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Batman Begins Batman Begins - Special Edition (USA, 2005)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 134 Minuten

Extras
8 Featurettes, "Geheime Dokumente", Bildergalerie, DVD-ROM (Internetlinks)

Regie:
Christopher Nolan

Hauptdarsteller:
Christian Bale (Bruce Wayne / Batman)
Michael Caine (Alfred Pennyworth)
Liam Neeson (Henri Ducard / Ra's Al Ghul)
Katie Holmes (Rachel Dawes)
Gary Oldman (Jim Gordon)
Morgan Freeman (Lucius Fox)
Cillian Murphy (Dr. Jonathan Crane / Scarecrow)
Tom Wilkinson (Carmine Falcone)
Rutger Hauer (Earle)
Ken Watanabe (Ra's Al Ghul)




Inhalt:

Der achtjährige Bruce Wayne, jüngster und letzter Spross der mächtigen und märchenhaft reichen Wayne-Familie, wird tief traumatisiert. Erst stürzt er im Garten des schloßähnlichen Familiensitzes in einen Brunnen, der über einen Seitenschacht mit einer riesigen Höhle verbunden ist, und wird dort von Fledermäusen attackiert. Wenig später muss er mit ansehen, wie seine Eltern nach einem Theaterbesuch in Gotham City von einem Räuber erschossen werden. Dieses Trauma weckt Schuldgefühle in Bruce, die Angst vor Fledermäusen wird er ebenfalls nicht los. Er wächst unter der Obhut des Butlers Alfred auf, während Mr. Earle die Führung des Wayne-Firmenimperiums übernimmt. Jahre später kehrt Bruce wegen eines Anhörungstermins von der Princeton-Universität nach Gotham zurück. Joe Chill, der Mörder seiner Eltern, soll vorzeitig aus der Haft entlassen werden, weil er bereit ist, gegen den Gothamer Gangsterboss Carmine Falcone auszusagen. Dieses Unrecht will Bruce verhindern, er will Chill erschießen. Auf die Mahnungen seiner Jugendfreundin, der Anwältin Rachel Dawes, die ihm den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Rache erklären will, hört er zunächst nicht. Allerdings kommt es anders: Chill wird von Falcones Leuten getötet. Als Bruce Falcone zur Rede stellt, wird ihm klar, dass er sich von seiner behüteten Existenz in der Welt der Reichen entfernen muss, um die Natur des Verbrechens wirklich verstehen und es somit bekämpfen zu können.

Bruce taucht unter, bereist die ganze Welt und wird selbst zum Verbrecher bei dem Versuch, Kriminelle zu verstehen. Er wird zu einem harten, geschickten Kämpfer - diese Eigenschaften braucht er, um in einem Gefängins in Bhutan überleben zu können, wo er schließlich landet. Dort nimmt der geheimnisvolle Henri Ducard Kontakt mit ihm auf. Er wirft Bruce Ziellosigkeit vor und lädt ihn ein, sich den "Schatten" anzuschließen, einer Ninja-Geheimorganisation unter dem Oberhaupt Ra's Al Ghul, die angeblich seit Jahrhunderten für Gerechtigkeit kämpft. Bruce schafft es, den im Gebirge liegenden Tempel Ra's Al Ghuls zu erreichen. Dort wird er von Ducard persönlich ausgebildet, erwirbt geradezu übermenschliche Kamfpkraft und überwindet die Ängste seiner Kindheit. Als schließlich von ihm verlangt wird, einen angeblichen Mörder zu töten und anschließend nach Gotham zurückzukehren, um diesen Sündenpfuhl zu vernichten, wendet er sich gegen Ra's Al Ghul. Er besiegt ihn und brennt den ganzen Tempel nieder, rettet aber Ducard. Nach insgesamt sieben Jahren kehrt Bruce nach Gotham zurück, denn jetzt ist er bereit, den Kampf gegen das Verbrechen aufzunehmen. Damit tritt er in besonderer Weise in die Fußstapfen seines Vaters, der sein Leben und seine Firma ebenfalls dem öffentlichen Wohl gewidmet und unter anderem ein preiswertes Schienenverkehrsnetz mit dem Wayne Tower als Zentrum eingerichtet hatte. Zunächst ist nur Alfred, der treue alte Butler, in diese Pläne eingeweiht. Gemeinsam bauen sie die Höhlen unter Wayne Manor zu einer geheimen Operationszentrale aus.

