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Charlie und die Schokoladenfabrik Charlie und die Schokoladenfabrik (USA/GB, 2005)
- Charlie and the Chocolate Factory -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 6
Laufzeit: ca. 110 Minuten

Extras
"Angriff der Eichhörnchen", "Der fantastische Mr. Dahl", "Wie man ein Umpa-Lumpa wird", "Die Mischung macht's", DVD-ROM-Inhalte, Trailer, Soundtrack-Spot Spiele ("Umpa-Lumpa-Tanz", "Die hohle Nuss", "Die Erfindungsmaschine", "Suche nach der goldenen Eintrittskarte")

Regie:
Tim Burton

Hauptdarsteller:
Johnny Depp (Willy Wonka)
Freddie Highmore (Charlie Bucket)
David Kelly (Opa Joe)
Helena Bonham Carter (Mrs. Bucket)
Noah Taylor (Mr. Bucket)
Deep Roy (Die Umpa-Lumpas)
Christopher Lee (Dr. Wilbur Wonka)




Inhalt:

Willy Wonka, ein genialer Erfinder und womöglich noch genialerer Chocolatier, hat eine schwere Kindheit hinter sich. Sein Vater ist Zahnarzt und hat ihm den Genuss von Süßigkeiten natürlich stets verboten. Eines Tages ergattert der kleine Willy doch ein Stück Schokolade verfällt dem Geschmack dieser Köstlichkeit. Er läuft von zu Hause weg, um sich ganz der Erschaffung von Süßigkeiten zu widmen. Als Erwachsener erbaut er eine gigantische Fabrik und feiert mit seinen Produkten Triumphe. Doch dann werden einige seiner Geheimrezepte gestohlen. Daraufhin entlässt er alle Arbeiter und schließt die Fabrik. Einige Zeit später wird die Produktion zwar wieder aufgenommen, aber kein Mensch hat die Fabrik seither betreten oder Willy Wonka gesehen, und niemand weiß, wer überhaupt dort arbeitet. Tatsächlich bedient Wonka sich der Hilfe der Umpa-Lupmas. Diesen zwergenwüchsigen Menschen ist er bei einer Dschungelexpedition begegnet, und da die in ihrer Heimat extrem seltenen Kakaobohnen ihr Leibgericht sind, war es nicht schwer für ihn, sie für die Arbeit in der Schokoladenfabrik zu verpflichten. Als Wonka sein erstes graues Haar entdeckt, wird ihm klar, dass er einen Nachfolger braucht. Da er keine Familie hat und sein Einsiedlerleben nicht aufgeben würde, muss er einen Erben bestimmen. Zu diesem Zweck versteckt er in fünf Schokoladentafeln je eine goldene Eintrittskarte. Von seinen wahren Absichten verrät er nichts (er will von fünf Kindern das am wenigsten verdorbene zu seinem Nachfolger machen). Er verkündet nur, dass die glücklichen Gewinner einen Tag mit einem erwachsenen Begleiter ihrer Wahl in der Schokoladenfabrik verbringen dürfen und für den Rest ihres Lebens mit Schokolade versorgt werden sollen. Außerdem soll eines der Kinder einen ganz besonderen Preis erhalten.

Der kleine Charlie Bucket lebt mit seinen Eltern und den beiden Großelternpaaren in einer winzigen verfallenen Kate im Schatten der Fabrik. Die Buckets sind so arm, dass sie tagein tagaus nur Kohlsuppe essen und sich ansonsten praktisch nichts leisten können - erst recht, als Mr. Bucket seine Arbeit verliert. Charlie kann deshalb nicht einfach Dutzende oder gar Tausende von Schokoladentafeln kaufen, um seine Chancen bei der Suche nach den goldenen Eintrittskarten zu erhöhen, wie andere Leute es machen. Und so werden die ersten vier Karten von Kindern in aller Welt gefunden. Die letzte Karte ist weder in der einzigen Tafel versteckt, die Charlie alljährlich zum Geburtstag erhält, noch in jener, die er sich mit Opa Joes Notgroschen kauft. Der alte Mann hat einst in der Fabrik gearbeitet und würde alles dafür geben, noch einmal dorthin zurückkehren zu dürfen - deshalb gibt er Charlie das Geld. Doch Charlie hat Glück: Er findet etwas Geld in der Gosse, so dass er sich eine dritte Packung kaufen kann. Und die enthält tatsächlich die ersehnte Karte. So stellen Charlie und Opa Joe sich am angegebenen Tag mit den anderen Gewinnern vor dem Tor der Fabrik auf und werden von Willy Wonka in Empfang genommen. Während der Führung durch die gewaltige Fabrik, die ganze Landschaften aus Süßigkeiten, Flüsse und Sturzbäche aus geschmolzener Schokolade und Laboratorien zur Entwicklung neuer Köstlichkeiten enthält, wird eines der Kinder nach dem anderen "aussortiert". Sie fallen dabei ihren eigenen Lastern und ihrer eigenen Gier zum Opfer.

