96 Hours


96 Hours (F, 2008)
- Taken -

DVD Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras
Making-of "96 Hours", "Die Filmpremiere in Frankreich", "Inside Action: Von der Produktion zum finalen Film"

Regie:
Pierre Morel

Hauptdarsteller:
Liam Neeson (Bryan Mills)
Maggie Grace (Kim Mills)
Famke Janssen (Lenore)
Olivier Rabourdin (Jean-Claude Pitrel)
Gérard Watkins (Patrice Saint Clair)
Holly Valance (Sheerah)
Nabil Massad (Scheich Raman)




Story

Als albanische Mädchenhändler zwei junge amerikanische Touristinnen entführen, die nach Paris gereist sind, ahnen sie nicht, dass sie sich diesmal die falschen Opfer ausgesucht haben. Eines der Mädchen, die 17-jährige Kim Mills, ist die Tochter eines Top-Geheimagenten der CIA. Bryan, Kims Vater, hat seinen Job erst vor kurzem an den Nagel gehängt. Seine Tätigkeit als "Verhinderer böser Dinge" in aller Welt hat schon seine Ehe zerstört, und er will nicht auch noch seine Tochter verlieren. Jetzt möchte er Kim nahe sein und mehr Zeit mit ihr verbringen. Dies wird aber immer wieder von seiner Ex-Frau Lenore hintertrieben - nicht zuletzt deshalb, weil Bryan überall Gefahren für seine Tochter sieht und sie am liebsten rund um die Uhr observieren würde. Aus genau diesem Grund hat er Kims Europareise nur mit äußerstem Widerwillen zugestimmt. Seine Vorbehalte bestätigen sich: Während er noch mit seiner Tochter telefoniert, werden Kim und ihre Freundin Amanda verschleppt. Bryan bekommt einen der Entführer ans Telefon und verspricht ihm, er werde ihn aufspüren und töten, sollte seine Tochter nicht freigelassen werden. Das beeindruckt den Mann nicht, er wünscht Bryan sogar viel Glück.


96 Hours

"Viel Glück!"

Bryan mobilisiert all seine Verbindungen und Fähigkeiten, um Kim zu finden und zu befreien. Dafür hat er nur 96 Stunden Zeit, denn die Albaner sind dafür bekannt, dass sie ihre Opfer innerhalb dieses Zeitfensters drogenabhängig machen, zur Prostitution zwingen und spurlos verschwinden lassen. In Paris wendet sich Bryan an Jean-Claude Pitrel, einen Freund aus alten Zeiten, doch der will seinen Schreibtischjob nicht gefährden, und ist keine große Hilfe. Im Gegenteil: Bryan wird ab sofort von der französischen Polizei beobachtet und soll abgeschoben werden, als er die Spur der Mädchenhändler aufnimmt und eine ganze Gruppe der Gangster im Alleingang ausschaltet. Dabei befreit er eine Prostituierte, die im Besitz von Kims Jacke ist. Bryan taucht unter und behandelt die junge Frau mit Methadon, bis sie wieder bei Bewusstsein ist und ihm sagen kann, wo sie Kim getroffen hat. Er schüttelt seine Verfolger ab und veranstaltet im Versteck der Albaner ein Blutbad. Dort findet er Amanda - sie ist an einer Überdosis Heroin gestorben. Von Kim fehlt jede Spur. Den Mann, mit dem er bei der Entführung telefoniert hat, nimmt Bryan mit und foltert ihn, bis er ausplaudert, dass er Kim an einen gewissen Saint Clair verkauft hat. Danach macht Bryan sein Versprechen wahr.


96 Hours

"Ich will volle Konzentration!"

Da er erfahren hat, dass Pitrel zumindest teilweise in den Mädchenhandel verstrickt ist, schreckt Bryan nicht davor zurück, seinen einstigen Freund massiv unter Druck zu setzen, um zu erfahren, wer Saint Clair ist. Der Schurke verkehrt in den höchsten Kreisen und veranstaltet "Auktionen" für einen besonders exklusiven Kundenkreis, der sich ausschließlich für Jungfrauen interessiert. Die Mädchen werden für mehrere hunderttausend Euro verschachert. Bryan schleicht sich in die Gesellschaft ein. Als er sieht, wie auch Kim angepriesen wird, zwingt er einen Bieter, sie zu ersteigern. Danach wird er gefangen genommen und soll beseitigt werden, kann sich aber befreien. Bevor er Saint Clair tötet, quetscht er aus ihm heraus, dass Kim mit einer Luxusyacht abtransportiert werden soll. Bryan verfolgt das Schiff, springt aufs Deck und schaltet einen Leibwächter nach dem anderen aus. Schließlich steht er Scheich Raman gegenüber, Kims neuem "Besitzer". Der in die Enge getriebene Lustgreis hält ihr zwar ein Messer an die Kehle, ist aber zu Verhandlungen bereit. Bryan hält davon gar nichts und streckt ihn mit einem gezielten Schuss nieder.


96 Hours

Für Verhandlungen ist es jetzt zu spät!

Leicht ramponiert, ansonsten aber wohlauf, kehren Vater und Tochter in die USA zurück. Bryan stellt Kim der Pop-Diva Sheerah vor, der er bei einem seiner letzten Einsätze das Leben gerettet hat und die deshalb bereit ist, Bryans Tochter bei der Erfüllung ihres größten Wunsches zu helfen: Sie will Sängerin werden. Natürlich lässt Bryan sie auch dabei nicht allein...

