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Apocalypto Apocalypto (USA, 2006)

DVD - Regionalcode 2, Constantin Film
FSK: keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 133 Minuten

Extras
Audiokommentar von Mel Gibson und Farad Safinia, "Becoming Mayan" - Making of "Apocalypto"

Regie:
Mel Gibson

Hauptdarsteller:
Rudy Youngblood (Pranke des Jaguars)
Raoul Trujillo (Leitwolf)
Dalia Hernandez (Sieben - Jaguars Frau)
Gerardo Taracena (Stirnauge)




Inhalt:

Die Kultur der Maya hat ihren Gipfelpunkt überschritten und beginnt bereits zu degenerieren. Missernten, Krankheiten und Probleme infolge kostspieliger Feldzüge tragen dazu bei, dass ihr ganzes Denken und Handeln auf die Götter ausgerichtet ist, von denen sie sich Hilfe erhoffen. Täglich werden Menschenopfer dargebracht, um den Gott Kukulkan milde zu stimmen. Außerdem werden immer neue Sklaven für den Bau prächtiger Stufenpyramiden benötigt. Damit der Nachschub nicht abreißt, überfallen Jägertrupps Dörfer im Dschungel und verschleppen deren Bewohner. So ergeht es auch dem Dorf, in dem "Pranke des Jaguars" mit seiner schwangeren Frau "Sieben" und seinem kleinen Sohn lebt. Die Dorfbewohner wehren sich nach Kräften, unterliegen aber schließlich. Einige werden getötet, aber "Leitwolf", der Anführer des Jägertrupps, hält seine Leute zurück. Schließlich muss er möglichst viele Gefangene machen. Im Durcheinander gelingt es Pranke, Frau und Kind in einem tiefen Erdloch zu verstecken, aus dem die beiden sich aber nicht ohne fremde Hilfe befreien können. Pranke fällt den Sklavenjägern ebenfalls in die Hände und wird zusammen mit den anderen Dorfbewohnern in die Mayastadt getrieben. Die Kinder werden zurückgelassen, da sie weder als Opfer noch als Sklaven geeignet sind.

Während Sieben und ihr Kind hilflos im Erdloch zurückbleiben, müssen Pranke und seine Stammesgenossen auf dem Weg in die Stadt die Schikanen des sadistischen "Stirnauge" über sich ergehen lassen, den selbst Leitwolf nicht unter Kontrolle hat. In der Stadt werden die Frauen als Sklavinnen verkauft, die Männer werden zur Spitze einer Stufenpyramide geführt, um sofort geopfert zu werden. Pranke muss mit ansehen, wie zweien seiner Freunde das Herz aus dem Leib geschnitten und der Kopf abgeschlagen wird. Als er selbst an der Reihe ist, verfinstert sich die Sonne. Der Hohepriester weiß, dass die Sonnenfinsternis bald vorbei sein wird. Geschickt interpretiert er die scheinbare Wiederkehr der Sonne als Zeichen dafür, dass Kukulkan genug Blut getrunken hat und seinem erwählten Volk wohlgesonnen ist. Die Opferungen werden beendet, die nicht mehr benötigten Gefangenen sollen beseitigt werden. Leitwolf und seine Leute machen sich einen Spaß daraus, die Gefangenen scheinbar laufen zu lassen, um sie dann als Zielscheibe zu benutzen. So soll es auch Pranke ergehen. Er wird zwar durch einen Pfeil verwundet, kann aber im letzten Moment seinen Widersacher töten und entkommen.

Leitwolf und seine Männer verfolgen den Flüchtling unbarmherzig, denn der Mann, den Pranke getötet hat, war Leitwolfs Sohn. Allerdings ist Pranke im Dschungel auf vertrautem Boden - Leitwolfs Leute nicht. Eine düstere Prophezeiung, die die Männer auf den Entkommenen beziehen, trägt zu ihrer Verunsicherung bei. Einige von ihnen fallen den Gefahren des Urwalds zum Opfer, und als Pranke sich einigermaßen erholt hat, nimmt er den Kampf auf. Er tötet zwei Verfolger (einer davon ist Stirnauge) und erreicht schließlich sein niedergebranntes Dorf. Dort lockt er Leitwolf in eine Falle, so dass sein stärkster Gegner von Pfählen aufgespießt wird. Inzwischen ist Sieben niedergekommen, schwebt aber in Lebensgefahr, denn sintflutartige Regenfälle füllen das Erdloch mit Wasser. Pranke flieht vor den letzten zwei Jägern ans Meeresufer. Die beiden holen ihn ein, aber dann sehen sie etwas, das sie sich nicht erklären können und das sie so fesselt, dass Pranke unbemerkt entkommen kann: Segelschiffe spanischer Eroberer haben die Neue Welt erreicht. Pranke befreit Frau und Kind noch rechtzeitig aus dem Erdloch. Pranke ist klug genug, sich mit seiner Familie vor den Konquistadoren im Dschungel zu verstecken.