Am Ende sind nur noch Charlie und sein Großvater übrig. Wonka bringt die beiden mit einem raketenbetriebenen Fahrstuhl nach Hause und unterbreitet Charlie das Angebot, zu ihm in die Fabrik zu ziehen. Allerdings müsste der Junge seine Familie zurücklassen. Wonka meint, Eltern seien nur dazu da, ihren Kindern zu sagen, was sie nicht tun dürfen - als Chocolatier benötige man aber die volle kreative Freiheit. Charlie liebt seine Familie jedoch viel zu sehr, als dass er diese Bedingung akzeptieren könnte. Daher lehnt er das Angebot ab. Dem enttäuschten Wonka geht es in der folgenden Zeit immer schlechter. Da seine Süßigkeiten immer seine Stimmung widerspiegeln, schmecken sie nur noch scheußlich. Da begegnen er und Charlie sich noch einmal. Der Junge erkennt, dass Wonka sich mit seinem Vater versöhnen muss, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Gemeinsam suchen sie den alten Mann auf, und nachdem Vater und Sohn ihren Konflikt beigelegt haben, überwindet Willy seine Menschenscheu. Nun erhält Charlie doch noch den versprochenen Preis, ohne seine Familie dafür aufgeben zu müssen: Willy verlegt die Kate kurzerhand ins Innere der Fabrik. Willy und Charlie können sich nun gemeinsam an die Arbeit machen und Wonkas Schokolade wieder zur besten der Welt machen.

Der Film:

Schräge Filme hat Tim Burton ja schon immer gemacht. Die meisten hatten aber außerdem eine ziemlich düstere Atmosphäre. Schräg ist "Charlie und die Schokoladenfabrik" zwar auch, diesmal verbirgt die Düsternis sich aber unter einer zum Thema passenden bunten Oberfläche. Er wurde nach einem Kinderbuch von Roald Dahl gedreht und hält sich, wenn man den Informationen des DVD-Bonusmaterials glauben darf, auch sehr genau an dieses Buch. Ich glaube es gern (kenne das Buch nicht), denn für bösartige Geschichten ist Roald Dahl bekannt. Und so hat man es hier nicht mit einem harmlosen und infantilen Kinderspaß zu tun. Die Schicksale der unausstehlichen Kinder werden recht drastisch dargestellt, Johnny Depp verkörpert einen sehr beunruhigenden Willy Wonka - was übrigens nicht als Kritik, sondern als großes Lob gemeint ist. Erwachsene kommen also durchaus auf ihre Kosten. Willy Wonkas Wunderwelt wird in diesem Film auf phantastische Weise in Szene gesetzt. Tim Burton kann sich wieder einmal hemmungslos austoben, und so bekommen wir unzählige bizarre Details in der Schokoladenfabrik zu sehen. Alles wie gesagt sehr bunt und knallig, aber eben nicht harmlos. Den Film als zuckersüßes Märchen zu bezeichnen, was manche Kritiker tun, halte ich deshalb für falsch. Was mich ein wenig gestört hat: Nach dem "Ausscheiden" eines jeden Kindes haben die Umpa-Lumpas einen Auftritt mit Gesang und Tanz, was wohl auch der Buchvorlage entspricht. Diese Szenen sind zwar witzig (jedoch nicht kindisch) und die Texte sind ganz schön bissig, aber ich mag es nicht, wenn die Handlung eines Films auf diese Weise unterbrochen wird. Gut, die Umpa-Lumpa-Imitation einer Heavy Metal-Band ist köstlich, zugegeben...

