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Apocalypse now Redux Apocalypse now Redux (USA, 1979/2001)

DVD - Regionalcode 2, BMG Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 195 Minuten

Extras
"Destruction of Kurtz Compound" mit optionalem Audiokommentar von Francis Ford Coppola, Kinotrailer

Regie:
Francis Ford Coppola

Hauptdarsteller:
Martin Sheen (Captain Benjamin L. Willard)
Marlon Brando (Colonel Walter E. Kurtz)
Frederic Forrest (Jay Hicks, genannt "Chef")
Albert Hall (Chief Phillips)
Sam Bottoms (Lance B. Johnson)
Larry Fishburne (Tyrone Miller)
Robert Duvall (Lieutenant Colonel Bill Kilgore)
Harrison Ford (Colonel Lucas)
Dennis Hopper (Fotojournalist)




Inhalt:

Captain Benjamin Willard, Geheimagent des Militärs im Vietnamkrieg, hat zur Zeit keinen Auftrag und driftet in Saigon in Alkoholexzesse ab. Dann erhält er eine besondere Mission. Er soll mit einem kleinen Einsatzteam über einen Fluss zum Lager des anscheinend wahnsinnig gewordenen Colonel Kurtz vordringen. Kurtz hat eigenmächtig einige vermeintliche Doppelagenten erschossen und sich im Dschungel ein Reich aufgebaut, in dem er als brutaler Alleinherrscher residiert. Willard soll den abtrünnigen Colonel liquidieren. Mit dem kleinen Patrouillenboot "Erebus" fahren Willard und sein Team flussaufwärts und immer tiefer hinein in den undurchdringlichen Dschungel. Unterwegs kommt es immer wieder zu Zusammenstößen mit dem Vietcong (oder Menschen, die Willards Leute irrtümlich dafür halten) und Einheiten der US Army. Willard liest Kurtz' Akte und hat einige seltsame, fast irreale Begegnungen, die ihm den ganzen Wahnsinn dieses Krieges deutlich machen. Unter anderem begegnet er Lt. Colonel Kilgore, der nichts so sehr liebt wie das Surfen und den Geruch von Napalm am Morgen. Außerdem stößt er auf eine in totaler Auflösung begriffene Einheit, die eine Brücke verteidigen soll, und auf die Bewohner einer französischen Plantage mitten im Nichts.

Bevor Willard das Lager des Colonels erreicht, werden zwei seiner Männer getötet. Am Ziel angekommen, stellt er fest, dass die Gerüchte wahr zu sein scheinen: Kurtz wird von den Eingeborenen - und anderen Leuten, wie zum Beispiel einem Fotojournalisten - wie ein Gott verehrt, man praktiziert barbarische Riten, aufgespießte Leichen und Schädel dienen als makabrer Schmuck eines Tempels, in dem Kurtz lebt. Während Willard Kurtz entgegentritt, bleibt "Chef", einer von Willards Soldaten, auf dem Boot zurück. Er soll im Gefahrenfall einen Funkspruch absetzen, mit dem er einen Luftschlag zur Vernichtung des ganzen Lagers anfordern kann. Willard wird gefangen genommen, Chef wird enthauptet. Obwohl Kurtz weiß, was Willards Auftrag ist, spricht er lange mit ihm und offenbart ihm die Grundlagen seiner Philosophie, der zufolge man sich das Grauen zum Freund machen muss, um nicht von ihm verschlungen zu werden. Kurtz ist kultiviert und gleichzeitig unbeschreiblich grausam. Willard kann sich seiner Eloquenz nicht entziehen und ist fasziniert von ihm.

Während eines Fests der Dorfbewohner kann Willard sich befreien. Er tötet Kurtz (wie es scheint, mit dessen Einverständnis) und will fliehen, aber er wird gesehen und als neuer "Gott" angebetet. Er könnte also den Platz des Colonels einnehmen, doch er entscheidet sich dagegen. Allerdings verzichtet er auch auf die Vernichtung des Lagers. Zusammen mit Lance, dem letzten Überlebenden seines Teams, entkommt er mit der "Erebus".

Der Film:

Eins vorweg: Obige Zusammenfassung ist nicht vollständig. So etwas würde den Rahmen sprengen, außerdem kann durch eine bloße Inhaltsangabe nicht verständlich gemacht werden, um was es in diesem Film eigentlich geht oder warum er so faszinierend und unvergesslich ist. Ich habe mich auf den groben Handlungsrahmen beschränkt, ausführlichere Infos findet ihr im Internet, zum Beispiel in der Wikipedia.

