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Color of Magic The Color of Magic (GB, 2008)
- The Colour of Magic -

DVD - Regionalcode 2, EuroVideo
FSK: 6
Laufzeit: ca. 180 Minuten

Extras
Trailer

Regie:
Vadim Jean

Hauptdarsteller:
David Jason (Rincewind)
Sean Astin (Zweiblum)
Tim Curry (Ymper Trymon)
Jeremy Irons (Lord Vetinari, der Patrizier)
James Cosmo (Erzkanzler Galder Weatherwax)
David Bradley (Cohen der Barbar)




Inhalt:

In der Unsichtbaren Universität von Ankh-Morpork, einer Stadt auf der Scheibenwelt, wird das Oktav aufbewahrt, ein Buch, das die acht mächtigsten Zaubersprüche enthält. Niemand darf es berühren, aber der junge Zauberer Rincewind versucht es wegen einer Wette trotzdem. Prompt entflieht einer der Zaubersprüche (dessen Wirkung niemand kennt) und nistet sich in Rincewinds Kopf ein. Seitdem gelingt es Rincewind nicht mehr, auch nur die einfachsten magischen Fähigkeiten zu erlernen. 40 Jahre später wird er wegen anhaltender Erfolglosigkeit aus der Universität verbannt. Als das Oktav beginnt, sich nach Rincewinds Abgang wie wild zu gebärden, so dass es kaum noch gebändigt werden kann, vermutet der Erzkanzler, dass es vielleicht keine so gute Idee war, Rincewind zu verstoßen. Doch der erfolglose Zauberer ist nirgends mehr aufzufinden. Er wurde vom Patrizier, dem Beherrscher der Stadt Ankh-Morpork, dazu verdonnert, den Fremdenführer und Aufpasser für Zweiblum zu spielen, den ersten Touristen auf der Scheibenwelt. Zweiblum ist ein Versicherungsvertreter aus einem mächtigen Land, dessen Feindschaft der Patrizier sich um keinen Preis zuziehen will. Deshalb darf Zweiblum nichts Böses widerfahren. Rincewind bürgt dafür mit seinem Kopf.

Rincewind hat es nicht leicht, den etwas naiven Touristen von jeglichem Ärger fernzuhalten, denn Zweiblum ein Vermögen in dicken Münzen aus purem Gold dabei, deren Wert er nicht erkennt, weil Gold in seiner Heimat ungefähr so selten ist wie Diebe in Ankh-Morpork. Wenigstens befindet das Gold sich in einer Truhe aus intelligentem Holz, die Zweiblum überallhin folgt und ihn verteidigt. Nach einer Kneipenschlägerei zwischen Dieben, Assassinen und Händlern, die sich für das Gold interessieren, müssen Rincewind und Zweiblum die Stadt fluchtartig verlassen, denn Zweiblum hat dem Besitzer der Kneipe eine Versicherungspolice auf dieses Gebäude verkauft, und das Konzept einer Versicherung ist in Ankh-Morpork unbekannt. Deshalb hat der Wirt natürlich seine eigene Kneipe angezündet. Dummerweise bestehen fast alle Gebäude der Stadt aus Holz, und so greift der Brand rasch um sich. In der Universität schickt der Zauberer Ymper Trymon sich an, alle Konkurrenten zu beseitigen, die ihm das Amt des Erzkanzlers streitig machen könnten. Auch er hat jedoch keine Ahnung, was mit dem Oktav los sein könnte.