Kringels Meinung

Dass ich das noch erleben darf! Ein kerniger, harter, schnörkelloser Thriller im Stil der Achtziger mit dem Tempo des 21. Jahrhunderts. Ein Regisseur, der sein Konzept konsequent durchzieht und dem es ganz offensichtlich völlig egal ist, welche Altersfreigabe sein Film erhalten wird. Eine Handlung, die man in einem einzigen Absatz zusammenfassen könnte (dass meine Inhaltsangabe so lang geworden ist, liegt nur daran, dass mir der Film so gut gefällt), die aber auch nicht bescheuerter ist als die Story jedes beliebigen anderen Actionfilms. Ein grimmiger, unerbittlicher, unaufhaltsamer Einzelgänger, der Dirty Harry wie einen Waisenknaben aussehen lässt, dabei aber auch andere Seiten zeigt und vor allem aus einem absolut nachvollziehbaren Grund handelt. Dargestellt von einem brillanten Schauspieler, dem ich eine solche Rolle gar nicht zugetraut hätte. So einen spannenden, knackigen Film wünscht man sich für einen Samstagabend, an dem außer Sport, Volksmusik und Castingshows nichts in der Glotze kommt!

Liam Neeson stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass ich ihn völlig zu Unrecht für ein Weichei gehalten habe. Im Gegenteil: Man glaubt ihm, dass er wirklich zum Alptraum für die bösen Jungs werden kann! Genauso nimmt man ihm die Figur des überprotektiven Vaters ab, der wieder gut machen möchte, dass er seine Familie jahrelang ignoriert hat. Bei Kims Geburtstag steht er hilflos mit seinem in Vergessenheit geratenen Geschenk da (eine Karaoke-Anlage, mit der Bryan nicht gegen das Pferd anstinken kann, das Kim von ihrem reichen Stiefvater erhält). Nach der langen Zeit seiner Agentenkarriere hat er anscheinend verlernt, wie man ein normales Familienleben führt. Kims Entführung ermöglicht es ihm, auf das umzuschalten, was er gelernt hat. Und so zettelt er einen gnadenlosen Privatkrieg an, der es wirklich in sich hat. Genau wie im richtigen Leben kann man sich fragen, wie es möglich ist, dass ein Mensch zwei so scheinbar grundverschiedene Charaktereigenschaften in sich vereinigt.

Natürlich darf man nicht allzu genau hinsehen. Wie für Actionfilme dieser Art üblich, fliegen die Kugeln dem Helden nur so um die Ohren, aber nur ganz am Schluss wird er mal ein wenig angekratzt, während jeder einzelne seiner eigenen Schüsse sofort ins Schwarze trifft. Erwähnenswert wäre dabei noch, dass der Film genau die Härte hat, die er braucht, um glaubwürdig zu sein, aber auch nicht mehr. Jedenfalls finde ich die Gewaltdarstellung keineswegs übertrieben, Blut und Pyrotechnik werden nur sehr sparsam eingesetzt und es werden keine Körperteile abgetrennt oder ähnliches. Darin unterscheidet sich "96 Hours" entscheidend von dem Film Phantom Kommando, an den er mich ansonsten sehr erinnert hat. Selbstironie ist hier nicht so deutlich zu spüren, wenn man mal vom Spiel mit Actionfilm-Klischees absieht. Man sollte übrigens nicht vergessen, dass dies ein französischer Film ist. Dann kann man den Umstand, dass Bryan angesichts der Reise seiner Tochter ins finstere "alte Europa" von den übelsten Befürchtungen gepackt wird (die ja auch umgehend bestätigt werden), und dass man am Schluss aus dem schmierigen Sündenbabel Paris in die heile Welt - die ach so sicheren und sauberen USA - zurückkehrt, als ironischen Seitenhieb verstehen.

Ich hätte mir lediglich eine kleine Schlusspointe gewünscht. Vielleicht in der Art, dass Kim nur deshalb nach Europa gereist wäre, um einmal Ruhe vor dem allzu fürsorglichen Vater zu haben. Bryan wandelt sich ja nicht. Er begleitet Kim auch zu Sheerah, d.h. es ist anzunehmen, dass er jetzt nie mehr von ihrer Seite weichen wird. Die Ärmste...

DVD-Features

Das so genannte Making of (ca. 18 Minuten) ist eine jener Featurettes, die vor der Filmpremiere aus Werbezwecken im Fernsehen gezeigt werden und deshalb auch kaum mehr enthalten als Werbung. Immerhin bekommt man einiges Hinter-den-Szenen-Material zu sehen, ein paar der markantesten Filmszenen werden gezeigt und sowohl der Regisseur als auch der Hauptdarsteller kommen in Interviews zu Wort. Man erfährt u.a., dass Liam Neeson viele seiner Stunts selbst gemacht hat - Respekt! Ein weiteres Bonusfeature enthält einen unkommentierten Direktvergleich von sechs Szenen: Der Bildschirm wird horizontal geteilt. Oben sieht man die Original-Filmszene, darunter die Dreharbeiten dazu (insg. ca. 11 Minuten). Hinzu kommt ein ziemlich wirrer und eher uninteressanter Zusammenschnitt von Aufnahmen, die während der Filmpremiere gemacht wurden (4:36 Minuten) und im Splitscreen-Modus gezeigt werden.


J. Kreis, 24.02.2010




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