einiges an interessantem Bonusmaterial enthalten. Das fängt schon mit dem sehr aufschlussreichen Audiokommentar an, der von einem Biografen Clint Eastwoods stammt. In "Dirty Harry: Das Original" (ca. 30 Minuten) und den Interviews (insg. ca. 27 Minuten) tun verschiedene Schauspieler, Regisseure usw. ihre Meinung über den Film und den Hauptdarsteller, ihre eigenen Rollen sowie die Arbeit mit Clint Eastwood und ähnliche Themen kund. Hinzu kommen Ausschnitte aus verschiedenen Dirty Harry - Filmen. Hier kommen unter anderem Clint Eastwood selbst sowie Arnold Schwarzenegger, John Milius, Robert Urich und Andy Robinson zu Wort. Diese beiden Beiträge stammen aus dem Jahre 2001.

In "Der lange Schatten von Dirty Harry" (aus 2008, Laufzeit ca. 25 Minuten) geht es hauptsächlich um den Einfluss, den der Film gehabt hat, die Epigonen, die er hervorgerufen hat, die Figur des Dirty Harry und seinen zeitgenössischen Hintergrund, die deutlichen Parallelen zwischen Cop-Film und Western, sowie die typischen Zutaten für einen Dirty Harry - Film: Markante Sprüche und übergroße Schusswaffen. "Die Dirty-Harry-Methode" stammt aus der Entstehungszeit des Films, ist ca. 7 Minuten lang und diente wohl der Ankündigung vor der Kinopremiere. Mit ca. 58 am längsten ist der Beitrag "Clint Eastwood: Der Mann aus Malpaso", in dem Eastwoods Lebensgeschichte skizziert wird. Vor allem werden natürlich seine wichtigsten Filme vorgestellt. Dieser Beitrag wurde 1993 vermutlich aus Anlass des Films "Erbarmungslos" produziert.

J. Kreis, 23.07.2008


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