Nach einigen Abenteuern mit einem aus einem Stein gezogenen, ziemlich eigenwilligen Schwert, einem Volk von Drachenreitern und dem personifizierten Tod, der Rincewind hartnäckig folgt, stürzen die beiden Gefährten ins Meer und werden an den Rand der Scheibenwelt gespült. Dort werden sie von den Astrozoologen des Königreichs Krull gefangen genommen, deren nobelstes Ziel darin besteht, das Geschlecht der gewaltigen Schildkröte Groß-A'Tuin zu bestimmen, auf deren Rückenschild jene vier riesigen Elefanten stehen, die die Scheibenwelt tragen. Rincewind und Zweiblum entkommen ihren Bewachern und kapern ein Raumschiff, das schon bereit steht, um über den Rand der Welt katapultiert zu werden und die Unterseite der Schildkröte zu erforschen. Als das Schiff startet, gerät das Oktav im fernen Ankh-Morpork völlig außer Rand und Band. Grund: Rincewind darf nicht sterben, denn der in seinem Kopf "gespeicherte" Zauberspruch muss zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen mit den sieben anderen ausgesprochen werden. Trymon glaubt, lange genug gewartet zu haben. Er stößt den Erzkanzler vom Turm der Unsichtbaren Universität und nimmt dessen Platz ein. Als Rincewind in die Leere des Alls fällt, bringt das Oktav Groß-A'Tuin dazu, einen Looping zu vollführen, so dass Rincewind und Zweiblum von der Scheibenwelt aufgefangen werden.

Derweil geraten die Bewohner der Scheibenwelt in Panik, weil Groß-A'Tuin sich unaufhaltsam einem roten Stern nähert. Trymon erfährt, dass die acht Zaubersprüche des Oktav demjenigen, der sie ausspricht, ultimative Macht verleihen. Deshalb nimmt er die sieben verbliebenen Sprüche in sich auf und entsendet einige Zauberer und Söldner, um Rincewind zurückzubringen. Der hat aber inzwischen Hilfe bekommen: Cohen, ein zwar vergreister, aber durchaus noch schlagkräftiger legendärer Barbar, hilft den beiden gegen ihre Widersacher. Nach weiteren Abenteuern, bei denen die Söldner, ein riesiger Steintroll, eine von Druiden als Opfer auserkorene Jungfrau und der Tod größere Rollen spielen, gelangen die Gefährten nach Ankh-Morpork zurück, wo die Unsichtbare Universität bereits von einem wütenden Mob belagert wird, weil die Zauberer nichts gegen den immer größer werdenden Stern ausrichten können. Trymon verwandelt alle Zauberer des Rats in Steinstatuen und schickt sich an, Rincewind den letzten Zauber zu entreißen. Dann rutscht er aber auf einer Bananenschale aus und verwandelt sich selbst in eine Statue. Die Zaubersprüche kehren ins Oktav zurück und können von Rincewind zusammen mit Nr. 8 ausgesprochen werden. Das Ergebnis ist spektakulär: Einige mondgroße Objekte, die den Stern umkreisen, zerbrechen wie Eierschalen. Zum Vorschein kommen kleine Scheibenwelten, alle getragen von kleineren Ausgaben Groß-A'Tuins. Offenbar war der Stern, der sich nun zurückzieht, nichts anderes als ein Scheibenwelten-Schildkröten-Brutplatz.

Nun ist die Zeit des Abschieds gekommen. Zum Andenken an Zweiblum behält Rincewind die laufende Truhe zurück. Da der achte Zauberspruch seinen Kopf verlassen hat, ist dort jetzt Platz für anderes magisches Wissen - und durch das Ende der gesamten Zauberer-Führungsriege stehen Rincewinds Karrierechancen nicht schlecht...

Der Film:

