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Cronos Cronos (Mexiko, 1993)

DVD - Regionalcode 0, MCP Sound & Media
FSK: 16
Laufzeit: ca. 89 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Guillermo del Toro

Hauptdarsteller:
Federico Luppi (Jesus Gris)
Ron Perlman (Angel)
Claudio Brook (De la Guardia)
Tamara Shanath (Aurora)
Margarita Isabel (Mercedes)




Inhalt:

Im Jahre 1536 flieht der Alchemist Uberto Fulcanelli vor der Inquisition nach Mexiko. Dort widmet er sich ganz seinen geheimen Forschungen und konstruiert den Cronos - ein Gerät, das ihm zu ewigem Leben verhelfen soll. 400 Jahre später stürzt der Keller eines Gebäudes ein. Unter den Trümmern findet man einen Mann, dessen Haut weiß wie Marmor ist. Seine Brust ist durchbohrt, er stirbt. Es ist Uberto Fulcanelli. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung werden grausige Dinge entdeckt: Eine an den Füßen aufgehängte Leiche und darunter stehende Schüsseln voller Blut... Die Wohnung wird geräumt. Der Cronos wird dabei nicht gefunden, er ist im Sockel einer Statue versteckt. Einige Zeit später fällt das Notizbuch des Alchemisten dem reichen, aber todkranken Industriellen De la Guardia in die Hände. Als De la Guardia liest, was es mit dem Cronos auf sich hat und wie man ihn nutzen kann, wird er besessen von der Idee, das Gerät zu finden. Nach und nach beschafft er sich alle Statuen, die als Versteck in Frage kommen, wobei ihm sein brutaler Neffe Angel helfen muss, da er selbst irgendwann seine antiseptischen Räume nicht mehr verlassen kann. Die Suche bleibt vergeblich, bis einer von Angels Schnüfflern die richtige Statue im Laden des betagten Antiquitätenhändlers Jesus Gris entdeckt.

Durch das Interesse des Schnüfflers wird auch Gris' Neugier geweckt. Er untersucht die Statue genauer und stößt auf den Cronos, hat aber keine Ahnung, um was es sich dabei wirklich handelt. Als er das Gerät in die Hand nimmt und aufzieht, fahren Spinnenbeine aus, mit dem es sich festklammert. Ein Stachel fügt Gris eine Verletzung zu. Tatsächlich ist in der goldenen Schale des durch ein Uhrwerk angetriebenen Geräts ein blutsaugendes Insekt eingesperrt, welches dem, den es sticht, ewiges Leben verleiht. Mehr noch: Gris stellt fest, dass er jünger wird. Allerdings muss er den Cronos immer wieder ansetzen, außerdem verspürt er einen scheinbar unstillbaren Durst. Gris findet schnell heraus, dass er ein Verlangen nach menschlichem Blut hat. Gris fühlt sich immer vitaler, die Liebe zu seiner Frau erwacht neu. Ihm ist jedoch klar, dass möglicherweise etwas ungutes mit ihm vorgeht. Auch seine kleine Enkelin Aurora, die ihn über alles liebt, hat Angst, dass der Cronos ihrem Großvater ein Leid zufügen könnte. Aber letztlich beschließen die beiden, dass sie zusammenhalten müssen.

Angel kauft Gris die Statue ab, aber natürlich ist sie jetzt leer. Auf der Suche nach dem Cronos verwüstet er später den Antiquitätenladen. Gris weiß, um was es geht. Er wird zu De la Guardia gebeten und erfährt, dass dieser die "Gebrauchsanweisung" für den Cronos besitzt. Er gibt das Gerät aber nicht her. Einige Tage später wird Gris von Angel entführt, zusammengeschlagen und mit seinem Auto in einen Abgrund gestürzt, wobei er stirbt. Allerdings wird sein Herz dabei nicht durchbohrt, so dass er noch im Krematorium wieder zum Leben erwacht. Allerdings verrottet seine Haut, darunter kommt eine neue, marmorweiße Haut zum Vorschein. Aurora versteckt ihren Großvater in ihrer Spielzeugtruhe, bis er sich völlig erholt hat. Dann brechen die beiden bei De la Guardia ein, um das Notizbuch zu holen. Der Industrielle überrascht sie und sticht Gris nieder. Aurora zieht ihm einen Stock über den Schädel, bevor er das Herz ihres Großvaters durchbohren kann. Gris trinkt das Blut des Sterbenden, doch erst Angel tötet seinen verhassten Onkel, um endlich dessen Erbe antreten zu können.

