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Crank 2 Crank 2 - High Voltage (USA, 2009)

DVD - Regionalcode 2, Universum Film
Altersfreigabe: SPIO/JK - Keine schwere Jugendgefährdung
Laufzeit: ca. 92 Minuten

Extras
Audiokommentar, "Cranc'd out" (Picture-in-Picture Videokommentar), "Tits against the Glass" (Making of), "Wrap Video" (Gag Reel), "B-Roll", Interviews, Kinotrailer

Regie:
Mark Neveldine, Brian Taylor

Hauptdarsteller:
Jason Statham (Chev Chelios)
Amy Smart (Eve)
Dwight Yoakam (Doc Miles)
Clifton Collins jr. (El Huron)
Art Hsu (Johnny Vang)
David Carradine (Poon Dong)
Bai Ling (Ria)
Efren Ramirez (Venus)
Joseph Julian Soria (Chico)
Keone Young (Don Kim)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte: Siehe Crank.

Chev überlebt den Absturz aus dem Hubschrauber, verliert aber das Bewusstsein. Unbekannte kratzen ihn vom Asphalt und nehmen ihn mit. Als Chev wieder zu sich kommt, hat er keine Herzprobleme mehr - genauer gesagt: Er hat überhaupt kein Herz mehr, denn Chirurgen der chinesischen Triaden sind gerade dabei, es ihm zu entnehmen. Man setzt Chev ein künstliches Herz ein und hält ihn gefangen, um ihn nach und nach als lebendes Ersatzteillager für Organtransplantationen zu missbrauchen. Seine Kronjuwelen sollen als nächstes an die Reihe kommen, aber das kann Chev schon gar nicht zulassen. Er bricht aus und macht sich auf die Suche nach dem Triadenmitglied Johnny Vang, denn er glaubt, dieser schleppe sein Herz in einer Tiefkühlbox mit sich herum. Und das will er natürlich zurückhaben. Chev wird seinerseits von den Schergen des Gangsterbosses "El Huron" unter dem Kommando von Chico gejagt. Erst später erfährt Chev, was hinter all dem steckt: Die Triaden brauchen sein Herz (von dem sie ja seit Chevs letztem Abenteuer wissen, dass es selbst eine tödliche Vergiftung verkraftet), um es ihrem altersschwachen Oberhaupt Poon Dong einzupflanzen, und El Huron will den von Chev verursachten Tod seiner Brüder rächen.

Schon bald stellt Chev fest, dass es Probleme mit der Pumpe gibt. Doc Miles, den er deswegen anruft, hat eine Erklärung: Das Kunstherz ist ein Modell, das einen Menschen nur für kurze Zeit am Leben erhalten kann. Der interne Akku hat eine Laufzeit von einer Stunde und muss immer wieder über eine externe Batterie aufgeladen werden, die Chev an einem Gurt mit sich herumschleppt. Dummerweise wird das Ding bei einem Autounfall zerstört. Auch hier weiß Doc Miles Rat. Chev muss sich regelmäßig an irgendwelche Stromquellen anschließen, damit der Saft über die Haut in den Akku übertragen werden kann. Daher lässt er sich mit einer Autobatterie "Starthilfe" geben, greift in Hochspannungsleitungen, gibt sich selbst Elektroschocks mit Tasern und Hundehalsbändern usw., wenn das Herz auszusetzen droht. Bei seiner Suche nach Johnny Vang rettet Chev der durchgeknallten Prostituierten Ria das Leben, die sich an seine Fersen heftet. Er begegnet Kaylos Bruder Venus, der Kaylos Tod rächen will. Chev erzählt ihm, El Huron sei Schuld daran - das stimmt zwar nicht, aber damit hat er Venus auf seiner Seite.