"Apocalypse now" ist kein Antikriegsfilm. Jedoch ist der (Vietnam-)Krieg oder das, was er aus so genannten zivilisierten Menschen machen kann, auch nicht das einzige zentrale Thema des Films. Natürlich ist er ein wichtiges Thema, schließlich werden die Kriegsgräuel uns drastisch vor Augen geführt. Doch ebenso wie der autobiografische Roman "Herz der Finsternis", geschrieben 1899 von Joseph Conrad, der diesen Film inspiriert hat, ist "Apocalypse now" eher eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele. Willard spricht es selbst aus: Die unmenschliche Grausamkeit beginnt nicht erst in Kurtz' Lager, und im Grunde ist es unmöglich, in diesem Krieg jemanden des Mordes anzuklagen, wenn es Wahnsinnige wie Kilgore gibt, die ein ganzes Dorf ausrotten würden, nur um in Ruhe surfen zu können. Es wäre falsch, dem Film anzukreiden, dass er zu unrealistisch sei, nicht auf die politischen Hintergründe des Krieges eingehe oder den Krieg mystifiziere. In diesem Film geht es nicht um eine "realistische" Darstellung des Krieges wie z.B. in Der Soldat James Ryan, sondern um das, was Willard wahrnimmt und was in ihm vorgeht. Nicht umsonst erzählt uns Willards Stimme aus dem Off, was er denkt und fühlt. Genau so macht es ja auch der Protagonist in Conrads Roman.

Willard ist zunächst ein Außenseiter, der durch die verschiedenen Kriegsschauplätze wandert, ohne an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Doch in Wahrheit hat die "Wildnis" auch ihn längst verschluckt. Nur unternimmt er im Gegensatz zu Kurtz nicht den letzten Schritt und macht sich nicht selbst zu dessen Nachfolger, sondern verlässt die "Wildnis" wieder. Eigentlich ein vergebliches Unterfangen, denn wie die ersten Szenen des Films zeigen, trägt er die "Wildnis" bereits in sich: Er hat vor seiner neuen Mission nur den Wunsch, in den Dschungel zurückzukehren. Diese "Wildnis", also der in diesem Film so eindrucksvoll in Szene gesetzte geheimnisvolle Regenwald, ist ein Sinnbild für die archaische Welt, die Willard in sich selbst entdeckt. Nicht nur Kurtz' Anhänger sind in eine Art vorgeschichtlichen Zustand zurückgefallen; die in Vietnam kämpfenden US-Soldaten sind ebenfalls auf dem besten Weg dorthin. Die Tünche der Zivilisation ist also ziemlich dünn und kann jederzeit abbröckeln - eine Aussage, die sich auch bei Joseph Conrad findet. Überhaupt finde ich "Apocalypse now" als Verfilmung des bereits genannten Romans gut gelungen, denn der Kern der Sache wurde getroffen, auch wenn die vordergründige Geschichte der Romanvorlage kaum noch gleicht.

Die "Redux"-Version dieses Films wurde digital überarbeitet und neu geschnitten. Sie ist ca. 48 Minuten länger als die ursprüngliche Kinoversion und enthält nicht nur verlängerte Szenen, sondern auch einige, die noch nie gezeigt worden sind. Die Szenen in der französischen Plantage und die Geschichte mit den abgestürtzen Playboy-Bunnies, die Benzin brauchen, sind z.B. neu. Auch das Ende ist anders: In der Originalversion wird das Lager am Ende zerbombt. Die Frage ist, ob die zusätzlichen Szenen "nötig" sind. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich die Originalversion nicht kenne. Durch die Plantagenszene kommt der Film mir aber etwas zu sehr in die Länge gezogen vor; diese Szene hätte man auch weglassen können, zumal sie nichts entscheidendes beizutragen hat. Sie wirkt sogar wie ein unpassender Bruch in der ansonsten direkt in die Hölle führenden Reise der "Erebus".

Die DVD:

An Bonusmaterial ist außer dem Trailer nur noch eine ca. 8 Minuten lange Szene enthalten, die die Vernichtung des Lagers zeigt. Hierbei handelt es sich um das Ende des Films aus der Kinoversion. Wahlweise kann ein Audiokommentar des Regisseurs (mit deutschen Untertiteln) dazugeschaltet werden. Man erfährt, warum die Szene in der Redux-Version entfernt wurde. Angeblich mussten die Kulissen, die da zerstört werden, sowieso entfernt werden - es stand so im Vertrag, sonst hätte dort gar nicht gedreht werden dürfen.

J. Kreis, 25.07.2007
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