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Die Brüder Löwenherz Die Brüder Löwenherz (Schweden, 1977)
- Bröderna Lejonhjärta -

DVD - Regionalcode 2, UFA
FSK: 6
Laufzeit: ca. 103 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Olle Hellbom

Hauptdarsteller:
Lars Söderdahl (Karl Löwe, genannt Krümel)
Staffan Götestam (Jonatan Löwe)
Allan Edwall (Mattias)
Gunn Wallgren (Sofia)
Folke Hjort (Jossi)
Per Oscarsson (Orvar)
Georg Arlin (Tengil)




Inhalt:

Der neunjährige Karl Löwe, genannt Krümel, ist schwer krank und hat Angst vorm Sterben. Um ihn zu trösten, erzählt sein Bruder Jonatan ihm vom Märchenreich Nangijala, in das man nach dem Tod kommt. Dort, so sagt Jonatan, gibt es den ganzen Tag lang Abenteuer, aber keine Krankheit. Wenig später bricht im Haus der Familie Löwe Feuer aus. Jonatan rettet Krümel, indem er mit ihm aus dem Fenster springt, kommt dabei aber selbst ums Leben. Krümel ist jedoch nicht traurig, denn er weiß, dass Jonatan in Nangijala ist - und er selbst folgt ihm bald dorthin. In Nangijala ist alles so, wie Jonatan es versprochen hat: Die Brüder wohnen in einem Reiterhof im Kirschtal, sie können nach Herzenslust angeln, reiten und Spaß haben. Aber es gibt auch böse Abenteuer in Nangijala. Das benachbarte Kirschtal wurde von Tengil erobert, einem Tyrannen aus dem Land Karmanjaka, der das Volk grausam knechtet. Tengils Macht stützt sich auf die von ihm befehligten Schwarzen Reiter und auf das Drachenweibchen Katla, das ihm gehorcht, solange er im Besitz seines Kriegshorns ist.

Einige Menschen kämpfen für die Freiheit. Zu ihnen gehören Sofia, deren weiße Brieftauben Nachrichten zwischen den Tälern übermitteln, und auch Jonatan, dem man wegen seines Mutes den Beinamen "Löwenherz" gegeben hat. Es muss aber auch einen Verräter im Kirschtal geben, denn immer wieder werden Brieftauben mit Pfeilen vom Himmel geholt. Durch die so abgefangenen Nachrichten ist es Tengil gelungen, Orvar gefangen zu nehmen, den Anführer der Rebellen im Dornrosental. Orvar wurde in der Katlahöhle eingekerkert und soll dem Drachen vorgeworfen werden. Jonatan macht sich auf den Weg ins Dornrosental, um Orvar zu befreien. Krümel bleibt zunächst im Kirschtal, folgt seinem Bruder aber bald, denn er wähnt ihn in Gefahr. Im Gebirge beobachtet Krümel, wie der Verräter sich mit zwei Schwarzen Reitern trifft. Es ist Jossi, ein Wirt, den alle für vertrauenswürdig gehalten haben. Er ist zum Verräter geworden, weil Tengil ihm versprochen hat, ihn zum König über das Kirschtal zu machen.

Krümel wird von den Schwarzen Reitern aufgegriffen und ins Dornrosental gebracht. Er sucht Zuflucht bei Mattias, einem alten Mann, der zu den Rebellen gehört. Bei ihm versteckt sich auch Jonatan. Gemeinsam befreien sie Orvar, Jonatan bringt den Rebellenführer in Sicherheit. Krümel bewahrt Sofia davor, von Jossi in eine Falle gelockt zu werden. Der Verräter flieht und ertrinkt. Dann schlagen die vereinigten Rebellen des Kirschtals und des Dornrosentals los, sie greifen die Schwarzen Reiter an. Der Kampf verläuft zunächst gut, doch da greift Tengil ein. Er ruft Katla herbei, die die Rebellen in die Flucht schlägt. Jonatan, dem es eigentlich widerstrebt, jemanden zu töten, stellt sich Tengil entgegen. Er entwindet ihm das Kriegshorn - so fällt der Tyrann seiner eigenen Kreatur zum Opfer. Mattias, in dem Krümel so etwas wie einen Großvater sieht, wird bei den Kämpfen getötet. Jetzt muss noch der Drache beseitigt werden. Jonatan und Krümel locken das Ungeheuer in die Katlahöhle. Es gelingt Jonatan zwar, Katla in den Abgrund zu schleudern, doch er wird vom Drachenfeuer versengt, sein Körper wird gelähmt.