In einer Striptease-Bar, wo es zu einer Schießerei mit El Hurons Handlangern kommt, gabelt Chev seine Freundin Eve auf. Von ihr erfährt er, dass bereits drei Monate vergangen sind. Nachdem er sich auf der Pferderennbahn auf sehr spezielle Weise mit Eves Hilfe statisch aufgeladen und so mit neuer Energie versorgt hat, wird Chev von Don Kim geschnappt. Der erzählt ihm, wofür sein Herz gebraucht wird, und will ihn an Poon Dong ausliefern. Chev erledigt auch dieses Problem endgültig, dann stellt er Vang in einem E-Werk. Nach hartem Kampf gelingt es Chev, die Kühlbox zu öffnen, doch sein Herz ist nicht drin - es schlägt schon längst in Poon Dongs Brust und verleiht dem Greis neue Vitalität. Da erscheinen Chicos Leute, schlagen Chev nieder und bringen ihn zu El Hurons Anwesen. Derweil wird Poon Dong in die Wohnung von Doc Miles gelockt. Der Doc ist Herzchirurg und kann die Operation vorbereiten. Zunächst muss Chev die Folterung überstehen, die El Huron ihm angedeihen lässt. Das Ganze wird von Ricky Verona beobachtet, der eigentlich tot sein sollte; sein Kopf schwimmt in einem Becken mit Nährlösung. Venus und seine "Familie" (eine schwule Rockergang) sowie Ria und ihre Freundinnen erscheinen, ein wildes Feuergefecht entbrennt. Chev muss sich wieder einmal aufpowern, dann kann er El Huron ausschalten. Rickys Kopf landet im Swimmingpool.

Allerdings war der Stromstoß diesmal zu stark: Chev steht buchstäblich in Flammen. So landet er schließlich, wie eine Mumie bandagiert, auf Doc Miles' OP-Tisch. Der setzt ihm das Original-Herz wieder ein, aber das EKG zeigt nur eine flache Linie. Erst als Chev allein ist, schlägt er die Augen auf.

Der Film:

Der Film setzt die Ereignisse von "Crank" unmittelbar fort. Man sieht noch einmal, wie Chev aus dem Hubschrauber stürzt und auf den Boden prallt. Kaum hat er geblinzelt, da erscheinen die Triaden-Gangster und schaufeln ihn buchstäblich in einen Minibus (dazu verwenden sie einen Schneeeschieber). Einzelne ultrakurze Rückblicke im weiteren Verlauf des Films verdeutlichen Zusammenhänge. Mehr muss man über den ersten Film auch eigentlich nicht wissen, d.h. beide können unabhängig voneinander angeschaut werden. Genauer erklärt wird sowieso nichts. Wozu auch? Wie schon im ersten Film verzichten die Regisseure auch diesmal auf die Einführung der Figuren. Sie sind einfach da, eine Hintergrundgeschichte erhalten sie nicht. Bei Venus reicht das Wort "Ganzkörpertourette", um zu erklären, warum er in jeder unpassenden Situation wild herumzuckt, im Fall von Ria genügt der Spitzname "Cuntonese", um sie ausreichend zu charakterisieren. Leider ist sie auch für den Zuschauer eine echte Nervensäge. Jason Statham macht seine Sache wie gehabt hervorragend, Amy Smart darf mal eine ganz andere Seite zeigen als bisher. Aus Eve, dem lieben, schüchternen Mädel, ist eine echte Sexbombe geworden, die einen zudringlichen Luden auch schon mal mit einem gekonnten Schulterwurf in die nächste Windschutzscheibe segeln lässt.

"Crank" ist ein Actionfilm voller Selbstironie, "Crank 2" ist dagegen eher eine Actionfilm-Parodie, vielleicht sogar eine Eigen-Parodie. Ich muss sagen: Der erste Film hat mir besser gefallen. Das kann daran liegen, dass Teil 2 im Grunde nur ein zweiter Aufguss desselben Themas ist. Eine neue Geschichte wird nicht erzählt (OK, dass Teil 1 eine richtige Story hat, kann man auch nicht behaupten), stattdessen wird einfach nur mehr von allem geboten, was man aus Teil 1 kennt: Mehr Tempo, mehr Gewalt, mehr nackte Haut, mehr ausgeflippte Ideen. "Mehr" bedeutet aber nicht unbedingt gleichzeitig "besser", im Gegenteil. Der Film verkommt über weite Strecken zu einer bloßen Aneinanderreihung von Stunts, Schießereien, Prügeleien und verrückten Einschüben, und zwar ist alles so übertrieben, dass (Vorsicht Wortspiel!) die Spannung verloren geht. Fast ist es sogar ein bisschen langweilig, Chev dabei zuzusehen, wie er von einer irren Situation in die nächste stolpert, immer auf der Suche nach einer Stromquelle. Irgendwie wurde ich diesmal nicht so mitgerissen wie bei Chevs erstem Alleingang. Tja, und dann gibt es so einige Szenen, die den Film komplett ins Irreale kippen lassen (das war in Teil 1 nie der Fall), zum Beispiel der Kampf zwischen Chev und Johnny Vang. Die beiden verwandeln sich in Riesenmonster im Stil alter Godzilla-Filme und zertrümmern ein E-Werk. Hm. Vielleicht hätte ich zwischendurch auch mal in die Steckdose greifen sollen?

