Daybreakers


Daybreakers (Australien/USA, 2009)

BluRay, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras
- Audiokommentar der Regisseure
- Storyboard-Version von "Daybreakers"
- Trailer

Regie:
Michael und Peter Spierig

Hauptdarsteller:
Ethan Hawke (Edward Dalton)
Claudia Karvan (Audrey Bennett)
Willem Dafoe (Lionel Cormac - "Elvis")
Sam Neill (Charles Bromley)
Michael Dorman (Frankie Dalton)
Isabel Lucas (Alison Bromley)
Vince Colosimo (Christopher Caruso)




Inhalt:

Im Jahre 2019 besteht fast die gesamte Weltbevölkerung aus Vampiren. Vor über zehn Jahren wurde ein Mensch von einer Fledermaus infiziert, und seitdem hat sich der Vampirismus schnell ausgebreitet - zumal viele Menschen die Vampirwerdung nicht als Krankheit betrachten, sondern als Rettung. Allerdings müssen sie in Kauf nehmen, nur noch in der Nacht aktiv sein zu können, denn Sonnenlicht ist für sie ebenso tödlich wie ein Holzpflock im Herzen. Andere, selbst schwere Verletzungen sind für Vampire jedoch kein Problem mehr. Sie altern nicht, werden nicht krank und müssen keine Angst mehr vor dem Tod haben. Ihr einziges Nahrungsmittel ist Blut, und das wird allmählich knapp, denn "normale" Menschen sind mittlerweile Mangelware. Inzwischen geht praktisch kein Vampir mehr selbst auf Menschenjagd. Man nimmt das Blut gesittet im Kaffee oder als Drink on the Rocks zu sich. Die letzten Menschen sind dennoch ständig auf der Flucht. Sie müssen sich vor dem bis an die Zähne bewaffneten Vampir-Militär verstecken, das mit Betäubungsgewehren Jagd auf sie macht. Die Gefangenen werden bis zur Bewusstlosigkeit sediert und in so genannten Blutfarmen gehalten, wo ihnen der Lebenssaft abgezapft wird, bis sie nach einigen Jahren so ausgemergelt sind, dass sie sterben. Das geschieht schneller, als Nachschub beschafft werden kann, und so kommt es zu Engpässen in der Blutversorgung. Der Blutdurst macht die Vampire nicht nur extrem aggressiv, sondern führt auch zu körperlichen Veränderungen. Die Hungernden verwandeln sich in monströse, fledermausartige Kreaturen, deren Hirnfunktionen sich zurückbilden, bis sie auf ihre Instinkte reduziert sind. Diese "Subsiders" schrecken nicht davor zurück, über Vampire herzufallen oder sich selbst auszusaugen. Der Genuss von Vampirblut beschleunigt die Degeneration nur noch mehr.

Der erfolgreiche Geschäftsmann Charles Bromley, dessen Tochter sich gegen die Unsterblichkeit entschieden hat und untergetaucht ist, hat als Vampir sein Krebsleiden überwunden und ist zum Haupt-Blutlieferanten der USA geworden. In seinen Labors arbeiten die Vampir-Hämatologen Edward Dalton und Christopher Caruso an der Entwicklung eines Blutersatzes. Alle bisherigen Experimente sind jedoch katastrophal gescheitert. Dalton wurde von seinem zum Militär gehörenden Bruder Frankie zum Vampir gemacht, lehnt diese Existenz aber ab und trinkt kein Blut, da er die Menschen bemitleidet. Eines Nachts, als er erste Subsider-Veränderungen an sich feststellt, begegnet er bei einem Unfall einigen von Audrey Bennett angeführten Menschen. Er hilft ihnen und gewinnt somit Audreys Vertrauen. Sie gehört zu einer Gruppe, die andere Menschen vor den Blutsaugern versteckt und gleichzeitig nach Verbündeten unter den Vampiren sucht. Audrey bringt Dalton mit dem ehemaligen Vampir "Elvis" zusammen. Nachdem sie Frankie und andere Soldaten abgehängt haben, die Dalton heimlich gefolgt sind, berichtet Elvis, dass er wieder zum Menschen geworden ist, als er für kurze Zeit der Sonne ausgesetzt war und dann ins Wasser gefallen ist. Die beiden nehmen Dalton mit ins Versteck ihrer Gruppe. Unterwegs spendet Audrey ihm etwas Blut, damit seine Degeneration nicht weiter voranschreitet. Es gelingt Dalton zwar, den Heilungsprozess an sich selbst zu wiederholen, aber das Versteck fliegt auf. Alle Menschen bis auf Dalton, Elvis und Audrey fallen den Vampiren in die Hände, darunter auch Bromleys Tochter Alison.

Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Subsider-Plage wird immer schlimmer. Die öffentliche Ordnung droht zusammenzubrechen. Bromley lässt Alison von Frankie zum Vampir machen. Sie verabscheut sich selbst und ihren Vater, trinkt ihr eigenes Blut und wird zum Subsider. Als Frankie mit ansieht, wie Alison und zahlreiche andere Subsider vernichtet werden, indem man sie dem Sonnenlicht aussetzt, verändert sich etwas in ihm. Er hilft seinem Bruder und Elvis, als diese von Caruso verraten werden, den sie um Hilfe bei der Verbreitung der Heilmöglichkeit bitten wollten. Audrey wird betäubt und gefangen genommen. Als Frankie seinen Blutdurst nicht bezähmen kann und Elvis beißt, findet er dadurch unerwarteterweise eine viel besseres Heilmittel als die äußerst schmerzhafte Beinahe-Verbrennung: Das Blut eines geheilten Vampirs macht jeden anderen Vampir wieder zum Menschen. Dalton geht freiwillig zu Bromley. Er tut so, als wolle er reumütig in den Schoß der Vampirgesellschaft zurückkehren. Doch Bromley benötigt Dalton nicht mehr, denn Caruso hat inzwischen einen funktionierenden Blutersatz erfunden. Es gelingt Dalton, Bromley so zu provozieren, dass er ihn doch noch beißt. Dann befreit er Audrey. Sobald sich Bromley verwandelt hat, wird er den ausgehungerten Vampir-Soldaten zum Fraß vorgeworfen. Frankie opfert sich, um seinen Bruder zu retten. Einige Soldaten verwandeln sich ebenfalls, so dass ein grauenhaftes Gemetzel entsteht. Caruso, der die letzten überlebenden Soldaten tötet und Dalton erschießen wollte, um alle Beweise für das Heilmittel zu beseitigen, wird von Elvis vernichtet.

Der Film:

Kurze Anmerkung vorab: Ich kenne nur einen weiteren Film der Spierig-Zwillinge: Die wirre Zombie-Komödie Undead. Dieser Film aus 2003 wurde unlängst unter dem Titel "Nightbreakers - The Undead" neu veröffentlicht... Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Der Vampir-Mythos hat einige ganz unterschiedliche Neu-Interpretationen durchgemacht. Natürlich gibt es immer noch Versionen mit den altbekannten Versatzstücken und klassischem Mystizismus (Bram Stokers Dracula). Spätestens seit den drei Blade- und den beiden ersten Underworld-Filmen sind jedoch Action-Blockbuster in Mode gekommen, die in der Gegenwart spielen und bei denen Kampfszenen sowie coole Outfits im Vordergrund stehen. Die "Twilight"-Verfilmungen lasse ich mal außen vor, denn ich habe noch keinen Film dieser Reihe gesehen, vermute aber, dass es eigentlich keine Vampirfilme sind, sondern Liebesfilme mit spitzen... Zähnen. Die modernen Vampire in den genannten Filmen sind weder eklige Schattenkreaturen, vor denen jeder schreiend davonläuft, noch diabolische Verführer mit Smoking, Cape und renovierungsbedürftigen Unterkünften. Sie sind ganz gut in die menschliche Gesellschaft integriert, führen Wirtschaftsunternehmen oder kontrollieren das organisierte Verbrechen. Sogar Vampire, die gute Katholiken bleiben wollen, hat man schon gesehen (in Durst). Sie bleiben aber lieber unter sich und scheuen nicht nur das Licht des Tages, sondern auch das der Öffentlichkeit. Und immer sind sie in der Minderheit. Was wäre, wenn es nicht dabei bliebe? Das Ergebnis sehen wir in diesem Film. So in etwa könnte man sich übrigens die Welt vorstellen, die die Vampire in Richard Mathesons Ich bin Legende gerade erst aufzubauen beginnen.

