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Alexander Alexander Revisited - The Final Cut (USA/GB/D/NL, 2004)

BluRay, Constantin Film
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 214 Minuten

Extras
Audiokommentare des Regisseurs und des historischen Beraters, Featurette, Darstellerinfos (Text)

Regie:
Oliver Stone

Hauptdarsteller:
Colin Farrell (Alexander)
Angelina Jolie (Olympias)
Anthony Hopkins (Ptolemaios)
Jared Leto (Hephaistion)
Rosario Dawson (Roxane)
Val Kilmer (Philipp II.)




Inhalt:

Ptolemaios, einst einer der Vertrauten Alexanders des Großen, jetzt aber ein alter Mann, diktiert einem Schreiber die Lebensgeschichte seines Jugendfreundes, des größten Eroberers aller Zeiten.

Alexander, Sohn des Königs Philipp II. von Makedonien, wird im Jahre 356 v. Chr. geboren und wächst unter der Obhut seiner Mutter Olympias in dem Glauben auf, von den legendären Helden Achilles und Herakles abzustammen. Im Kreise seiner ungefähr gleichaltrigen Freunde wird er unter anderem von Aristoteles unterrichtet. Während Olympias hofft, dass sich in Alexander eines Tages ihre ehrgeizigen Träume verwirklichen, hält sein Vater ihn eher für einen Schwächling - bis der Junge eines Tages das wilde Pferd Bukephalos zähmt, was zuvor nicht einmal Philipp gelungen war. Nachdem Alexander somit den Respekt seines Vaters gewonnen hat (der Olympias für eine Hexe hält), versucht dieser ihn dem von Olympias ausgeübten Einfluss zu entziehen. Als Philipp mit einer Geliebten einen Sohn zeugt, den er anstelle von Alexander als legitimen Erben bezeichnet, kommt es erneut zum Bruch. Olympias, die nicht zulassen will, dass Alexander von der Thronfolge ausgeschlossen wird, veranlasst Philipps Ermordung. Danach wird Alexander zum König ernannt. Die Beziehung zu seiner Mutter nimmt durch die tödliche Intrige aber schweren Schaden.

Als neuer König von Makedonien führt Alexander die Politik seines Vaters fort. Dieser hatte Makedonien, das von den Griechen immer für ein barbarisches Land gehalten worden war, zu bedeutender militärischer Stärke geführt und einige Eroberungen gemacht, außerdem hatte er die griechischen Stadtstaaten im Korinthischen Bund vereinigt. Er hatte bereits Pläne für einen Feldzug gegen das Perserreich geschmiedet, das den größten Teil der bekannten Welt im Osten beherrschte. Diese Pläne setzt Alexander in die Tat um, wobei er sich als kluger Stratege und charismatischer Anführer erweist. Im Jahre 331 v. Chr. schlägt er das übermächtige Perserheer bei Gaugamela. Großkönig Dareios III. flieht vom Schlachtfeld, wird von Alexander aber zunächst nicht verfolgt. Der siegreiche Feldherr marschiert in Babylon ein, wo er die Familie des Großkönigs mit Respekt behandelt, was ihm große Sympathien seitens der Besiegten, aber Stirnrunzeln von seinen Freunden einbringt. Später verfolgt er Dareios weiter nach Osten. Es ist sein Ziel, die eroberten Länder zu vereinigen und den von der persischen Hegemonie befreiten Völkern die Segnungen der griechischen Kultur zukommen zu lassen. Im Verlauf seiner Feldzüge gründet er mehrere Städte, die seinen Namen tragen.

Auch nach dem Ende des einstigen Hochkönigs (Dareios wird von seinen eigenen Heerführern getötet) bricht Alexander seinen Vormarsch nicht ab. Während er die Mörder seines größten Feindes verfolgt, dringt Alexander immer tiefer ins Perserreich vor. Dabei besiegt er jeden Satrapen und Stammesfürsten, der es wagt, sich ihm entgegenzustellen. Da sich seine Heerführer nach den jahrelangen Feldzügen in die Heimat zurücksehnen und überdies nicht einsehen, welche Vorteile die Kampagne für Makedonien bringen soll, kommt es zu ersten Spannungen. Diese werden noch verschärft, als Alexander seine eigenen Armeen mit Männern aus den eroberten Ländern aufstockt. Alexanders Faszination für die Völker Asiens wird von seinen Gefährten nicht geteilt. Sie halten die Fremden für Barbaren, mit denen man sich weder anfreunden noch verbünden kann. Auch Alexanders Ehe mit der baktrischen Prinzessin Roxane wird von ihnen abgelehnt. Alexander liebt die Frau ohnehin nicht; seine ganze Zuneigung gilt dem jungen makedonischen Adligen Hephaistion. Es geht ihm nur um einen Erben, und als Roxane auch nach über einem Jahr nicht schwanger wird, kühlt die Beziehung weiter ab.

