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Crank Crank - Extended Version (GB / USA, 2006)

DVD - Regionalcode 2, Universum Film
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras
"Shooting Crank", "The Stunts of Crank", "Pushing Crank", "Jason Internet Shout Out", Trailer

Regie:
Mark Neveldine, Brian Taylor

Hauptdarsteller:
Jason Statham (Chev Chelios)
Amy Smart (Eve)
Jose Pablo Cantillo (Ricky Verona)
Carlos Sanz (Carlito)
Dwight Yoakam (Doc Miles)
Efren Ramirez (Kaylo)




Inhalt:

Nach seinem letzten Auftrag, der Eliminierung des koreanischen Gangsterbosses Don Kim, erwacht der Auftragskiller Chev mit etwas, das sich anfühlt wie ein schrecklicher Kater. In einer Videobotschaft, gespeichert auf einer DVD mit der freundlichen Aufschrift "Fuck you", teilt Chevs Rivale Ricky Verona ihm mit, dass er eigentlich bereits tot sei, dies sei die Strafe für Don Kims Ermordung. Es ist zu sehen, wie Verona dem bewusstlosen Chev eine Spritze verpasst. Diese enthält einen Cocktail übler Gifte, der Chev binnen einer Stunde töten wird. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Wutentbrannt wirft Chev sich ins Auto und rast quer durch Los Angeles, um sich an Verona zu rächen. Dabei bemerkt er, dass es ihm besser geht, sobald er in gefährliche Situationen gerät. Sobald er sich beruhigt, geht es ihm wieder schlechter. Deshalb liefert er sich absichtlich wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei, prügelt sich mit diversen Schlägern und schüttet sich mit Energydrinks voll. Da er Verona zunächst nicht findet, fährt Chev zu seinem Auftraggeber Carlito, einem mächtigen Syndikatsboss. Der kann ihm aber auch nicht helfen, tatsächlich würde Chevs Tod ihm sogar nützen, denn seit dem Anschlag auf Don Kim haben die Triaden ihren Druck noch erhöht.

Chev ruft seinen Arzt an, der gerade auf dem Rückweg nach LA ist. Von ihm erfährt er, dass der "Beijing-Cocktail" praktisch wie ein tödlicher Betablocker funktioniert und irgendwann zum Herzstillstand führen wird. Die einzige Möglichkeit, die Wirkung zumindest vorübergehend zu hemmen, ist die Ausschüttung von Adrenalin im Körper. Außerdem könnte Epinephrin (synthetisches Adrenalin) hilfreich sein. Um den Fluss des Stresshormons konstant zu halten, bringt Chev sich in immer verrücktere und gefährlichere Situationen, während er weiter nach Verona sucht. Von seinem Informanten Kaylo erfährt Chev den Aufenthaltsort eines Bruders seines Widersachers. Er erschießt den Kerl, nimmt ihm ein wertvolles Erbstück der Verona-Familie ab und ruft Verona mit dem Handy des Toten an. Jetzt muss Chev sich schnellstens auf den Weg zu seiner Freunin Eve machen, denn Verona will sie töten. Doch zuvor macht er einen Abstecher ins Krankenhaus, wo er ein heilloses Chaos anrichtet, um an Epinephrin zu kommen. Dummerweise hat er die von seinem Artz empfohlene Dosierung vergessen und verpasst sich eine Überdosis, so dass seine Aktionen noch spektakulärer werden. Inzwischen überschlagen sich die Pressemeldungen über diesen Amoklauf.

