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Dante 01 Dante 01 (F, 2008)

DVD - Regionalcode 2, Kinowelt Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 82 Minuten

Extras
Making of, Trailer, Fotogalerie, Biografie Marc Caro (Texttafeln)

Regie:
Marc Caro

Hauptdarsteller:
Lambert Wilson (Saint Georges)
Linh Dan Pham (Elisa B)
Simona Maicanescu (Persephone)
Gérald Laroche (Charon)
Dominique Pinon (Cesar)
Yann Collette (Attila)
François Levantal (Lazarus)




Inhalt:

Auf der Raumstation Dante 01, die einen unbewohnbaren Vulkanplaneten umkreist, werden die sieben gefährlichsten Psychopathen der Menschheit gefangen gehalten und als Versuchskaninchen für neue Behandlungsmethoden missbraucht. Die Gefangenen werden permanent beobachtet und können jederzeit durch Betäubungsgas ruhig gestellt werden. Ihre Quartiere sind streng von den Unterkünften des aus Ärzten und Wächtern bestehenden Personals getrennt. Eines Tages trifft die Psychogenetikerin Elisa ein. Mit an Bord ihres Shuttles ist ein namenloser, stummer Mann, der angeblich als einziger Überlebender in einem im All treibenden Raumschiff gefunden worden ist. Der Unbekannte soll isoliert werden und wird deshalb zu den Häftlingen gesteckt, die ihm den Namen "Saint Georges" geben, da er eine Tätowierung trägt, die diesen legendären Drachentöter darstellt. Elisa wurde von den Eignern der Station ermächtigt, das Kommando zu übernehmen, und genau das macht sie schließlich auch. Sie räumt damit den von ihrer Kollegin Persephone ausgehenden Widerstand gegen ihre skrupellosen Forschungen aus dem Weg. Nun kann Elisa einigen Gefangenen ungehindert Nanomaschinen injizieren, die ihren Gencode verändern sollen. Elisa glaubt, die Verbrecher auf diese Weise zu "normalen Menschen" machen zu können.

Allerdings ist dieses neue Verfahren noch nicht ausgereift und würde nur zum Tod der Testpersonen führen (allerdings sind derartige Verluste einkalkuliert), wenn da nicht Saint Georges wäre. Dieser taumelt zwar meist nur orientierungslos umher, doch er greift immer dann ein, wenn jemand verletzt wird oder erkrankt. Auf diese Weise rettet er einigen Gefangenen das Leben und gewinnt deren Vertrauen. Damit kommt er aber dem Häftling Cesar in die Quere, der sich zum Oberhaupt der bizarren Gemeinschaft aufgeschwungen hat und seine Führungsposition durch den Neuen bedroht sieht. Zwei seiner Leute sollen Saint Georges töten, aber der überlebt sogar ein Dutzend Messerstiche. Derweil manipuliert Attila, ein weiterer Häftling, die Computersysteme der Station. Charon, der Stationskommandant, hatte ihm leichtsinnigerweise den Zugang zum Netzwerk gestattet. Attila sollte als Spitzel fungieren und unter anderem Daten über Elisa sammeln. Der Wahnsinnige hat jedoch andere Pläne. Er zündet die Manövrierdüsen der Station und sperrt alle Systeme, so dass Dante 01 unaufhaltsam auf den Planeten Dante zustürzt. Dann erhängt er sich. Jetzt müssen Häftlinge und Wächter zusammenarbeiten, denn der einzige Weg zur Notsteuerung der Triebwerke führt durch die Gefangenenquartiere.

Elisa versucht auf andere Weise zu entkommen: Sie betäubt die restliche Besatzung und will mit dem einzigen (für zwei Personen ausgelegten) Shuttle fliehen. Der Gefangene Lazarus kommt ihr auf die Schliche und bringt Elisa in seine Gewalt. Als die beiden mit dem Shuttle starten, stürzt dieses auf dem Planeten ab. Derweil durchquert Cesar einen Schacht mit kochender Kühlflüssigkeit - einen anderen Zugang zur Notsteuerung gibt es nicht und als Kleinwüchsiger ist er der einzige an Bord, der dort hindurchpasst. Er bezahlt seine Opferbereitschaft jedoch mit dem Leben und stirbt unter schrecklichen Qualen an den Verbrühungen. Saint George verlässt die Station in einem Raumanzug. Er heilt nun den ganzen Planeten und verwandelt die glühende Höllenwelt in einen blauen Planeten.

