Zurück zu den Filmen

Deadgirl Deadgirl (USA, 2008)

DVD Regionalcode 2, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: SPIO/JK - strafrechtlich unbedenklich
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras
- Making of
- Trailer

Regie:
Marcel Sarmiento, Gadi Harel

Hauptdarsteller:
Shiloh Fernandez (Rickie)
Noah Segan (J.T.)
Eric Podnar (Wheeler)
Jenny Spain (Deadgirl)
Candice Accola (JoAnn)
Andrew DiPalma (Johnny)
Nolan Gerard Funk (Dwyer)




Inhalt:

Der siebzehnjährige Rickie gehört an seiner Highschool zur Unterschicht und vergöttert seit Kindertagen die schöne JoAnn. Die allerdings ist mit dem elitären Johnny zusammen und unerreichbar für Rickie. Rickie und sein bester Freund J.T. treiben sich beim Schuleschwänzen gern in einer verlassenen Nervenheilanstalt herum. Dort entdecken sie eines Tages einen Kellerraum, den offensichtlich seit Jahren niemand betreten hat. Sie brechen die zugerostete, verbarrikadierte Tür auf und trauen ihren Augen nicht: Auf einer Bahre liegt eine nackte junge Frau unter einer Plastikplane. Sie ist an Händen und Füßen angekettet und wirkt zwar wie tot, reagiert aber träge, als sie berührt wird. Sie spricht jedoch kein Wort. Rickie will die Frau befreien, aber J.T. meint, man könne sie ebensogut "behalten". Davon will Rickie nichts wissen. Er läuft davon, ruft aber nicht die Polizei. Am nächsten Tag überredet J.T. seinen Freund, noch einmal mit in den Kellerraum zu kommen, da er ihm etwas zeigen müsse. Er hat versucht, sich an der Frau zu vergehen. Als sie ihn beißen wollte, hat er sie, wie er glaubt, getötet. Sie ist jedoch immer noch irgendwie lebendig, und dabei bleibt es selbst dann, als J.T. ihr dreimal in den Bauch schießt. Rickie ist entsetzt, aber J.T. betrachtet die Situation aus praktischen Gesichtspunkten: Jetzt hat er seine eigene untote Sexsklavin, nach der niemand jemals suchen wird. Rickie lässt seinen Freund weiterhin gewähren, rührt die Frau aber nicht an, obwohl er selbst eine wachsende Faszination verspürt.

Die Sache bleibt allerdings nicht lange geheim. J.T. weiht seinen Kumpel Wheeler ein, der sich alsbald ebenfalls über die Untote hermacht. J.T. selbst verbringt praktisch seine gesamte Zeit mit ihr. Ein einziges Mal versucht Rickie vergeblich, die Frau zu befreien. Er wird dabei von J.T. und Wheeler gestört. Die Situation eskaliert, als Rickie JoAnne endlich anspricht. Sie gibt ihm zwar einen Korb, aber ihr Freund Johnny gibt sich damit nicht zufrieden. Er und sein Freund Dwyer schlagen Rickie und Wheeler zusammen. Wheeler gibt daraufhin mit der Untoten an, und natürlich wollen sich Johnny und Dwyer davon überzeugen, ob er die Wahrheit gesagt hat. Rickie will sich an Johnny rächen und bringt ihn dazu, Oralsex mit der bissigen Frau zu haben. Im letzten Moment will er Johnny zwar doch noch davon abhalten, aber es ist zu spät: Die Untote beißt zu. Johnny zerschlägt vor Zorn ihr Gesicht. Schon am nächsten Tag beginnt er von innen heraus zu verwesen. Auch Dwyer wird von der Untoten gebissen, als er die Frau ins Krankenhaus bringen will, um anschließend die Polizei zu informieren.

Was auch immer den Zustand der Frau verursacht hat - es kann durch Bisse übertragen werden. Soviel haben J.T. und Wheeler begriffen. Sie wollen sich diesen Umstand zunutze machen, um neue Sklavinnen zu erschaffen. Denn die Untote sieht nach allem, was ihre Peiniger in letzter Zeit mit ihr angestellt haben, nicht mehr gut aus. Das erste potentielle Opfer weiß sich jedoch schlagkräftig zu wehren und entkommt. Da läuft ihnen ausgerechnet JoAnn in die Hände. Rickie kommt hinzu, als JoAnn "verwandelt" werden soll. Er hackt Wheeler die Hand ab. Die Untote kann sich befreien. Sie fällt Wheeler und J.T. an, stößt Rickie zu Boden und läuft davon. JoAnn wurde von J.T. niedergestochen und liegt im Sterben. Als Rickie ihr versichert, dass er sie liebt und ihr helfen will, meint sie nur, er solle erwachsen werden. J.T., der die beginnende Verwandlung bereits spüren kann, hat Rickie ein Angebot zu machen. Er könnte die Sterbende beißen. Und so liegt bald ein neues angekettetes Deadgirl im Keller...