Gris und Aurora fliehen auf das Dach der Fabrik, verfolgt von Angel, der die Zeugen seiner Tat beseitigen will. Um Aurora zu schützen, stürzt Gris sich mit Angel vom Dach, wobei sein Widersacher getötet wird. Aurora setzt Gris den Cronos an, so dass er sich einmal mehr erholt. Das Mädchen hat sich an der Hand verletzt. Als Gris das Blut sieht, erwacht sein mörderischer Durst. Doch er widersteht, als Aurora, die sonst fast nie spricht, ihn "Opa" nennt. Er will seiner geliebte Enkelin kein Leid zufügen und zertrümmert den Cronos, um sich ein für alle Mal von ihm zu befreien. Ohne den Cronos muss Gris allerdings sterben. Er findet ein friedliches Ende in seinem Bett, bei ihm sitzen Frau und Enkelin.

Der Film:

Ich habe fast nur schlechte Kritiken zu diesem Film gelesen. Dass er außerdem relativ unbekannt zu sein scheint, hat dazu geführt, dass er inzwischen im Handel verramscht wird. Ich kannte ihn schon von früher und habe ihn für unter drei Euro gekauft - damit ist das die bis jetzt preiswerteste DVD, die ich besitze. Die meiner Meinung nach ungerechtfertigten negativen Beurteilungen sind möglicherweise auf die falsche Erwartungshaltung der Rezensenten zurückzuführen. Wer nämlich einen klassischen Vampirfilm oder auch nur irgend einen brutalen Horrorfilm erwartet, der wird enttäuscht sein, obwohl der Film durchaus mit einigen blutigen und gewalttätigen Szenen aufwartet. Darum geht es bei "Cronos" aber nicht in erster Linie. Wichtiger sind die schwermütige, melancholische Atmosphäre des Films, die Entwicklung von Jesus Gris und die Beziehungen der Personen untereinander. Gris bleibt bis zum Ende sympathisch, er ist der einzige wirklich liebenswerte Film-Vampir, den ich kenne. Außerdem dürfte er der einzige sein, der auf das ewige Leben als Vampir verzichtet, weil er seine Menschlichkeit und seine Identität nicht verlieren will. Nicht umsonst sagt er, als er gerade der Versuchung widerstanden hat, seine Enkelin auszusagen, immer wieder: "Ich bin Jesus Gris". Der Schauspieler liefert eine sehr gute Leistung ab. Einige Szenen sind wirklich grandios, zum Beispiel die, in der Gris zum ersten Mal buchstäblich Blut leckt.

Dem Regisseur (der übrigens auch das Drehbuch geschrieben hat) gelingt es, dem Vampirmythos einige originelle neue Aspekte abzugewinnen bzw. hinzuzufügen. Die Idee, Insekten - die ja erstaunlich lange in einer Art Totenstarre überdauern können - als Spender ewigen Lebens heranzuziehen, ist schon interessant. Dass das Insekt in einer Hülle steckt, die an einen Skarabäus erinnert, ist auch kein Zufall, schließlich waren Skarabäen bei den alten Ägyptern Sinnbilder für Leben und Auferstehung. Auch die Sache mit der Häutung, die wohl den Endpunkt der Transformation des Menschen in einen Vampir darstellt, kannte ich bis dahin noch nicht. Man hätte das alles zwar etwas genauer ausarbeiten können, aber im Grunde muss das nicht sein, denn Auflösungen sind nie so interessant wie die Rätsel. Ob es eine tiefere Bedeutung hat, dass "Jesus Gris" ungefähr genauso klingt wie das englisch ausgesprochene "Jesus Christ"? Keine Ahnung.

Hinzu kommen ein paar schwarzhumorige Szenen, die leider ebenso wenig passen wie einiges von Ron Perlmans Herumgehopse. Gut - wenn der Typ im Krematorium dem vermeintlich toten Gris ein sanftes Lächeln ins Gesicht näht, die herunterlappende Haut festtackert (die Tackerklammern bleiben auch nach der "Auferstehung" drin) und so weiter... das ist schon irgendwie lustig. Es passt aber nicht zum Grundton des Films.

"Cronos" ist ein langsamer, aber düsterer und vor allem eigenständiger Film (und nicht der x-te Aufguss der immer gleichen Vampirgeschichte), der weniger in die Rubrik "Horror" und eher zu "Phantastik" gehört.

Die DVD:

Leider wird diese kleine Perle des phantastischen Films auf DVD denkbar schlecht präsentiert. Keine Spur von Bonusmaterial, Vollbild, grausige Bildqualität. Man hat dauernd das Gefühl, ein grieseliges uraltes VHS-Band zu sehen. In den vielen dunklen Szenen erkennt man manchmal kaum Details. Schade!

J. Kreis, 19.01.2008
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