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300 300 (USA, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
Audiokommentar von Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann

Regie:
Zack Snyder

Hauptdarsteller:
Gerard Butler (König Leonidas)
Lena Headey (Königin Gorgo)
Rodrigo Santoro (Xerxes)
Dominic West (Theron)
David Wenham (Dilios)
Andrew Tiernan (Ephialtes)




Inhalt:

Großkönig Xerxes von Persien, der sich für einen unsterblichen Gott hält und ganz Asien unterworfen hat, plant die Eroberung Griechenlands. Er entsendet einen Boten nach Sparta, der König Leonidas auf beleidigende Weise auffordert, Xerxes als Herrscher anzuerkennen. Der stolze Spartiate tötet den Boten und beschwört damit den Krieg mit den übermächtigen Persern herauf. Es gelingt Leonidas nicht, den Rat seines Volkes dazu zu bewegen, das Heer in den Krieg zu schicken, denn nach dem Gesetz müsste das Orakel zustimmen - es hat stattdessen vor dem Krieg gewarnt. Jedenfalls glauben das die Ratsmitglieder, tatsächlich wurden die Orakelpriester jedoch von den Persern bestochen. So bleibt Leonidas nichts anderes übrig, als mit seiner 300 Mann starken persönlichen Leibwache "spazieren zu gehen", wie er sich gegenüber seinem Rivalen Theron ausdrückt. Er will versuchen, das gigantische persische Heer am Thermopylenpass zu stellen, denn in diesem schmalen Durchgang wäre die zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners bedeutungslos. Unterwegs stößt ein Heer der Arkadier zu den Spartiaten.

Die Taktik der Spartiaten scheint aufzugehen: Welle um Welle der Angreifer wird ohne eigene Verluste abgewehrt. Xerxes tritt Leonidas persönlich gegenüber und bietet ihm an, ihn zum Heerführer von ganz Griechenland zu machen, aber Leonidas lehnt ab und provoziert Xerxes so sehr, dass dieser seine angeblich unsterblichen Elitekämpfer verfrüht einsetzt. Doch selbst diesen Gegnern, deren Sterblichkeit die Spartiaten sogleich unter Beweis stellen, gelingt es nicht, die Phalanx zu durchbrechen. Derweil bemüht sich Königin Gorgo, Leonidas' Ehefrau, den Rat doch noch zur Entsendung des gesamten Heeres zu bewegen. Sie gibt sich sogar Senator Theron hin, damit dieser darauf verzichtet, im Rat das Wort gegen sie zu ergreifen. Natürlich hält er sich nicht an die Abmachung: Nachdem Gorgo die Ratsmitglieder schon fast mit einer ergreifenden Rede aufgerüttelt hat, beschuldigt er sie des Ehebruchs, um sie zu diskreditieren. Er schmäht sie so sehr, dass sie das Schwert eines Wächters ergreift und ihn ersticht. Persische Münzen fallen aus der Tasche des Sterbenden, somit ist er als Verräter entlarvt.

Als nicht einmal der Einsatz von Kriegselefanten und anderen Bestien die Entscheidung bringt, setzt Xerxes auf Verrat. Ephialtes, ein grässlich missgebildeter Spartiate, ist ein guter Kandidat dafür. Eigentlich hätte Ephialtes aufgrund des unmenschlichen Ausleseverfahrens der Spartiaten sofort nach der Geburt getötet werden sollen, aber seine Eltern waren aus Sparta geflohen, um ihn zu retten. Jetzt wollte er an Leonidas' Seite kämpfen, um die Ehre seines Vaters wiederherzustellen, doch der König hatte ihn abgewiesen. Xerxes bietet Ephialtes, was dieser am meisten begehrt, und erhält von ihm dafür die Information über einen Gebirgspfad, über den man in den Rücken der Spartiaten gelangen kann. Als das bekannt wird, fliehen die Arkadier, so dass tatsächlich nur noch 300 Spartiaten gegen das nach Hunderttausenden zählende Heer der Perser stehen. Bevor sie eingekesselt werden, schickt Leonidas den verwundeten Dilios zurück nach Sparta, damit der Kampf der Spartiaten nicht in Vergessenheit gerät. Xerxes erneuert sein Angebot, doch erneut lehnt Leonidas ab, und bevor er mitsamt all seinen Männern fällt, verletzt er Xerxes mit einem Speer, um zu beweisen, dass auch der angebliche Gott wie ein Mensch blutet.

Die Mission des Dilios ist erfolgreich. Ein Jahr nach Leonidas' Tod führt Dilios ein aus 10.000 Spartiaten und 30.000 Griechen bestehendes Heer an, das bereit ist, die persische Streitmacht endgültig zu vernichten - und der Kampf der 300 bleibt unvergessen.