Der Film:

Ich habe ja schon einige Zombiefilme gesehen, aber dieser hier ist denn doch nochmal ein bisschen anders! Dabei ist dies eigentlich gar kein Zombiefilm. Zumindest wird das Wort "Zombie" kein einziges Mal ausgesprochen. Im Grunde könnte man "Deadgirl" eher als Jugenddrama, quasi als Film über's Erwachsenwerden, mit Horror-Elementen bezeichnen. Und natürlich als äußerst zynischen Kommentar auf das Frauenbild in der (männlichen) Gesellschaft. Die Tote ist für J.T. nur ein Stück Fleisch zur Triebbefriedigung, und wenn die von der Natur dafür vorgesehene Körperöffnung aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands nicht mehr so gut verwendbar ist, dann gibt es ja noch die Einschusslöcher. J.T., der Underdog, hat endlich etwas gefunden, das er kontrollieren und beherrschen kann. Daher verlässt er den Kellerraum gar nicht mehr und etwickelt krude Machtphantasien. Selbst die Hauptfigur Rickie, der eher sensible Bedenkenträger, der sich nicht am Missbrauch der Untoten beteiligt, ist am Ende mit einer stummen, hilflosen Quasi-Puppe zufrieden. Wenn er das lebendige "Original" nicht haben kann, reduziert er es eben auf ein totes Objekt, mit der er tun und lassen kann, was er will. Das, so bemerkt J.T. treffenderweise, ist das Beste, was seinesgleichen vom Leben erwarten dürfen...

Bei alldem wird eine gewisse Grenze nicht überschritten. Man sollte nach obiger Handlungszusammenfassung nicht erwarten, pausenlos entsprechend explizite Szenen zu sehen zu bekommen. Darauf ist der Film nicht ausgelegt. Obwohl die Tote einiges über sich ergehen lassen muss, und obwohl ziemlich viel Blut fließt, werden keine Geschmacklosigkeiten ausgewalzt. Stattdessen lebt der Film eher von der morbiden Atmosphäre, von Andeutungen und dem, was sich im Kopf des Zuschauers abspielt. Es wird keineswegs alles gezeigt, vieles bleibt buchstäblich im Dunklen. Die vergleichsweise wenigen Gore-Szenen sind so kurz, dass man ohnehin kaum etwas sieht. So werden Sex und Gewalt nicht zum Selbstzweck. "Deadgirl" ist also keineswegs mit Torture-Porn-Machwerken und dergleichen zu vergleichen. Starker Tobak ist der Film natürlich dennoch, aber auf einer subtileren Ebene.

Viel mehr Wert wird auf die Charakterisierung Rickies, die Darstellung seines Umfelds und den langsam eskalierenden Konflikt mit J.T. gelegt. Das ist gut gelungen, die Hauptdarsteller liefern überzeugende Leistungen ab - wenn mich auch die Teenie-Sprache nicht unerheblich nervt. Gefühlt kommt in jedem Satz mindestens einmal das Wort "Alter" vor. Selbst die mir bislang völlig unbekannt gewesenen Jenny Spain macht ihre Sache gut; sie spielt die Untote absolut glaubwürdig. Eine Frage wird nicht beantwortet: Woher kommt die Unbekannte? Ist sie wirklich untot, oder leidet sie einfach an einer besonders bizarren Krankheit? Ein stumpfsinniger Zombie ist sie jedenfalls nicht. Sie reagiert nicht ausschließlich aggressiv, nimmt Blickkontakt auf und scheint Unterschiede zu machen - am Ende fällt sie nur über diejenigen her, die sie gequält haben. Rickie wird verschont.

Die DVD:

Auf der DVD-Hülle steht, es sei ein Audiokommentar vorhanden. Einen solchen konnte ich aber nicht finden. Eine ca. 7 Minuten lange Zusammenstellung von Filmausschnitten, ganz kurzen Blicken auf die Dreharbeiten und Interviewschnipseln, in denen die Handlung vorgestellt wird, als "Making of" zu bezeichnen, ist schon fast eine Frechheit. Leider ist auch das Bild nicht so gut, wie man es bei einem Film bräuchte, in dem so oft Dunkelheit herrscht wie hier. Die Grobkörnigkeit passt zwar irgendwie, aber ständig fallen störende Artefakte auf, wenn es sehr dunkel wird.



Deadgirl

Vorsicht, die Dame ist bissig!


J. Kreis, 11.05.2010


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang