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Bloodrayne XXL Directors Cut Bloodrayne - XXL Director's Cut (USA / Deutschland, 2005)

DVD - Regionalcode 2, Splendid Film
FSK: -- (JK/SPiO-Freigabe)
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
Behind the Scenes, Deleted + Extended Scenes, VFX Scenes, Interviews Cast + Crew, Dinner mit Uwe Boll, Trailer

Regie:
Uwe Boll

Hauptdarsteller:
Kristanna Loken (Rayne)
Michael Madsen (Vladimir)
Ben Kingsley (Kagan)
Matt Davis (Sebastian)
Michelle Rodriguez (Katarin)




Inhalt:

Irgendwann in einer mittelalterlichen Fantasywelt: Das Land wird von Vampiren geplagt. Noch müssen die Vampire sich verstecken, da sie von den Jägern der von Rom aus geleiteten Brimstone-Allianz gnadenlos verfolgt werden. Doch Lord Kagan, der mächtigste aller Vampire, ist bereits dabei, Brimstone zu vernichten. Zu diesem Zweck hat er eine Armee menschlicher Söldner aufgestellt, denen er das ewige Leben verspricht. Um die Menschen endgültig unterwerfen zu können, braucht Kagan drei Artefakte. Es sind Körperteile des Vampirs Beliar, der vor Jahrhunderten zerstückelt worden ist. Diese Artefakte würden ihm zusätzliche Macht verleihen.

Vladimir, Sebastian und Katarin, drei Brimstone-Jäger, werden auf Rayne aufmerksam, eine junge Frau, die als Freak in einem Zirkus vorgeführt wird. Man fügt ihr dort immer wieder grausige Wunden zu, die sofort verheilen, wenn Rayne Blut trinkt. Allerdings machen Tageslicht und Kreuze ihr nichts aus. Sie ist ein "Damphir" - halb Mensch, halb Vampir, doch davon weiß sie zunächst nichts. Eines Tages gelingt Rayne die Flucht. Sie gerät in einen Blutrausch und metzelt ihre Peiniger nieder, tötet dabei aber auch ihre einzige Freundin. Später erfährt sie, dass sie Kagans Tochter ist. Kagan hatte ihre Mutter einst vergewaltigt und später vor ihren Augen ermordet. Raynes einziges Ziel ist Rache: Sie will Kagan töten. Sie trinkt niemals Blut von Menschen, ihre Opfer sind ausschließlich Vampire.

Während Rayne sich das erste von Kagan gesuchte Artefakt aneignet (das Auge Beliars, durch das sie die vampirtypische Anfälligkeit gegen Wasser verliert), wird sie sowohl von den Brimstone-Leuten als auch von Kagans Obersöldner Domastir verfolgt. Domastir gelingt es zwar, sie gefangen zu nehmen, aber Vladimir befreit sie und bringt sie ins Hauptquartier der Brimstone-Allianz. Dort verliebt Rayne sich in den jungen Vampirjäger Sebastian, außerdem wird sie im Kampf ausgebildet. In Vladimirs Abwesenheit ermöglicht Katarin es Domastir, die Brimstone-Festung zu erobern. In Wahrheit arbeitet sie nämlich für ihren Vater Elrich, der zum Vampir geworden ist und an Kagans Stelle über das Land regieren möchte. Ihm will sie Beliars Herz bringen, das in der Brimstone-Festung versteckt ist. Rayne nimmt es ihr jedoch ab und tötet sie.

Um in Kagans Festung gelangen zu können, lässt Rayne sich gefangen nehmen. Sie behauptet, sie wolle Kagan Beliars Herz bringen - tatsächlich hat sie es sich jedoch selbst einverleibt. Auch Vladimir und Sebastian dringen in die Festung ein und befreien Rayne, die in einem Ritual geopfert werden soll. Im Kampf gegen Kagans Vampire und Söldner sterben die beiden Männer. Rayne besiegt ihren Vater und setzt sich selbst auf dessen Thron.

Der Film:

Au Weia. Alone in the Dark hätte mir eine Lehre sein müssen. Aber ich hab's ja nicht anders gewollt, ich war mal wieder zu neugierig. "Bloodrayne" ist nämlich ein gutes (obwohl "gut" in diesem Zusammenhang nicht das richtige Wort ist) Beispiel dafür, dass selbst namhafte Schauspieler nicht gegen ein schlechtes Drehbuch und beknackte Dialoge ankommen können. Und dass tolle Sets, schöne Landschaftsaufnahmen und gelungene Spezialeffekte es auch nicht herausreißen. Dabei ist die Story nicht mal schlechter als in den meisten anderen Filmen dieses Genres, sie ist halt nichts Besonderes. Im Grunde ist sie genauso nebensächlich und vorhersehbar wie die Story eines Videospiels - und "Bloodrayne" basiert auf zwei gleichnamigen Games. Die habe ich allerdings nie gespielt. Zu Anspielungen, Parallelen und Abweichungen kann ich also nichts sagen. Kennzeichnend für den Film ist dreierlei: 1.: Die absolute Lustlosigkeit und Unbeholfenheit fast aller Schauspieler, 2.: die lieblos-wirre Inszenierung und 3.: die grotesk übertriebene Gewaltdarstellung.

Zu 1.: Ich muss mich wirklich wundern, dass Leute wie Michael Madsen, Billy Zane, Meat Loaf (!), Ben Kingsley (!!) und Geraldine Chaplin (!!!) sich für diesen Film hergegeben haben. Ich nehme an, da haben ein paar Leute ganz dringend Geld gebraucht, anders kann ich mir das nicht erklären. Wenn man sich das hilflose Herumgestolpere von Madsen oder den mal angewiderten, mal stoischen Gesichtsausdruck von Kingsley anschaut, dann kann man nur zu dem Schluß kommen: Den Schauspielern war schon während der Dreharbeiten klar, was bei der Sache herauskommen würde. Wie Frau Chaplin den Weg auf die Besetzungsliste gefunden hat, werde ich wohl nie verstehen. Kristanna Loken gibt sich zwar redlich Mühe, eine von inneren Stimmen gequälte, von Rache- und Blutdurst getriebene Kämpferin zu spielen. Sie entledigt sich gar in einer (leider trotzdem völlig unerotischen) Szene ihrer Oberbekleidung. Aber wenn sie mit ihren beiden extrem unpraktisch aussehenden und offensichtlich viel zu schweren Schwertern herumzufuchteln versucht, dann empfindet man nur eins: Mitleid. Die Kamfpszenen sind generell unglaublich schlecht choreographiert. Man sieht meist deutlich, dass Stuntman A einfach nur sein Schwert in die Luft hält, damit Stuntman B draufschlagen kann. Selbst das Design der Schwerter sorgt für Stirnrunzeln. Die Dinger scheinen weder Spitze noch Schneide zu haben. Wäre ja auch schlimm, wenn jemand sich damit verletzen würde.

Zu 2.: Ausnahmsweise hat man es in "Bloodrayne" nach all den modernen Vampirfilmen nach "Blade"-Vorbild mal wieder mit "klassischen" Vampiren zu tun. Aber von einer entsprechend bedrohlichen oder düster-romantischen Atmosphäre ist in diesem Film nichts zu bemerken. Wenn ich mir vorstelle, was ein Tim Burton wohl aus dem anfänglichen Zirkus-Szenario gemacht hätte... Wie schon bei "Alone in the Dark" läuft auch in diesem Film alles ab einem bestimmten Zeitpunkt völlig aus dem Ruder. Irgendwelche Nebenfiguren tauchen aus dem Drehbuch-Nirwana auf und erfüllen bestenfalls die Funktion, auf interessante Weise niedergemetzelt zu werden. Die Logik bleibt mehr und mehr auf der Strecke und man hat das Gefühl, eine wahllose Aneinanderreihung von Szenen zu sehen, die irgendwie dazu führen, dass Rayne sich direkt in Kagans Klauen begibt. Als ob sie nicht geahnt hätte, was dann mit ihr passieren würde. Doch halt! Da sind ja noch ihre treuen Freunde, die sich zu zweit gegen ca. 100 Gegner stellen, natürlich sofort eingekerkert werden (warum man sie nicht einfach tötet, bleibt mir schleierhaft) und es auf unglaublich dämliche Weise dennoch schaffen, ihrer Gefährtin im letztmöglichen Augenblick beizustehen.

Zu 3.: Die Metzel-Blutorgie, die hier abgefeiert wird, sucht in aktuellen Filmen ihresgleichen. Da werden Bäuche aufgeschlitzt, dass das Kunstblut meterhoch in den Himmel spritzt, Gliedmaßen und Köpfe werden abgehackt oder zermanscht, ganze Rümpfe werden in zwei Hälften (sowohl längs als auch quer) geschnetzelt, Kehlen werden aufgeschnitten, diverse spitze Gegenstände werden quer durch Gesichter oder andere Bereiche der Anatomie getrieben und so weiter. Den Gipfel- bzw. Tiefpunkt bildet eine Szene, in der ein paar Typen unmotiviert auf einen am Boden liegenden Körper einhacken. Der Kopf ist noch erkennbar, der Rest ist roter, glibberiger Matsch, aus dem der Lebenssaft heraussuppt. Das sind alles maskenbildnerische Effekte, keine Computergrafiken. Sie wirken durchaus überzeugend, aber die Art und Weise ihres Einsatzes ist völlig überzogen. Sie sind meiner Meinung nach reiner Selbstzweck und damit überflüssig. Es kann sein, dass der "XXL Director's Cut" mehr Gore enthält als die normale Verkaufsversion, die übrigens eine FSK-18-Einstufung erhalten hat.

"Bloodrayne" ist sicher nicht der schlechteste Film aller Zeiten, aber sehenswert ist er bestenfalls wegen der Spezialeffekte.

Die DVD:

Das Bonusmaterial klingt nach viel, gibt aber wenig her. Der größte Batzen besteht aus unkommentierten Aufnahmen von den Dreharbeiten, dem Kampftraining und der Entstehung einiger maskenbildnerischer Effekte ("Behind the Scenes") und läuft ca. eine Stunde lang. Hinzu kommen ein paar ultrakurze Interview-Schnipsel, die außer Eigenlob praktisch keinerlei Informationen vermitteln, wenige entfallene Szenen, die den Film auch nicht besser gemacht hätten, und eine Montage verschiedener CGI-Effekte ("VFX-Scenes").

"Krönender" Abschluss ist das so genannte "Dinner mit Uwe Boll" (ca. 48 Minuten (!), englisch mit deutschen Untertiteln). Das ist wohl das bizarrste Interview, das ich je gesehen habe. Ich konnte nicht herausfinden, wer die beiden Leutchen sind, die da in ziemlich unterkühlter, ungemütlicher Atmosphäre mit Uwe Boll an einem wackeligen Tisch sitzen und irgendwelchen Kram mampfen, den sie offenbar beim Chinesen um die Ecke in Styroporboxen mitgenommen haben, während Boll ohne Punkt und Komma mit grausigstem Akzent labert. Das Ganze sieht für mich derart gezwungen aus, dass es direkt peinlich ist. Was Boll zu sagen hat, muss man sich teilweise zweimal anhören, um es zu glauben. Selbstkritik scheint ihm völlig wesensfremd zu sein. Kritiker macht er gnadenlos nieder. Allerdings hat er nicht ganz unrecht, wenn er Kritiken als unfair bezeichnet, die nicht erkennen lassen, warum seine Filme als schlecht bezeichnet werden...

J. Kreis, 04.12.2006
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