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A Scanner darkly Schuber

A Scanner darkly
A Scanner darkly (USA, 2005)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 96 Minuten

Extras
Audiokommentare, "One Summer in Austin: Die Entstehung von A Scanner darkly", "The Weight of the Line: Die Animation", USA-Kinotrailer

Regie:
Richard Linklater

Hauptdarsteller:
Keanu Reeves (Bob Arctor / Fred / Bruce)
Winona Ryder (Donna Hawthorne / Hank)
Robert Downey jr. (James Barris)
Woody Harrelson (Ernie Luckman)
Rory Cochrane (Charles Freck)




Inhalt:

7 Jahre in der Zukunft: 20 Prozent der Bevölkerung Nordamerikas sind drogensüchtig. Viele Menschen nehmen "Substanz T", eine Droge, die Halluzinationen und irreversible Hirnschäden verursacht. Die Polizei vermutet, dass eine Organisation, die sich "NewPath" nennt und offiziell als Hilfsorganisation für Süchtige auftritt, verantwortlich für Herstellung und Vertrieb von Substanz T ist. Infolge der Drogenprobleme ist die totale Überwachung aller Bürger in den USA zur Normalität geworden. Um verdeckte Ermittlungen durchführen zu können, nimmt ein Drogenfahnder mit dem Decknamen "Fred" eine andere Identität an. Seine wahre Identität ist nicht einmal in seiner Dienststelle bekannt, denn dort trägt er immer einen so genannten "Jedermann-Anzug", der den ganzen Körper bedeckt. Auf die Oberfläche des Anzugs werden sekündlich Dutzende verschiedener Gesichter und Gestalten projiziert, die Stimme wird verzerrt. Als "Bob Arctor" lebt er mit den Junkies James Barris und Ernie Luckman zusammen. Auch Donna Hawthorne, seine Freundin und Dealerin, ist drogensüchtig.

Eines Tages erhält Fred von "Hank", seinem Vorgesetzten, den Auftrag, Bob Arctor zu observieren - also sich selbst. Arctors gesamtes Haus wird mit Überwachungskameras vollgestopft, Frank soll die Aufzeichnungen auf verdächtige Vorgänge hin durchsehen. Grund für diese Aktion war ein Tipp, den die Polizei ausgerechnet von James Barris erhalten hat: Arctor soll nicht nur Kopf eines Drogenrings, sondern auch Mitglied einer terroristischen Vereinigung sein. Barris wollte sich zwar nur wichtig machen und hat die Anschuldigungen, die er gegen Arctor vorbringt, nur erfunden, doch mit einem hat er Recht: Auch Arctor ist abhängig von Substanz T. Um undercover arbeiten zu können, war er gezwungen, diese sofort süchtig machende Droge einzunehmen. Da er schon aus diesem Grund seine Identität nicht preisgeben kann, nimmt er den Auftrag an und betrachtet sein eigenes Leben in den folgenden Tagen auf dem Bildschirm.

Freds/Arctors Gehirn wird von Substanz T geschädigt. Allmählich verliert er den Bezug zur Realität und weiß irgendwann nicht mehr, dass Fred und Arctor ein und dieselbe Person sind. Im Endstadium seiner Sucht bricht er zusammen und wird von Donna in ein NewPath-Rehazentrum eingeliefert. Fred verbringt einige Zeit in der Entzugsklinik und macht gewisse Fortschritte, sein Geist bleibt jedoch geschädigt. Er wird zur Arbeit auf einer Maisfarm von NewPath abgestellt. Er entdeckt kleine blaue Blumen, die zwischen den Maispflanzen versteckt sind - dies ist die Quelle für Substanz T. Eine davon steckt er heimlich ein, um sie seinen Freunden mitzubringen. Damit erfüllt er Hanks Plan. Hank ist in Wahrheit Donna; natürlich hatte auch "Hank" immer einen Jedermann-Anzug getragen. Es war von Anfang an geplant, dass Fred abhängig von Substanz T werden sollte, denn anders wäre es nicht möglich gewesen, ihn bei NewPath einzuschleusen. Jetzt kann zwar bewiesen werden, dass NewPath die Droge herstellt, aber Fred, der von dem ganzen Plan keine Ahnung hatte, wurde geopfert...

Der Film:

Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Philip K. Dick. Wenn man sich ein wenig in Dicks Biografie auskennt, dann weiß man, dass er in dieser Geschichte eigene Erfahrungen verarbeitet hat. Dass er selbst Drogen konsumiert hat, ist kein Geheimnis. Außerdem wurde in seine Wohnung eingebrochen - er selbst hat immer vermutet, dass die Regierung dafür verantwortlich war, und hatte sich deshalb verfolgt gefühlt. Da ich den Roman (noch) nicht kenne, kann ich nicht sagen, ob es sich um eine angemessene Verfilmung handelt oder nicht. Jedenfalls enthält die hier erzählte Geschichte alle Elemente, die für Dicks Werke typisch sind: Das Bewusstsein der Protagonisten verändert sich (diesmal drogeninduziert), bis man nicht mehr weiß, was real und was Einbildung ist. Was man für sicher gehalten hat, stimmt plötzlich nicht mehr, Personen, denen man vertraut hat, haben plötzlich eine dunkle Seite. Die Protagonisten argwöhnen, dass sie Opfer einer gigantischen Verschwörung sind. Das klingt zunächst irreal, bis sich herausstellt, dass sie tatsächlich Bestandteil eines undurchschaubaren Plans sind.