Chev schnappt sich Eve, die kaum glauben kann, dass ihr Freund in Wahrheit kein Programmierer von Computerspielen ist, wie er immer behauptet hat, sondern ein bezahlter Killer. Als ihr die Kugeln um die Ohren fliegen, ist sie aber überzeugt. Chev erklärt ihr, er habe nach seinem jüngsten Auftrag aussteigen und mit Eve ein neues Leben anfangen wollen. Als Chevs Adrenalinspiegel wieder einmal sinkt, schläft er mit Eve - inmitten einer begeistert klatschenden Menge in Chinatown. Nach weiteren Auseinandersetzungen, diesmal mit Carlitos Schergen (dem Gangsterboss ist Chevs Medienpräsenz lästig), kann Chev sich endlich bei seinem Arzt in Behandlung begeben. Der pumpt ihn mit diversen Chemikalien voll und setzt ihm einen Epinephrinspender ein. Doch all das wird Chevs Tod nur weiter hinauszögern, denn eine Heilung ist unmöglich. Da Chev nichts mehr zu verlieren hat, fordert er Verona zu einem Treffen in einem Hotel-Hochhaus auf. Da Verona das Erbstück zurückhaben will, willigt er ein. Als Chev ankommt, steht er nicht nur Verona gegenüber, sondern auch Carlito und einigen Killern - Carlito betrachtet Verona als neuen Handlanger. Doch Chev hat noch einen Trumpf im Ärmel: Er hat Don Kim gar nicht getötet (schließlich wollte er Eves wegen aussteigen), und der Koreaner ist in einigem Abstand gefolgt. Es kommt zu einer heftigen Schießerei, bei der es Verona gelingt, Chev eine zweite Dosis des "Beijing-Cocktails" zu injizieren, bevor er Carlito tötet und mit dessen Helikopter flieht. Chev hängt sich an eine Kufe. Der Adrenalinkick gibt ihm ein letztes Mal die Kraft zurück, die er braucht, um Verona aus dem Hubschrauber zu zerren. Gemeinsam stürzen sie aus großer Höhe zu Boden. Chev bricht Verona das Genick, bevor er selbst aufschlägt...

Der Film:

...und da "Crank 2" schon in den Kinos gelaufen ist, verrate ich wohl nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass Chev selbst diese unmögliche Situation überlebt. Was bis zu diesem Moment geschieht, ist derart wahnwitzig, packend und rasant, dass man a) überhaupt nicht merkt, wie 90 Minuten vergehen und b) ebenso wie Chev praktisch permanent im Adrenalinrausch ist. Da wird keine Zeit mit der Einführung der Figuren oder der Entwicklung ihrer Charaktere verschwendet. Nein, es geht mit Chevs Erwachen los (und zwar in Egoperspektive), und nachdem er die DVD angeschaut hat - den ersten Adrenalinkick bekommt er, als er seinen vermutlich sauteuren Flachbildschirm in einem Wutanfall zertritt - geht die Achterbahnfahrt gleich richtig ab. Der Zuschauer wird mitten in diese Situation hineingeworfen und weiß zunächst genauso viel (oder so wenig) wie Chev. Was Chev und der Zuschauer wissen müssen, erfahren sie im Verlauf des Films, ohne dass viel erklärt werden muss. Ein Zugeständnis sind einzelne kurze Rückblenden, die manches verdeutlichen. Da Chev sich keinen Moment der Ruhe gönnen darf, ist der Film so vollgepackt mit knackiger Action, spektakulären Stunts und abgefahrenen Situationen, dass auch der Zuschauer ständig unter Strom steht. Highlights wie die Verfolgungsjagd durch ein Einkaufszentrum, der Überfall auf das Krankenhaus, nach dem Chev mit flatterndem Patientenhemdchen (sowie nacktem Hintern und wg. adrenalinbedingter Latte ziemlich ausgebeulter Vorderseite) einem Cop das Motorrad klaut oder die ziemlich ungewöhnliche Liebesszene mit Eve vergisst man nicht so schnell. Action und Stunts sind zwar heftig, aber nicht unrealistisch. Da gibt es keine explodierenden und hundert Meter weit durch die Luft fliegenden Autos, allenfalls wird mal ein Auto hochkant in einer Rolltreppe "eingeparkt".