In der Fledermaus findet Bruce das Symbol, zu dem er selbst werden will, um seine mächtigste Waffe gegen die Verbrecher einzusetzen: Die Angst. In der düsteren Maske Batmans, eines vermeintlich übernatürlichen, unverwundbaren und mit unglaublichen Fähigkeiten ausgestatteten Schattenwesens, verbreitet Bruce Furcht und Schrecken in Gothams Unterwelt, während er sich im "normalen Leben" als lebenslustiger Playboy gibt. Er führt zwar einen Einmannkrieg, kann aber auf sein gewaltiges Vermögen zurückgreifen. Außerdem hat er wertvolle Helfer. Lucius Fox, ein genialer Wissenschaftler von Wayne Enterprises, stattet ihn mit einem High-Tech-Waffenarsenal aus, zu dem auch das gepanzerte und schwer bewaffnete Batmobil gehört. Sergeant Jim Gordon von der Polizei steht ihm ebenfalls zur Seite. Batman lässt eine große Drogenlieferung Falcones auffliegen und liefert den Gangsterboss der Polizei ans Messer. Damit kommt er jedoch Ra's Al Ghul in die Quere, bei dem es sich in Wahrheit um niemand anderen als Henri Ducard handelt. Er hatte Falcone nur benutzt, um insgeheim eine besonders starke halluzinogene Substanz in Gothams Wasserversorgung einzuspeisen, mit der Menschen in totale Panik versetzt werden können. Auf diese Weise will Ra's Al Ghul Gotham vernichten, allerdings wirkt die Substanz nur, wenn man sie einatmet. Um das gesamte Wasser in der Stadt auf einen Schlag verdampfen zu können, entwendet Ducard einen von Wayne Enterprises entwickelten Mikrowellen-Emitter.

Dr. Jonathan Crane, Betreiber der Arkham-Irrenanstalt, ist einer von Ducards Schergen. Er setzt das Panikgas selbst ein, um in der Maske der bizarren Scarecrow (Vogelscheuche) Falcone mundtot zu machen und auch Waynes Freundin Rachel außer Gefecht zu setzen, die ihm auf die Spur gekommen war. Auch Batman macht Bekanntschaft mit der Vogelscheuche und ihrem Gas. Er kann mit letzter Kraft entkommen, Lucius Fox entwickelt ein Gegenmittel aus den Resten der Droge in Waynes Blut. Mit Gordons Hilfe rettet Batman Rachel, dann muss Bruce jedoch bei seiner eigenen Geburtstagsfeier erscheinen. Unter den Gästen ist auch Henri Ducard alias Ra's Al Ghul, dessen wahre Identität Bruce erst jetzt erkennt. Bruce "komplimentiert" seine Gäste hinaus, denn Gewalt liegt in der Luft. Tatsächlich wird er zusammengeschlagen, dann setzen die Ninjas Wayne Manor in Brand und lassen Bruce im Inneren zurück. Er wird jedoch von Alfred gerettet. Bruce ist zwar verletzt, stürzt sich aber als Batman in das Chaos, das ausbricht, als die Slums mit dem Panikgas überflutet und alle Insassen Arkhams befreit werden. Letztlich stehen Batman und Ra's Al Ghul sich in einer auf den Wayne Tower zurasenden Einschienenbahn gegenüber. Mit an Bord ist der Mikrowellenemitter, denn im Wayne Tower laufen alle Wasserleitungen zusammen. Würde die Bahn also den Tower erreichen, würde ganz Gotham im Chaos versinken.

Batman kann Ra's Al Ghul nicht besiegen, aber darum geht es ihm auch gar nicht. Er wollte seinen Widersacher nur ablenken, um Gordon Zeit zu geben, die Stützpfeiler der Bahn mit dem Batmobil zu zerschießen. Kurz bevor die Bahn abstürzt und zerschmettert wird, katapultiert Batman sich ins Freie - diesmal verzichtet er darauf, seinen einstigen Mentor zu retten. Mit dieser Tat wird Batman für die Öffentlichkeit zum Helden. Bruce bootet Mr. Earle aus, der Lucius Fox gefeuert und Wayne Enterprises in moralisch mehr als nur bedenkliches Fahrwasser gebracht hatte. Wayne Manor wird neu aufgebaut, dabei wird die Gelegenheit genutzt, ein paar Extras zu installieren. Aus der Beziehung mit Rachel wird aber erst einmal nichts, denn sie hat seine Doppelidentität durchschaut. Sie meint, nicht Batman sei die Maske - sondern Bruce Wayne. Und sie liebt nun einmal Bruce, nicht Batman. Gordon, inzwischen zum Lieutenant befördert, hat ein Signal entwickelt, mit dem er Batman gegebenenfalls zu Hilfe rufen kann. Er befürchtet, dass das Auftreten eines Superhelden auch zur Entwicklung von Superschurken führen könnte. Möglicherweise gibt es einen solchen bereits - einen Mörder, der am Tatort stets eine Spielkarte zurücklässt: Einen Joker...