Diese Welt muss natürlich ganz auf die Bedürfnisse von Wesen zugeschnitten sein, die kein Tageslicht vertragen, nur menschliches Blut zu sich nehmen, nicht altern und nicht sterben. Und so bekommen wir einen des Nachts im kalten Neonlicht erstrahlenden Stadtmoloch zu sehen, in dem gut gekleidete, aber sehr blasse Herrschaften ihren ganz alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, zwischendurch einen Blutkaffe-to-go schlürfen und sich angewidert vom schmutzigen Bettler abwenden, der sich kein Blut leisten kann und schon fast zum Subsider geworden ist. Wenn man sich tagsüber fortbewegen muss, dann nutzt man rundum verschlossene Rampen, die von Gebäude zu Gebäude führen, ein unterirdisches Tunnelsystem oder Autos mit schwarzen Scheiben, in denen Videokameras und Flachbildschirme für den nötigen Durchblick sorgen. Die bedauernswerten Menschen müssen sich entweder auf dem Lande verstecken oder werden wie Vieh am Haken in Blutfarmen aufgehängt und ausgebeutet, womit man richtig gut Geld verdienen kann. Abgesehen von diesen Besonderheiten führen die Vampire einfach ihr früheres Leben weiter. Alles läuft ganz ruhig, zivilisiert und klinisch rein ab. Damit ist es schnell vorbei, sobald die Blutfarmen im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben und die Vampirmägen leer sind. Dann bricht ein bizarrer Bürgerkrieg aus, nackte Gewalt herrscht und lästig gewordene Untermenschen - pardon! - Subsider werden endgültig entsorgt. Wow, was für ein dystopisches und sogar etwas doppelbödiges Zukunftsszenario! Sowohl mit diesen pfiffig ausgearbeiteten Ideen als auch mit dem Look des Films kann man vollauf zufrieden sein. Man gebe mir eine stets im Dunkeln liegende Großstadt, die gut in einen Film Noir passen würde, und schon bin ich zufrieden. Am Schluss werden sogar einge sehr derbe, richtig gut gemachte Fress- und Metzelszenen geboten. Ich kann mich immer wieder nur wundern. Zu meiner Zeit (also in den Achtzigern) wäre solch ein Film vielleicht sogar indiziert worden, heutzutage ist sowas frei ab 16...

Die Spierig-Brothers haben sich definitiv weiterentwickelt. Anders als "Undead" wartet "Daybreakers" mit einer zwar nicht gerade überwältigenden, aber doch okayen Story auf. Und die Schauspieler nerven nicht, ganz anders als die in "Undead". Sie leisten nur auch nicht besonders viel. Jedenfalls lässt Ethan Hawke keine Spur der inneren Zerrissenheit erkennen, von der Dalton eigentlich gequält werden müsste und die der Schauspieler uns zeigen sollte, wenn wir verstehen sollen, warum sich der Vampir auf die Seite der Menschen stellt. Claudia Karvan ist wenigstens nett anzuschauen; diesen Vorzug hat Willem Dafoe nicht. Er muss stattdessen die unvermeidlichen trockenen Oneliner absondern. Dummerweise zünden die nur selten. Sam Neill liefert dagegen als Bösewicht eine überzeugende Vorstellung ab. Typisch Vater: Er kann seiner Tochter nicht den geringsten Freiraum lassen, ist sich aber zu fein dafür, sie mit Gewalt auf seine Seite zu ziehen. Als sie danach immer noch nicht mitspielt, wird sie abserviert.

Ein paar Logik-Bugs scheinen sich eingeschlichen zu haben, aber mit dem Chaos von "Undead" ist das zum Glück nicht zu vergleichen. Zum Beispiel frage ich mich, warum Elvis' Herz nicht schlägt. Schließlich wurde er doch zum Menschen, weil sein Herzschlag durch die Sonne wieder "angekurbelt" wurde (jedenfalls habe ich das so verstanden), und bei Dalton beginnt das Herz denn ja prompt zu schlagen, als die Prozedur funktioniert.

Egal. "Daybreakers" ist ein unterhaltsamer Film mit origineller Idee, tollem Look, etwas Gesellschaftskritik und einem überraschend hohen Gore-Gehalt. Was will man mehr?

BluRay-Features:

Den Audiokommentar habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt und in die Storyboard-Version habe ich nur kurz reingeguckt. Aktiviert man dieses Feature, dann sieht man den gesamten Film mit im Bild eingeblendeten Animatronics- und Storyboard-Versionen der jeweiligen Szenen. Nette Idee.


J. Kreis, 04.09.2010



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simon (11.05.2014):

hi, gestern haben sie den Film auf Pro7 gespielt und ich hab jetzt danach gegoogelt weil mir auch nicht einleuchten wollte wieso Elvis sagt, sein Herz schlägt nicht! Obwohl es ja dann bei Dalton laut dem EKG wieder zu schlagen beginnt. Es wäre ja auch von der Handlung her logisch wenn durch die Heilung das Herz wieder zu schlagen beginnt. Also dass hat mir den Film schon ziemlich verdorben, obwohl er so eigentlich recht gut gemacht ist.
lg



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