Jason Statham ist mit seinem kurzgeschorenen Charakterkopf, dem kantigen Kinn und dem durchtrainierten Körper nicht nur die ideale Besetzung für den niemals stillstehenden, selbst in totalen Ausnahmesituationen cool bleibenden Killer, sondern bringt auch die für diesen Film nötige Portion Selbstironie mit. Wie er leicht genervt (weil die Killer schon anrücken), aber immer liebevoll mit seiner Freundin umgeht, die ihn für einen Computer-Nerd hält, ist einfach genial. Bei der Flucht nimmt er sich sogar die Zeit, um die Uhr ihrer Mikrowelle neu zu stellen (typisch Frau: Eve kriegt es nicht hin, das Ding von der Sommerzeit umzustellen) und unternimmt verschiedene Kapriolen, um die Verfolger von ihr unbemerkt ausschalten zu können. Amy Smart spielt dieses liebe, nette und etwas naive Mädel genauso gut wie der bestens aufgelegte Jason Statham den knallharten Typen, der schonmal die Hand ins Waffeleisen steckt, damit das Adrenalin schön weiterfließt. Dass dieser Film nicht ernst gemeint ist, sollte übrigens jedem klar sein. Das gilt auch für die drastisch überzeichnete Gewalt. Ebenso klar ist, dass die Story völlig nebensächlich ist - hier wird schnörkellose Hochgeschwindigkeits-Action geboten, und das ist auch gut so. Hinzu kommt ein sehr schwarzer Humor. Nur ein Beispiel: Chev klaut einem Taxifahrer das Auto, und als der aufmüpfig wird, deutet Chev auf ihn und brüllt "Al-Kaida!" - prompt stürzen sich einige ältere Frauen auf den armen Kerl und brechen ihm die Knochen...

Ohne die wahnsinnig schnellen Schnitte, spektakulären Kamerafahrten, optischen Verfremdungen und witzigen Einfälle der Regisseure wäre dieser Film trotz des charismatischen Hauptdarstellers und der pausenlosen Action nicht halb so gut. Da werden Szenen gleichzeitig via aufgeteiltem Bildschirm aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, die dann ineinander übergehen. Mal laufen die Szenen im Zeitraffertempo ab, mal steht das Bild kurz still. Manchmal erlebt man das Geschehen aus Chevs Egoperspektive mit. Plötztlich zoomt die Kamera heraus, bis man eine Satellitenaufnahme aus Google Earth sieht, in der dann der nächste Schauplatz ausgewählt wird. Oder man unternimmt eine virtuelle Fahrt durch Chevs Körper, in dem das Herz immer langsamer schlägt, bis es beim nächsten Adrenalinschub wieder ordentlich zu pumpen anfängt. Chev telefoniert mit seinem Arzt, und dessen Bild ist auf einer Wand zu sehen, an der Chev vorbeiläuft. Chev kann sich den Namen des künstlichen Adrenalins nicht merken, und als sein Arzt ihn buchstabiert, wird er als Untertitel eingeblendet. Andere Untertitel sieht man quasi in Spiegelschrift, wenn die Kameraperspektive zum Sprecher wechselt. Und natürlich wackelt die Kamera die meiste Zeit wie verrückt - bei einem Film wie diesem empfinde ich das aber ausnahmsweise nicht als störend, sondern im Gegenteil fast als unverzichtbar.

Die DVD:

Der Film ist in der "Extended Version" etwa sechs Minuten länger als die Kinoversion. Die Unterschiede sind aber minimal, meist handelt es sich nicht um ganz neue Szenen, sondern um zusätzliche kurze Dialoge. Ganz neu ist eine Szene, in der Chev sich in einem Baumarkt ein paar Nägel ins Knie schlägt - weil er das Bein nicht mehr fühlt. Wirklich vermisst hätte man keine dieser Szenen.

Das Bonusmaterial besteht aus vier kurzen Featurettes, die insgesamt eine gute halbe Stunde laufen und durchaus interessante Einblicke in den Entstehungsprozess bieten. Man erfährt, dass keine normalen Filmkameras verwendet wurden, sondern HD-Video-Handkameras. Durch die Verwendung dieser digitalen Aufnahmetechnik ist der typische "harte" Look des Films entstanden, und mit den Handkameras waren unglaublich dynamische Aufnahmen möglich: Der Kameramann war oft auf Rollerblades unterwegs, z.B. hat er sich damit an das von Statham gelenkte Motorrad gehängt. Außerdem wurde so weit wie möglich auf Greenscreen-Aufnahmen verzichtet und Statham hat praktisch alle Stunts selbst gemacht. Er hat wirklich an einem fliegenden Hubschrauber gehangen, ist aus großer Höhe zu Boden gestürzt und hat sich auf den Tank eines fahrenden Motorrads gestellt. Weiterhin wird auf das für diesen Film betriebene "virale Marketing" im Internet eingegangen. Dazu gehört auch ein ganz kurzes Interview mit Statham, in dem er z.B. gefragt wird, ober nicht gern Amy Smarts Toilette wäre. Er zögert kurz, bevor er abwinkt...

J. Kreis, 01.09.2009


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