"Das ist nicht Rincewind", war mein erster Gedanke während der ersten Minuten dieses zweiteiligen Films, der auf den beiden "Scheibenwelt"-Romanen "Die Farben der Magie" und "Das Licht der Phantasie" basiert. Dieser vertrottelte, quengelige, hilflos durch die Botanik torkelnde Greis soll Rincewind sein? OK, in seinem Kopf herrscht wegen des 8. Zauberspruchs ziemliches Chaos und nachdem der Spruch draußen ist, verhält Rincewind sich auch gleich viel souveräner. Man kann also annehmen, dass der Schauspieler Rincewinds durch den Zauberspruch verursachte Verwirrung darstellen wollte. Das geht leider total daneben, denn so wird aus dem pfiffig-ironischen, liebenswerten Zauberer, den ich mir immer vorgestellt habe, eine lächerliche und obendrein eher unsympathische Witzfigur. OK, das kann meine subjektive Meinung sein, aber so, wie er hier dargestellt wird, sieht Rincewind in meiner Vorstellung schlicht und ergreifend nicht aus und so verhält er sich auch nicht. Ich kann mich auch nicht so recht mit Sean Astin in der Rolle des Zweiblum anfreunden. Und leider hat die Truhe nicht die Spur jenes Charakters, der ihr in den Romanen verliehen wird. Aber das sind nur einzelne Ausnahmen, ansonsten machen die Schauspieler ihre Sache ganz gut. Besonders haben es mir die Führungsriege der Magier und Cohen der Barbar angetan. Tim Curry als Möchtegern-Alleinherrscher ist schön fies, irgendwie kommt es mir aber fast vor, als würde er hier mit "gebremstem Schaum" spielen.

Obwohl der zweiteilige Film sich relativ genau an die Romanvorlage hält, bleiben neunzig Prozent von Terry Pratchetts Humor auf der Strecke. Dass die Chronologie der Romane etwas durcheinandergewürfelt wurde, und dass manche Handlungselemente anders gewichtet wurden als in den Büchern, kann man verschmerzen. In einem Film müssen Geschichten nun einmal anders erzählt werden als in einem Buch. Warum also ist der Film nicht nur nicht witzig, sondern streckenweise sogar langweilig? Es kann an der lahmen, von manchmal unpassender Musik zugekleisterten Inszenierung und der holprigen, jede Spannung zerstörenden Schnittführung liegen, vielleicht ist aber auch die deutsche Synchronisation Schuld daran. Das englische Original vermittelt weit mehr Wortwitz, außerdem bekommt man nur in der englischen Version Christopher Lees Stimme zu hören, die er dem Tod verliehen hat. Am bestenfalls durchwachsenen Gesamteindruck ändern auch die Ideenvielfalt, die aufwändigen Sets und Kostüme, die detailverliebte Ausstattung sowie die im Großen und Ganzen gut gelungenen Spezialeffekte nichts. Für eine reine Fernseh- oder Direct-to-DVD-Produktion können die Effekte sich eigentlich sogar mehr als sehen lassen. Den Vorwurf, es handele sich um eine Billigproduktion, kann man diesem Zweiteiler jedenfalls nicht machen. Lobend wäre auch zu erwähnen, dass man der Story auch ohne jegliche Kenntnisse des in zahlreichen weiteren Romanen gewachsenen Scheibenwelt-Universums gut folgen kann.

Aber das reicht einfach nicht. "Bleiern" ist das Wort, das mir spontan einfällt, wenn ich an die ca. 180 Minuten dieses Films zurückdenke, die mir wie 360 vorkamen. Rincewind und Zweiblum taumeln durch irgendwelche schnell wieder abgehakten Situationen, die man aus den Büchern kennt, und retten am Ende die Scheibenwelt(en). Schön. Praktisch nie fühlt man sich bei alldem mitgerissen, es fehlt, man möge mir das Wortspiel verzeihen, jegliche Magie in diesem zwar gut aussehenden, aber irgendwie seelenlosen Werk. Schade. Bei dem unübersehbar großen Budget, das dieser Produktion zur Verfügung gestanden haben muss, den namhaften Schauspielern und der genialen Romanvorlage hätte eigentlich ein Feuerwerk aus Abenteuer und Humor herauskommen müssen. Entstanden ist stattdessen ein ziemlich öder Schinken, der nur durch die wenigen oben erwähnten Vorzüge erträglich wird.

Die DVD:

Bild und Ton sind klasse. Extras gibt es keine - Werbung (Trailer) zähle ich jedenfalls nicht dazu. Mehr gibt's zur DVD nicht zu sagen.

J. Kreis, 05.11.2008


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