Der Film:

Eigentlich würde es ausreichen, anstelle eines Kommentars ein riesiges, fettgedrucktes Fragezeichen einzusetzen. Die wirre, von A bis Z unlogische Handlung kommt mir so vor, als würden ganz entscheidende Elemente fehlen. Mir scheint, der Film sei ursprünglich sehr viel länger gewesen und dann so übel geschnitten worden, dass die zusammenhanglos aneinandergeklatschten Szenen keinerlei Sinn mehr ergeben. Auf der Rückseite des DVD-Covers ist zu lesen, Saint Georges sei der einzige Überlebende eines Angriffs von Außerirdischen. Davon ist im Film zu keiner Zeit die Rede. Man weiß auch nicht, was er bei Verletzten und Erkrankten eigentlich macht. Er kann den Körper anderer Menschen auf merkwürdige Weise wahrnehmen - so als ob er gleichzeitig eine Art Röntgenblick und einen Detektor für die körpereigenen Energiefelder (Chakren) der Menschen habe. Wenn er einen Verletzten so "durchschaut", sieht er komische Fremdkörper, die wie eine Mischung aus Seestern und Krake aussehen. Die entnimmt er dem Körper und verschlingt sie, woraufhin er offenbar die Qualen erleidet, die sein "Patient" eigentlich haben müsste, die er aber im Gegensatz zu ihnen verwinden kann. Merkwürdigerweise sehen Elisas Nanomaschinen (oder ein Teil davon) genauso aus wie die "Parasiten"... Was das alles bedeuten soll, bleibt unklar. Ebenso fraglich bleibt auch, was am Ende des Films geschieht. Was ich bei obiger Zusammenfassung geschrieben habe, ist nur eine Vermutung meinerseits! Im Grunde hat der Film kein Ende, jedenfalls keines, das den Zuschauer in irgend einer Weise zufrieden stellen würde.

Während ich versuchte, bei der langweiligen Handlung nicht die Geduld zu verlieren, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da jemand krampfhaft versucht hat, Filme wie 2001 - Odyssee im Weltraum oder auch The Fountain zu imitieren. Das ist ihm leider gar nicht gelungen. Zugegeben: Die Atmosphäre ist schön düster, die Schauspieler machen ihre Sache ganz gut und sie sehen mit ihren kahlrasierten Köpfen teilweise sehr merkwürdig aus, die Spezialeffekte wissen durchaus zu gefallen. Leider bekommt man über lange Strecken hinweg nur zu sehen, wie die Gefangenen durch die Korridore ihrer Quartiere laufen, meist aus dem Blickwinkel von Saint Georges, was dann durch eine schwankende Kamera, ein verzerrtes Bild und ungewöhnliche Farbgebung verdeutlicht wird. Oder man sieht, wie die Gefangenen über Monitore beobachtet werden, wie Saint Georges sich wieder mal vor Schmerzen selbst vollreihert und - ein wenig Eye-Candy muss sein, dachte der Regisseur sich wohl - wie Elisa unbekleidet oder in "bequemer" Kleidung in ihrer Kabine herumlungert. Ansonsten erstickt der ganze Film in sinnloser Symbolik: Die sieben Gefangenen stehen für die sieben Todsünden und wenn ich mich nicht irre, sieht Saint Georges wirklich in jedem von ihnen ein anderes Chakra (jedes in einer anderen Körperregion, wie es sich gehört). Die Namen der Leute wurden wohl ebenfalls nicht zufällig gewählt. Und das Kreuz-Symbol darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Klingt es so, als wären das alles gute Ideen? Kann sein - aber keine davon funktioniert. All diese Symbole haben schlicht und ergreifend keinerlei Bedeutung, d.h. sie sind in keiner Weise relevant für die Handlung oder erklären zumindest nicht, was da passiert.

Der Film mag visuell beeindruckend oder zumindest interessant sein, aber man erträgt ihn nur ein einziges Mal - so lange funktionieren die "Schauwerte" nämlich gerade noch. Da weiß man ja auch noch nicht, was für ein unbefriedigendes Ende der Film haben wird, und dass alle Fragen, auf deren Beantwortung man die ganze Zeit wartet, offen bleiben. Auch beim ersten Mal kann man aber nicht über die Logiklöcher hinwegsehen. Warum wird der Neue zu den Häftlingen gesteckt, wenn er nur isoliert werden sollte? Warum ist die Notsteuerung nur über die Gefangenenquartiere zu erreichen und dann noch a) durch eine Luke, die sich nur mit äußerster Kraftanstrengunng öffnen lässt und b) über einen einzigen mit Kühlflüssigkeit gefüllten Zugang, der auch noch so eng ist, dass kein normal gebauter Mensch durchpasst? Und so geht's fröhlich weiter...

Die DVD:

Abgesehen von einer kurzen, selbstablaufenden Bildergalerie mit Szenenfotos und ein paar Textinfos zu Marc Caro ist auf der DVD noch ein ca. 31 Minuten langes "Making of" zu finden. Das ist allerdings keine wirklich ausführliche Dokumentation; man bekommt zwar eine recht ausgewogene Mischung aus Filmszenen, Interviews, Blicken hinter die Kulissen und Szenen von Dreharbeiten zu sehen, aber es wird kaum etwas kommentiert oder erklärt. Es ist jedenfalls ganz interessant zu sehen, wie die Schauspieler sich die Köpfe kahlrasieren lassen mussten und wie Lambert Wilson sich mit einer schweren vor den Körper geschnallten Kamera selbst gefilmt hat. In den Interviews wird hauptsächlich auf die Hauptfiguren des Films und - immerhin - die Interpretationen der Schauspieler, des Regisseurs und des Drehbuchautoren eingegangen. Als am Schluss aber gefragt wird, worum es in "Dante 01" eigentlich geht, hüllen alle sich in Schweigen...

J. Kreis, 14.10.2008


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