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My Name is Bruce My Name is Bruce (USA, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Capelight
FSK: 16
Laufzeit: ca. 81 Minuten

Extras
Audiokommentar, Trailer, Wendecover

Regie:
Bruce Campbell

Hauptdarsteller:
Bruce Campbell
Taylor Sharpe (Jeff Graham)
Grace Thorsten (Kelly Graham)
Ben McCain (Bürgermeister)
Ted Raimi (Mills Toddner / Wing / Maler)
James J. Peck (Guan-Di)




Inhalt:

Vor über hundert Jahren, Mitte des 19. Jahrhunderts sind in dem kleinen Goldgräberstädtchen Gold Lick/Oregon ca. 100 chinesische Minenarbeiter bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen. Zum Schutz der verschütteten Toten wurde Guan-Di beschworen, der chinesische Kriegsgott und Beschützer des Tofu. Der Grubeneingang wurde mit einem magischen Amulett versiegelt, das Guan-Di daran hindert, ins Freie zu kommen. Von alldem ahnen der etwas schüchterne Jeff und sein Freund nichts, als sie sich eines Nachts mit zwei Mädels auf dem Friedhof vergnügen, der vor dem Mineneingang angelegt wurde. Jeff entfernt das Amulett und nimmt es mit. Prompt erscheint der mordgierige Dämon und greift die Jugendlichen an. Nur Jeff kommt mit dem Leben davon. In der folgenden Zeit verlieren mehrere Einwohner von Gold Lick diverse Körperteile (meist ihren Kopf), denn Guan-Di wird nicht eher ruhen, bis der Dieb des Siegels und all seine Verwandten ausgerottet sind - und da in dem 300-Seelen-Kaff praktisch jeder mit jedem verwandt ist, bedeutet dieser Fluch nichts anderes als das Todesurteil für die gesamte Bevölkerung.

Da Jeff der Welt größter Bruce-Campbell-Fan ist, kommt er auf die geniale Idee, den Helden unzähliger Horrorfilme um Hilfe zu bitten, denn wer wäre für den Kampf gegen einen Dämon besser geeignet als jemand, der bereits Horden von Zombies besiegt hat? Bruce hat allerdings ganz andere Sorgen: Er ist frisch geschieden und haust in einem Wohnwagen, sein Manager Mills Toddner vermittelt ihm nur noch Rollen in grottenschlechten B-Movies wie "Cave Alien 2", und der Whisky ist alle. Er knallt Jeff, der mitten in der Nacht anklopft, die Tür vor der Nase zu. Kurz entschlossen zieht Jeff seinem Helden eins mit dem Baseballschläger über, verfrachtet ihn in den Kofferraum seines Autos und entführt ihn nach Gold Lick. Als Bruce am nächsten Tag wieder zu sich kommt, hält er die ganze Aktion für eine gelungene Geburtstagsüberraschung Toddners, amüsiert sich prächtig und beschließt mitzuspielen - nicht zuletzt deshalb, weil Jeffs attraktive Mutter Kelly es ihm angetan hat.

Nachdem er dafür gesorgt hat, dass die Bewohner Gold Licks sich mit allerlei Schusswaffen ausgestattet haben, ruft Bruce zur fröhlichen Monsterhatz auf. Er muss allerdings schnell feststellen, dass Guan-Di real und extrem gefährlich ist - prompt gibt er Fersengeld und verkriecht sich wieder in seinem Wohnwagen. Jetzt begreifen seine Bewunderer endlich, dass er nur ein großmäuliger Feigling ist. Jeff erkennt, dass wahres Heldentum auch Opferbereitschaft erfordert. Er will sich dem Dämon allein stellen. Das teilt er Bruce telefonisch mit. Dadurch wird auch Bruce endlich geläutert, er kehrt nach Gold Lick zurück, versöhnt sich mit Kelly und eilt Jeff zu Hilfe. Wie sich herausstellt, kann man Guan-Di ablenken, indem man ihn mit Tofupackungen bewirft (er muss das Zeug ja beschützen). Da Jeff zufälligerweise Dynamit dabei hat, ist der Plan einfach: Bruce lockt Guan-Di mit Tofu in die Mine, Jeff jagt diese dann in die Luft. Bruce wird zwar von den Trümmern begraben, überlebt aber und kann das Amulett wieder anbringen.

Dummerweise interessiert das den Dämon überhaupt nicht! Erneut schickt er sich an, die drei Menschen von ihren Köpfen zu befreien. Doch da sorgt Bruce dafür, dass der Film gestoppt wird und ein Happy-End erhält, bei dem Bruce, Kelly und Jeff als glückliche, propere Familie zusammenleben. Nun ist Bruce zufrieden, aber der hartnäckige Dämon springt durch die Kinoleinwand und greift sich den entsetzten Monsterjäger...