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass der Film schlecht sei. Vor allem Leute, die den ersten Film nicht kennen, dürften sich bestens unterhalten fühlen, denn für die ist die zum zweiten Mal verwendete Grundidee ja noch neu. Einfallslosigkeit möchte ich den Regisseuren auch nicht vorwerfen, denn der schiere Wahnwitz des Gezeigten macht den Film immer noch sehenswert. Damit meine ich nicht nur die noch hektischere Schnittfolge, die noch unglaublicheren Kamerafahrten und die noch waghalsigeren Stunts. Auch diesmal werden wieder unzählige verrückte Ideen eingebaut. Wenn Doc Miles die Funktionsweise des künstlichen Herzens erklärt, werden Dias von Schemazeichnungen eingeblendet. Google Earth wird wieder verwendet wie im ersten Teil. Chev träumt von einer Talkshow, in der man ihn als Kind wegen seiner Gewalttätigkeit vor die Kamera gezerrt hat (seine Mutter wird von Geri Halliwell gespielt!). Auf der Flucht vor der Polizei geraten Chev und Eve mitten in einen Pornofilmdarsteller-Demonstrationszug. Die beiden treiben es mitten auf der Rennbahn vor tausenden Zuschauern, und im Moment des Höhepunkts springen die Pferde über sie hinweg - Eve blickt sehnsüchtig dem entschwindenden Schwengel eines Hengstes hinterher. Und am Ende, als Chev in Flammen steht, hält er den Stinkefinger in die Kamera.

Wie gesagt: Für mich ist das alles etwas zu viel des Guten, aber trotzdem ist "Crank 2" ein ungemein dynamischer Actioner mit abgedrehten Ideen, tiefschwarzem Humor, unverwechselbarem Look und viel Spielfreude aller Beteiligten, den man einfach mal gesehen haben sollte.

Die DVD:

Diesen Film gibt es in drei Versionen. Da wäre einmal die ungeschnittene Version, die bei der FSK-Prüfung durchgefallen ist und nur das "leichte" SPIO-Siegel erhalten hat. Die FSK-18-Version ist etwa zwei Minuten kürzer. Dann gibt es noch eine recht stark gekürzte FSK-16-Version, in der ca. 10 Minuten fehlen. Es fällt nicht schwer zu erraten, dass diverse Gewaltszenen entfernt wurden. Also: Augen auf beim Filmkauf!

Hauptbestandteil des Bonusmaterials ist zweifellos "Cranc'd out". Das ist ein Filmkommentar der besonderen Art. Man sieht nämlich den gesamten Film in einem kleinen Fenster, der größte Teil des Bildschirms wird von den auf einer Couch sitzenden, Bier trinkenden Regisseuren eingenommen, die den Film zusammen mit euch ebenfalls sehen und kommentieren. Hinzu kommen Interviews mit den Schauspielern und dem Produktionsteam sowie Hinter-den-Kulissen-Material, das zur jeweiligen Filmszene passt. Auf diese Weise wird die Entstehung und Bedeutung jeder einzelnen Szene umfassend dokumentiert. Und das alles, wohlgemerkt, auf DVD! Ich hatte bisher angenommen, solche "Bild im Bild"-Featurettes seien nur auf BluRay möglich. Wem das noch nicht genug ist, kann sich ein ca. 51 Minuten langes Making of anschauen, das ähnliche (teils auch identische) Inhalte hat. Die separaten Interviews (ca. 8 Minuten), das Wrap Video (ca. 3 Minuten) und die B-Roll-Aufnahmen (ca. 5 Minuten) bieten dann immer noch ein paar neue Inhalte wie z.B. schiefgegangene Szenen. Man sieht, wie viel Spaß alle Beteiligten bei den offenbar ziemlich chaotischen Dreharbeiten hatten.

J. Kreis, 03.11.2009


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