Der Film:

"Batman Begins" stellt sozusagen einen Neustart des Batman-Mythos im Filmgenre dar. Das ist ein bisschen problematisch, denn Batmans Vorgeschichte ist ja nun schon in Batman, Batman Returns und Batman forever behandelt worden, wenn auch nicht sehr ausführlich. Ein Film, der den Blick noch einmal zurück auf Bruce Waynes Vergangenheit richtet und sich zunächst einmal auf diese Phase konzentriert, hätte deshalb zu einem müden Abklatsch oder uninteressanten x-ten Aufguss des stets gleichen Themas werden können. Immerhin dauert es eine geschlagene Stunde, bis Batman seinen ersten Auftritt hat. Dass "Batman Begins" dieses Schicksal nicht erleidet, d.h. dass der Zuschauer auch von der Vorgeschichte gefesselt wird und nicht nur darauf wartet, dass Batman endlich sein Cape schwingt, liegt zu einem großen Teil daran, dass keiner der Vorgänger kopiert wird. Stattdessen geht "Batman Begins" eigene Wege. Eine ganz neue Thematik kommt hinzu (Bruce Waynes Ausbildung bei den Ninjas), außerdem wird Bruce Waynes Charakter viel differenzierter entwickelt als bisher. Er hegt zuerst nur Rachegelüste, die er für ein Verlangen nach Gerechtigkeit hält. Als ihm das klar wird, will er verstehen, was das Wesen des Verbrechens ist, um es gezielt bekämpfen zu können (gut, Selbstjustiz ist noch immer das Mittel der Wahl, aber wir wollen nicht zu kritisch sein). Durch seine Ausbildung bei den Ninjas versteht er, dass er als einzelner Mann scheitern würde - er muss zu einem bedrohlichen Symbol, zu einem gefürchteten Mythos werden. Deshalb die Kostümierung als Batman und der Einsatz modernster Technologie, durch die der Eindruck erweckt werden soll, Batman habe übernatürliche Kräfte. Am Ende wissen wir nicht nur, wer Bruce Wayne ist, sondern auch, warum aus ihm Batman werden musste. Das war bei den früheren Filmen nicht so.

Es gelingt dem Film - und vor allem natürlich Christian Bale - hervorragend, diese Motivationen und diese Entwicklungen verständlich und glaubhaft werden zu lassen. Bales tolle schauspielerische Leistung rettet den Film davor, zu einer langweiligen Charakterstudie zu werden, was trotz der durchaus häufigen, genial gemachten und mit z.T. ordentlich großen Zerstörungen verbundenen Actionszenen leicht hätte geschehen können. Bale ist als Batman richtig schön grimmig, als Bruce Wayne dagegen ehrenhaft, sowie - wenn er in seine "öffentliche" Rolle schlüpft - elegant, aber oberflächlich und ein wenig dekadent. Im Grunde trägt der "echte" Bruce Wayne zwei Masken, fällt mir gerade auf. Die sehr düstere Atmosphäre und das besonders realistische Szenario tun dem Film ebenfalls gut. Beides ist nach dem übertrieben grellen Knallbonbon des letzten Films ("Batman & Robin") eine richtige Wohltat! Mit dem Stil der ersten beiden Filme, bei denen Tim Burton Regie geführt hat, ist er zwar auch nicht zu vergleichen, aber endlich ist Batman wieder der "Dunkle Ritter", als den ich mir dieses Figur immer vorgestellt habe, und er bewegt sich in einer ebenso dunklen, von Zerfall und Verbrechen beherrschten Welt. Der betonte Realismus des Films - ein Gegensatz zu Tim Burtons Version - tut der Glaubwürdigkeit Batmans sogar ganz gut. All seine coolen Ausrüstungsgegenstände, angefangen bei den Batarangs über den Batsuit bis hin zum eigens für diesen Film konstruierten Batmobil, könnten mit etwas Fantasie durchaus der modernen Militärtechnologie entnommen sein. Und wenn die Schurken in Batman ein monströses Schattenwesen sehen, dann liegt das eben an ihrer Furcht (oder später am Panikgas) vor diesem stets extrem schnell aus dem Dunkel zuschlagenden Phantom und nicht etwa an einer übertriebenen Darstellung im Film.

