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Brothers Grimm Brothers Grimm (GB / USA / Tschechien, 2005)
- The Brothers Grimm -

DVD - Regionalcode 2, Concorde
FSK: 12
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras
Audiokommentar von Terry Gilliam, Trailer

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Matt Damon (Wilhelm Grimm)
Heath Ledger (Jakob Grimm)
Lena Headey (Angelika)
Peter Stormare (Cavaldi)
Jonathan Pryce (Delatombe)
Monica Bellucci (Königin)




Inhalt:

Anfang des 19. Jahrhunderts bereisen die Gebrüder Grimm das von den Franzosen besetzte Deutschland und sammeln Volksmärchen. Gleichzeitig betätigen sie sich aber auch als Geisterjäger. Allerdings exorzieren sie nicht etwa echtes Höllengezücht, sondern inszenieren den Spuk mit allerlei technischen Hilfsmitteln und sonstigen Spielereien sowie mit Hilfe zweier minderbemittelter Assistenten selbst. Auf diese Weise lässt es sich gut leben - bis General Delatombe auf das Treiben aufmerksam wird. Er lässt die Gebrüder verhaften und stellt ihnen wegen ihrer Vergehen einen besonders schmerzhaften Tod in Aussicht, bietet ihnen aber sogleich einen Ausweg an. Im Städtchen Marbaden sind nämlich mehrere kleine Mädchen auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Gebrüder Grimm sollen sich um die Angelegenheit kümmern. Cavaldi, der italienische Folterknecht Delatombes, wird ihnen als Aufpasser zur Seite gestellt.

Zusammen mit der Fallenstellerin Angelika, die sich im finsteren Wald gut auskennt, erkunden die Gebrüder die Umgebung Marbadens. Angelika führt sie zu einem mitten im Wald stehenden Turm, der keinen Eingang hat. Der Legende nach soll sich dort vor vielen Jahrhunderten eine Königin eingeschlossen haben, um sich vor der Pest zu schützen. Die Grimms und ihre Begleiter werden von wandelnden Bäumen, eigenartigen Insekten und anderen seltsamen Phänomenen angegriffen und aus dem Wald vertrieben. Wilhelm (Will) Grimm ist fest davon überzeugt, dass es für alles eine natürliche Erklärung geben muss. Sein Bruder Jakob (Jake) dagegen glaubt an das Wirken echter Magie. Er findet heraus, dass die böse Königin noch immer in dem Turm lebt. Sie hat das Geheimnis der Unsterblichkeit enträtselt, dummerweise aber nicht das der ewigen Jugend... Mittels eines Rituals, für das sie 12 junge Mädchen braucht, will sie ihre verlorene Schönheit zurückgewinnen, doch das Ritual kann nur während einer Mondfinsternis vollendet werden.

Will lässt sich überzeugen und hilft Jake, in den Turm einzudringen. Während Jake dort fast unter den Bann der Königin fällt, wird Will von einem Werwolf bedrängt. Die Bestie war einst Angelikas Vater, ist nun aber der Königin verfallen. Will und Jake müssen fliehen, werden dann aber wieder einmal von Delatombe aufgegriffen, der sich jetzt selbst um die Sache kümmern will. Er befiehlt seinen Soldaten kurzerhand, den Wald niederzubrennen. Will und Jake sollen gleich mit abgefackelt werden. Angelika befreit sie, wird dann aber vom Werwolf entführt. Sie soll das zwölfte für das Ritual benötigte Mädchen sein. Jake begibt sich erneut in den Turm, wo das Ritual seinen Lauf nimmt: Endlich ist die Königin wieder jung und schön. Will besiegt derweil Delatombe und folgt Jake. Doch den magischen Kräften der Königin sind die beiden nicht gewachsen. Sie bringt Jake dazu, Will mit einem Schwert zu durchbohren, schenkt dem tödlich Verwundeten aber das Leben, indem sie ihn anstelle von Angelikas Vater in ihre Dienste nimmt.

Erst als Jake den magischen Spiegel der Königin zerschlägt, wird der Bann gebrochen. Die Königin zerfällt wie ihr Spiegel in tausend Scherben, auch der Turm stürzt ein. Jake überlebt inmitten der vielen Matratzen des königlichen Bettes. Noch ist die Mondfinsternis nicht vergangen, deshalb kann Jake Angelika mit einem Kuss erwecken. Auch die Kinder erwachen unbeschadet, und selbst Will ist wieder gesund und munter. Und wenn sie nicht gestorben sind...

Der Film:

Wie man der Inhaltsangabe unschwer entnehmen kann, ist dies alles andere als eine Verfilmung des Lebens der realen Gebrüder Grimm. Das sollte man ganz einfach wissen, damit man nicht etwa einen authentischen Historienfilm erwartet. Nur der erste Satz obiger Zusammenfassung stimmt mit den historischen Tatsachen überein. Zum Rest könnte man sagen: Die Gebrüder Grimm werden zum Bestandteil ihrer Märchen. Denn "Brothers Grimm" ist ein buntes Fantasy-Actionspektakel, das aus Elementen aller möglichen Märchen der Grimm'schen Sammlung zusammengesetzt ist. Als da wären (um nur ein paar Beispiele zu nennen): Eine schlafende Schönheit, die man wachküssen muss. Eine böse Königin, die ihren Spiegel fragt, wer die Schönste im ganzen Land sei. Ein Bett aus einem Dutzend Matratzen. Eine Kröte mit besonderen Vorlieben. Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren. Ein Mädchen mit rotem Cape, das vom Wolf verfolgt wird.

Als Märchencollage funktioniert der Film manchmal sogar für die Dauer der einen oder anderen Szene, aber eine etwas besser durchdachte Story hätte ihm gut getan. Der recht aufgesetzt wirkende und zu keinem Zeitpunkt für die Handlung wichtige Konflikt zwischen den beiden Brüdern reißt es auch nicht raus. Der Film bleibt jedenfalls um Lichtjahre hinter anderen Werken Terry Gilliams zurück, man denke nur an Brazil oder seine Mitwirkung an den Werken der Monty Pythons. Wenn die letzte Szene vorbei ist, fragt man sich unwillkürlich, wann denn endlich der Film von Terry Gilliam anfangen mag, denn bis dahin hat man allenfalls Andeutungen des ironischen Humors und der verdreht-genialen Phantasie Gilliams zu sehen bekommen.

Was den Film wirklich zur Enttäuschung werden lässt, sind die teilweise unglaublich schlechten CGI-Effekte und das Over-Acting von Heath Ledger. Auch Peter Stormare hätte sich ab und zu lieber ein wenig zurückhalten sollen, aber die Figur des chronisch erfolglosen Folterknechts ist vor allem im Zusammenspiel mit Jonathan Pryce als Delatombe wenigstens interessanter als die des hyperaktiven Schussels "Jake". Nur die Szene mit dem Menschen-Quirl ist unverzeihlich - da muss ein niedliches Kätzchen dran glauben! Schäme Er sich! Cavaldis plötzliche Wandlung vom durchgeknallt-brutalen Schergen Delatombes zum netten Kumpel wirkt leider völlig unglaubwürdig. Warum Angelika sich plötzlich in die Brüder Grimm verliebt, kann man genauso wenig nachvollziehen. Die Spezialeffekte sind wie gesagt ein großer Kritikpunkt, allerdings gilt das nur für die computergenerierten Kreaturen. Nur wenige dieser Effekte können sich wirklich sehen lassen, zum Beispiel die zerfallende Königin oder das Kind ohne Gesicht. Die Matte-Paintings und die detailreich ausgearbeiteten Sets sind teilweise sogar sehr gut gelungen. Auch sonst bekommt man durchaus ordentlich was für's Auge geboten: Opulente Ausstattung, prächtige Kostüme...

Leider ist aus "Brothers Grimm" nicht so ein düsteres, bedrohliches Märchen geworden wie z.B. Zeit der Wölfe. Zu dick werden Klamauk und Action aufgetragen, zu wenig kann man sich mit den beiden "Helden" identifizieren. Das Fürchten lernt man höchstens angesichts solch grottiger Effekte wie der Brunnenschlamm-Kreatur...

Die DVD:

Die Single-Disc-Edition enthält lediglich einen Audiokommentar des Regisseurs. Terry Gilliam plaudert durchaus unterhaltsam über die gesamte Filmlänge und vermittelt viele Informationen, er gibt auch so manche Anekdote zum Besten. Der Audiokommentar ist sogar untertitelt. Es gibt auch eine 2-Disc-Version mit mehr Bonusmaterial. Aber wer braucht das schon bei einem so enttäuschenden Film...

J. Kreis, 06.03.2007
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