Der Film:

Wenn man die erstaunlich zahlreichen Reviews liest, die man zu diesem Film im Internet finden kann, dann wird zweierlei klar: "300" polarisiert extrem, und viele Kritiker machen den Fehler, ihn für einen Historienfilm zu halten. Was er natürlich nicht ist. Es handelt sich um die Verfilmung eines Comics von Frank Miller, das ich nicht kenne, so dass ich nicht sagen kann, ob es sich um eine adäquate Verfilmung handelt. Historisch korrekt sind wohl weder Comic noch Film, wenn es auch einiges gibt, was durchaus richtig ist, soweit ich das aufgrund meiner begrenzten Geschichtskennisse weiß. Die Gesellschaftsform Spartas war wirklich geprägt von der Unterordnung des Einzelnen, die im Film gezeigte Kampfweise mit geschlossener Phalanx, Wegstoßen des Gegners und Einsatz langer Speere ist mehr oder weniger korrekt, und auch die Ausstattung enthält einige richtige Details (z.B. das Lambda-Symbol auf den Schilden der Spartiaten). Manches wird aber auch für den schönen Schein geopfert. Spartiatische Hopliten haben zwar tatsächlich einen roten Mantel getragen, der wurde aber für den Kampf abgelegt. Stattdessen trugen diese Fußsoldaten im Kampf Brustpanzer und Beinschienen. Im Film sieht man davon nichts, wohl deshalb, damit die Schauspieler ihre durchtrainierte Brust- und Bauchmuskulatur schön zur Schau stellen konnten. Das ist natürlich völliger Blödsinn, und wenn man die Spartiaten so sieht, dann drängen sich unwillkürlich Assoziationen zu Bodybuilder-Wettkämpfen auf. Wie lange die Schauspieler dafür wohl an sich arbeiten mussten? Es wird auch nicht deutlich genug, dass die 300 Spartiaten nur ein kleiner Teil eines mehr als 4000 Mann starken griechischen Heeres waren, das an den Thermopylen gekämpft hat. Im Film wird das nur angedeutet, d.h. man sieht immer nur eine Handvoll Arkadier.

Aber wie gesagt: Dies ist ja kein Historienfilm, sondern eine in bewegte Bilder umgesetzte "Graphic Novel". Und als solche funktioniert "300" geradezu perfekt. Um Frank Millers Stil gerecht zu werden, wurden alle Hintergründe digital eingefügt und alle Farben digital bearbeitet. So wurde erreicht, dass alles einen sehr stilisierten Eindruck macht und dass einzelne Details oder Farben hervorgehoben werden - wie in einem Comic eben. In den Kampfszenen wird exzessiv mit Zeitlupe gearbeitet, alles ist genau choreographiert. Man hat fast den Eindruck, in Bewegung geratene antike Statuen oder Reliefs zu sehen. Visuell ist der Film ungemein beeindruckend und es wird eine geballte Ladung Action geboten. Abgetrennte Gliedmaßen und Köpfe fliegen nur so durch die Luft, Rümpfe werden mit Speeren durchbohrt... wieder einmal muss ich mich über die Freigabepolitik der BPjM wundern, denn bei dieser Art ästhetisierender Gewaltdarstellung (oder beinahe -verherrlichung) wäre "300" eigentlich ein Kandidat für "Keine Jugendfreigabe". Ein bisschen "Eye Candy" in Form eines halbnackten Orakelmädchens und der auch meist leicht geschürzten Königin ist auch vorhanden. Trotz all der martialischen Action habe ich mich aber eigentlich nie richtig "mitgerissen" gefühlt, d.h. es fällt schwer, emotionalen Anteil am Schicksal dieser bis unter den Helm mit Testosteron vollgepumpten Tötungsmaschinen zu nehmen. Die Szenen mit Königin Gorgo, einer richtig starken Frauenfigur, sind diesbezüglich viel besser geraten. Sie wirken aber ein bisschen "aufgepfropft": Dem Regisseur geht es eindeutig hauptsächlich um die Kampfszenen.

In vielen Kritken liest man, "300" sei ein faschistoider Propagandafilm für den Irakkrieg - wohl deshalb, weil die heutigen Länder Irak und Iran mal Teil des Perserreiches waren. Der Verdacht, dass es wirklich so sein könnte, liegt natürlich nahe. Schließlich wird sehr oft voller Pathos von Ehre, Kriegerethos, Elitetum, unbeugsamem Aushaltewillen, Furchtlosigkeit, idealisierter Gnadenlosigkeit und dergleichen gesprochen. Nun, die Spartiaten haben nach allem, was man weiß, wirklich so gedacht. Im Film wird diese Einstellung nicht gewertet, weder positiv noch negativ, sie ist einfach die Voraussetzung für alles, was geschieht. Als Zuschauer darf man selbst entscheiden: Bewundert man die harten Spartiaten, bemitleidet man ihre Gefühlsarmut, lehnt man ihre menschenverachtende Kultur ab? Ansatzpunkte für all das sind reichlich vorhanden. Man kann auch nicht behaupten, dass die Spartiaten durchweg als "gut" dargestellt werden. Im Grunde ist nicht einmal Leonidas eine positive Figur. Man könnte fast sagen, dass er nur von seiner Todessehnsucht und dem Wunsch getrieben wird, in die Geschichte einzugehen. Übrigens sollte jedem Kritiker spätestens beim Auftreten diverser seltsamer Bestien klar sein, dass "300" ein Fantasyfilm ist, der zwar keine Selbstironie enthält, dafür aber derart viele Übertreibungen, dass man eigentlich gar nicht auf die Idee kommen kann, hier sei irgend etwas ernst gemeint.

Die DVD:

Einziges Extra der Single-Disc-Edition ist ein Audiokommentar, den ich mir aus Zeitmangel noch nicht angehört habe. Es gibt diverse andere DVD-, HD-DVD und BluRay-Versionen, die sich alle nur in Bezug auf das Bonusmaterial unterscheiden. Es gibt sogar eine "Collector's Edition" mit einem Modell von Leonidas' Helm. Der Film selbst ist immer der gleiche.

J. Kreis, 01.09.2007
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