Star des Films ist natürlich Johnny Depp in der Rolle des Willy Wonka. Seine Darstellung des stets auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn balancierenden Soziopathen ist einfach klasse - er wirkt trotz oder gerade wegen seines Dauergrinsens weniger sympathisch als geradezu unheimlich und bedrohlich. Wenn ich mich nicht sehr irre, trägt Depp künstliche Zähne, die diesen Eindruck noch verstärken. Freddie Highmore ist ebenfalls eine Wohltat. Er ist so sympathisch und verleiht seiner Rolle eine solche Glaubwürdigkeit, dass dieser Film sich nicht in die Reihe sonst üblicher Machwerke mit nervtötenden Kinder-Hauptdarstellern einreiht. Für die anderen Kinder gilt dies aus dem genau entgegengesetzten Grund: Weil sie so furchtbar unerträgliche, grässliche, verzogene, verfressene Bälger sind und ihre gerechte Strafe dafür erhalten. Und dann haben wir noch Christopher Lee. Seine Darstellung der überlebensgroßen Vaterfigur ist womöglich noch genialer als Depps Leistung. Die wunderbare Versöhnungsszene, in der Vater und Sohn - beide nicht gerade als Gemütsmenschen zu bezeichnen - sich ungelenk und mit knirschenden Gummihandschuhen aneinander annähern, weil selbst etwas so selbstverständliches wie eine Umarmung für sie fast unmöglich ist, ist für mich eines der Highlights des Films. Die Umpa-Lumpas, alle von ein und demselben Schauspieler verkörpert, darf man auch nicht vergessen. Sie selbst und ihre skurrilen Tätigkeiten in der Schokoladenfabrik sorgen immer wieder für einen Lacher. Auch die gesamte restliche Darstellerriege verdient großes Lob.

Kinder können sich natürlich durchaus an der bonbonfarbenen Kunstwelt der Schokoladenfabrik und an den slapstickhaften Schicksalen der Kinder erfreuen. Der Film ist aber nicht unbedingt für Kinder gemacht, oder nicht nur für Kinder. Er enthält nämlich sehr viel hintergründigen Humor, diverse Anspielungen usw., Elemente also, die sich Kindern vielleicht nicht erschließen. Obwohl der Film insgesamt recht episodenhaft wirkt, ist er doch beste Unterhaltung und ein "echter Burton". Ich fand ihn so schön, dass ich ihn nach dem ersten Anschauen gleich noch einmal gestartet habe, diesmal in englischer Sprache. Siehe da: Im Original wirkt er sogar noch besser.

Die DVD:

Das Bonusmaterial ist aufgeteilt in die Bereiche "Specials" und "Aktivitäten". Die Specials bestehen aus insgesamt acht Featurettes, die zwar alle unter 20 Minuten lang sind, insgesamt aber doch einen guten Einblick in den Entstehungsprozess bieten. So kann man sehen, welche Schwierigkeiten das Training der Eichhörnchen bereitet hat und was Deep Roy, der ja sämtliche Umpa-Lumpas spielt, alles lernen musste, um seiner Rolle gerecht zu werden. Außerdem wird relativ ausführlich auf das Casting, die Entstehung des Soundtracks, der Kostüme, der Kulissen (lobenswerterweise wurde viel mit echten Modellen gearbeitet) und der optischen Effekte eingegangen. Ein gesonderter Beitrag beschäftigt sich mit Roald Dahl. Ich kannte ihn wie oben erwähnt bis vor einiger Zeit nur als Verfasser recht düsterer Kurzgeschichten. In England und den USA ist er aber als Kinderbuchautor bekannt, seine Werke scheint dort jedes Kind zu kennen. Anhand dieser Kurzbiografie kann man erahnen, dass er ein faszinierender Mann gewesen sein muss.

Hinter den Aktivitäten verbergen sich diverse Minispiele, die überraschend viel Spaß machen und teilweise gar nicht so einfach sind. Die meisten Spiele sind Geschicklichkeitsaufgaben, bei denen man bestimmte Tasten auf der Fernbedienung in der richtigen Reihenfolge und mit stetig anwachsender Geschwindigkeit betätigen muss. Bei einem weiteren Spiel kann man verschiedene bizarre Ingredienzien zu neuen Süßigkeiten-Kreationen zusammenstellen. Ein Umpa-Lumpa muss sie dann ausprobieren. Seine Reaktionen auf ungenießbares Zeug sind richtig witzig.

Zu den DVD-ROM-Inhalten kann ich nichts sagen, denn dazu müsste ich eine Software installieren, die ich nicht kenne. Und das mache ich grundsätzlich nicht.

J. Kreis, 04.06.2008


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