Die Armee marschiert bis nach Indien. In diesem unermesslichen, völlig unbekannten Land sterben ebenso viele Soldaten an Seuchen und Schlangenbissen wie bei Gefechten, doch Alexander denkt nicht an Umkehr. Es geht ihm nicht mehr um die Eroberung neuer Länder; er will unbedingt das Ende der Welt erreichen und größere Taten als Achilles oder Herakles vollbringen. Doch die Unruhe unter den Männern schlägt angesichts dieses Größenwahns in offene Rebellion um. Als Kleitos, einer seiner treuesten Gefährten, sich gegen Alexander wendet, tötet er ihn im Zorn. Die Rädelsführer der Meuterei werden grausam hingerichtet. Die Soldaten folgen Alexander nun zwar immer noch, aber er wird jetzt nicht mehr von allen geliebt. In seiner letzten Schlacht, bei der die Makedonen trotz schrecklicher Verluste siegreich bleiben, wird Alexander schwer verwundet. Sein Streitross Bukephalos wird getötet. Danach befiehlt Alexander endlich die Rückkehr nach Babylon. Dort wird Hephaistion vergiftet, möglicherweise auf Betreiben von Roxane, die nun schwanger ist. Nur wenige Monate nach Hephaistions Tod erkrankt auch Alexander. Möglicherweise ist sein enormer Weinkonsum dafür verantworlich, vielleicht fällt er aber auch einem Giftanschlag zum Opfer. Er stirbt im Alter von nur 32 Jahren, ohne einen Regenten eingesetzt zu haben.

Roxane und ihr nach Alexanders Tod geborener Sohn sowie Olympias werden ermordet. Alexanders Gefährten teilen das gewaltige eroberte Gebiet unter sich auf, so dass zahlreiche Diadochenreiche entstehen. Einige davon erweisen sich als stabil und haben dauerhaften Bestand. So herrscht Ptolemaios vierzig Jahre lang als Pharao in Ägypten. Seine schriftlich niedergelegten Erinnerungen an Alexander fallen dem Brand der Bibliothek von Alexandria zum Opfer.

Der Film:

Jedermann dürfte wissen, wer Alexander der Große war. Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass jedes Detail, das in den Geschichtsbüchern oder der Wikipedia steht, wirklich stimmt. Vieles stützt sich auf Texte, die Jahrhunderte nach Alexanders Tod entstanden sind und vielleicht ganz andere Zielsetzungen hatten als eine objektive Geschichtsschreibung, in denen obendrein Fakten und Mythen miteinander verknüpft wurden und so weiter. Deshalb ist es praktisch unmöglich, Alexanders an sich schon unglaubliche Lebensgeschichte "korrekt" zu verfilmen, und deshalb kann man dem Film diverse Ungenauigkeiten verzeihen. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt (es werden immer wieder Rückblicke auf Alexanders Jugend eingefügt), manches wird gar nicht erst erwähnt oder es wird nicht immer erklärt, in welchem Kontext z.B. eine bestimmte Schlacht stattfindet. Manche Ereignisse werden auf andere Zeitpunkte verlegt und Spekulationen werden als Tatsachen dargestellt... Die Geschichte dieses Mannes, der die Welt nachhaltig verändert hat und um den sich unzählige Legenden ranken, bietet sich für einen Monumentalfilm geradezu an. Das Ergebnis ist auch wirklich grandios und gefällt mir gut, dennoch vermag es nicht vollständig zu überzeugen.

Wie viel von dem, was in diesem Film gezeigt wird - und damit meine ich nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Ausstattung, die Bauten, die Kostüme usw. - historisch richtig ist, kann ich sowieso nicht beurteilen. Für den Film ist es aber unwichtig, denn beeindruckend ist das alles auf jeden Fall. Um nicht zu sagen: Überwältigend. Da werden toll choreografierte Massenschlachten mit unzähligen Komparsen, Kavallerie, Streitwagen und Elefanten sowie wuchtige Einzelkämpfe gezeigt, ganz unterschiedliche Kulturen, gewaltige Paläste voller unermesslicher Reichtümer, prächtige Kostüme und phantastische Landschaftsaufnahmen. Optisch ist der Film definitiv ein wahrer Genuss und vermittelt ein glaubwürdiges Bild der Antike, zumindest für mich, der ich mich in der Geschichte nicht so ganz genau auskenne. Aber auch mir ist z.B. aufgefallen, dass immer wieder englische Texte zu sehen sind. So studiert Alexander etwa in seinem Zelt Unterlagen, die mit "Tax System" beschriftet sind (in "griechischen" Buchstaben). Das mutet doch ein bisschen seltsam an.