Der Film:

Mit "Apocalypto" sollte ein möglichst realistisches Bild der Mayakultur gezeigt werden. Ich weiß nicht, ob dieser Versuch nicht durch das Auftauchen der ersten spanischen Eroberer ad absurdum geführt wird, denn dadurch wird der Handlungszeitraum auf das 16. Jahrhundert oder so festgelegt - zu diesem Zeitpunkt war von der Hochkultur der Maya, wie sie in diesem Film dargestellt wird, meines Wissens aber kaum mehr etwas übrig. Egal: Realistisch wirkt der Film natürlich trotzdem. Schließlich wurde an Originalschauplätzen (also im Dschungel) in Mexiko gedreht, und die wunderbaren Naturaufnahmen verstärken die Atmosphäre des Films enorm. Bei der Maya-Stadt handelt es sich nicht etwa um Computergrafiken, sondern um riesige Sets. Hinzu kommt eine detailgetreue, in liebevoller Kleinarbeit hergestellte Ausstattung mit Kostümen, Requisiten und Masken. Was in dieser Beziehung geleistet wurde, kann man nur als Meisterwerk bezeichnen. Ob es realistisch ist, dass ein kleines Mädchen die Zukunft vorhersagen kann, dass es im genau richtigen Zeitpunkt zu einer totalen Sonnenfinsternis kommt, oder dass ein Mann mit zwei schweren Pfeilwunden noch stundenlang rennen und kämpfen kann, ist eine andere Frage.

Auch die Gewaltdarstellung ist sehr realistisch. Es wird gezeigt, wie Herzen herausgeschnitten sowie Köpfe abgehackt werden, und welche üblen Verletzungen durch Pfeil und Bogen oder die typischen Obsidianwaffen der Maya verursacht werden. Man kann das für übertrieben halten, falsch ist diese Art der Darstellung aber sicher nicht, denn das Bild von den angeblich im Gegensatz zu den Azteken so friedlichen Maya ist ja vor einiger Zeit schon revidiert worden. Zudem ist die Gewaltdarstellung nicht Selbstzweck, Gewaltverherrlichend ist sie erst recht nicht. Somit geht sie für mich in Ordnung. Achtlos weggeworfene Menschenopfer, riesige Massengräber mit kopflosen Leichen in unterschiedlichen Stadien der Verwesung und dergleichen mehr - das mag für manchen Zuschauer zu starker Tobak sein. Ich fand den Gedanken, was wohl aus den allein im Dschungel zurückgelassenen kleinen Kindern wird, allerdings weit bedrückender.

Der Realismus entsteht nicht zuletzt auch durch die von allen Darstellern verwendete Sprache, bei der es sich um das Idiom der Maya handeln soll. Der Film ist deshalb übrigens komplett untertitelt. Dass man kein Wort versteht und Untertitel lesen muss, stört weniger, als man befürchten könnte. Besonders viel Dialog gibt es ohnehin nicht, d.h. in diesem Film werden keine wortreichen Dialoge benötigt, damit man begreift, worum es geht. Trotz der fremden Sprache gewinnt man schnell Zugang zum "Helden", dessen Charakter gut eingeführt und weiterentwickelt wird. Man versteht auch die Motivation Leitwolfs und der anderen Personen. Nur Stirnauges Charakter kommt mir etwas zu überzeichnet vor, sein Ende, so drastisch es auch gezeigt wird, enthält ein wenig unfreiwillige Komik. Interessant ist auch, dass es keiner langatmigen Erklärungen bedarf, damit der Zuschauer begreift, was z.B. in der Maya-Stadt geschieht und welche Probleme bei diesem Volk herrschen, das den Kontakt zur Natur verloren hat. Man erkennt die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, obwohl man gar nicht mit den von ihnen verwendeten Statussymbolen vertraut ist und so weiter. Und natürlich begreift man schnell, was Gibson und der Drehbuchautor uns sagen wollen: Dass wir gar nicht so weit von der zivilisatorischen Dekadenz und Selbstzerstörung der Maya entfernt sind, wie wir vielleicht denken.

Es geschieht eigentlich nicht viel in diesem Film: Pranke des Jaguars friedliches Leben im Dorf wird gezeigt, dann wird die Idylle zerstört, der Marsch in die Maya-Stadt dauert ziemlich lange, dann folgt eine noch längere Verfolgungsjagd durch den Dschungel. Trotzdem kommt wegen der Dynamik dieser Szenen, der Opulenz der Bilder und der guten schauspielerischen Leistungen keine Langeweile auf. Schneller als man denkt sind zwei Stunden um. Warum all das so faszinierend ist? Vielleicht liegt es an der Perspektive; man nimmt alles aus der Sicht der Opfer wahr. Die Szenen in der Maya-Stadt und bei der Opferung gehören für mich jedenfalls zum Eindrucksvollsten, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die Opferperspektive wird auf die Spitze getrieben, als die Kamera einige Sekunden lang den Blickwinkel eines gerade vom Körper abgeschlagenen Kopfes einnimmt...

Die DVD:

Abgesehen vom Audiokommentar, den ich mir noch nicht angehört habe, ist eine ca. 24 Minuten lange Featurette auf der DVD vorhanden, die zwar den Namen "Dokumentation" nur ansatzweise verdient, aber dennoch erkennen lässt, welch unwahrscheinlicher Aufwand betrieben wurde, um den authentischen Look und die archaische Atmosphäre des Films zu erzielen. Zwar für meinen Geschmack zu schnell geschnitten und mit zu wenig "Nährwert", aber doch sehenswert.

J. Kreis, 03.02.2008
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