All das wird in diesem etwas dialoglastigen Film sehr gut rübergebracht, allerdings muss man bereit sein, sich auf eine solch verwickelte Geschichte einzulassen. Dass es sich eher um ein zum Nachdenken anregendes "Kammerspiel" handelt und keineswegs um leichte SF-Kost, sollte man sich klar machen. In Deutschland war der Film nie in den Kinos - kein Wunder, denn für ein Massenpublikum ist er wohl nicht geeignet. Dabei enthält er neben der interessanten Story und der unübersehbaren Sozialkritik eine gute Portion recht schwarzhumoriger Szenen, vor allem dann, wenn die Junkies ihre bizarren Dialoge führen, die bei aller Abgedrehtheit doch immer einer inneren Logik folgen. Ironischerweise stellt sich am Schluss auch noch heraus, dass Substanz T ausgerechnet von denen geerntet wird, die dieser Droge zum Opfer gefallen sind, an Hirnschäden leiden und auf Entzug gesetzt worden sind...

Der zweite Grund dafür, dass dem Film kein großer Erfolg beschieden war, dürfte in der gewöhnungsbedürftigen Optik zu suchen sein. Unpassenderweise werden bei der Werbung für die DVD übrigens Vergleiche mit "Sin City" bemüht. Falscher könnte man nicht liegen, wenn man Parallelen zwischen den beiden Filmen suchen würde. "A Scanner darkly" wurde zunächst ganz normal mit realen Schauspielern gedreht, das gesamte Material wurde dann aber nachbearbeitet. Im Rotoskopie-Verfahren wurden die Bilder komplett "abgezeichnet", mit intensiven Farben verfremdet und um Hintergründe/Details ergänzt, so dass man den Eindruck hat, einen Zeichentrickfilm zu sehen. Auf diese Weise konnten Effekte eingebaut werden, die sonst wohl unmöglich oder nur mit großem Aufwand zu realisieren gewesen wären, z.B. der Jedermann-Anzug oder die Visionen der Junkies. Es ist schon beeindruckend, wie viel von der Leistung der Schauspieler trotz dieser Verfremdungen noch erhalten bleibt. Besonders zu erwähnen ist Robert Downey jr., dessen Figur sowieso interessanter ist als die des (wie immer) etwas blass bleibenden Hauptdarstellers Keanu Reeves.

Ich halte "A Scanner darkly" für einen visuell und inhaltlich hochinteressanten Film. Da er aber weder sonderlich spannend ist noch tolle CGI-Effekte, Action usw. enthält, und da in manchen Köpfen immer noch die Assoziation "Zeichentrick = Kinderkram" herumspukt, kann man sich leicht vorstellen, dass die DVD im Handel ein Nischendasein führen wird. Schade eigentlich.

Die DVD:

Diese DVD gibt es in zwei Versionen. Die teurere "limitierte Version" (die auf dem Cover nicht als solche bezeichnet wird) enthält aber genau den gleichen Film und das gleiche Bonusmaterial wie die normale Version. Zusätzlich steckt die DVD noch in einem Schuber mit anderem Cover (siehe oben). Außerdem liegt der DVD ein Set aus 4 Postkarten mit Artworks aus dem Film bei.

Für die Audiokommentare konnten nicht nur Linklater, Reeves und andere Beteiligte herangezogen werden, sondern auch eine Tochter Philip K. Dicks und ein Historiker. Klingt interessant, allerdings habe ich noch nicht die Zeit gefunden, mir die Audiokommentare anzuhören. Hinzu kommen zwei Featurettes. In "One Summer in Austin: Die Entstehung von A Scanner darkly" (ca. 26 Minuten) liegt der Schwerpunkt auf den Dreharbeiten mit den Schauspielern, die denn auch ausführlich zu Wort kommen. Besonderes Schmankerl: Es werden auch Interviews mit Philip K. Dick persönlich eingeblendet, die er 1977 auf einer SF-Convention gegeben hat. "The Weight of the Line: Die Animation" (ca. 21 Minuten) zeigt den Prozess der Rotoscope-Nachbearbeitung und macht deutlich, welch immenser Aufwand dafür betrieben werden musste. Die Szenen im Maisfeld müssen für die Zeichner wohl die Hölle gewesen sein...

J. Kreis, 31.05.2007
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