Der Film:

Solltet ihr Bruce Campbell nicht kennen, dann tut euch "My Name is Bruce" lieber nicht an. Objektiv gesehen ist der Film nämlich eine eher lahme Klamotte mit wenig origineller Minimal-Handlung, bei der man sich nur über einzelne gelungene Gags amüsieren kann, während man ansonsten meist platte Witze und zotigen Humor recht übler Sorte ertragen muss. Die oft verwendete Bezeichnung "Horror-Komödie" passt nicht so recht. Der Gruselfaktor tendiert gegen Null, obwohl mindestens ebenso viele Köpfe rollen wie in Sleepy Hollow, ganz abgesehen von gespaltenen Schädeln, abgetrennten Händen, aufgeschlitzten Kehlen und dergleichen. Was mich wieder einmal zu der Erkenntnis bringt, dass die FSK bei der Alterseinstufung manchmal merkwürdige Entscheidungen trifft. Dass ein Film wie dieser ab 16 freigegeben wird, weil er halt lustig ist, und andererseits Werken wie z.B. Dumplings oder Save the Green Planet (nur zwei wahllos aus meiner Liste herausgepickte Beispiele) die Jugendfreigabe verweigert wird (vielleicht, weil die Ironie nicht verstanden wurde?), ist für mich kaum nachvollziehbar. Gut, bei Guan-Di handelt es sich allzu offensichtlich um einen Mann in einem Gummianzug, was natürlich Absicht ist. Der "Dämon" sieht mit seinem weißen Rauschebart kaum furchteinflößend aus, da helfen auch die rot leuchtenden Augen und die Fangzähne nicht. Aber die durchweg handgemachten (sprich: keine CGI) Splatter-Effekte haben es durchaus in sich, und es spritzt eine ganze Menge rote Flüssigkeit durch die Gegend. Außerdem wird massenhaft Alkohol konsumiert, es wird der Promiskuität gefrönt (nackte Tatsachen gibt's aber nicht zu sehen, macht euch da mal keine Hoffnungen), es werden viele garstige Worte gebraucht, ein Friedhof wird geschändet und Bruce klaut seinem Hund den Schnaps. Sowas sollen Jugendliche sehen dürfen? Ich kann's nicht fassen.

Aber zurück zum Thema. Die Kritikpunkte gelten natürlich nur für jene bedauernswerten Menschen, die noch keinen Bruce-Campbell-Film gesehen haben. Bekannt geworden ist der Mann mit dem markanten Kinn durch "Tanz der Teufel", danach ist er sozusagen zu einer Trash-Ikone geworden. In jüngerer Zeit hatte er Cameo-Auftritte in allen drei Spider-Man-Filmen (Ansager beim Wrestling in Teil 1, Türsteher in Teil 2 und Ober in Teil 3). Aus meiner Liste kann ich Armee der Finsternis und Bubba Ho-Tep empfehlen. Für Fans wie mich liegen die Dinge ein wenig anders. Die werden ob der unzähligen Anspielungen, Zitate und Insider-Gags entzückt in die Hände klatschen! Bruce Campbell liefert eine herrliche One-Man-Show ab und ist einfach genial als zynischer, unausstehlicher Möchtegern-Filmstar, der bei den Dreharbeiten jeden runterputzt und bei Abwesenheit durch eine Puppe mehr als ausreichend vertreten werden kann, zu Hause im siffigen Wohnwagen unter irrem Gelächter Whisky aus dem Hundenapf schlabbert, völlig versoffen um drei Uhr in der Nacht flennend vor Selbstmitleid bei seiner Ex-Frau anruft (die natürlich mit seinem "Freund" und Manager im Bett liegt), sich erfreut über einen Vierteldollar beugt, nur um von Jeff ausgeknockt zu werden, jeden einzelnen Bewohner von Gold Lick verarscht, immer einen übercoolen Spruch auf den Lippen hat, aber dann sofort vor Guan-Di reißaus nimmt, hilflose Omas und Katzen aus dem Auto wirft und am Ende doch noch über sich hinauswächst, um Kelly rumzukriegen. Das ist gnadenlose Selbstironie, dafür muss man Bruce einfach lieben, und dadurch wird der Film vielleicht auch für Nicht-Fans sehenswert.

Die Vorgeschichte mit den ums Leben gekommenen Chinesen wird u.a. durch zwei Bewohner Gold Licks vermittelt, die zwischen den "normalen" Szenen ein Liedchen trällern - das ist auch so eine verrückte Idee dieses Films. Alte Freunde Campbells haben Cameo-Auftritte, auch Ted Raimi ist in gleich drei Rollen mit von der Partie. Leider nerven zwei davon (der chinesische Friedhofswärter und der italienische Maler) eher und stören den ohnehin schon recht holprigen Verlauf der "Handlung". Es versteht sich übrigens von selbst, dass man den Film im englischen Original anschauen sollte. Die deutsche Synchronisation ist allenfalls mittelprächtig.

Die DVD:

Als Bonusmaterial ist zwar nur ein Audiokommentar vorhanden, aber der ist sehr unterhaltsam. Bruce Campbell und Produzent Mike Richardson vermitteln interessante Informationen, haben viele Anekdoten in petto und geben sich immer wieder die Stichworte für köstliche Gags. Ich habe mich ein bisschen über die Bildqualität geärgert, denn in den naturgemäß nicht gerade seltenen Szenen mit Dunkelheit und/oder Nebel treten teils heftige Blockartefakte und Bildrauschen auf. Gefreut habe ich mich dagegen über das Wendecover: Man kann das Ding aus der Hülle nehmen und umdrehen - dann hat man ein Cover ohne dieses bescheuerte neue FSK-Logo.

J. Kreis, 26.07.2009


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