Als wäre Christian Bale noch nicht genug, um den Film zu tragen, sind auch noch alle anderen Hauptrollen genial besetzt. Michael Caine als durch und durch integrer, unerschütterlicher Beschützer des jungen wie des erwachsenen Bruce Wayne ist liebenswert, Liam Neeson zeigt, dass er weit mehr als nur einen etwas drögen Jedi-Ritter und dergleichen drauf hat, Morgan Freeman überzeugt als ebenso brillianter wie schlitzoriger Technik-Lieferant. Weniger gestandene Leute wie Cillian Murphy und Katie Holmes machen ihre Sache ebenfalls sehr gut. Letztere darf eine starke Frau spielen, die zwar meist gerettet werden muss, sich aber auch selbst zur Wehr setzen kann und dem armen Bruce sogar das Happy-End vermasselt. Der Regisseur hat auch keine Angst vor theatralischen, aber effektvollen Szenen: Batman hoch oben auf einem Wolkenkratzer vor nächtlicher Stadtkulisse - das hat was.

Die Action und die Effekte kommen natürlich auch nicht zu kurz. Es ist einfach klasse, Batman in Aktion zu sehen, wenn ich auch kritisch anmerken muss, dass ich die Verfolgungsjagd mit dem Batmobil nicht so prickelnd fand. Okay, Batman hatte, wie er selbst sagt, keine Zeit, sich um Verkehrsregeln zu kümmern. Aber was er da an Zerstörungen anrichtet und an Opfern unter den Polizisten in Kauf nimmt, ist zu übertrieben. Gotham City ist keine reale Stadt, sie besteht nur aus Kulissen und CGI. Davon merkt man aber nichts - ich hatte immer angenommen, es sei an echten Schauplätzen gedreht worden. Dass dem nicht so ist, erfährt man in den DVD-Extras (siehe unten).

Also: Der Neustart ist mehr als gelungen. Freuen wir uns auf den nächsten Batman-Film!

Die DVD:

Das ist mal eine etwas andere Art der Menüführung: Legt man die Bonus-DVD ein, sieht man zunächst einmal kein Menü, sondern eine Filmszene als Comic mit mehreren Seiten, durch die man blättern kann. Auf jeder Comicseite sind bestimmte Bereiche anklickbar, über die man die einzelnen Featurettes erreicht. Erst ganz am Ende des Comics findet man eine Auflistung des kompletten Bonusmaterials. Das ist zwar ganz witzig, aber auch ziemlich umständlich. Es gibt nämlich auch Comicseiten ohne Links, solche mit mehreren Inhalten und solche mit Inhalten, die in der Auflistung gar nicht erwähnt werden. Hinter den Links verbergen sich 8 je gut 13 Minuten lange Featurettes (die man leider nicht alle zusammen abspielen kann), einzelne versteckte Clips, Textinformationen mit Bildern zu Batmans Ausrüstung sowie zu seinen Verbündeten / Gegnern und eine Bildergalerie.

Die 8 Featurettes ergeben zusammen eine abendfüllende, sehr informative und unterhaltsame Dokumentation, in der ausführlich auf die Entwicklung der Story und der typischen Batman-Elemente (Anzug, Ausrüstung, Batmobil, Batcave, Gotham City) sowie auf das Kampftraining und die Stunts eingegangen wird. In "Die Entwicklung der Fledermaus" kommen auch einige Comiczeichner zu Wort und man bekommt Bilder aus den Batman-Comics der letzten Jahrzehnte zu sehen. Natürlich wird auch auf Frank Millers Neuinterpretationen eingegangen: "Die Rückkehr des Dunklen Ritters", vor allem aber "Year One" sind offenbar die wichtigsten Inspirationsquellen für diesen Film gewesen.

Vor allem sieht man, welcher Aufwand betrieben wurde, um den Film so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. So wurden verschiedene Bereiche Gotham Citys als riesige "Miniaturen" oder Kulissen in Originalgröße in mehreren Hallen aufgebaut, es wurde an realen Schauplätzen gedreht (zum Beispiel bei einem Gletscher in Island) und der "Tumbler", das neue Batmobil, wurde völlig neu nach eigenen Ideen des Regisseurs und der Designer gebaut. Das Ding ist nicht einfach nur eine zu groß geratene Requisite, sondern ein voll funktionsfähiges und sogar extrem widerstandsfähiges Fahrzeug. In Verbindung mit den echten Kulissen entstehen Effekte, die man mit Computergrafiken so nicht erzielen könnte. Wenn CGI in diesem Film eingesetzt wird, dann so sparsam und unauffällig, dass man es gar nicht bemerkt. Hut ab vor dieser genialen Leistung.

J. Kreis, 30.01.2008
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