Es wird Nacht - Krümel und der sterbende Jonatan sitzen am Lagerfeuer. Als Jonatan erzählt, dass man nach Nangilima kommt, wenn man in Nangijala stirbt, und dass dort auch schon Mattias wartet, steht Krümels Entschluß fest. Gemeinsam mit Jonatan springt er in den Abgrund, und tatsächlich sieht er gleich darauf das Licht Nangilimas...

Der Film:

Dieser zeitlose Klassiker ist die Spielfilmversion einer fünfteiligen Fernsehserie. Soweit ich weiß, gibt es die komplette Serie nicht auf DVD oder VHS - und das ist sehr schade, denn die Filmversion ist höchstwahrscheinlich gekürzt. Jedenfalls war jede Episode der Serie ca. 25 Minuten lang, der Film hat aber nur eine Länge von ca. 103 Minuten. Mir sind auch mehrere ziemlich "harte" Schnitte aufgefallen, d.h. die eine oder andere Szene endet sehr abrupt, was man auch an der unvermittelt abbrechenden Filmmusik merkt.

Trotzdem ist der Film auch nach 30 Jahren noch ein Hochgenuss, und zwar auch für Erwachsene, obwohl er als Kinderfilm deklariert wird. Genau damit mag so mancher seine Probleme haben, denn die behandelten Themen sind nicht ohne Brisanz. Es geht um Tod, Selbstmord und Wiedergeburt. Das Konzept von mehreren "realen" Welten, in die man nach dem Tod kommt, widerspricht natürlich der christlichen Lehre. Dass Krümel und Jonatan am Ende des Films Selbstmord begehen, um wiedergeboren werden zu können, wird zwar nicht explizit gezeigt oder gesagt, aber Zweifel kommen trotzdem nicht auf. Auch die Frage, ob Gewalt Gegengewalt rechtfertigt, wird gestreift. Und natürlich gibt es auch so manche Kampfszene. Man könnte sich also fragen, ob der Film überhaupt für Kinder geeignet ist. Immerhin: Es werden moralische Fragen gestellt, was man von modernen Actionfilmen, die im Fernsehen auch im Kinderprogramm laufen, nicht immer behaupten kann. Ich habe die Serie (oder den Film? Ich weiß es nicht mehr) im zarten Alter von elf oder zwölf Jahren gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich die genannten Aspekte so gar nicht richtig wahrgenommen. Vermutlich habe ich gedacht, Krümel und Jonatan seien gar nicht tot. Jedenfalls hat für mich immer die abenteuerliche, fantasievolle Geschichte des Kampfs um Nangijala im Vordergrund gestanden. Und ich wurde auch nicht seelisch traumatisiert, nur weil nach dem Film kein Erwachsener stundenlang mit mir drüber diskutiert hat...

Sieht man sich den Film heute an, kann man durchaus noch beeindruckt sein, vor allem von den stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen. Es gibt natürlich so manche Schwäche, vor allem Katla wirkt aus heutiger Sicht eigentlich nur lächerlich, und die Kampfszenen wirken eher unbeholfen. Aber warum sich auf diese altertümlichen Effekte konzentrieren (zumal sie nur sehr sparsam eingesetzt werden), wenn die ganze Atmosphäre des Films einfach klasse ist? Der Film ist nicht so ultra-realistisch, wie man es von moderneren Produktionen her kennt, aber das ist kein Kritikpunkt - im Gegenteil: Damit wird das Märchenhafte des Landes Nangijala noch deutlicher. Vor Krümels Tod sieht man alles in Sepia-Farbtönen. Erst in Nangijala kommt Farbe dazu - und die ersten Szenen mit dem strahlenden Weiß der Kirschblüten, dem saftigen Grün der Wiesen, den schmucken kleinen Häuschen und so weiter habe ich nie vergessen. Auch die schauspielerischen Leistungen können überzeugen - dies ist einer der wenigen Filme, in denen es nicht nervt, dass der Hauptdarsteller ein kleines Kind ist. Man schließt Krümel sofort ins Herz und kann auch als Erwachsener noch mit ihm mitfiebern.

Ich finde den Film klasse, und sollte man mir vorwerfen, dass das nur an romantisch verklärten Kindheitserinnerungen liegt, dann habe ich damit kein Problem...

Die DVD:

Wie schon gesagt, ist die auf dieser DVD vorliegende Version vermutlich unvollständig. Ich konnte nicht herausfinden, ob und ggf. welche Szenen fehlen - auch nicht, ob die komplette Serie irgendwo erhältlich ist. Die DVD enthält keinerlei Bonusmaterial, was ich ebenfalls sehr schade finde. Immerhin kann man über Bild- und Tonqualität nicht meckern, genauer gesagt: So schön hat der Film noch nie zuvor ausgesehen.

J. Kreis, 19.04.2007
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