So wundervoll alles aussehen mag - irgendwie wird man nur selten so richtig mitgerissen. Trotz der Überlänge des Films langweilt man sich auch beim wiederholten Anschauen nicht gerade, schließlich gibt es in den wundervollen Bildern immer wieder etwas neues zu entdecken. Dennoch fehlt das gewisse Etwas, es kommt keine Spannung auf und man fühlt sich nicht gefesselt. Vielleicht liegt es ja am Aufbau des Films, d.h. am ständigen Wechsel der Zeitebenen. Mit Sicherheit liegt es aber am Hauptdarsteller! Ich halte Colin Farrell für eine katastrophale Fehlbesetzung. Man nimmt ihm die Rolle des charismatischen Anführers einfach nicht ab. Man kann kaum einsehen, warum die Soldaten diesem irgendwie weichlich wirkenden Typen mit dem Dackelblick und der lächerlichen (im Verlauf des Films auch noch zur Vokuhila-Variante wuchernden) Fönfrisur bedingungslos ergeben sein sollten. Seine Reden vor der Truppe wirken kraftlos und auch im Kampf bringt er's nicht so recht. Man müsste mal die Szenen zählen, in denen er vom Pferd fällt...

Ebenso wenig gelingt es Farrell, Alexanders Zerrissenheit zwischen "göttlichem" Anspruch und profaner Realität (personifiziert durch Olympias und Philipp, die man ebenfalls nicht ernst nehmen kann) oder seine Getriebenheit und seinen Größenwahn zu vermitteln. Wohlgemerkt: All das wird angesprochen, aber es wird nicht mit Leben gefüllt. Dass Alexander sich mehr zu Männern als zu Frauen hingezogen fühlt, ist zwar nicht weiter tragisch, schließlich war die Knabenliebe im antiken Griechenland ganz normal. Trotzdem nervt die permanente Tändelei irgendwann doch, vom Drag-Queen-Outfit der Favoriten Alexanders mal ganz zu schweigen. Mit einem so blassen Alexander kann man einfach nicht mitfiebern. Zugegeben: Wie soll ein Schauspieler dieser fast legendären Gestalt gerecht werden - oder wie soll sich ein Normalsterblicher mit so einer überlebensgroßen Figur identifizieren? Aber auch unter den anderen Charakteren gibt es keine Identifikationsfiguren. Das ganze Ensemble bleibt dem Zuschauer eher gleichgültig, und genau das ist das größte Problem dieses Films. Nebenbei bemerkt stört mich die Filmmusik von Vangelis. Die klingt wie eine Mischung der Soundtracks von Blade Runner und "1492 - Die Eroberung des Paradieses". Ich weiß nicht warum, aber ich fand's unpassend.

Noch ein paar Worte zur Gewaltdarstellung. Die ist derart explizit, dass ich den Film allenfalls ab 16, noch eher ab 18, aber keinesfalls ab 12 freigegeben hätte! Die Schlachten werden so gezeigt, wie sie gewesen sein müssen, nämlich als unübersichtliches, blutiges und grausames Getümmel. Der Film braucht diese Härte, keine Frage - aber ob Zwölfjährige in allen Details sehen sollten, wie Köpfe und Gliedmaßen abgehackt, Kehlen aufgeschlitzt, Leiber durchbohrt und Schädel zermalmt werden, das kann man sehr wohl in Frage stellen.

Die BluRay:

Diese BluRay enthält den "Final Cut", also eine Version des Films, die über eine halbe Stunde länger ist als die Kinoversion. Ich kenne auch die Kinoversion, trotzdem hätte ich nicht sagen können, was denn nun eigentlich hinzugekommen ist. Zum Glück findet man im Internet ausführliche Schnittberichte, und so kann man lesen, dass nur wenige ganz neue Szenen hinzugekommen sind. Stattdessen wurden bestehende Szenen erweitert oder umgestellt. Alexanders Beziehung zu seinem Diener Bagoas wird deutlicher herausgestellt, die Ränkespiele unter Alexanders Gefährten werden ausführlicher gezeigt. Außerdem kommt die Schlacht von Gaugamela in der Kinovesion erst später, die Kämpfe enthalten im Final Cut mehr Gewaltszenen - und es gibt eine "Intermission", die den Film in zwei Hälften teilt. Richtig schön altmodisch.

Neben Audiokommentaren, die ich mir noch nicht zu Gemüte geführt habe, befinden sich Filmografien und eine ca. 12 Minuten lange Featurette auf der BluRay. Letztere ist eine jener wenig informativen Zusammenstellungen von Filmszenen, Ausschnitten aus Interviews und kurzen Blicken hinter die Kulissen. Nicht weiter erwähnenswert.


J. Kreis, 16.03.2010


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